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„Mein Leben macht mich dankbar"


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 03.11.2021

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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 12/2021

Désirée Nosbusch will sich noch lange nicht zur Ruhe setzen: ?Dafür liebe ich meinen Beruf viel zu sehr?

Ferdinand von Schirach greift im Drehbuch seiner Serie „Glauben“ auf RTL+ einen Justiz-Skandal der Neunzigerjahre auf. Sie spielen darin die leitende Ermittlerin, deren Expertise in einem von Männern dominierten System unterdrückt wird. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

NOSBUSCH Wurde ich unterdrückt als junges Mädchen? War es schwieriger, Karriere zu machen, weil ich eine Frau bin? Gleichberechtigung ist ein komplexes, kompliziertes Thema, noch immer, aber früher sicher viel mehr als heute. Als junge Moderatorin habe ich die Dinge öfter spontan beim Namen genannt. Natürlich hat mich die Resonanz von außen auch ausgebremst. Aber ich habe mir meinen Kämpfergeist nicht nehmen lassen. Denn ich kämpfe auch heute noch gegen Ungerechtigkeit und für jeden, der ungerecht behandelt wird.

Für sich selbst oder für andere?

NOSBUSCH Vermutlich gehe ich eher für andere auf die Barrikaden. Das war schon ...

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NOSBUSCH Vermutlich gehe ich eher für andere auf die Barrikaden. Das war schon 1981 in „Auf Los geht’s los“ so, als ich in der Sendung von Joachim Fuchsberger Partei für eine junge Frau ergriffen habe, die wegen ihres Übergewichts nicht verbeamtet wurde. Allerdings bin ich nicht mehr so spontan wie damals und überlege mir inzwischen sehr genau, wie ich etwas formuliere, damit es auch Gehör findet.

Haben Sie Ihre Kämpfe öfter verloren oder öfter gewonnen?

NOSBUSCH Auf lange Sicht sehe ich mich als Gewinnerin, ich habe mich nie unterkriegen lassen und habe versucht, mir immer treu zu bleiben. Und weil steter Tropfen den Stein höhlt, denke ich, dass ich mit meiner Haltung auch geholfen habe, so manche Türen für jüngere Kollegen zu öffnen.

Wer kämpft, muss stark sein. Wo haben Sie das gelernt?

Nosbusch Bei meiner Mutter und generell in meinem Elternhaus. Auch wenn die Rollenverteilung bei mir daheim traditionell war: Papa ging arbeiten, Mama dagegen erzog die Kinder und kümmerte sich um den Haushalt. Trotzdem war meine Mutter auch immer berufstätig. Sie ist eine starke, stolze und selbstbewusste Italienerin, die sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt. Mein Vater war in finanziellen Fragen nicht so mutig wie meine Mutter.

Zum Beispiel?

NOSBUSCH Mein Vater hätte sich nie verschuldet. Aber meine Mutter hat ein Stück Land gekauft und das Haus, in dem sie noch heute lebt, mit meinem Vater darauf gebaut. Dafür musste sie einen Kredit aufnehmen. Sie hat es getan, während mein Vater nach einem Unfall im Krankenhaus lag. Als die Bank auch seine Unterschrift wollte, meinte sie nur: „Dafür müssen Sie ins Krankenhaus, da liegt er gerade.“ So hat der Sachbearbeiter ein Auge zugedrückt. Das war ziemlich clever geplant, denn mein Vater hätte niemals unterschrieben. Meine Mutter ist eine starke Frau, die mich geprägt hat. Den Satz „Das können Frauen nicht, das machen nur Männer“ gab es bei uns zu Hause nicht. Die Devise lautete eher: Wer etwas besser kann, macht es. Deshalb habe ich später im Job, wenn jemand zu mir sagte: „Das geht nicht“, auch immer nachgefragt: „Warum? Erklär’s mir.“

„Ich habe mich nie unterkriegen lassen und versucht, mir selbst treu zu bleiben“

Désirée Nosbusch hat ihren Kampfgeist von ihrer Mutter geerbt

Sie haben zwei erwachsene Kinder. Haben Sie die Stärke Ihrer Mutter an sie weitergegeben?

NOSBUSCH Ich denke, schon, zumindest behaupten meine Kinder das. Als meine Tochter noch sehr jung war, meinte sie einmal, es wäre schon schade, dass ich immer so viel unterwegs sei wegen der Arbeit. Trotzdem wäre ihr das lieber, als eine Mutter zu haben, die immer nur zu Hause sitzt und nicht vorlebt, wie man seine Träume verwirklicht. Das war für mich ein tolles Kompliment. Ich wollte meinen Kindern immer zeigen, dass man für seine Träume kämpfen kann und dass es in Ordnung ist, auch mal zu scheitern.

Scheitern ist nicht schlimm?

NOSBUSCH Nein, natürlich nicht. Ich habe früh gelernt, auf die Nase zu fallen. Und ich bin dann immer wieder aufgestanden. Ich breche mir doch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mich entschuldige oder sage: „Da habe ich einen Fehler gemacht und etwas falsch eingeschätzt.“ Nur so lernt man. Ein Tag ist ein guter Tag für mich, wenn ich abends in mein Bett gehe und denke: Heute habe ich etwas gelernt, bin wieder ein Stück weitergekommen, anstatt mich nur um mich selbst zu drehen.

„Ein Tag ist ein guter Tag, wenn ich etwas gelernt habe“

Désirée Nosbusch lernt auch aus ihren Fehlern

Was haben Sie in den letzten Wochen gelernt?

NOSBUSCH Ich habe für ein neues Projekt ein bisschen Rumänisch gelernt. Außerdem habe ich gelernt, dass es ein Dorf in Siebenbürgen gibt: Viscri beziehungsweise Deutsch-Weißkirch, in dem die Zeit seit dem Mittelalter stehen geblieben scheint und das auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht. Ich habe gestern im Garten einen Baum pflanzen lassen. Ich habe einen Hund, der mich mit seiner bedingungslosen Liebe eine neue Dimension des Lebens lehrt. Dass ich das alles erfahren und erleben kann, macht mich dankbar. Deshalb versuche ich auch, immer mit offenen Augen durch das Leben zu gehen.

Ein Haus bauen, Kinder kriegen, einen Baum pflanzen. Alles geschafft. Eigentlich könnten Sie sich zur Ruhe setzen.

NOSBUSCH Dafür gibt es doch gar keinen Grund, ich liebe meinen Beruf. Für mich besteht das Leben daraus, gute Geschichten zu erzählen – und das möchte ich gern, solange es geht und mir die Möglichkeiten dazu geboten werden. Wessen Arbeit besteht schon darin, sich den großen Fragen des Lebens zu stellen?

Auch in „Glauben“ geht es um die Suche nach der Wahrheit. Und die ist viel komplexer, als es zunächst den Anschein hat.

NOSBUSCH Mir hilft in solchen Fällen oft mein Bauchgefühl. Ich glaube an das Gute, ich glaube an eine Moral, ich glaube an Gott. Dieser Glaube hat mir schon in vielen Situationen meines Lebens sehr geholfen.

Können Sie sich vorstellen, anderen als Ratgeberin bei der Suche nach der Wahrheit des Lebens zu helfen?

NOSBUSCH Das fände ich anmaßend. Aber ich stelle immer wieder fest, dass sich die Freunde meiner Kinder in Los Angeles gern mit mir unterhalten. Das freut mich, denn es zeigt mir, dass ich den Anschluss nicht verpasst habe. Aber ich würde niemandem raten, etwas zu tun oder zu lassen. Ich urteile auch nicht. Ich will, dass meine Kinder mit allem zu mir kommen können, egal, was es auch ist.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?

NOSBUSCH Dass ich, egal, welche Aufgaben mir das Leben stellt, nicht bitter werde. Dass ich akzeptiere, dass es nicht nur Positives gibt, aber trotzdem den Glauben an das Gute nicht verliere. Das will ich mir nicht nehmen lassen. Menschliche Begegnungen machen für mich das Leben aus.

Interview: Rüdiger Sturm

Ein Leben für die Kamera

Geboren am 14. Januar 1965 in Luxemburg • Bereits mit zwölf Jahren moderierte Désirée Nosbusch ihre erste Sendung für Radio Luxemburg 1 und präsentierte ab 1980 verschiedene deutsche und französische Fernsehformate • 1981 gab sie ihr Schauspieldebüt in der Verfilmung des Romans „Nach Mitternacht“ 2 2018 und 2020 spielte sie die undurchsichtige Investment-Chefin Christelle Leblanc in der preisgekrönten Serie „Bad Banks“ 3 • Seit 2019 tritt sie als Polizei-Psychologin Cathrin Blake in den „Irland-Krimis“ (ARD) auf • 2021 In der Serie „Ferdinand von Schirach -Glauben“ (ab 3.11. auf RTL+) ist sie als Kommissarin Laubach zu sehen 4 • Désirée Nosbusch ist mit Kameramann Tom Alexander Bierbaumer verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder, Tochter Luka 5 (links) und Sohn Noah-Lennon