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„Mein Mann hat mir das Leben gerettet“: Mehr Liebe geht nicht


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 08.02.2019

Zwei Mal war eine Organspende Simones einzige Chance – zwei Mal zögerte Andreas nicht


Artikelbild für den Artikel "„Mein Mann hat mir das Leben gerettet“: Mehr Liebe geht nicht" aus der Ausgabe 7/2019 von Bild der Frau. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 7/2019

Eng verbunden: Simone Freude trägt heute eine Niere und ein Stück Leber von Andreas in sich


Mut-Macher: Simone und Andreas Freude aus Sachsen im Interview mit BILD der FRAU


Größer als mit diesen beiden kann man nicht von der Liebe erzählen: Als eine Krankheit erst Simones Niere, später ihre Leber zerstört, macht Ehemann Andreas ihr das größte Geschenk. Ihr Fall ist weltweit einmalig. Unsere Reporterin Jana Henschel hat das Paar in Dresden besucht

Das Herz an ihrer Kette leuchtet orange im Kerzenschein. „Das hat er mir mal ...

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... im Urlaub geschenkt“, sagt Simone Freude (52) und lächelt ihren Mann Andreas an. Eben ein Herz und eine Seele sind die beiden: „Seit wir uns 1984 beim Tanzen getroffen haben.“ Damals ahnt das Paar aus Dresden nicht, auf welche Probe das Leben sie noch stellen wird: Zwei Mal wurde der 54-Jährige für seine Frau Simone zum Organspender. Eine Entscheidung aus Liebe, sagt er. Wir wollten wissen: Wie leicht tut man sich damit? Wie schwer nimmt man so ein Geschenk an? Und wie besiegt die Sorge um den anderen die eigene Angst?

BILD der FRAU trifft die Gehaltsbuchhalterin und den IT-Systemelektroniker im Café „Coselpalais“ an der Frauenkirche. Bei Eierschecke und heißer Schokolade beginnt Simone zu erzählen. „Ich hatte schon als Kind oft Nierenbeckenentzündungen. 1987, als ich schwanger war, bin ich dann ständig umgekippt.“

Die Ärzte stellen eine „Polyzystische Nieren- und Lebererkrankung“ fest: „Dabei überwuchern Zysten das Organ, bis es nicht mehr funktioniert. Ich bekam Tabletten.“ 2013 verschlechtert sich ihr Zustand rapide. „Die linke Niere war dauerentzündet, die stechenden Schmerzen hielt ich nur mit Morphium aus.“

Am 13. November 2013 muss das Organ entfernt werden, und auch die rechte Niere ist bereits stark geschädigt. Drei Mal die Woche muss Simone nun zur Dialyse, jeweils vier Stunden. Sechs Monate geht das so, der einziger Ausweg führt über ein Spenderorgan – aber die Warteliste ist lang(s. Info). Aus der Ursprungsfamilie passt niemand als Spender, „da fragten die Ärzte meinen Mann, ob er sich das vorstellen kann“. Andreas ist sofort bereit. „Das war doch für Simone so kein Leben“, sagt er. Sie schüttelt den Kopf: anderen.“ Sie reden, diskutieren, schließlich nimmt sie sein kostbares Geschenk an.

Alles überstanden: Das Paar kurz nach der Lebertransplantation im Oktober 2017 auf der Intensivstation. Sie hält liebevoll seinen Kopf in der Hand


„Ich wollte davon am Anfang nichts hören. Er war doch kerngesund!“


Andreas lächelt. Und protestiert: „Wenn man zusammenlebt, tut man alles für den

August 2017: Simone genießt die Sonne vor der Uniklinik Leipzig


Untersuchungen starten: Blutgruppe, MRT, CT, Sonografie, EKG, Labortests. Obwohl sie Blutgruppe 0 hat und er B, darf er spenden. Andreas muss beim psychologischen Gutachten erklären, dass er dies aus freien Stücken und bei klarem Bewusstsein will, von Simones Famile weder bedroht noch mit Geld überredet wird. Heute lacht er über die Fragen. Aber damals? „Da fühlten sie sich an wie ein Holzhammer.“

15. Mai 2014. Andreas wird in den OP geschoben. „Ich war tiefenentspannt.“ Ganz im Gegensatz zu Simone. Eine Stunde dauert der Eingriff, bei dem seine rechte Niere entfernt wird. Als Simone wenig später für die Narkose fertig gemacht wird, fragt sie als Erstes: „Geht’s ihm gut?“ Zwei Stunden später hat auch sie die Transplantation überstanden. Sie legt ihre Hand auf ihre Seite – begrüßt seine Niere. Sie lacht: „Später haben wir sie, Hugo‘ getauft.“


In Deutschland warteten 2018 7526 Menschen auf eine Niere und 851 auf eine Leber Quelle: Eurotransplant


An dieser Stelle könnte die Geschichte von Simone und Andreas enden: alles gut! Doch 2017, ein Jahr nach der Entfernung von Simones zweiter, kranker Niere, kriegt sie plötzlich unerträgliche Bauchschmerzen. Leberversagen!

Da beginnt für das Paar die härteste Zeit. Vier Wochen liegt Simone im Delirium. Andreas weicht nicht von ihrer Seite. Er sitzt am Bett, spielt ihr Musik vor, füttert sie, während sie um ihr Leben kämpft. Simone: „Einmal sah ich mich auf einem Pfad – auf einer Seite war Licht, auf der anderen Leben.“ Andreas erzählt weiter: „Es war klar, dass sie ohne Transplantation nicht überlebt.“ Wieder fällt er die Entscheidung: „Sie kriegt ein Stück meiner Leber.“


Hatte er nie Angst? „Nein. Die Sorge um Simone war schlimmer, ich handelte einfach. Man hält so viel mehr aus, als man denkt.“


Simone wird im Hubschrauber von Dresden ins Leberzentrum der Uniklinik Leipzig geflogen. Andreas besucht sie jeden zweiten Abend, 120 Kilometer pro Strecke. Macht ihr Mut, sitzt neben der MRTRöhre, weil sie Platzangst hat. Lässt wieder Voruntersuchungen über sich ergehen.

Vor der OP verschicken beide ein gemeinsames Foto an Freunde und Verwandte: „Wir schaffen das!“ Am 17. Oktober 2017 werden Simone zwei Drittel von Andreas’ Leber eingesetzt. Seine OP dauert vier, ihre 12 Stunden. Als danach kurz ihre Betten nebeneinander geschoben werden, halten sie sich an der Hand. Ein warmer Moment: „Wir waren so erleichtert.“

Die Leber, Spitzname „Louis“, hat Simones Körper gut angenommen. Heute geht’s ihr wieder gut. Sie muss dauerhaft Tabletten nehmen, bei der Ernährung aufpassen. Aber sie hat wieder Kraft, um mit Andreas, der sich ebenfalls gut erholt hat, Rad zu fahren. Oder mit dem Wohnwagen nach Bayern, in den Harz und an die Nordsee. Simone hat ihr Leben zurück – und Andreas seine Simone.

Dankbarkeit? Simone schaut ihren Mann an, nickt. „Er hat mir zwei Mal das Leben gerettet.“ Andreas winkt ab. „Du musst dich jetzt nicht jeden Tag auf Knien bedanken. Es reicht, wenn du gut auf meine Teile aufpasst.“

Das Paar stößt auf die Gesundheit an. Hier nur mit Johannisbeersaft, aber Wein ist auch wieder erlaubt


„So eine Spende muss absolut freiwillig sein“

Prof. Daniel Seehofer ist Leiter des Transplantationszentrums an der Uniklinik in Leipzig und hat die Lebertransplantation durchgeführt


Welche Organe kommen für eine Lebendspende infrage?
Leber und Niere. Theoretisch auch Teile der Lunge, des Dünndarms und der Bauchspeicheldrüse, aber diese OPs sind in Deutschland noch nicht üblich. Die Transplantation der Gebärmutter wird auch kritisch gesehen.
Wann stimmen Sie dieser Form der Transplantation zu?
Wenn die Freiwilligkeit gewährleistet ist, die wir in psychologischen Gutachten und Gesprächen prüfen. Medizinisch müssen die Blutgruppen passen und die Größe des Organs. Beim Spender und Empfänger wächst die Leber übrigens in drei bis sechs Monaten auf Normalgröße nach.


Fotos: Jörg Riethausen (3), Stefan Straube / UKL, privat (2)