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Mein Tabu!


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 03.09.2021

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Artikelbild für den Artikel "Mein Tabu!" aus der Ausgabe 100/2021 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Riccardo Budini

TABU ! Keine Fotos in gefährlichen Situationen.

Es gibt mehr Situationen, in denen ein Fotograf seine Kamera bei Seite legt, als jeder denkt. Für mich persönlich sind das Ereignisse, aus denen gefährliche Situationen entstehen könnten. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich in Frankreich von einem Mob angegriffen wurde. Nur dank der Polizei konnte ich unbeschadet entkommen. Es ist wichtig, sich vorab genau mit den Strömungen und der Kultur vor Ort zu befassen, den ethischen Kodex einzuhalten und sensibel zu entscheiden, wann man kein Bild macht.

Riccardo Budini arbeitete acht Jahre als Architekt, bevor er sich der Fotografie zuwandte. Er war Finalist der Sony World Photography Awards und arbeitet als Fotojournalist für internationale Zeitschriften und Magazine. riccardobudini.com

Wulf Eike Naumann

TABU ! Kein Blitz bei Porträts von schwitzenden Sportlern.

Zwei Dinge stören ...

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... mich in der Sport-Fotografie immer wieder: Wenn alle Kameraden aus dem Pulk heraus nahezu das gleiche Bild machen – und wenn man bei Outdoor-Spielerporträts Blitzlicht verwendet. Kurz vor Saisonbeginn im Sommer findet bei den Vereinen der obligatorische Fototermin (Mannschaftsfoto und Einzelspieler) statt. Bei den Einzelporträts stehen alle Spieler in Linie mit einigen Metern Abstand zueinander und die Fotografenmeute wird auf die Jungs losgelassen. Dabei geht nahezu jeder der Kollegen lichttechnisch auf Nummer sicher und verwendet einen Aufsteckblitz. Mein Ding ist das nicht. Der Blitz macht mir zu hartes, immer gleiches Licht, hebt Schweißtropfen hervor. Ich fotografiere lieber mit Assistent und großem Aufheller. So erhalte ich ein natürlicheres Porträt.

Wulf Eike Naumann arbeitet als Sportfotograf. Neben der Bundesliga fotografiert er unter anderem die German Football League. https://bff.de/profil/wulf-eike/

Frank Martini

TABU ! Kein Available Light!

Bei einem Bodybuilding-Shooting mit Tageslicht zu fotografieren ist wie mit einem Messer zu einer Schießerei zu fahren: Die Chance auf Erfolg geht gegen Null. Ohne Blitzlicht aus mehreren Winkeln verschwindet die Muskulatur im Schatten oder wirkt flach. Kein Bodybuilder will jedoch nach sechs Monaten harter Diät und Training flach aussehen.

Frank Martini fand seine ersten Modelle im Bekanntenkreis. Seine harte Lichtführung hebt Konturen perfekt hervor und erfreute sich in der Bodybuilder-Szene schnell großer Beliebtheit. Heute gehört er zu den führenden Fotografen in dieser sehr interessanten Nische. ironbodies.de

Martin U. Waltz

TABU ! Keine voyeuristischen oder entlarvenden Street-Aufnahmen.

Ich lichtete einmal sehr dicke Menschen beim Herumwuchten sehr großer Koffer ab. Das Ganze war hochgradig grotesk. Noch während der Aufnahme fragte ich mich, ob ich mich hier über dicke Menschen lustig machte. Also legte ich die Kamera weg. Es gibt bei Straßenbildern genug Situationen, in denen du exaltierte Menschen und Emotionen einfangen kannst, ohne die Grenzen der Würde zu überschreiten, beispielsweise beim Christopher Street Day oder einem Public Viewing.

Martin U. Waltz lebt als Fotograf, Autor und Fotografie-Lehrer in Berlin. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.

Luise Aedtner

TABU ! Keine inszenierten oder gestellten Porträts.

Natürliche Porträts brauchen Zeit. Die Porträtierte muss Vertrauen fassen, sich entspannen und entfalten können. Deshalb vermeide ich inszenierte Aufnahmen unter Zeitdruck. Klar, in manchen Situationen haben diese ihre Daseins-Berechtigung, wer die echte Person auf dem Bild erkennen möchte, sollte aber einen anderen Ansatz wählen. In der gemeinsamen Serie „Portresie de femme“ von der Redakteurin Lara Keuthen und mir lassen wir die Porträtierte zunächst zwei bis drei Stunden nur erzählen. In dieser Zeit lernt man sich kennen, legt Hemmungen und Schutzschilde ab, fasst Vertrauen. Die Bilder, die anschließend entstehen, haben eine völlig andere Aussage als ein Porträt, das von Fotografinnen vorgegeben wird oder unter Zeitdruck entsteht.

Luise Aedtner arbeitet als Reportage- und Porträt-Fotografin und ist Mitglied der Süddeutsche Zeitung Photo Agentur. In ihrem Projekt „Portresie de Femmes“ porträtiert sie interessante Frauen jedes Alters.

luiseaedtner.com

Andreas Zierhut

TABU ! Motive von anderen nachfotografieren.

Mein absolutes No-Go ist das Nachfotografieren vorhandener Bilder. In den 1990ern, den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit, kam eine Agentur mit dem Briefing für ein Bild, das sie für einen Kunden umsetzen wollten. Das Layout für das Shooting war ein Foto, dessen Ankauf ihnen zu teuer war, denn es stammte von einem bekannten Kollegen.

Ich habe damals nicht darüber nachgedacht, ob das Nachfotografieren legitim ist. Es war ein anspruchsvolles Motiv, ich war am Ende stolz, wie genau ich es nachstellte. Trotzdem meldete sich schnell danach mein schlechtes Gewissen. Ich hab’s nie wieder getan, und mit dem Hinweis aufs Urheberrecht habe ich inzwischen ein Argument, an dem niemand vorbeikommt.

Andreas Zierhut arbeitet seit 1991 als Fotograf weltweit für Unternehmen, Agenturen, Institutionen, NGOs und für freie Projekte. Zu seinen Schwerpunkten zählen soziale Projekte, People und Industrie. andreasZierhut.de

Angelika Zinzow

TABU ! Tote Babys.

Vor einigen Jahren habe ich ein freies Projekt zum Thema Tod umgesetzt. Im Zuge dieses Projekts wurde ich auf die „Sternenkinder“ aufmerksam, ein Initiative, die durch tragische Umstände tot geborene Babys fotografiert. Ich konnte mir eine Mitarbeit dort gut vorstellen. Wenig später kam es allerdings zu einem Ereignis, nach dem ich beschloss, mich doch nicht zu engagieren. Ich war seit drei Monaten selbst Mutter, als ich eine Anfrage des Magazin Eltern bekam, ob ich ein Paar begleiten wolle, dessen ungeborenes Kind kurz nach der Geburt sterben würde. Es starb etwa 30 Minuten nach der Geburt und ich sollte vor der Beerdigung ein paar Fotos des Babys machen. Ich tat das, professionell und gut, die Eltern waren zufrieden. Trotzdem ging mir das Erlebnis so nahe, dass ich feststellte, dass ich nicht für die „Sternenkinder“ fotografieren kann. Ich halte das Thema Totgeburten für sehr wichtig, ein Tabu, das deutlich öfter passiert, als man annimmt. Ich könnte mir auch vorstellen, für vereinzelte Jobs nochmal ein totes Kind zu fotografieren. Trotzdem ist das Fotografieren toter Babys aus eigener Initiative heraus für mich heute ein No-Go.

Angelika Zinzow arbeitet als Porträt-, Reportageund Corporate-Fotografin in Frankfurt am Main. Sie war für sechs Semester Lehrbeauftragte der Universität Mannheim. Außerdem engagiert sie sich im Female Photoclub e. V. für die Interessen von Berufsfotografinnen als Vorstand. angelikazinzow.de