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MEIN THEATER TAGEBUCH


Die Deutsche Bühne - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 02.07.2021

Artikelbild für den Artikel "MEIN THEATER TAGEBUCH" aus der Ausgabe 7/2021 von Die Deutsche Bühne. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

1. 5. 2021

Natürlich würde man lieber wieder über KUNST schreiben als über die hartnäckig neu auflodernden Debatten um Rassismusvorfälle, Machtmissbrauch, Führungsfehlverhalten. Als wäre die monatelange pandemiebedingte Dauerschließung nicht Elend genug, zerfetzen sich die Theater auch noch in strukturellen internen Kämpfen. Andererseits ist dieser begonnene Prozess der Selbstreflexion doch genau das, was von ihnen gefordert wurde seit Beginn der Pandemie: innehalten, Strukturen hinterfragen, den ewigen Dauerproduktionswahnsinn stoppen. Vielleicht ist dieser anstrengende Diskurs also nur Startschuss einer notwendig gewordenen Neuordnung des Systems, angestoßen durch all die laut gewordenen Forderungen, mit denen auch der Bühnenverein als Arbeitgeberverband zuletzt umzugehen hatte: mehr Gleichberechtigung, mehr Nachhaltigkeit, gerechtere Bezahlung, mehr Mitbestimmung, mehr Diversität.

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... der Mai mit der Debatte um Machtmissbrauch am Theater, und wieder steht die Hauptstadt im Fokus: Nach Vorwürfen zum Führungsstil an der Volksbühne, dem Theater an der Parkaue, der Lindenoper und dem Staatsballett steht nun ausgerechnet Gorki-Intendantin Shermin Langhoff in der Kritik – Kopf jenes Theaters, das von jeher gerade durch Diversität, Mitbestimmung und interkulturelle Spielplangestaltung hervortrat. Machtmissbrauch und Mobbing lauten die Vorwürfe, die schon im letzten Jahr schwelten – Langhoff neige zu Ausbrüchen. Nun klagte eine Dramaturgin gegen die Nichtverlängerung ihres befristeten Vertrages, dazu liegt ein Be schwerdebrief mehrerer Mitarbeiter dem Bühnenschiedsgericht vor. Der Diskurs ist also in vollem Gange, und die Verständigung über Werte ist ja allemal besser als Fehlverhalten auszusitzen, was leider noch viel zu oft passiert.

2. 5. 2021

Die Weltenordnung kehrt zurück! Zumindest, wenn die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr tatsächlich wieder stattfinden, wie es nämlich nach dem Willen von Verwaltungsrat und Geschäftsführung der Festspiele sein soll. No risk, no fun, schließlich würde die GmbH bei einer doch nötig werdenden Absage auf den immensen Kosten fürs künstlerische Personal sitzen bleiben. Schon die coronabedingte Absage des letzten Festspielsommers riss ein Loch von rund 15 Millionen Euro ins Budget. Doch die Impfungen schreiten voran, und die Festspielleitung gibt sich (zweck-)optimistisch: Zum heiligen Starttermin am 25. Juli soll endlich Dmitri Tcherniakovs Neuinszenierung des „Fliegenden Holländers“ zu erleben sein – mit der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv als erster Frau am Pult des Festspielorchesters! Tatsächlich, auch in Wagners heilige Halle zieht eine gewisse Gendergerechtigkeit ein. Je nach pandemischer Lage geht man von bestenfalls 1000 Zuschauern aus, was bei jedem zweiten leeren Platz wenigstens die spartanische Beinfreiheit um die hölzernen Klappstühle erhöhen würde. Was die heikle Positionierung der musizierenden Kollektive angeht, herrscht noch Ungewissheit, wie die Homepage informiert: „Da das Pandemiegeschehen äußerst dynamisch ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entscheiden, ob der Chor aus dem Chorsaal über-tragen wird. (…) Der Teil des Chores, der nicht im Chorsaal singt, wird auf der Bühne szenisch agieren. Das Festspielorchester soll nach jetzigem Stand in der gewohnt vollen Besetzung im Orchestergraben spielen, dessen Mitglieder werden am Tage der jeweiligen Vorstellung auf SARS- CoV-2 getestet.“ Auch am Gastronomiekonzept feilt man noch, wobei hier das geringste Problem bestehen dürfte: Die privaten, üppig gestalteten Picknickkörbe am Grünen Hügel sind so legendär wie pandemietauglich.

2. 5. 2021

Nachdem am vergangenen Freitag der Heidelberger Stückemarkt digital eröffnet wurde, müssen ab heute auch die 75. Ruhrfestspiele in die Netzwelt ausweichen. Publicity gab es trotzdem genug, Rundfunkbeiträge, Blogs und Artikel in allen großen Tageszeitungen. Nicht zuletzt, weil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Jubiläumsansprache hielt und sich darin – per Video aus dem Schloss Bellevue – für die natürlich „unverzichtbare“ Kultur in die Bresche warf. Auch Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident und aktuell vor allem Kanzlerkandidat, hatte warme Worte übrig für die gebeutelten Künstlerinnen und Künstler – und für sich selbst und sein Stipendienprogramm für ebenjene Freischaffenden in NRW. Die Festrede von Enis Maci zum Festivalmotto Utopie und Unruhe barg auch etwas inhaltliche Unruhe, dafür berührte die Eröffnungsinszenierung „Die Seidentrommel“, eine Geschichte des japanischen No-Theaters von Kaori Ito und Yoshi Oida, umso mehr – ein Tanztheater der Kontraste, das man lieber live gesehen hätte (mehr dazu im nächsten Heft).

4. 5. 2021

Als erste der Berliner Bühnen hat die Komische Oper heute entschieden, ihren regulären Spielbetrieb in dieser Saison nicht mehr aufzunehmen. Ausnahme könnte die Neuproduktion „Der ,Zigeuner‘baron“ sein, die im Rahmen des Pilotprojekts Perspektive Kultur für Ende Juni anvisiert ist. Das Deutsche Theater und das Berliner Ensemble hoffen noch auf Freiluftveranstaltungen, sollten die Inzidenzen unter 100 fallen und damit die Notbremse außer Kraft setzen. Es bleibt ganz unerträglich ungewiss.

5. 5. 2021

Der Rechtsstreit zwischen einer Dramaturgin und dem Maxim Gorki Theater endet heute mit einem Vergleich vor dem Bühnenschiedsgericht: 15000 Euro erhält Johanna Höhmann als Ausgleich für den Verlust ihres Arbeitsplatzes, es bleibt damit bei der umstrittenen Nichtverlängerung. Die Verhandlung dauerte laut Berliner Zeitung kaum fünf Minuten, Zeugen wurden nicht angehört, auch war die seit Wochen in der Kritik stehende Führungskultur von Intendantin Shermin Langhoff kein Thema – Arbeitsgerichte zielen auf Einigung ab. Trotzdem dürfte der Kessel weiterbrodeln, laut Berichten des Spiegel werden zahlreiche Mitarbeiter das Haus zum Ende der Spielzeit verlassen, die Arbeitsatmosphäre sei vergiftet. Das Wort „toxisch“ ist in dieser Art von Debatte zum Totschlagargument geworden, was für alle Seiten kaum zielführend ist.

6. 5. 2021

Monatelang hat Nina Hümpel analog und digital planen müssen, im ständigen Wechsel, bis sie im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung zugibt: „Ich bin totgeplant.“ Bereits seit 2010 ist tanznetz.de-Gründerin Nina Hümpel die künstlerische Leiterin von DANCE, dem internationalen Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München, das nun doch komplett ins Netz ausweichen musste. Immerhin gibt es ein digitales Foyer, also einen Onlinetreffpunkt für das Publikum und das DANCE- Team, bei dem man im Chat – bei Bedarf mit Kamera und Mikrophon – über die eingeladenen Produktionen plaudern kann. Und die heutige Eröffnung dürfte mit Richard Siegals „Two for the Show – All for One and One for the Money“ als Mischformat aus Livestream, Video, Videogame und Zuschauerbeteiligung durchaus fulminant werden. Es geht um Identitäten und die digitale Einsamkeit unserer Zeit – aktueller geht’s also kaum: „Die Online- Besucher*innen können sich zwischen verschiedenen Livestreams wie durch Räume in einem Gebäude bewegen und sind eingeladen, mit den anderen Zuschauer*innen live zu chatten“, so die Stückeinführung.

10. 5. 2021

Das Vorgehen sorgt für Ärger, doch die Entscheidung ist nachvollziehbar. Das Sächsische Staatsministerium für Kultur gab heute in Dresden bekannt, dass sowohl Peter Theiler als Intendant der Semperoper als auch Christian Thielemann, Chefdirigent der Sächsische Staatskapelle, nicht über das Ende der Spielzeit 2023/24 verlängert werden. Bei Theiler wurde also nur ein Jahr auf seine erste Amtsperiode von vier Jahren draufgeschlagen, Thielemann hingegen muss das erste Mal in seiner Karriere einen Posten wegen Nichtverlängerung räumen. Ein Affront?! Theiler ist seit 2018 in Dresden, erst im Januar hatte es Streit zwischen beiden gegeben, weil Thielemann die von Intendant Theiler angesetzten Coronabeschränkungen nicht einsehen mochte und lieber große Oper statt kleinerer Formate spielen wollte. Die Lager am Haus sind ebenso gespalten wie in den Feuilletons: Während sich die Sächsische Zeitung beschwert, dass Chefpositionen am Orchester doch bitte durch eine Empfehlung der Staatskapelle zustande kommen sollten und der Orchestervorstand übergangen worden sei, kommentiert die Münchner Abendzeitung, die ihren Spezi Thielemann ja ebenso gut kennt, die Causa mit nüchternem Abstand: „Der 62-jährige Berliner ist ein großartiger Dirigent. Aber ist er auch ein Chefdirigent? Überall, wo Thielemann bisher Leitungsfunktionen innehatte, kam es zum Krach: in Nürnberg, an der Deutschen Oper Berlin, bei den Münchner Philharmonikern und zuletzt bei den Salzburger Osterfestspielen. Auch das eigens für ihn geschaffene Amt des Musikdirektors der Bayreuther Festspiele ist er wieder losgeworden.“ Zweifelsohne ist Christian Thielemann ein herausragender, wenn nicht einer der lebenden Wagnerund Strauss-Dirigenten unseres Jahrhunderts. Aber ein Orchester auch institutionell und nicht nur musikalisch zu leiten, an einem Opernhaus mit einem Ensemble zu arbeiten, ist keine One-Man-Show. Zudem begründet Ministerin Barbara Klepsch ihre Entscheidung mit dem „Übermorgen der Oper“, dem Suchen „neuer Wege zwischen tradierten Opern-und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst“. Dazu gehört auch die Nutzung digitaler Angebote, für die Thielemann kaum Interesse zeigt. Bisher hat der Maestro keine Stellungnahme abgegeben.

11. 5. 2021

Es ist eine Zäsur, die für unsere schreibende Kritikerzunft berechtigte Fragen aufwirft: Der Theatertreffen-Blog wird nach dieser Ausgabe eingestellt. Seit 2009 hat nachtkritik-Redakteur Janis El-Bira das kulturjournalistische Nachwuchsprojekt der Berliner Fest-spiele geleitet, anfangs noch mit dem viel zu früh verstorbenen Dirk Pilz als Mentor. Tief sitzt die Enttäuschung über eine erneut nur digital stattfindende Ausgabe des Theatertreffens, ein „Weiter so“ gibt es für El-Bira nicht mehr: „Was gibt es noch zu sehen durch das digitale Schlüsselloch eines Festivals, das auch in Zukunft seine Spielflächen selbst immer weiter aus der analogen Ortsgebundenheit herausführen wird? Für wen schreibt man, wenn nicht mehr für jene, die nicht dabei sein können? Das Theater wird sich durch Corona so stark verändert haben, dass auch die Theaterkritik und ihr Handwerk davon nicht gänzlich unberührt bleiben können. Das Nachdenken darüber, wie es weitergehen könnte, braucht neue Kompetenzen, Kanäle und Kollaborationen. Und es hat gerade erst begonnen.“ Wahre Worte, wir müssen dringend über den eigenen Tellerrand blicken!

„Einerseits ist da ein Hunger nach Kunst, nach Begegnungen und Sinnlichkeit. Andererseits gewöhnt man sich vieles ab, wird genügsam. Ich freilich bin ein unverbesserlicher Optimist und glaube, wir können selbst die etwas bequem Gewordenen mit unserem Enthusiasmus anstecken.“

Manuel Schöbel, Intendant der Landesbühnen Sachsen, in der Sächsischen Zeitung vom 25. 5. 2021 auf die Frage, ob der theaterentwöhnte Zuschauer zurückkehren wird

13. 5. 2021

Die Mai-Festivals haben auch in diesem Jahr das Nachsehen. Während man sich bei Planungen für Juni und Juli inzwischen optimistisch gibt (wie in Bayreuth), sind Liveveranstaltungen mit Publikum derzeit noch in weiter Ferne. Auch die KunstFestSpiele Herrenhausen starten heute mit reinem Onlineprogramm, das allerdings – so es die sinkenden Infektionszahlen zulassen – ab dem 27. Mai in ein verlängertes Bühnenfestival vor Publikum übergehen soll. Intendant Ingo Metzmacher ist im Austausch mit Stadt und Land, um doch noch Veranstaltungen „outdoor“ im Großen Garten zeigen zu können. Eine Teststation steht vor dem Schloss der wunderschönen Herrenhäuser Gärten bereit, bis eine Stunde vor Stückbeginn kann sich das Publikum gegen Vorlage des Tickets kostenfrei testen lassen.

17. 5. 2021

Während in unserer biodeutschen Wohlstandsblase pandemiebegründete Grundrechtseinschränkung angefochten werden, schläft die Theaterregisseurin Sapir Heller freiheitsberaubt mit ihren Kindern nachts in einem Schutzbunker in Israel, um sich vor den erneut ausgebrochenen Raketenangriffen zu schützen. Sapir Heller wurde 1989 in Israel geboren und lebt seit 2008 in München, inszenierte zuletzt am Nationaltheater Mannheim und am Münchner Volkstheater. Um ihre Familie zu besuchen, die sie wegen Corona über eineinhalb Jahre nicht sehen konnte, flog sie letzte Woche mit Mann und Kindern (eineinhalb und vier Jahre alt) nach Gan Yavne, einem kleinen Ort zwischen Tel Aviv und Gaza. Nun hat Sapir Heller, wenn es Alarm gibt, ziemlich genau 40 Sekunden Zeit, um sich und die Kinder aus der Gartenidylle in den Bunker zu bringen, möglichst panikfrei, nur keine Angst schüren. Ihr Bericht ist unbedingt lesenswert auf unserer Homepage: bit.ly/SapirHellerIsrael.

18. 5. 2021

Dieser Wahlkampf war ein Paradebeispiel für die gigantische Macht von Social Media – sogar bei der GDBA, einer der ältesten Gewerkschaften Deutschlands, der ab heute erstmals eine Frau als Präsidentin vorsteht (siehe auch Seite 24). Lisa Jopt hat alles richtig gemacht im Netz, die bildstarke interaktive Welt von Instagram genutzt und mit ihrer Kandidatur die Fäden weitergesponnen, mit denen sie seit 2015 das ensemble-netzwerk deutschlandweit populär und mächtig gemacht hat. Für ihre GDBA-Präsidentschaftskandidatur gab es nicht nur ein 41-minütiges Bewerbungsvideo auf YouTube, in dem Jopt ihre Modernisierungsagenda für die GDBA vorstellte. Auch der Song „Baby, ja ich will“ von Lisa Jopt, Sebastian Kempf und Pirmin Sedlmeir schlug mächtig ein, mit den rhythmisierten Schlagworten „Geld, Zeit, Teilhabe, Respekt“ und Versen wie „Durch die gemeinsame Kraft dieser Gewerkschaft wird der Zusammenhalt gefestigt wie Dreiwettertaft“. Es lief ein Open Call zum Videodreh, eine Fotokampagne, in der Mitglieder mit ihrem GDBA-Ausweis vorm Gesicht posen, und nicht zuletzt die mantraartigen Instagram- Aufrufe: „Jetzt ist die Zeit, in die GDBA einzutreten!“ Nun sind die Würfel gefallen, und Lisa Jopt wird zeigen müssen, wie sie sich im realen Verhandlungsalltag behauptet. Die Unterstützung der Basis hat sie jedenfalls, immer mehr Lokalverbände haben sich gegründet, die Mitgliedsanträge schnellen in die Höhe. Sie will mehr Teilhabe, Tarifpolitik verständlich machen für die breite Masse, auch mit einem YouTube- Kanal der GDBA. Zeitgemäß ist solche Transparenz allemal. Wir wünschen viel Erfolg!

21. 5. 2021

Gestern Abend fiel die Entscheidung für Ulrich Peters als vorübergehenden Nachfolger von Peter Spuhler am Badischen Staatstheater Karlsruhe, wobei vorübergehend in diesem Fall immerhin drei Jahre bedeutet. Der 65-jährige Peters, derzeit Generalintendant am Theater Münster, wird zum 1. September in Karlsruhe starten, hat zwar eigentlich noch bis 2022 einen Vertrag in Münster, wird den aber Ende 2021 vorzeitig auflösen. Immerhin vier Monate Jobdopplung, die nicht optimal sind. Vielleicht kann ja ab Januar schon seine designierte Nachfolgerin Katharina Kost-Tolmein in Münster übernehmen. Für Karlsruhe bringt Peters reichlich Leitungserfahrung mit, war unter anderem in Augsburg und am Münchner Gärtnerplatztheater Intendant, auch das Badische Staatstheater kennt er aus seiner Zeit als Oberspielleiter des dortigen Musiktheaters. Inzwischen allerdings erwartet ihn eine Herkulesaufgabe: Krisenmanagement nach der Führungsdebatte um Peter Spuhler plus die anstehenden Pläne für Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters, deren Kosten jüngst explodiert sind.

21. 5. 2021

Während viele Festivals noch digital spielen müssen, wollen die Wormser Nibelungen-Festspiele in diesem Sommer unbedingt wieder live spielen und planen den Probenstart ab 1. 6. 2021. „Alle wollen ein Signal setzen, dass Kultur in diesen Zeiten eine tragende Rolle spielt“, so Intendant Nico Hofmann. Allerdings steht in diesem Jahr nicht die Nibelungensaga auf dem Programm, sondern Martin Luther: Zum 500. Mal jährt sich die Widerrufsverweigerung Luthers vor dem Reichstag zu Worms; der Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss erzählt den Fall „Luther“ als „Staatsaffäre zwischen Machtintrige und Religionskampf“ unter anderem mit Julischka Eichel und einem Ensemble aus deutschen und ungarischen Schauspielern und Schauspielerinnen, das die ungarische Regisseurin Ildikó Gáspár führen wird. Von den gut 1400 Freiluftplätzen können laut Hygienekonzept nur rund 530 besetzt werden. Hoffen wir also, dass die Inzidenzen mitspielen und die Premiere am 16. 7. stattfinden kann!

25. 5. 2021

Tatsächlich: Die Inzidenzen sinken, Nordrhein-Westfalen liegt mittlerweile bei 62, Berlin vermeldete gestern gar stolze 46,5, was weitreichende Öffnungsschritte möglich macht. Bundesnotbremse ade!? Das Deutsche Theater feierte am Samstag trotz kühl-feuchtem Nieselwetter eine Freiluft-„Tartuffe“-Premiere, von Jan Bosse inszeniert auf dem Theatervorplatz. Die Bayerische Staatsoper in München gibt am Pfingstsonntag Aribert Reimanns „Lear“ vor ausgedünnten Zuschauerreihen, nur jede zweite Reihe besetzt, mit konsequenter Maskenpflicht für Zuschauerinnen und Zuschauer. Von Hamburg bis Saarbrücken, von Dresden bis Essen will man ab 1. Juni wieder live und vor Publikum spielen! Und das Staatstheater Mainz verkündet in seiner heutigen Pressemitteilung: „Es war eine viel zu lange und zu stille Zeit ohne unmittelbare Erlebnisse mit Schauspiel, Tanz, Oper, Konzert ohne Begegnungen im Theater. Aber jetzt sind wir vor den Sommerferien wieder im Spiel und freuen uns sehr darauf!“ Die ersten Produktionen plant das Haus für Kinder und Jugendliche! „Viele von ihnen leiden massiv unter den Folgen der Pandemie, die Expert*innen schlagen Alarm angesichts der schlimmen Auswirkungen von sozialer Distanz und geschlossenen Schulen.“ Also gibt’s zur Eröffnung nächste Woche „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Timm Thaler“. Wie schön, wenn ein Theater solche Prioritäten setzt!

27. 5. 2021

Heute wird gefeiert: Der Deutsche Bühnenverein begeht sein 175. Jubiläum mit einem Festakt am Staatstheater Oldenburg, sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zum Gratulieren angereist, was das Sicherheitskonzept am Theater enorm beeinflusst: Polizei und BKA, wohin das Auge blickt, die Hundestaffel durchsucht unsere Taschen und alle Technik der Presse. Steinmeier und seine Frau indes spazieren bei strahlendem Sonnenschein vom Oldenburger Schloss gen Theater – hinein in den abstandskonform spärlich befüllten Saal. In seiner Festrede umreißt er vor allem die Auswirkungen der Pandemie auf den Theaterund Orchesterbetrieb, lobt den Bühnenverein für seine Forderung nach Öffnungsperspektiven. „Theater ist kein Nice-to-have, ist nicht der Zuckerguss über unserem Alltag.“ Und: „Eine Gesellschaft hört auf zu existieren ohne diesen öffentlichen Raum.“ Einverstanden. Neben künstlerischen Beiträgen vom Haus moderiert Shelly Kupferberg ganz famos eine Diskussionsrunde (mehr Seite 22). Welch ein Hochgefühl, wieder leibhaftig in einem Theater zu sitzen!

28. 5. 2021

Sieben Uhr Freitagfrüh, Rückreise von Oldenburg nach Düsseldorf, um Punkt 12 Uhr treffen mein Kollege Andreas Falentin und ich Claudia Schmitz zum Interview im Schauspielhaus, wo sie aktuell noch Kaufmännische Geschäftsführerin ist. Gestern wurde sie zur neuen Geschäftsführenden Direktorin des Deutschen Bühnenvereins gewählt. Schon im Zug beginnen wir ein anregendes Gespräch über Theaterverbände, das Publikum, Führungskultur und Joggen auf Dienstreisen. Herzlichen Glückwunsch – wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit ab Januar 2022!