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Mein Über-Ich am Handgelenk


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.02.2020

Seit ich eine Fitness-Uhr habe, ist mein Leben einfacher, denn ich muss meine Schritte nicht mehr selbst zählen. Es ist aber auch anstrengender. Vor allem dann, wenn abends um elf Uhr noch 500 Meter zum Tagesziel fehlen


Artikelbild für den Artikel "Mein Über-Ich am Handgelenk" aus der Ausgabe 3/2020 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 3/2020

23% mehr Sport macht Redakteur Peter Hummel, seit er eine Fitness-Uhr hat. Sein Hund Bomani darf mit – und findet das prima

Als ich neulich einen runden Geburtstag hatte, schenkten mir meine Frau und unsere Kinder eine Uhr. Eine, auf der man nicht nur die Zeit abliest, sondern ein Modell, das fortan meinen Alltag kontrollieren sollte. „Papa, die misst jeden Schritt“, sagte meine Tochter ...

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... Luisa voller Begeisterung, „jeden Kilometer, den du mit dem Fahrrad fährst, alle Treppenstufen rauf und runter.“

Ein strenger Aufpasser

Diese Informationen könnte man locker als unnützes Wissen abtun, aber das wird schwieriger, wenn der Körper jenseits der 50 in jenen Status übergeht, in dem jede Kalorie doppelt zählt. Im Zuge der Evolution mag diese Speicher-Reaktion des Organismus sinnvoll gewesen sein. Heute erinnert sie mich jeden Morgen beim Zuknöpfen des Hemdes daran, dass einzig mehr Bewegung der Schlüssel zu einer Figur ist, bei der ich den Bund der eigenen Badehose sehe.

Meine neue Uhr ist eine Apple Watch und sie zeigt mir nicht nur die Stunden und Minuten an, sondern auch, wann nächste Woche die Sonne scheint, wann ich einen Termin beim Friseur habe und wer mir gerade eine Mail geschickt hat. Ein kleiner Computer am Handgelenk also – aber ein strenger! Denn bei den Einstellungen kann ich tägliche Bewegungsziele defi nieren. Und es ist nicht so wie kurz nach Silvester, wenn sich alle guten Vorsätze automatisch aus dem Kurzzeitgedächtnis löschen. Nein, die Uhr dokumentiert gnadenlos täglich die Ergebnisse und fordert regelmäßig dazu auf, zu gehen, tief durchzuatmen oder die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen. Mein Tagesziel sind zum Beispiel 10 000 Schritte, eine Strecke, von der Mediziner sagen, dass sie zu deutlich mehr Wohlbefi nden und einem niedrigeren Herzinfarkt-Risiko beiträgt.

Bilanz am Abend

Aber 10 000 Schritte sind ganz schön viel, etwa acht Kilometer im Wald oder in unserer Redaktion 1 500-mal zwischen Schreibtisch und Drucker hin- und herlaufen. Und weil es natürlich nicht so viel auszudrucken gibt, kann es passieren, dass ich am Abend um kurz vor elf den Hund noch mal wecke, um mit ihm dreimal die Straße rauf und runter zu gehen, damit das Tagesziel erfüllt ist.


„Die Uhr fordert dazu auf, sich zu bewegen oder mal durchzuatmen“
Peter Hummel, Redakteur


Die Herzfrequenz beträgt beim Walken 101 Schläge pro Minute


„Von den Geräten profitieren vor allem Menschen mit Übergewicht“
Dr. Tobias Gantner, Mediziner


Im Zug zur Arbeit stehe ich, um mein einstündiges Steh-Kontingent zu erfüllen. Zwischendurch kann ich mit meiner Apple Watch ein EKG schreiben, das mir bestätigt, dass ich noch lebe.

Aktuell, kurz nach 16 Uhr, habe ich nur 35 Prozent meines Bewegungs-Pensums, 41 Prozent der Steh-Zeit, 4 343 Schritte und neun Stockwerke absolviert. Uff , noch ganz schön viel zu tun.

Virtuelle Belohnung

„Nimm das doch nicht so ernst“, sagte neulich meine Frau, als ich ihr um 21 Uhr anbot, bei meiner Schwiegermutter ein Paket abzuholen. Zu Fuß, einfache Strecke 2,789 Kilometer. Als auf dem Rückweg die 10 000 Schritte geschaff t waren, erhielt ich einen Pokal auf dem Bildschirm. Klingt albern, ich weiß, aber Fakt ist, dass ich mich mit meiner Smartwatch mehr bewege als ohne. Ich bin der Sklave eines von mir selbst defi nierten Algorithmus, ein Schritte-Pedant und ein Stehauf-Männchen, sobald ich am Handgelenk erinnert werde, dass ich mich mehr bewegen muss.

In Amerika sind die Uhren so weit, dass sie Daten an den Arzt senden. Ob ich das will? Zwischen Schritt 9 000 und 10 000 trinke ich an manchen Tagen in einer Kneipe ein Bier – und ich weiß nicht, wie meine Uhr diese Auszeit an der Theke bewertet. „Zählt sie auch Kalorien?“, fragte mich der Wirt letzte Woche. Ja, kann sie, die Funktion ist aber bei mir deaktiviert. Meine Uhr darf mich durch den Wald jagen, um den Block und zur Schwiegermutter, aber sie darf mir maximal einmal am Tag die Laune vermiesen, nämlich dann, wenn sie um 5.35 Uhr daran erinnert, dass ein neuer Tag begonnen hat. Und dass die aktuelle Schrittzahl null beträgt.

Positiv für die Gesundheit

Welchen medizinischen Nutzen Fitness-Uhren haben, weiß der Mediziner Dr. Tobias Gantner

Wie genau messen Fitness-Uhren? Gantner Das kommt auf das Gerät an. Erst vor wenigen Wochen prüfte Stiftung Warentest 13 Smartwatches. Nur zwei Geräte bekamen das Gesamturteil „gut“, was Funktion, Akku-Leistung und eben Messgenauigkeit betriff t.

Warum sind Fitness-Uhren zu empfehlen? Gantner Sie motivieren zu mehr Bewegung. Die Kontrolle des eigenen Erfolgs spornt dazu an, sich gesünder zu verhalten. Dabei sind die Geräte vor allem eff ektiv, wenn der Nutzer konkrete Ziele verfolgt wie die 10 000 Schritte am Tag.

Neue Modelle schreiben sogar ein EKG. Schützt das wirklich vor einem Schlaganfall? Gantner Für Personen, die Symptome einer Herzrhythmus-Störung haben wie Herzrasen, kann ein mobiles EKG nützlich sein. Wenn sie dann rechtzeitig zum Arzt gehen, lässt sich ein Schlaganfall verhindern.

Für wen ist eine Fitness-Uhr außerdem sinnvoll? Gantner Für alle, die sich für ihre Fitness interessieren und technikaffi n sind. Besonders profi tieren Menschen mit Übergewicht, Herz-Kreislauf-Problemen oder Depressionen. Jedoch sollten die Uhren besser darin werden, anhand der Daten individuelle Handlungsempfehlungen abzugeben. Dennoch: Die Geräte bieten einen Überblick über den Gesundheitszustand – wichtig für selbstbestimmte Patienten.
Nina Zeller

Dr. Tobias Gantner, Geschäftsführer des Netzwerks „HealthCare Futurists“


So gut ist der Datenschutz

Die Datenschutzerklärung des Anbieters prüfen, ob der sich vorbehält, „personenbezogene Daten an Dritte weiterzugeben“.

Stiftung Warentest (Ausgabe 12/2019) konnte nicht feststellen, dass Uhren die erhobenen Fitness-Daten ungefragt weitergeben. Jedoch: Einige für die Funktion unnötige persönliche Daten (Telefonnummer, Name) werden meist abgefragt.

Verschiedene Datenschutzsiegel kennzeichnen die Sicherheitsstandards. Mehr Informationen unter: www.stiftungdatenschutz.org und www.digimeda.de


Fotos: Engelbert Schmidt (2), Apple, Ira Kaltenegger