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Mein Woodie, du Jane…


Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 03.08.2021

OLDTIMER

David Holmes liebt das Einzigartige – und einzigartig ist sein Woodie ganz ohne Frage. Der Mercury Marmon- Herrington 4x4 wurde nur fünfmal gebaut und rollte vor nunmehr 74 Jahren aus den damals stolzen Hallen der Ford Motor Company. Mit dem aktuellen Besitzer teilt er quasi dasselbe Geburtsjahr. Zwischenzeitlich von Holmes liebevoll restauriert, erstrahlen beide in jugendlichem Charme – denn der aktive Surfer Holmes, ganz nebenbei, ist für sein Alter außergewöhnlich fit unterwegs.

Wobei der Holmes-Woodie seine Einzigartigkeit seinem prominenten Erstbesitzer von 1947 verdankt, dem Ornithologen Donald L. Bleitz, Ehemann von Schauspielerin Joyce MacKenzie – der charmanten und hübschen Filmpartnerin von Lex Barker in einem der ersten Tarzan-Filme. Doch zu Joyce später.

Campingfahrzeuge waren in den 1940er-Jahren noch nicht wirklich erfunden – geländegängige schon zweimal nicht. Was also tun, ...

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Joyce MacKenzie in den frühen 1940er-Jahren und heute ? und mit Lex Barker auf dem KInoplakat des Tarzanfilms. Bis heute gelten die beiden als eines der beliebtesten Tarzan-Filmpaare.
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... wenn man eines benötigt? Diese Frage stellte sich Bleitz, als er sich aufmachen wollte mit Ehefrau Joyce, um die nordamerikanische Vogelwelt in den entlegensten Winkeln des Kontinents zu erforschen.

Um dem Woodie für Ausflüge ins Gelände mächtig Luft unterm Bauch zu verschaffen, montierte Marmon-Herrington gleich noch vergleichsweise monströse 30 x 9,50 Zoll-Militärreifen und spendierte dem Mercury eine ordentliche Höherlegung, was diesem zu respektablen 203 Millimeter Luft unter den beiden Differenzialen verhalf.

Die Aufgabe, den Woodie in einen reisetauglichen Camper zu verwandeln, fiel dem Tarzan-Star Joyce MacKenzie zu. Sie steuerte den Boliden zum Karosseriebauer Coachcraft in Hollywood, der, für damalige Verhältnisse, einen überaus kreativen Campingausbau installierte. Ein Faltbett hängte er kurzerhand innen ans Fahrzeugdach, installierte einen Wassertank samt zweier Wasserhähne – einen innen, einen außen – und etliche hölzerne Stauboxen. Eine begehbare Dachterrasse ermöglichte Bleitz das Fotografieren von einem erhöhten Standpunkt aus. Last but not least: der im Boden versenkte Edelstahl-Eisschrank mit Korkisolierung. Der Wunsch nach einem gekühlten Bier ist demnach ebenso alt, wie Campingfahrzeuge. Der reisetaugliche 4x4 Camper für den Vogelfotografen Bleitz war geboren.

Nach der Scheidung von Bleitz in den 1950er Jahren, trennten sich die Wege von Joyce MacKenzie und dem Woodie. Bleitz nutzte das kuriose Vehikel tatsächlich noch bis Ende der 1960er Jahre und verhökerte es dann für mickrige 350 Dollar an den Schauspieler Kurt Grayson. Die Preise für die alten Woodies waren zwischenzeitlich ins Bodenlose gefallen. Den Surfern der 1960er-Jahre, stets klamm bei Kasse, kam die Entwicklung gerade recht. In den riesigen Woodies ließen sich ganze Partygesellschaften oder ein Schwung Surfbretter problemlos transportieren, der außergewöhnliche Look passte zumunangepassten Hippie-Lifestyle der Zeit in Kalifornien. Wobei, ein interessanter Nebenaspekt: Der Woodie ist tatsächlich keine ausschließlich US-amerikanische Erscheinung. In England stellte Scotney 1946 den Alvis TA14 vor, 1951 kommt in Deutschland der DKW F89 mit unverkennbaren Woodie-Genen auf den Markt.

Als Woodie-Restaurator Larry Grider den Bleitz-Mercury ersteht, erscheint er erstmals auf dem Radar von David Holmes – der schon ein Modell sein Eigen nannte. Doch erst 1989 schlägt Holmes zu und ersteht den zwischenzeitlich mächtig heruntergekommenen Mercury. Um die enormen Restaurationskosten stemmen zu können, verkauft er einen 42er Woodie und gleich noch seine 59er Corvette. Insbesondere zahlreiche Mahagoni-Teile mussten aufwendig ersetzt werden, als Triebwerk installierte Holmes einen voluminösen 5,7-Liter-V8 von GM.

Als Holmes seinen Marmon-Herrington-Woodie Mitte der 1990er-Jahre auf einem Oldtimertreffen ausstellt, kreuzen sich die Wege des Mercurys und der von Joyce MacKenzie wieder unversehens. Ihr Sohn Walter erkennt sie auf Deko-Bildern am Fahrzeug und arrangiert ein Treffen mit David Holmes. Die Chemie zwischen beiden stimmt auf Anhieb. David verdiente sich als Lehrer für Naturwissenschaften und auch Joyce studierte nach ihrer Filmkarriere und unterrichte an einer High School Englisch, Rhetorik und Journalistik. „Die Lieblingsrolle meines Lebens“, wie der zwischenzeitlich 95-jährige Tarzan-Star im nachhinein urteilt. Auch die Leidenschaft fürs Surfen teilen Holmes und MacKenzie.

„Joyce brauchte eine Weile, um sich im Auto zurechtzufinden – ist ja auch 70 Jahre her. Wir haben Kontakt gehalten seitdem“, erzählt Holmes.

Der Wert gut erhaltener Woodies hat sich von den Tiefstpreisen der 1960er- Jahre weit entfernt. Gute Stücke rangieren aktuell eher zwischen 50.000 bis 100.000 Euro, der Holmes-Woodie dürfte mehr als das Doppelte wert sein. Ein rein hypothetischer Wert. Denn verkaufen würde David Holmes sein Schmuckstück nicht. Vielleicht lädt er doch lieber Joyce Mac- Kenzie zu einer kleinen Rundfahrt durch Santa Monica ein – immerhin stehen die beiden nach wie vor in Kontakt.