Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 6 Min.

„Meine Aussage, dass sich nur die Farben ändern, war ein Fehler“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 30/2021 vom 28.07.2021

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "„Meine Aussage, dass sich nur die Farben ändern, war ein Fehler“" aus der Ausgabe 30/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
ADI HÜTTER kam in diesem Sommer für 7,5 Mio. Euro Ablöse aus Frankfurt. Dort war er drei Jahre Trainer. Zuvor trainierte der Österreicher die Young Boys Bern (2015 ? 2018) und RB Salzburg (2014/15). Mit Bern wurde er 2018 Schweizer Meister, mit Salzburg Meister in Österreich

„Man hat in Frankfurt versucht, Schuldige zu finden. Die hat man in Fredi Bobic und mir gefunden“

SPORT BILD: Herr Hütter, Julian Nagelsmann hat beim FC Bayern als Antrittsgeschenk Bettwäsche des Vereins bekommen. Gab es für Sie als neuen Gladbach-Trainer auch ein Präsent?

ADI HÜTTER (51): Ja, ich habe eine Tasse von der Borussia bekommen. Bettwäsche brauche ich nicht, weil ich sowieso in Gladbach-Bettwäsche schlafe.

Warum das?

Ich wohne derzeit noch im Vereinshotel neben dem Stadion. Dort sind die Zimmer nach bestimmten Themen eingerichtet. Ich wohne in dem Appartement, das Allan Simonsen und dem Uefa-Cup-Sieg von 1979 gewidmet ist. Und in jedem Zimmer schläft man in Gladbach-Bettwäsche. Und bevor die Frage kommt …

Welche meinen Sie?

Ob ich nur wegen meiner Führerschein-Abgabe dort wohne: Nein! Ich hätte auch mit Führerschein dort gewohnt, um einfach ganz nah an den Verantwortlichen und am ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 30/2021 von Sané startet ins wichtigste Jahr seiner Karriere!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sané startet ins wichtigste Jahr seiner Karriere!
Titelbild der Ausgabe 30/2021 von Schalkes größte Krise geht weiter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schalkes größte Krise geht weiter
Titelbild der Ausgabe 30/2021 von VON HINTEN ÜBER DEN KOPF ZUM AUGE!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VON HINTEN ÜBER DEN KOPF ZUM AUGE!
Titelbild der Ausgabe 30/2021 von INSIDE BAYERN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INSIDE BAYERN
Titelbild der Ausgabe 30/2021 von So treibt Rose den BVB zum Titel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So treibt Rose den BVB zum Titel
Titelbild der Ausgabe 30/2021 von Entscheidet dieser Mann die Meisterschaft?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Entscheidet dieser Mann die Meisterschaft?
Vorheriger Artikel
Entscheidet dieser Mann die Meisterschaft?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel „Über Titel können wir sprechen, wenn ...“
aus dieser Ausgabe

... Stadion zu sein. Einfach, um den Verein besser kennenzulernen. Trotzdem bin ich natürlich froh, wenn ich meinen Führerschein nun zurückerhalte.

Tut Ihnen die familiäre Atmosphäre in Gladbach nun besonders gut, nachdem Sie Ihren Ex-Verein Eintracht Frankfurt im Streit verlassen haben?

Die Borussia ist ein Verein, wo alle zueinanderstehen, auch wenn die Zeiten schwierig sind. Mir hat es imponiert, wie die Verantwortlichen sich in der vergangenen Saison hinter Marco Rose gestellt haben, als es sportlich nicht so lief, wie man es sich vorgestellt hatte. Ich spüre hier bei allen sportlichen Ambitionen einfach eine Demut, eine Bescheidenheit. Ich strebe immer nach dem Maximum, aber das sind Attribute, die ich mir auch zuschreiben würde. Zum Thema Frankfurt: Es waren einfach viele Menschen enttäuscht, dass ich gegangen bin.

Können Sie die Enttäuschung nachvollziehen?

Ja , das kann ich. Weil ich schon glaube, dass die Menschen mich dort mochten. Und wir waren über drei Jahre erfolgreich. Dass wir dann die Champions League verpasst haben, war bitter. Das war unser großes Ziel. Und da kann ich die Enttäu-schung absolut nachvollziehen. Die war bei mir auch da. Aber es gibt für mich noch eine andere Seite.

Welche?

Ich habe drei Jahre hoch intensiv gearbeitet, habe alles in meiner Macht Stehende für den Verein gegeben. Trotzdem wurde ich dann zum Schluss anders gesehen und wunderte mich über einige Aussagen. Man hat in Frankfurt versucht, Schuldige zu finden. Die hat man in Fredi (Bobic, ehemaliger Sportvorstand in Frankfurt; d. Red.) und mir gefunden. Das schmerzt. Aber ich bin sicher: Gerade wenn nun die Auslo-sung für die Europa League stattfindet, schaut die Ein-tracht wieder nach vorne.

„In Einzelgesprächen vertausche ich manchmal die Rollen: Dann wird der Spieler zum Trainer“

Gibt es etwas, was Sie persönlich in den vergangenen sechs Monaten anders gemacht hätten?

Grundsätzlich ist so eine Situation wahnsinnig schwierig zu händeln, und man muss sich jedes Wort genau überlegen. Meine Aussage, dass sich durch den Wechsel für mich nur die Farben ändern, war sicher ein Fehler. Das würde ich so nicht mehr sagen. Dafür steckt in den beiden Vereinen zu viel Tradition und Emotion. Ein Punkt ist aber wichtig in dem Zusammenhang: Ich habe Eintracht nie versprochen, dass ich bleibe.

Sie sagten Ende Februar in einer Sky- Talkrunde: „Ich bleibe“.

Es gab kein konkretes Angebot von einem anderen Verein, ich hatte einen laufenden Vertrag und habe mich da noch wohlgefühlt. Genau so habe ich es gesagt. In dem Moment sah ich keine Veranlassung, diesen Satz nicht so zu sagen.

Gladbachs Manager Max Eberl hatte zuvor aber schon Ihren Berater kontaktiert.

Es gab immer mal Anfragen von anderen Vereinen, auch zu diesem Zeitpunkt und nicht nur aus Gladbach. Die Abmachung mit meinem Berater war aber ganz klar: Ich habe ihm gesagt, dass ich bis Ende März mit niemandem sprechen möchte. Ich wollte von Anfragen nichts hören. Die starken Veränderungen im sportlichen Bereich in Frankfurt haben mich bewogen, eine neue Herausforderung zu suchen. Die habe ich hier gefunden. Und ich habe das Gefühl, die Menschen hier freuen sich, dass ich hier bin.

Fußball und Treue – passt das noch zusammen?

Der Fußball hat sich sehr stark in die Richtung entwickelt, dass es nach Angebot und Nachfrage geht. Wenn du gut arbeitest, bist du im Blick von anderen Vereinen. Wenn du nicht gut arbeitest, kommt man erst gar nicht in dieses Fahrwasser, dann ist man weg. Das ist sowohl bei Spielern als auch bei Trainern so. Aber ja, ich denke, das gibt es trotzdem noch.

Sie sind trotzdem gewechselt.

Die Frage ist ja: Was will man selber? Ich hätte in Frankfurt bleiben können, aber die Situation war ja schon eine spezielle. Wenn ich die ersten vier Spiele in der neuen Saison verloren hätte, hätte es wahrscheinlich geheißen: Frankfurt feuert Adi Hütter. Nach meinem ersten Jahr in Frankfurt hatte ich schon ein Angebot aus der englischen Premier League, das habe ich damals abgelehnt. Treue ist auch immer eine Gefühlssache. Jetzt hatte ich das Gefühl, etwas Neues machen zu müssen.

Von den Gladbach-Spielern hört man, dass Sie sehr viel mit ihnen sprechen. Worum geht es da?

Ich habe als Spieler schon genossen, wenn der Trainer mit mir gesprochen hat. Da haben mir teilweise drei Sätze gereicht. Das habe ich als Trainer übernommen. Man muss zu den Spielern eine persönliche Beziehung aufbauen. Ich bin der Meinung, dass man nur dann die bestmögliche Leistung aus ihnen herauskitzeln kann.

„Platz sieben wäre vielleicht ein Erfolg, aber das reicht mir nicht“

Gibt es die typische Hütter- Frage, die Sie den Spielern stellen?

Ja, die gibt es: „Was bewegt dich?“ Man muss als Trainer sehen, wenn es einem Spieler nicht gut geht, schon an seiner Mimik. Und dann das Gespräch suchen. Das ist die menschliche Ebene.

Und die sportliche?

Etwa Spielern zu erklären, warum sie derzeit nicht spielen. Manchmal vertausche ich dafür dann die Rollen: Der Spieler ist dann der Trainer. Ich frage zum Beispiel, ob er bestimmte Mitspieler derzeit aus der Startelf nehmen würde nach deren wirklich starken Leistungen. Damit ich, also der Spieler, dafür auflaufen könne. Meistens sehen sie dann selbst ein, dass auch sie so aufstellen würden.

Gibt es Momente, in denen Sie ausflippen?

Zu Beginn meiner Trainerkarriere war das noch manchmal der Fall. Weil ich da noch meinte, jeder Spieler müsste so sein, wie ich es war. Das habe ich aber abgelegt. Heute werde ich nur laut, wenn ich Überheblichkeit spüre. Wenn ich merke, die Mannschaft gibt alles, das Ergebnis stimmt nur nicht, reiche ich die Hand. Wenn sie Laufbereitschaft und taktische Anweisungen vernachlässigt, werde ich aber extrem unangenehm.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie immer sehr hohe Ziele stecken. Ist das nicht gefährlich, wenn man sie wie in Frankfurt dann nicht erreicht?

Herbert von Karajan (ehemaliger österreichischer Dirigent; d. Red.) hat mal gesagt: Wenn man jedes Jahr seine Ziele erreicht, hat man sie zu niedrig gesteckt. Ich sehe das ähnlich. Ich stecke hohe Ziele. Man kann dann scheitern, so wie wir in Frankfurt an einem sehr hohen Ziel gescheitert sind. Aber: Soll ich nun sagen, wir wollen mit Gladbach Siebter werden? Es wäre vielleicht ein Erfolg, weil wir uns dann im Vergleich zur Vorsaison verbessert hätten. Aber das reicht mir nicht. Man kann besser ein zu hohes Ziel verpassen, als ein zu niedriges Ziel erreichen.

„Wir können ohne Dreifach-Belastung im Training mehr machen als andere Top-Vereine der Liga“

Was ist denn die Zielsetzung in Gladbach?

Internationaler Wettbewerb.

Würden Sie Platz fünf also unterschreiben?

Ich lasse mich nicht auf eine Platzierung festnageln.

Waren Sie denn überrascht, dass diese Mannschaft nur Achter wurde?

Wenn man ehrlich ist: Ja. Die Mannschaft ist besser als Platz acht.

Warum landet Gladbach in der kommenden Saison vor Frankfurt?

Wir haben hier eine großartige Qualität im Kader. Für uns kann es außerdem ein Vorteil sein, dass wir keine internationalen Spiele unter der Woche haben, da können wir mehr im Training machen als andere Top-Vereine in der Liga. Ich schaue jetzt aber nur noch auf Gladbach, nicht mehr auf Frankfurt.

Sind Sie wegen Ihrer Ablöse von 7,5 Millionen Euro schwieriger zu entlassen für den Verein?

Borussia hat mich mit vollster Überzeugung geholt, da bin ich mir sicher. Wenn ich mir nun ständig vor Augen führen würde, wie viel Geld ich gekostet habe, wäre das nicht gut. Ich kann mit solchen Dingen umgehen. Man wird im Laufe der Karriere einfach sicherer und ruhiger. Und es gibt eine Statistik, die mir eine gewisse Sicherheit gibt.

Welche ist das?

Dass ich in 13 Jahren als Trainer nur einmal entlassen worden bin. Bei meinem Heimatverein Altach im dritten Jahr. Als Tabellenzweiter, drei Punkte hinter dem Ersten. Aber der Klub hat mir den Aufstieg in die erste Liga nicht zugetraut. Meine Trainerkarriere war sonst geprägt von Erfolgen, wenn ich das mal so sagen darf. Das macht einen schon selbstbewusst. Das gibt einem eine gewisse Ruhe und Ausstrahlung. Ich kann allen Gladbach-Fans versprechen, dass wir beinhart über das gesamte Jahr arbeiten werden. Und dann unsere Ziele auch hoffentlich erreichen werden.