Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 1 Min.

Meine Mutter wird immer weniger


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 01.09.2008

Sabine Damerow ruft jeden Vormittag bei ihrer Mutter an, um ihr einen guten Morgen zu wünschen. Beide Frauen wohnen in Hamburg, allerdings in verschiedenen Stadtteilen.


Meine Mutter ist dieses Jahr 71 geworden. Sie macht noch alles alleine. Aber ich merke, dass sie sich nicht mehr so um sich selbst kümmert wie früher. Sie kocht sich zum Beispiel nichts, sondern wartet, bis mein Bruder und ich zu Besuch kommen. Wir treffen uns jeden Samstag bei ihr. Mein Bruder ist gelernter Koch; er macht dann Essen für uns drei. Wenn ich meine Mutter ansehe, merke ich, dass sie immer weniger wird. Ihre Ärmchen sind ganz dünn, und häufig hat sie blau gefrorene Hände. Sie behält auch vieles nicht mehr. Jedes Mal, wenn ich meine Mutter besuche, erkläre ich ihr, wie ihr Handy funktioniert. Aber sie vergisst es sofort wieder. Ich bitte sie immer, mir Bescheid zu sagen, wenn etwas zu tun ist. Aber dann putzt sie die Fenster doch wieder selber. Sie will ihre Selbstständigkeit unbedingt behalten. Ich finde das ja auch gut, aber sie könnte sich ruhig ein bisschen helfen lassen.

Wir telefonieren jeden Tag mehrmals. Das war schon immer so. Ich würde mir sonst auch Sorgen machen. Ein bisschen passen auch die Nachbarn auf sie auf. Eine Mieterin im Haus bringt meiner Mutter jeden Morgen die Zeitung mit und legt sie vor die Wohnungstür. Wenn die Zeitung nach zwei Stunden noch nicht hereingeholt ist, dann klingelt sie und fragt nach, ob alles in Ordnung ist. Meine Mutter sagt, Alte und Junge sollten unter sich bleiben. Aber wenn sie pflegebedürftig wird und ich immer noch in meiner großen Wohnung lebe, dann kommt sie zu mir. Sie war immer für uns da, springt immer ein und hilft uns, wo sie kann. Sie ist doch meine Mutter.

Artikelbild für den Artikel "Meine Mutter wird immer weniger" aus der Ausgabe 11/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Sabine Damerow und ihre Mutter Marion Voll sehen sich mindestens jedes Wochenende zum Mittagessen und treffen sich häufig zu einem Stadtbummel in Hamburg.


Foto: privat

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Die Zeiten ändern sich. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Zeiten ändern sich
Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Die kostbarste Zeit im Leben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die kostbarste Zeit im Leben
Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Ich konnte ihn nicht mehr bändigen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ich konnte ihn nicht mehr bändigen
Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Es war ein Wechselbad der Gefühle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Es war ein Wechselbad der Gefühle
Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Ambulante Pflegedienste: Kaum objektive Kriterien. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ambulante Pflegedienste: Kaum objektive Kriterien
Titelbild der Ausgabe 11/2008 von Essen auf Rädern: Frisch auf den Tisch?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Essen auf Rädern: Frisch auf den Tisch?
Vorheriger Artikel
Ich konnte ihn nicht mehr bändigen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Es war ein Wechselbad der Gefühle
aus dieser Ausgabe