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Meine Oma, meine Heldin


myself - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 11.11.2020

Ja, Frauen brauchen Vorbilder. Manchmal findet man sie in der Familie. Zum Beispiel die eigene Großmutter


Artikelbild für den Artikel "Meine Oma, meine Heldin" aus der Ausgabe 12/2020 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Sie sei ihr Fels in der Brandung, sagt Nike Martens, Gründerin der Produktionsfirma Long Story Short, über ihre Großmutter.


FOTOS: Julia Steinigeweg

Die Glücks-Expertin

Nike Martens, 35, Schauspielerin und Produzentin, und Elisabeth Kuczewski, 84, Bürokauffrau

Nike, Ihre Oma ist so etwas wie Ihr Life Coach …
Nike: Absolut. Sie hat eine Grundgelassenheit, einen unerschütterlichen Glauben an das Gute und ein Urvertrauen in das Leben. Von ihr lerne ich positives Denken und Dankbarkeit. Und dass man nicht ...

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... immer alles kontrollieren muss, sondern den Dingen auch mal seinen Lauf lassen kann. Es gelingt ihr immer, die Weitsicht auf die Dinge zu behalten, statt sich zu verstricken und sich und anderen unnötig Stress zu machen.Elisabeth: Ob man im Leben glücklich ist, hängt zum Großteil von der eigenen Einstellung ab. Selbst die Corona-Krise wird irgendwann vorüber sein – und lässt sich sicher nicht dadurch ändern, dass man negativ wird.Nike: An ihrer Partnerschaft orientiere ich mich zu 100 Prozent. Es geht nie darum, dass einer sich positionieren, verteidigen oder den eigenen Dickkopf durchsetzen will. Alles wird im Sinne des Teams entschieden.Elisabeth: Wir leben füreinander, nicht gegeneinander oder nebeneinander. Wir sind wie zwei Diamanten: Wir schleifen uns aneinander ab. Als wir uns mit 16 kennengelernt haben, war es Liebe auf den ersten Blick, und ich würde meinen Mann heute wieder heiraten.Nike: Meine Großeltern sind mein Ruhepol. Die gemeinsame Zeit erinnert mich wieder daran, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Das Wissen, dass ich mich hier so sicher fühle, hat mir geholfen, mich hinaus in die Welt zu wagen.

Inspirierende Diskussionen, aber auch ausgelassene Momente: Marie und Helga Gehrig genießen ihr Zusammenleben.


„Ich bewundere, wie sie es geschafft hat, Familie und Beruf zu vereinbaren“


Das Karriere-Vorbild

Marie Gehrig, 22, Jurastudentin, und Helga Gehrig, 84, Richterin im Ruhestand

Marie, Sie sprechen Ihre Großmutter bewusst mit ihrem Vornamen an.
Marie: In unserer Familie nennen sich alle beim Vornamen. Es gibt keine Hierarchie, wir begegnen uns eher wie Freunde auf Augenhöhe, und jeder wird gleichermaßen respektiert.
Helga: Wir hatten schon immer ein intensives Familienleben: Wir sind alle zusammen vier Wochen durch den Apennin in Italien gewandert, mit den Fahrrädern quer durch Frankreich gefahren, waren segeln in Griechenland, haben gemeinsame Skiurlaube und Motorradtouren gemacht …
Ihr neuestes Abenteuer: Seit zwei Monaten wohnen Sie beide zusammen in einer WG.
Marie: Ich bin auf Mallorca aufgewachsen und hatte nun die Möglichkeit, meine Bachelorarbeit in Jura in Berlin zu schreiben. Helga war früher Richterin, mit ihr kann ich über alles diskutieren, was ich dafür lesen muss.
Helga: Mein Mann ist verstorben. Für mich ist es schön, dass jemand da ist, mit dem ich mich austauschen kann. Wir lernen beide sehr viel voneinander.
Marie, inwiefern ist Ihre Großmutter Ihr Vorbild?
Marie: Ich bewundere vor allem, wie sie es geschafft hat, Familie und Beruf zu verbinden. Meine Großeltern waren beide berufstätig und haben sich gemeinsam um die vier Kinder gekümmert.
Helga: Für mich war immer klar, dass ich arbeiten möchte, und mein Mann hat mich voll unterstützt. Ich bin als Stewardess bei der Lufthansa um die ganze Welt geflogen, danach habe ich geheiratet, vier Kinder hintereinanderweg bekommen und war vier Jahre lang zu Hause. Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen.
Als Richterin haben Sie sich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Geben Sie Marie Tipps, wie das gelingt?
Helga: Bei mir war es eine Ausnahmesituation. Ich habe erst mit 35 mein Studium begonnen und mit 45 angefangen, als Richterin zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits viel Lebenserfahrung, und die meisten männlichen Kollegen waren jünger als ich. Dadurch hatte ich nie Probleme, mich durchzusetzen.
Wie können wir uns Ihren WG-Alltag vorstellen?
Marie: Morgens hören wir Deutschlandfunk, auf unserem Couchtisch liegen stapelweise Geschichtsbücher, die uns zu immer neuen Gesprächen inspirieren.
Helga: Uns verbindet das kulturelle Interesse, wir gehen gemeinsam in Ausstellungen, Museen oder Theaterstücke. Aber wir diskutieren natürlich auch über aktuelle Themen wie die Frauenquote.
Und, wie denken Sie darüber?
Helga: Ich finde sie nicht gut, aber wir brauchen sie offenbar, weil es anders nicht funktioniert. Das Problem ist, dass Frauen, um selbst an die Stellschrauben der Macht zu kommen, wo sie etwas verändern könnten, meist ihre Familie vernachlässigen müssen – oder erst gar keine haben, so wie Frau Merkel. Ich war Amtsrichterin und hatte Angebote zu promovieren, doch das habe ich abgelehnt, weil ich auch Zeit für die Familie haben wollte. Man muss seine eigene Balance finden.

Die Leidenschaft für Mode und Schmuck hat Marianne S. ihrer Enkelin Giulia Ricci vererbt.


Die Stil-Ikone

Giulia Ricci, 33, Kommunikationsmanagerin, und Marianne S., 83, gelernte Schneiderin

Was sind Ihre schönsten gemeinsamen Erinnerungen?

Giulia: Wir sind früher oft zum Ku’damm gefahren und waren den ganzen Tag im KaDeWe einkaufen und essen. Der Stil meiner Momi – so nenne ich sie, weil sie mir näher ist als eine Oma – hat mich schon früh inspiriert. Sie trug bis vor Kurzem immer perfekt manikürte rote Nägel und kombinierte mit einer faszinierenden Sicherheit Ungewöhnliches. Ich trage viel von ihr, etwa einen langen cognacfarbenen Ledermantel oder eine giftgrüne trapezförmige Handtasche. Bis heute bekomme ich von Momi die größten Komplimente für Kombis, die andere gewöhnungsbedürftig fänden.
Marianne: Ich freue mich natürlich, dass Giulia meine Sachen so gut gefallen und dass viele meiner Möbelstücke, Teppiche und Bilder in ihrer Wohnung weiterleben.
Die wichtigste Stilregel Ihrer Oma?
Giulia: Qualität über Quantität. Sie investierte lieber in wenige, dafür aber gute Teile. Das hat mich so sehr geprägt, dass ich bis heute ihre Stimme im Ohr habe, wenn ich über was Neues nachdenke.
Was haben Sie noch von ihr gelernt?
Giulia: Momi ist sehr energetisch und ambitioniert. Sie hat nie darauf gewartet, dass ihr jemand etwas vor die Füße legt. Als sie ihren Beruf aufgab, um sich um die Kinder zu kümmern, begann sie, Tupperpartys zu organisieren. Sie hat immer einen Weg gefunden, ihr eigenes Ding zu machen. Sie ist eine starke, unabhängige Frau.
Marianne, in welchen Momenten sind Sie besonders stolz auf Ihre Enkelin?
Marianne: Ich bin stolz, wie zielstrebig sie durchs Leben geht. Und ich bin ihr unglaublich dankbar, dass sie für mich da ist. Seit dem Tod meines Mannes wüsste ich nicht, was ich ohne sie tun würde.


HAARE UND MAKE-UP: JULI GARCIA

HAARE UND MAKE-UP: NATHALIE GROS