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MEISSEN: HEIDRUN TH. GRIGOLEIT


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 15.01.2020

Eine Sonderausstellung zu Meissener Porzellan wird noch bis zum 1. März in Düsseldorf gezeigt: unter dem Titel „Märchenhaftes Meissen – Traumwelten der DDR“ widmet das „Hetjens – Deutsches Keramikmuseum“ dem Meissner Porzellan damit erstmals in Westdeutschland eine umfassende Sonderausstellung. Die besondere Porzellanschau, die in Kooperation mit dem Düsseldorfer Kunstpalast präsentiert wird, will an den Mauerfall vor 30 Jahren und die damit eingeleitete deutsche Wiedervereinigung erinnern.


■Porzellanmanufaktur Meissen

Artikelbild für den Artikel "MEISSEN: HEIDRUN TH. GRIGOLEIT" aus der Ausgabe 2/2020 von Trödler. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Trödler, Ausgabe 2/2020

Vase mit Zauberpferdchen aus „Tausendundeine Nacht"; Form: Ludwig Zepner (Vase), 1960 ...

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... und Peter Strang (Plastik), 1974; Dekor: Prof. Heinz Werner, 1960; Ausformung: Meissen, 1973/74; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


Das Hetjens präsentiert noch bis zum 1. März 2020 eine Sonderausstellung zu Meissener Porzellan in der DDR © Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young


Kaffeeservice „Großer Ausschnitt" mit Dekor „Tausendundeine Nacht"; Form: Ludwig Zepner, 1973; Dekor: Prof. Heinz Werner und Rudi Stolle, 1969; Ausformung: Meissen, 1977; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


350 Jahre nach Gründung der Porzellanmanufaktur Meissen durch den Kurfürsten August den Starken anno 1710 geschah im Jahre 1960 in der Produktionsstätte in der damaligen DDR etwas Revolutionäres: Fünf junge Künstler erhielten von der DDRFührung als „Kollektiv Künstlerische Entwicklung“ die überraschende Aufgabe, dem „Weißen Gold“ aus Sachsen ein ganz neues Aussehen zu geben. Das Künstlerkollektiv, bestehend aus Peter Strang, Heinz Werner, Ludwig Zepner, Rudi Stolle und Volkmar Bretschneider, entwickelte in der Folge gänzlich neue Formen und dringende Devisenbeschaffung für die DDR-Planwirtschaft nicht geeignet. Erst ab 1960 änderte sich die schwierige Situation mit der nun völlig neuen Ausrichtung für die Porzellangestaltung. Mit „Sonder-Erlaubnis“ und sogar inspirierenden Asien-Reisen hatte das fünfköpfige Künstlerkollektiv plötzlich die einmalige Gelegenheit, Porzellanstücke zu entwerfen und zu kreieren, die auch auf dem westlichen Markt bestehen sollten und dort tatsächlich gefragt waren.

Malereien für das Meissener Porzellan. Viele Jahre lang konnte die Gruppe künstlerisch völlig frei experimentieren und probieren. Dabei siedelten die fünf Künstler die neuen Porzellanentwürfe in Form und Dekor überraschend oft in der bunten Welt der Märchen, Fabeln und der Träume an. Mit rund 200 Exponaten erinnert die beeindruckende Präsentation an ein wenig beachtetes Kapitel in der Geschichte dieser ältesten europäischen Porzellanmanufaktur.

Vase mit Purpurmalerei aus „Tausendundeine Nacht"; Form: Ludwig Zepner, 1960; Dekor: Prof. Heinz Werner, 1967; Ausformung: Meissen, 1967; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


Schreib- und Rauchgarnitur „Kästchenmosaik" mit Dekor „Sommernachtstraum"; Form: Ludwig Zepner, 1966/67; Dekor: Prof. Heinz Werner, 1969; Ausformung: Meissen, 1969; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


■Märchenwelten

Die neuen Produkte brachten jedenfalls die Wende für die Meissener Porzellan- Produktion: Auf den neuen attraktiven Stücken entfalteten sich ferne Welten und Abenteuer in phantasievollen Märchenreichen und mit leuchtenden Farben. Diese Porzellane versprühten ungewohnten Glanz, Harmonie und Freizügigkeit. So 22 lauscht beispielsweise der Porzellan-Kalif Harun ar Raschid seiner Sherazade auf einem Tafelaufsatz als Szene aus „Tausendundeiner Nacht“. Inspiriert von Shakespeares „Sommernachtstraum“ zeigt eine Plastik die Elfenkönigin Titania, die ihren eselköpfig verzauberten Zettel verliebt umgarnt. Gezeigt wird auch eine Schreibund Rauchgarnitur „Kästchenmosaik“ mit dem Dekor „Sommernachtstraum“.

Titania und Zettel aus dem „Sommernachtstraum"; Form: Peter Strang, 1969; Dekor: Prof. Heinz Werner; Ausformung: Meissen, 1975; Meissen Porzellan Stiftung © Daniel Bahrmann


■Produkte für den Westen

Die formal schlichten Produkte einer von der SED verordneten „proletarischen“ Porzellankunst, die in den Werkstätten des 1950 aus Ruinen neu erstandenen „VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen" in den Anfangsjahren produziert wurden, fanden im Ausland in der Nachkriegszeit wenig Anklang. Damit waren die Porzellan- Produkte aus Meissen für die dringende

■unpolitische Themen

Solche Themen aus dem Bereich Märchen und Sagen waren – bewusst oder unbewusst – ganz unpolitisch angelegt und stellten in deutlichem Gegensatz zur tristen sozialistischen Realität kleine erlaubte Ausbrüche und Phantasiereisen aus dem sozialistischen Alltag hinter Stacheldraht und Mauern dar. In den Porzellanen von Heinz Werner und Peter Strang begegnet der Betrachter aber nicht nur den Helden aus orientalischen Märchen oder Feen und Trollen Shakespeares, sondern etwa auch dem Lügenbaron Münchhausen, Waldnymphen und lüsternen Jägern, die ihnen nachstellen.

Wandplastik „Fliegender Teppich"; Form: Peter Strang, 1967/68; Dekor: Johannes Fohlert; Ausformung: Meissen, 1967/68; Meissen Porzellan- Stiftung © Daniel Bahrmann


Kaffeegedeck und Teedose „Kollektivservice" mit Dekor „Münchhausen"; Form: Erhard Großer, Alexander Struck und Ludwig Zepner, 1961; Dekor: Prof. Heinz Werner und Rudi Stolle, 1964 Ausformung: Meissen, 1967-1973; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


■Heiter und leicht

Mit seinen 250 Teilen wird das auch in Düsseldorf zu sehende „Jagdservice" zum umfassendsten Service aus Meissen im 20. Jahrhundert © Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young


Ein besonders charakteristisches Merkmal der Arbeiten von Heinz Werner sind Malereien, die Leichtigkeit und Heiterkeit vermitteln. Plastisch dargestellt wurden etwa Figuren aus der Märchenparabel „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz, dessen Bühnenfassung 1964 am Deutschen Theater in Ostberlin Premiere feierte. Die Wandplastik „Fliegender Teppich“ formte Peter Strang 1967/68 mit einem Dekor von Johannes Fohlert aus. Im Jahre 1970 modellierte Peter Strang – von Bert Brechts Witwe Helene Weigel genau beobachtet auch die „Die Hochzeit des Macheath“ als Szene aus der „Dreigroschenoper“.

■„Neuer Ausschnitt”

Die Formen des neuen DDR-Porzellans waren zwar immer noch durch den historischen Serviceklassiker „Neuer Ausschnitt“ aus den frühen Manufakturjahren um 1745 inspiriert, erhielten jedoch größere Proportionen, schwingende Konturen und gebogene Kanten. Im Jahre 1973 vollendeten die mittlerweile mit dem Kunstpreis der DDR geehrten Ludwig Zepner, Peter Strang und Heinz Werner die neue Form „Großer Ausschnitt“, deren Teller, Schalen und Platten auf der Grundform des Blütenkelches basieren. Das Kaffeeservice „Großer Ausschnitt“ wurde mit dem Dekor „Tausendundeine Nacht“ geschmückt. Und das Mokkaservice „Großer Ausschnitt“ zeigt das Dekor „Jägerlatein“. Das Kaffeegedeck und die Teedose „Kollektivservice“ bestechen hingegen mit dem Dekor „Münchhausen“. Das Teeservice „Blütenrelief“ mit Dekor „Platinwild“ stammt aus dem Jahr 1968 von Ludwig Zepner mit einem Dekor von Prof. Heinz Werner. Eine Vase mit Zauberpferdchen „Tausendundeine Nacht“ entstand 1960 und war Inspiration für eine Plastik von Peter Strang, die 1974 entstand. Mit seinen 250 Teilen ist das „Jagdservice“ das umfassendste Service aus Meissen im 20. Jahrhundert, das ebenfalls in der Düsseldorfer Ausstellung zu bewundern ist.

Elsa aus der Märchenparabel „Der Drache"; Form: Peter Strang, 1967; Dekor: Prof. Heinz Werner; Ausformung: Meissen, 1967; Meissen Porzellan- Stiftung © Daniel Bahrmann


Teeservice „Blütenrelief" mit Dekor „Platinwild"; Form: Ludwig Zepner, 1968; Dekor: Prof. Heinz Werner, 1970; Ausformung: Meissen, 1968; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


■Rahmenprogramm

Mokkaservice „Großer Ausschnitt" mit Dekor „Jägerlatein"; Form: Ludwig Zepner, 1973; Dekor: Prof. Heinz Werner; Ausformung: Meissen, 1973; Meissen Porzellan-Stiftung © Daniel Bahrmann


Als Rahmenprogramm zur der Sonderausstellung wird in Kooperation mit dem Filmmuseum am Dienstag, 4. Februar, um 20 Uhr, das Werk „Ein Sommernachtstraum“ (1959) von Regisseur Jiří Trnka in der Black Box des Filmmuseums (Schulstraße 4) gezeigt. Eine von mehreren Kuratoren- Führungen durch die Schau findet zum Abschluss am Mittwoch, 26. Februar, um 18 Uhr statt.


wie angegeben