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MEISTER SPION


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 17/2021 vom 13.08.2021

Sicherheits-Center

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Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 17/2021

Heute müssen Spione nich mehr in dunklen Hauseingängen auf der Lauer liegen – schließlich haben ihre Zielpersonen allesamt Smartphones. Und so sitzen die Schnüffler zumeist irgendwo auf der Welt an einem Computer und werten dort Daten aus, die sie mit spezieller Spähsoftware erbeutet haben.

Spyware Pegasus enttarnt

Ein offenbar besonders gut arbeitendes Spionageprogramm heißt Pegasus. Die Software nistet sich auf Smartphones ein und überwacht dort permanent das Nutzungsverhalten der Zielperson: Telefonate, Chatverläufe, Fotos, Mail- Inhalte, Aufenthaltsorte – alles lässt sich mit Pegasus herausfinden. Entwickelt hat das Programm vor rund zehn Jahren die israelische Sicherheitsfirma NSO.

Nach eigener Aussage soll es die Spyware Sicherheitsbehörden vor allem ermöglichen, Terroristen und andere Kriminelle zu überführen. Und das mit Erfolg: 2011 gelang es mexikanischen ...

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... Sicherheitskräften, mithilfe von Pegasus den Drogenboss „El Chapo“ aufzufinden und festzunehmen.

Nicht nur Terroristen

Allerdings öffnete NSO mit Pegasus die Büchse der Pandora. Denn wenn man Terroristen oder Drogenbarone mit der Spähsoftware dingfest machen kann, warum dann nicht auch unliebsame Politiker, Regimekritiker oder Journalisten? Und genau das ist passiert: Jahrelang ist Pegasus wohl schon gegen diese Personenkreise im Großeinsatz. Aufgedeckt hat den Skandal die Gruppe „Forbidden Stories“ in Zusammenarbeit mit Amnesty International.

Staatschefs im Visier

Prominente Opfer von Pegasus sind unter anderem Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sowie mehrere Mitglieder seiner Regierung. Seit 2019 soll der marokkanische Geheimdienst die Smartphones der Politiker angezapft und überwacht haben.

Weitere Recherchen ergaben, dass unter anderem auch EU-Ratspräsident Charles Michel sowie Personen aus dem Umfeld des Dalai Lama womöglich ausgespäht wurden. Forbidden Stories und Amnesty International zufolge besteht der Verdacht, dass Regierungsmitglieder aus 20 Staaten und Hunderte Regierungsbeamte aus mehr als 30 Ländern Opfer von Pegasus geworden sind.

Außerdem fanden die IT-Experten von Amnesty die Spähsoftware auch auf Telefonen von Journalisten und Menschenrechtlern. So wurde das Smartphone des britischen Anwalts David Haigh vom Geheimdienst Dubais angezapft. Haigh hatte versucht, der Prinzessin Latifa Al Maktum bei ihrer Flucht aus Dubai zu helfen. „Das Pegasus-Projekt legt offen, dass die NSO-Spyware das Mittel der Wahl für repressive Regierungen ist“, sagt die Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard.

Stress mit Facebook

Die Firma NSO und ihr Pegasus- Programm stehen schon lange unter Beobachtung. Facebook etwa hatte NSO 2019 verklagt. Der Vorwurf: NSO habe versucht, sich über eine später geschlossene Sicherheitslücke beim Messenger WhatsApp, der zu Facebook gehört, Zugriff auf Hunderte Smartphones zu verschaffen. NSO wehrte sich vor Gericht. Die Firma betonte, dass Verträge mit Kunden wegen des Verdachts von Menschenrechtsverletzungen gekündigt worden seien.

WhatsApp-Chef Will Cathcart legte jetzt nach, bezeichnete die aktuellen Enthüllungen als „Weckruf“: „Mobiltelefone sind entweder für jeden sicher, oder sie sind nicht für jeden sicher“, sagte er der britischen Zeitung „The Guardian“. „Wenn das Journalisten auf der ganzen Welt betrifft, wenn das Verteidiger von Menschenrechten auf der ganzen Welt betrifft, dann betrifft das uns alle.“

NSO gibt sich unschuldig

Was sagt NSO zu den Vorwürfen? Auf seiner Webseite wirbt das Unternehmen weiterhin damit, dass die Software Terroristen aufspürt und so weltweit für mehr Sicherheit sorgt. Auf die Vorwürfe reagiert man ziemlich empfindlich. In einer offiziellen Erklärung mit der Überschrift „Enough is enough!“ (Jetzt reicht’s!) ist die Rede von einer „orchestrierten Medienkampagne“ und einer gezielten Verleumdung. Deshalb, so NSO, werde man sich nicht mehr öffentlich zu den Vorwürfen äußern. Souverän klingt anders …

Dazu sorgt der Skandal für diplomatischen Wirbel: Israels Verteidigungsminister Benny Gantz etwa versicherte seiner französischen Kollegin Florence Parly, dass Israel die Vorwürfe sehr ernst nehme. Sein Land erteile beim Cyber-Export Genehmigungen nur für den Einsatz im Kampf gegen Terrorismus und Verbrechen, so Gantz. Israelische Repräsentanten hätten die Büroräume von NSO „besucht, um die Vorwürfe gegen das Unternehmen zu prüfen“.

Bislang kein Kraut gewachsen

Was kann man gegen Pegasus zum jetzigen Zeitpunkt tun? Wenig – so erklärte etwa das BSI, dass es aktuell keine Möglichkeit gäbe, Pegasus auszuschalten. Selbst wenn IT- Experten jetzt aufgrund der Leaks hinter den Mechanismus von Pegasus kommen und Schutzmaßnahmen entwickeln, müsse man auf der Hut sein.

In einem Punkt gibt das BSI allerdings ein bisschen Entwarnung: Pegasus ziele nicht auf eine Massenüberwachung der Bevölkerung. Deshalb wird die Bedrohungslage derzeit als „nicht kritisch“ eingestuft.

[rs]

PEGASUS: SIND SIE BETROFFEN?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht nicht davon aus, dass Pegasus auf Handys einfacher Bürgern zum Einsatz kommt. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, kann sein Smartphone auf einen etwaigen Befall hin überprüfen. Das ist aber nicht gerade einfach und erfordert ein paar Kenntnisse im Umgang mit Programmiersprachen.

COMPUTER BILD hat das Ganze exemplarisch an einem iPhone Schritt für Schritt durchgeführt. Das können Sie nachmachen: Befolgen Sie dazu die bebilderte Anleitung von COMPUTER BILD, die Sie unter www.cobi.de/12777 finden. In groben Zügen erklärt, klappt die Suche nach den Pegasus-Spuren so:

■ Backup anlegen: Der Datenabgleich sollte aus Sicherheitsgründen nicht auf dem iPhone direkt erfolgen. Stattdessen erstellen Sie zunächst ein Backup des Smartphone- Inhalts und suchen darin nach den Pegasus-Spuren. Das geschieht zum Beispiel mit der iTunes-Software.

■ Backup aufbereiten: Dazu brauchen Sie einen Mac und das darin enthaltene Programm Terminal. Dabei ist etwas Handarbeit angesagt, denn für die Aufbereitung müssen Sie ein paar kryptische Befehle ins Terminal eingeben.

■ Amnesty-Datenbank laden: Ist die Vorarbeit erledigt, erfolgt der eigentliche Datenabgleich. Hierfür laden Sie die von Amnesty International zur Verfügung gestellte Datenbank herunter und installieren außerdem ein Programm namens Mobile Verification Toolkit. Mit dem gleichen Sie Ihr iPhone-Backup mit den Pegasus-Datensätzen ab. Erscheint beim Abgleich das Ergebnis „_detected“, dann hat das Tool eine Übereinstimmung gefunden – und dann ist es wahrscheinlich, dass Sie Opfer von Pegasus geworden sind.