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MEISTERSCHAFT 2011 FÜR IMMER UNSTERBLICH


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 20.05.2021

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 6/2021

Ein Bild für die Ewigkeit: Dirk Nowitzkis Mavs feierten am 12. Juni 2011 den größten Erfolg der Franchise-Geschichte


Die Anzeigetafel zeigt 21:16 zugunsten der Milwaukee Bucks, als Jason Kidd zu einem Fadeaway-Jumper ansetzt. Eigentlich ist dafür bei den Dallas Mavericks ein anderer zuständig, der aber sitzt im Anzug auf der Bank. Eine Knieverstauchung zwingt Dirk Nowitzki bereits das dritte Spiel in Folge zum Zuschauen. Den Mavs fehlt ihr bester Spieler an allen Ecken und Enden. Die ersten beiden Spiele ohne den bereits zu diesem Zeitpunkt größten Spieler der Franchisegeschichte gingen verloren. ...

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... Aus dem Titelanwärter ist binnen weniger Tage ein durchschnittliches NBA-Team geworden. Nun aber übernimmt der 37-jährige Veteran Kidd die Führung, sein Wurf findet den Weg durch die Reuse – nur noch drei Punkte Rückstand.

Eine Aktion, die eigentlich keiner weiteren Erwähnung bedarf. Doch plötzlich ist das Spiel unterbrochen. Caron Butler liegt am Boden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht krümmt sich der hinter Dirk zweitbeste Scorer des Teams auf dem Parkett. Das rechte Knie hat etwas abbekommen, Butler humpelt in die Kabine – die nächste Hiobsbotschaft für Rick Carlisle. Zwei Tage später herrscht Gewissheit: Butler fällt mit einem Kreuzbandriss für den Rest der gesamten Spielzeit aus. Die Mavericks stehen plötzlich ohne ihre beiden besten Spieler da. Das Spiel gegen die Bucks verlieren die Texaner, es ist die dritte Niederlage in Folge. Es folgen weitere sechs in den kommenden acht Spielen – und die Erkenntnis, dass es so tatsächlich nochmal eng werden könnte im Kampf um einen Playoff-Platz, vom Titelrennen mal ganz zu schweigen.

Die Lage der Dallas Mavericks im Januar 2011, zwölf Wochen vor Beginn der Playoffs, kann rückblickend zweifelsohne als Tiefpunkt der Saison 2010/11 bezeichnet werden. Zwar fangen sich die Mavs kurz darauf wieder, als echter Contender werden sie ohne Butler aber nicht ernst genommen. Das liegt vor allem an den bittereren Playoff-Pleiten der letzten Jahre. Trotz großer Erwartungen strichen die Mavs 2007, 2008 und 2010 jeweils in der ersten Playoff-Runde die Segel, 2009 war in den Conference Semifinals Schluss. Kritiker haben den Schuldigen längst ausgemacht: Dirk „No-win-ski“. Der Power Forward sei eben kein Gewinner und außerdem viel zu „soft“. Inhaltlich belegen lässt zumindest letzterer Vorwurf nicht, doch dem Würzburger läuft die Zeit davon. Will er den Stempel des ewigen Versagers ablegen, muss er – so die ungeschriebenen Gesetze in den USA – eine Meisterschaft gewinnen. 2011 soll es klappen, doch angesichts dieser Rückschläge setzt zu diesem Zeitpunkt niemand einen Cent auf das mit Abstand älteste Team der Liga.

Erste Hürde: Portland

„Das Einzige, wofür ich spiele, ist die Meisterschaft.“ Einen Monat vor Playoffstart formuliert der 32-Jährige Leader der Mavs allen Widerständen zum Trotz noch einmal sein großes Ziel. Als drittbeste Mannschaft im Westen treffen Jason Kidd, DeShawn Stevenson, Shawn Marion, Dirk Nowitzki und Tyson Chandler – so die Starting Five – auf die Portland Trail Blazers. Auf dem Papier eine machbare Aufgabe, angesichts der jüngeren Vergangenheit setzen aber viele Experten auf die von LaMarcus Aldridge angeführten Blazers.

Zwölf Tage später sind die Zweifel ausgeräumt. Angeführt von einem dominanten Nowitzki setzt sich das Team von Rick Carlisle völlig verdient mit 4:2 in der Serie durch. „Wir haben am Anfang der Saison gesagt, dass wir Meister werden wollen. Um das zu schaffen, muss man die erste Runde überstehen,“ sagt der „große Blonde“ anschließend im Interview mit dem TV-Sender TNT. Ein Ausrufezeichen, das weiß er selber, ist der Einzug in die zweite Runde nicht. Mit den Los Angeles Lakers um Superstar Kobe Bryant und Trainerlegende Phil Jackson wartet dort der Champion der vergangenen beiden Jahre. Da nach wie vor alle Stars an Bord sind, geht „Purple and Gold“ als klarer Favorit in die Serie. Keiner glaubt ernsthaft an die Mavericks.

Keiner? Das stimmt nicht so ganz, denn ganz Dallas verwandelt das American Airlines Center in einen Hexenkessel in blau. Das dritte Spiel der Spiel der Serie geht als „Royal Blue-Out game“ in die Historie ein. Alle Fans in der Heimarena der Mavs tragen blaue Shirts mit der Aufschrift „The Time is Now“. Sie spüren längst, was der Rest der Basketballwelt noch nicht so richtig glauben mag: Die Dallas Mavericks sind in diesem Jahr speziell! Zu diesem Zeitpunkt steht es bereits 2:0 für den Außenseiter und die Serie zeigt eindrucksvoll, was die Texaner neben einem konstant überragenden Dirk auszeichnet: ihre mannschaftliche Geschlossenheit. Die Benchunit macht den Unsterschied zugunsten des dritten Seed im Westen und dann ist da noch der X-Faktor der Mavs: Jason Terry.

Mit 25,3 Punkten pro Spiel warf Nowitzki die Lakers um Kobe Bryant in vier Spielen aus den Playoffs.


Der „Jet“ läuft heiß und versetzt in der Defense völlig ratlosen Lakers in Spiel vier mit neun Dreiern (bei 10 Versuchen) den Todesstoß. Der Sweep ist vollbracht – gegen den Back-to-back-Champion wohlgemerkt! Während der Einzug in die Conference Finals für die Mavs nur ein weiterer Schritt auf ihrem unaufhaltbaren Weg in die Finals sein soll, bedeutet die Niederlage für Phil Jackson das Ende seiner Trainerlaufbahn in der NBA. „Ich glaube nicht, dass ich ein Team in einer Playoff-Serie schon mal so spielen gesehen habe wie die Mavs in Spiel vier. Wir hätten ihnen gerne etwas entgegen gesetzt, aber wir konnten nicht“, so der „Zen Master“. Worte, die angesichts seiner wahrlich beeindruckenden Coaching-Karriere durchaus Gehalt haben. Der Verfechter der „Triangle Offense“ macht vor allem die Leistung der Bank und die Zonenverteidigung als Knackpunkte aus.

Historische Dirk-Show

Damit spricht Jackson zwei Kernpunkte des Erfolgs der Dallas Mavericks an. Rick Carlisle setzt in den Playoffs auf zwei extrem ungewöhnliche taktische Mittel. Zum einen verteidigt er oft in einer klassischen 3-2-Zone. Das funktioniert vor allem deswegen so gut, weil mit dem vor der Saison aus Charlotte gekommenen Center Tyson Chandler der perfekte Rim-Protector im Kader steht. Gleichzeitig entlastet er so seinen einzigen All Star Dirk Nowitzki, dessen defensive Schwächen in der Manndeckung bekannt sind. Zum anderen vertraut er in der wichtigsten Phase der Saison, in der andere Teams ihre Starter häufig 40 Minuten oder länger pro Spiel auf dem Parkett lassen, oft seiner Benchunit um die vor allem offensiv extrem treffsicheren Jason Terry, JJ Barrea und Peja Stojakovic. Diese Maßnahmen machen Dallas an beiden Enden des Courts unberechenbar und schwer zu bespielen. Das müssen auch die Oklahoma City Thunder in den Western Conference Finals feststellen.

Das mit großer Spannung erwartete Spiel eins der Serie wird zu einer historischen Dirk-Show. Die Zuschauer im American Airlines Center dürfen dabei zusehen, wie der „große Blonde“ das gegnerische Team im Alleingang zerlegt. Ob Serge Ibaka, Nick Collison, Thabo Sefolosha oder Kevin Durant – Dallas‘ Nr. 41 führt jeden, den OKC-Coach Scott Brooks in seiner Verzweiflung auf ihn ansetzt, nach allen Regeln der Kunst vor. Post-ups, Pump Fakes, Fadeaway-Jumper – das Kommentatorenduo von ESPN um Jeff van Gundy und Mark Jackson spart angesichts einer der besten Shooting-Perfomances in der Geschichte der Playoffs nicht mit Superlativen: „Wieviele bessere Performances in den Playoffs haben wir je gesehen“, fragt sich van Gundy kurz bevor Nowitzki seine Punkte 47 und 48 (u. a. 24/24 von der Freiwurflinie) erzielt. Sein Kollege bläst ins gleiche Horn: „Ich habe Dwyane Wade im Alleingang einen NBA-Titel gewinnen gesehen, indem er eine der unglaublichsten Leistungen aller Zeiten in den Finals 2006 hingelegt hat. Und heute denke ich über Dirk das gleiche. Er ist einfach zu gut! OKC muss was unternehmen. Von einem Spieler alleine ist er nicht zu stoppen.“

Im entscheidenden Spiel sechs gegen die Miami Heat legte Nowitzki 21 Punkte und elf Rebounds auf.


Die Mavs gewinnen nach einer der besten Leistungen in Dirks gesamten Karriere Spiel eins und geben sich gegen die jungen Thunder auch in der Folge kaum eine Blöße. Weil „The German Wunderkind“ seinem Spitznamen alle Ehre macht und während der gesamten Serie „unstoppable“ bleibt (32,2 PPS), heißt es am Ende 4:1 für die Mavericks. Auf den 9. Pick von 1998 wartet die zweite Finalserie seiner Karriere – und ein Trio, das es in sich hat.

Einer gegen drei

Finals. Dallas gegen Miami. Dirk Nowitzki gegen Dwyane Wade. Moment mal, da war doch was? Richtig! Bereits fünf Jahre zuvor kämpften die beiden Superstars um die Larry O‘Brien Trophy – bekanntermaßen mit dem besseren Ende für D-Wade. Ein Umstand, der Nowitzki nachts immer noch Albträume beschert. Er sinnt auf Wiedergutmachung und weiß, dies könnte – dies wird – vermutlich seine letzte Chance auf eine NBA-Meisterschaft sein.

Doch die Vorzeichen stehen schlecht – oder gut, je nachdem wie man es nimmt. Schlecht, weil die vor der Saison neuformierten „Big Three“ um Wade, LeBron James und Chris Bosh ausgerechnet in den Playoffs ihren besten Basketball zeigen. Die Heat sind mit einem Record von 12:3 durch den Osten gefegt und gelten bei den Buchmachern als fast schon sicherer Sieger. Dieses Team wurde nur aus einem Grund zusammengestellt: um Titel zu gewinnen. Die ganze Basketballwelt fiebert der ersten Meisterschaft des „Kings“ entgegen. Doch hierin liegt auch Gutes: Denn die Mavs gehen wie bereits gegen die Lakers sowie gegen die Thunder als Underdog in die Serie. Eine Rolle, an der sie Gefallen gefunden haben.

Spiel eins aber läuft nicht nach Plan. Im American Airlines Center bestechen die Heat durch schnellen und spektakulären Basketball. Die 92:84-Niederlage schmerzt vor allem #41, der sich einen Sehnenriss im Mittelfinger der linken Hand zuzieht und infolgedessen die kommenden Partien mit einer Schiene spielen muss. Zu „soft“? Abwarten! Spiel zwei wirkt über weite Strecken wie die Fortsetzung von Spiel eins, die Heat dominieren und Dallas versucht irgendwie dagegen zu halten. Mitte des Schlussviertels führt das Team von Erik Spoelstra dennoch mit 15 Punkten, den Mavs droht ein Desaster. Doch es kommt anders.

Dank eines Comebacks für die Geschichtsbücher! Dallas zündet den Turbo: Angeführt von der personifizierten Mikrowelle Jason Terry geht plötzlich alles. Während der Vorsprung peu a peu schrumpft, verkrampfen LeBron und Co. mit jeder Minute mehr. Am Ende übernimmt der bis dahin glücklose Nowitzki, versenkt erst einen Clutch-Dreier zum Ausgleich und bringt drei Sekunden vor Schluss mit einem energischen Drive eine der größten Aufholjagden in der Historie der Playoffs zum Happy End. Während die Fans in der American Airlines Arena in Miami völlig schockiert auf ihren Plätzen versinken, analysiert Dirk, was da gerade passiert ist: „Das war definitiv ein unglaubliches Comeback und ein großer Sieg für uns. Wir haben nie aufgegeben. Das war entscheidend.“

The Time is Now

In der Folge entwickeln sich die Finals für Basketballanhänger beider Teams zu einer echten Achterbahnfahrt der Gefühle. Richtig dramatisch wird es in Game vier. Die Heat haben erneut vorgelegt, Dallas weiß beim Stand von 1:2, dass die Stunde geschlagen hat. Doch ausgerechnet vor diesem vorentscheidenden Spiel streikt plötzlich Nowitzkis Körper. Mit fast 39 Grad Körpertemperatur schleppt sich der sichtlich ausgelaugte Seven-Footer aufs Parkett – offensichtlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Zu „soft“? Mitnichten!

Den in Wahrheit extrem toughen Würzburger, den in seiner Karriere sage und schreibe 25 Verstauchungen am Sprunggelenk nur lächerliche 18 Spiele außer Gefecht setzen konnten, halten in diesen Finals weder verletzte Finger noch irgendwelche Infekte davon ab, den Hardwood zu betreten und alles in die Waagschale zu werfen. Das Fieber aber fordert seinen Tribut. Seine Würfe fallen nicht so wie sonst, jeder Sprint wird zur Qual. Ausgerechnet Dirk, der sein Team bis hierher gebracht hat, so weit, wie ein Einzelner eine Mannschaft nur tragen kann – ausgerechnet ihn stoppt nun das Schicksal. Doch die, die der 32-Jährige mitgenommen hat auf seiner Reise zum Basketball-Olymp, sie retten ihn an diesen Abend bis ins vierte Quarter. Shawn Marion ist einer von ihnen. Der Alleskönner auf dem Flügel erzielt an diesem Abend doppelt so viele Punkte wie LeBron James (8) – was auch einiges über seine Defensivqualitäten aussagt. Am Ende übernimmt dann aber doch wieder der völlig erschöpfte Nowitzki, der die Serie mit letzter Kraft höchstpersönlich ausgleicht. Gänsehaut!

Auf dem Papier steht es 2:2 in der Serie, doch die Mavs haben den scheinbar übermächtigen Gegner mental gebrochen. Wade, der einmal mehr überragende Finals spielt, und LBJ verspotten Dirk vor Spiel fünf, in dem sie seinen Infekt ins Lächerliche ziehen. Auf dem Court allerdings hat der MVP von 2006/07 das letzte Lachen. Mit 29 Punkten avanciert er zum Topscorer, auch JJ Barrea – mittlerweile Starter auf der zwei – und Jason Terry treffen wie im Training. Am Ende steht eine Dreierquote von fast 70 Prozent auf dem Statsheet. Nur noch ein einziges Spiel trennt Dallas nun von der ersten Meisterschaft der Franchise-Geschichte – und Dirk vom Status der lebenden Legende.

Nowitzki auf Abwegen

Spiel sechs wird ab dem dritten Viertel zu einem einzigen Rausch. Ein Blick auf die Körpersprache der Protagonisten lässt keinen Zweifel mehr, wer an diesem Abend als Sieger vom Court geht. Spätestens als Nowitzki, der ansonsten ausnahmsweise mal kein gutes Spiel macht, 30 Sekunden vor Schluss eine einmal mehr starke Vorbereitung von Kidd per Layup vollendet, knallen die Sektkorken in ganz Texas – und in ganz Deutschland. Als kurze Zeit später die Schlusssirene ertönt, fallen sich die frisch gebackenen NBAChampions in die Arme. Für sie alle ist es die erste Meisterschaft ihrer Karriere. Der Meistermacher aber fehlt. Finals-MVP Dirk Nowitzki sitzt bereits in der Kabine, von seinen Emotionen übermannt.

Als er sich wieder gefangen hat, bedankt er sich erst einmal bei „seinen Jungs“: „Das war das ganze Jahr über unsere Stärke. Wenn einer mal nicht ein so gutes Spiel hatte, ist der andere reingekommen für ihn, hat ausgeholfen und Selbstvertrauen gegeben“, so Nowitzki. „Einer“ im Team – so sieht sich der Power Forward selbst. Bescheiden – aber nicht ganz zutreffend. Der einzige All Star im Team hat die Mavericks zu einem der unerwartetsten und deswegen beeindruckensten NBA-Titel der Historie geführt. Er brauchte 13 Jahre und 744 Siege, um im Basketball-Olymp anzukommen. Acht harte Playoff-Wochen liegen hinter ihm, acht Wochen, in denen Nowitzki nur noch auf Dirk verkürzt wurde. In den USA ist es die vielleicht größte Auszeichnung, die man erhalten kann, und die nur wenigen zu Teil wird. Kobe (Bryant), Magic (Johnson) oder Larry (Bird)… nun auch Dirk. Er hat es geschafft, #41 ist NBA-Champion. Er ist aber noch viel mehr als das: Der beste Spieler, den Europa jemals hervorgebracht hat, der größte Maverick aller Zeiten, der bescheidene, loyale Superstar, der eigentlich keiner sein möchte. All das und noch viel mehr. Die Welt verneigt sich an diesem 12. Juni 2011 vor diesem Ausnahmekönner.

Zehn Jahre später hat sich daran nichts geändert. Ein weiterer Titel war dem Würzburger bis zum Ende seiner Karriere 2019 nicht mehr vergönnt, doch das macht gar nichts. Denn so besonders wie der Titel 2011 hätte es sowieso nie wieder werden können.

Dirk Nowitzki liftet die Larry O‘Brian Trophy. Der damals 32-Jährige wurde auch zum Finals MVP gekührt.

NBA-CHAMPIONS MIT NUR EINEM ALL STAR

Seit der Einführung des All Star Games 1951 gab es nicht viele Teams, die mit nur einem Spieler beim All Star Game vertreten waren und im selben Jahr die NBA-Meisterschaft gewannen. Neben den Dallas Mavericks 2011 gelang das nur sieben Franchises, die San Antonio Spurs, die Detroit Pistons und die Houston Rockets schafften dieses Kunststück sogar zwei Mal.

MEIN PERSÖNLICHER FINALS-MOMENT

Peter Stross

Den Playoff-Run der Mavericks 2011 werde ich nie vergessen. Keiner glaubte an dieses alte Team, auch ich hatte zu Beginn der Finals meine Zweifel. Wie sollten Dirk & Co. dieses Top-Team stoppen? Nacht für Nacht habe ich dennoch mitgezittert und gehofft, dass sie es irgendwie schaffen. Dirk hatte diesen Titel so sehr verdient! Als mitten im vierten Quarter von Spiel 6 der Router meiner damaligen WG schlapp machte, bin ich fast gestorben vor Aufregung. Hektisch drückte ich als IT-Nerd diverse Knöpfe, weckte dabei meine Mitbewohner auf und versuchte das Ding irgendwie ans Laufen zu bringen. Als endlose Minuten und viele Schweißperlen später das Signal endlich zurückkehrte, starrte ich gebannt auf den Bildschirm- die Mavs führten zwei Minuten vor Schluss mit 12 Punkten! Ich konnte es kaum glauben. Die Mavericks hatten es tatsächlich vollbracht. Dirk hatte es geschafft! Das macht mich heute noch glücklich.

EINZIGARTIGER BASKETBALL-HYPE

Mick Oberbusch

Nicht oft gibt es Sportler, deren Leistungen so ungewöhnlich sind, dass sich auch Menschen dafür interessieren, die mit der Sportart an sich eigentlich nichts am Hut haben. Boris Becker ist so jemand, Michael Schumacher auch. Und eben auch Dirk Nowitzki, der 2011 eine echte NBAMania in Deutschland entfachte. Ich erinnere mich noch sehr gut an das entscheidende Spiel sechs in Miami, welches ich damals mit meiner Basketballmannschaft beim „Public Viewing“ verfolgt habe. Vor der Leinwand ein Meer aus Trikots mit der Nummer 41, vor der Lokalität quetschten sich die Menschen vor die Außenbildschirme, um diesen historischen Moment nicht zu verpassen. Die meisten von ihnen, dachte ich mir schon damals, haben wahrscheinlich an 364 anderen Tagen im Jahr nichts mit Basketball am Hut – dass sie 2011 dennoch zu „Dirk-Jüngern“ wurden, unterstreicht nur nochmal zusätzlich, was für ein besonderer Sportler der „Große Blone“ war.

KRÖNUNG EINES LEBENSWERKS

Moritz Wollert

Offen gesagt war ich zunächst kein echter Nowitzki-Fan, abgesehen natürlich von der durchaus bereichernden Tatsache, dass ein Deutscher in der NBA zum Star wurde. Die Spielweise sagte mir nur bedingt zu, der Hype gewann für mich hierzulande zeitweise überhand und mein Herz schlägt nun mal für ein anderes Team. Mit echten Legenden ist es aber so, dass sich irgendwann fast kein Anhänger vor ihrer wirklichen Größe verschließen kann. Und dass er ein wirklich Großer war und ist, bewies Dirk spätestens 2011, am Zenit seiner Karriere. Sein sportliches Lebenswerk und sein tadelloser Charakter abseits des Courts verdienten sich in ihrer Konstanz genau den Respekt, den er mit dem Sieg gegen Miami in Stein meißelte. Jeder Fadeaway, jeder Layup, jedes eiskalte Play in der Crunchtime von diesem schlaksigen Superstar – sie wurden Monumente für die Ewigkeit. Deutsche Sportgeschichte, die uns allen und letztendlich Dirk niemand mehr nehmen kann.