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MEMORY SEIN LETZTER AUFTRAG


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 07.10.2022

Test des Monats

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 5/2022

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Ein angeheuerter Killer begibt sich verkleidet als medizinisches Personal in ein mexikanisches Krankenhaus. Zwei Gangster-Machos betreten es ebenfalls. Während der eine Wache hält, betritt der andere das Zimmer seiner bettlägerigen Mutter. Der Pfleger im Hintergrund soll verschwinden, was dieser bejaht, bevor er den Mann mit einer Klaviersaite von hinten erdrosselt und dessen Mutter mit panischem Herzrasen zurücklässt. Wieder im Auto angekommen wird die Todesnachricht übermittelt und das Handy vernichtet. Jeder Handgriff sitzt routiniert, das macht Alex’ jahrzehntelange Erfahrung in diesem Beruf aus. Jetzt nur noch den Zündschlüssel unter dem Blendschutz hervorholen … es liegt kein Schlüssel dort. Nachdenkliche Stille. Natürlich, der steckt ja in der Tasche …

Szenenwechsel nach Texas: „Papa Leon“ (Antonio Jaramillo als klare Anspielung auf Luc Bessons „Leon der Profi“) ...

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Szenenwechsel nach Texas: „Papa Leon“ (Antonio Jaramillo als klare Anspielung auf Luc Bessons „Leon der Profi“) verdingt sich als Zuhälter seiner 13-jährigen Tochter. Vor ihm sitzt ein schmieriger, introvertierter Typ in weißem Anzug. Aber er hat ja bezahlt, also soll er auch „seinen Spaß“ mit dem Mädchen haben. Als der verdeckte FBI-Ermittler Vincent Serra (Guy Pearce) auf das Kind zugeht, um dessen Alter ganz sicher von ihr bestätigt zu bekommen, folgt Beatriz dem durch Vaterhand eingebläuten Schema, wobei sie die Wanze unter Vincents Hemd entdeckt und Alarm schlägt. Es kommt zum Gerangel zwischen den Männern. Beide fallen durch ein Fenster mehrere Stockwerke hinab, einer von ihnen stirbt. Als Vicent nach oben zum Fenster blickt, sieht er eine verstörte Beatriz, die verzweifelt ihrem toten Vater hinterher schreit. Die monatelange Ermittler-Arbeit zu ihrem Fall ist damit aber noch lange nicht beendet. Beide Handlungsstränge laufen zusammen, als Alex in Texas den Auftrag erhält, zwei Morde zu begehen. Bei seinem ersten Opfer soll er digitales Beweismaterial aus dem Safe eines Zeugen bergen und diesen um die Ecke bringen. Am nächsten Tag wird Vincent zum Mordfall hinzugezogen, da jener in sein spezielles Tätigkeitsfeld der Kindesmisshandlung fällt. Währenddessen erkennt Alex anhand der Auftragsfotos, dass zu seinem „Job“ auch die minderjährige Beatriz gehört. Er weigert sich und bedroht den Mittelsmann, um die Sicherheit des Mädchens zu gewährleisten. In der folgenden alkoholberauschten Nacht träumt Alex vom Kindsmord. Als er aufwacht, überträgt das Fernsehen Nachrichten über die getötete Beatriz. Ist er etwa der Täter? Seine fortschreitende Alzheimer-Krankheit lässt ihn selbst an sich zweifeln. Würde er den Polizei-Ermittler spielen, wäre er wohl sein Hauptverdächtiger.

Spiel mit dem Vergessen

Ganz so extrem und kurzfristig wie in Christopher Nolans „Memento“ (2000) sieht der Bezug auf Alex’ Vergessen in diesem Film zwar nicht aus (hier konnte sich Neeson gewiss ein Paar Tipps von „Memento“-Star Guy Pearce geben lassen), dennoch sorgt die Krankheit im Rahmen des Thrillers für zusätzliche Spannungsmomente. Das narrative Potenzial hinter der Vergesslichkeit wurde bereits von so einigen Filmemachern und Serienschöpfern erkannt. Die beliebtesten Beispiele sind neben oben genanntem Film der koreanische Thriller „Memoir Of A Murderer“ (2017), bei dem der Killer ebenfalls unsicher ist, ob nicht er für die jüngsten Opfer verantwortlich ist; die dritte Staffel von „True Detective“ (2019), in der der Protagonist versucht, den Fall zu lösen, bevor er Elementares vergisst; sowie die türkische Kultserie „Ein guter Mensch“ (2018), bei der ein Gerichtsdiener das Vergessen nutzt, um sich bei seinem Rachefeldzug moralische Bedenkenlosigkeit zu gewährleisten. Noch vor alledem erschien allerdings der belgische Thriller „Totgemacht – The Alzheimer Case“ (2003) auf der Bildfläche, der sich auf Jef Geerarts Roman „De Zaak Alzheimer“ berief. Und dieser Film wiederum diente als Vorlage für das vorliegende amerikanische Remake „Memory – sein letzter Auftrag“ (2022), welches unter der Regie von „Casino Royale“-Regisseur Martin Campbell entstand. Jener hatte die Romanvorlage nie gelesen, war aber vom belgischen Film dermaßen überzeugt, dass er gerne eine eigene Version davon erschaffe wollte.

Das Remake

Wenn der belgische Drehbuchautor und Regisseur Erik Van Looy einen neuen Thriller produziert, kann man sich fast immer sicher sein, dass es irgendwann ein amerikanisches Remake davon gibt. Zu spannend sind einfach die Ausgangsprämissen und zu schlau die Handlungsentwicklungen, um sie dem amerikanischen Publikum vorzuenthalten. Das war bei „Loft – Tödliche Affären“ (2008) so, welches unter dem Titel „Mord im Loft“ (2014) ein US-Remake erhielt. Es ist bei „Totgemacht – The Alzheimer Case“ (2003) so, was wir uns im Rahmen dieses „Memory“-Artikels näher anschauen. Und es wird auch sicherlich bei „Das Protokoll – Mord auf höchster Ebene“ (2016) so sein.

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Man könnte jetzt darüber streiten, was die Amerikaner davon abhält, einfach das europäische Original zu schauen, zumal ein Großteil der „Memory“-Besetzung aus England, also quasi der unmittelbaren Nachbarschaft Belgiens stammt.

Aber dann müsste man auch gleich das ganze Remake-Prinzip in Frage stellen und da gibt es ja auch genügend deutsche Beispiele. Das Gute an einer Neuinterpretation ist immer, dass es die Chance mit sich bringt, Dinge besser zu machen oder einfach eine andere Perspektive mit einzubringen, vorausgesetzt die Filmemacher besitzen ausreichend Zeit, Geld und Talent, um sich mit dem Thema intensiv genug zu beschäftigen und ihren eigenen Blick darauf zu integrieren. Als Campbell seine erste Wahl Liam Neeson für die Hauptrolle gewinnen konnte, war ihm schon einmal die Finanzierung sicher.

Darkman

Mit 70 Jahren ist Hollywood-Ikone Liam Neeson genau im richtigen Alter, um einen Killer kurz vor seinem oder während des Ruhestands zu spielen. Wer weiß, wie lange er noch solche Action-Rollen übernehmen kann. Aber da seine Schauspielkarriere ohnehin sehr ungewöhnlich verlief, kann man sich einfach nur überraschen lassen. Im Prinzip beschritt er den gegenteiligen Weg eines Clint Eastwood, der zuerst wegen seiner Western-, Kriegs- und Thriller-Rollen bekannt wurde und dann ab 60 vermehrt ruhigere Dramenrollen annahm. Liam Neeson kannte man bis zu seinem 50. Lebensjahr hauptsächlich als Charakterdarsteller in Dramen wie „Schindlers Liste“ (1993), „Nell“ (1994), „Les Misérables“ (1998) sowie als Charmeur in Romanzen wie „Der Preis der Gefühle“ (1988), „Ehemänner und Ehefrauen“ (1992) und „Tatsächlich Liebe“ (2003). Das Schwert nahm er in „Excalibur“ (1981), „Rob Roy“ (1995), „Star Wars – Episode 1“ (1999) und „Königreich der Himmel“ (2005) gelegentlich zur Hand. Aber erst zur Jahrtausendwende schraubte der groß gewachsene Ire seine milde Art ein wenig zurück, um seine dunklere Seite – den 1990 geborenen „Darkman“ – zeigen zu können. Der romantische Krimi „Ein Herz und eine Kanone“ (2000) knüpfte noch an sein früheres Image an. Auch „Batman Begins“ (2005), wo Neeson den Ninja-Kämpfer Ducard mimt, war eher Schwertschwinger-Action als Rache-Thriller, obwohl der Film bereits diese Richtung einschlägt. Der Durchbruch als Rache-Thriller-Ikone kam dann mit der Luc-Besson-Produktion „Taken – 96 Hours“ (2008). Auch wenn er in den Jahren zuvor in relativ großen Produktionen als Nebendarsteller agierte, war ihm nun endlich wieder Erfolg als Hauptdarsteller vergönnt. Darum baute er dieses Action- und Thriller-Image kontinuierlich aus: „Unknown Identity“ (2011), „The Grey – Unter Wölfen“ (2011), „96 Hours – Taken 2“ (2012), „Non-Stop“ (2014), „96 Hours – „Taken 3“ (2014), „Run All Night“ (2015), „The Secret Man“ (2017), „The Commuter“ (2018), „Hard Powder“ (2019), „Honest Thief“ (2020), „The Marksman“ (2021), „The Ice Road“ (2021), „Blacklight“ (2022) – so umtriebig war Neeson noch nie in seiner gesamten Karriere, zumal er nebenbei auch weiterhin in Dramen, Fantasy- und Romantik-Streifen auftrat. In seiner zweiten Lebenshälfte wurde er also zu einer Art väterlichem „Dirty Harry“, der hauptsächlich unschuldige Kinder/Frauen schützt, rettet oder rächt – um bei dem Eastwood-Vergleich

zu bleiben. Tiefgreifend sind seine sehr linear gestalteten Thriller meistens nicht, aber ausgesprochen unterhaltsam. Handelt es sich dabei um Remakes wie etwa „Hard Powder“ oder eben „Memory“, scheint auch der Erzählton zu variieren und frischen Wind ins „Liam-Neeson-Genre“ zu bringen. Ansonsten ist die Art, wie sie hauptsächlich „Black Adam“-Regisseur Jaume Collet-Serra etabliert hat, die gleiche: Sie stellt dem sympathisch wirkenden Hauptdarsteller eine skandalöse Härte gegenüber und präsentiert eine zunehmende Wandlung, zum Beispiel vom liebenden Vater zum gnadenlosen Superkiller. Das funktioniert dann natürlich erstklassig als Identifikationsfigur für männliche Zuschauer mittleren Alters, die sich automatisch fragen, wozu sie imstande wären, um ihre Angehörigen zu schützen. In der aufgebauschten Fantasie sieht das dann sicherlich so aus wie in den Filmen.

Das „Billard-Spiel“

Martin Campbells „Memory“ ist da anders. Zunächst einmal gibt es zwei gleichberechtigte Protagonisten, die ungefähr die ähnliche Bildschirmzeit erhalten: Der von Neeson gespielte Alex sowie der von Guy Pearce gespielte Vincent. Beruflich gesehen sind sie Widersacher. Doch die Suche nach der Gerechtigkeit verbindet sie, weshalb das Publikum um das Schicksal beider bangt. Diese Konstellation der freundschaftlichen Gegner gab es auch schon bei Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“, nur das dort deren Endkampf im Mittelpunkt steht. Der zweite große Unterschied zu früheren Neeson-Filmen ist, dass die Action komplett unästhetisch umgesetzt wurde. Kommt es zur Gewalt, so ist diese kurz, realistisch und schmerzvoll. Oftmals findet die Gewalt im Geheimen statt und ist authentischerweise nur Mittel zum Zweck. Von der Charakterstruktur und der Handlung her ähnelt „Memory“ den erfolgreichen „John Wick“-Filmen, ist aber aufgrund der erzählerischen Herangehensweise (Ideologie über Individuen) und der absichtlich unästhetischen Note ein klarer Gegenentwurf. Hier gibt es eben nicht nur eine weiße Billard-Kugel, die alle anderen „einlocht“. Stattdessen stößt die Alex-Kugel die Vincent-Kugel an, welche über die Bande gespielt auf Vincents mexikanischen Kollegen Hugo Marquez (Harold Torres) trifft, welcher wiederum andere anstößt und am Ende gibt’s haufenweise Tote. Vorher wird aber noch die schwarze Achter-Kugel aufgedeckt.

Der menschliche Killer

Während John Wicks Rachegrund sowohl materieller (sein Auto) als auch persönlich-emotionaler Natur (der Hundewelpe seiner verstorbenen Frau) ist, handelt Alex in erster Linie aufgrund seines Kodex’. Spielt Keanu Reeves selbst mit seinen fast 60 Jahren noch einen coolen Anzugträger, so verkörpert Liam Neeson eher den arbeitenden Mittelstand, ebenjene Menschen, die eher praktisch mit ihren Händen arbeiten und darin ihre Profession sehen. Selbst wenn er einen Anzug in einem Film trägt, wirkt er dennoch nahbarer und menschlicher – weniger edelschwarze Abendgarderobe, mehr graue Vertreter-Uniform. „Memory“-Regisseur Martin Campbell hat sich übrigens nicht nur dadurch einen Namen gemacht, in „Casino Royale“ (2006) einen zeitgemäßeren, brachialeren, menschlicheren und dreckigeren Daniel-Craig-Bond vorzustellen, er verfilmte auch über ein Jahrzehnt vorher mit „James Bond: Golden Eye“ (1995) einen der beliebtesten Bonds aller Zeiten, zumal mit Pierce Brosnan auch in diesem Film ein neuer Hauptdarsteller eingeführt wurde. Wäre Liam Neeson als irischer Bond in Frage gekommen, hätte Campbell sicherlich zugesagt, ihm einen passenden Start zu verschaffen. Auch Drehbuchautor Dario Scardapane kann als Produzent und Schreiber der Serien „Marvel’s The Punisher“ (2017), „State Of Affairs“ (2014) und „The Bridge – America“ (2014) auf eine gewisse Genre-Erfahrung zurückgreifen, was man dem fertigen Film auch ansieht. Wenn am Ende eine Skimaske in offener Flamme bei Piano-Klängen verbrennt, ergibt sich das Bild, dass man vorrangig einen dicht verwobenen Thriller gesehen hat, ein Billardspiel des Todes, bei dem Ursache und Wirkung dicht beieinander liegen und die Charaktere von der Handlung ganz gezielt an einen Bestimmungsort verfrachtet werden, um ihre Rolle zu erfüllen. Das wäre mit einer Liam-Neeson-Ein-Mann-Show unmöglich gewesen. Guy Pearce ist als empathischer Ermittler ein ganz hervorragendes Gegengewicht.

Rot wie Blut im Schnee

Das Rollen-Image der Femme Fatale hängt der italienischstämmigen Monica Belucci seit dem überzeichneten Comic-Thriller „Dobermann“ (1997) an. Als waffenbewährte Action-Actrice war sie unter anderem auch 2004 in „Spy Bound“ zu sehen sowie in „Shoot ’Em Up“ aus dem Jahre 2007. Das brachte ihr nicht zuletzt den Part der geheimnisvollen „Matrix“-Domia sowie der Mafia-Witwe in „James Bond 007: Spectre“ (2015) ein. In „Memory“ spielt sie nun eine skrupellose Geschäftsführerin eines großen Unternehmens, die die meiste Zeit damit verbringt, ihre Untergebenen per Mobiltelefon anzuweisen, während ihr persönlicher Hausarzt versucht, ihr Leben zu verlängern. Doch nicht nur lang soll es sein, sondern auch erfüllt mit Jugend – einer Jugend, die Davana Sealman für immer versiegelt wissen will. Das macht aus ihr eine Art narzisstische, schönheitssüchtige, böse Königin wie aus dem Grimmschen Märchen „Schneewittchen“. Denn sie ist die Auftraggeberin des feigen Mordes an dem Mädchen Beatriz. Und Alex ist der moralisch zweifelnde Jäger, während sich der Prinz der Geschichte den Ermittlungen gegen den Jäger und der Königin widmet. Anstatt mit vergifteten Kämmen und Äpfeln wird hier allerdings mit blauen Bohnen gemordet, wobei Alex’ Klaviersaite durchaus als Gürtel durchgehen könnte. Und die Zwerge … vielleicht sollte man den Märchen-Vergleich auch nicht zu genau nehmen. Auffällig ist eben bloß, dass die Grundkonstellation des vorliegenden Thrillers „Memory“ sich der gleichen ursprünglichen Erzählmechanismen bedient, um Drama zu erzeugen, wie einst die mündlich tradierten Volksmärchen und auch aus den Charakteren zutiefst in der westlichen Kultur verankerte Archetypen gestaltet. So wird die Figur des Jägers hier mit dem Fluch des Vergessens belegt. Seine Schuld ist erst gesühnt, wenn er diese eine Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft hat – ein Ziel, das für ihn viel wichtiger wird als alles andere. Denn Alex weiß: Da er ohnehin im Verschwinden und Vergessen begriffen ist, wird dies sein letzter Auftrag werden.

EXTRAS

• Interview Monica Bellucci (ca. 2 Min.)

• Interview Liam Neeson (ca. 7 Min.)

• Interview Martin Campbell (ca. 5 Min.)

• Interview Guy Pearce (ca. 4 Min.)

UHD-BLU-RAY

Wer sich für die UHD-Blu-ray entscheidet, erhält echte 4K-Auflösung und einen intensiveren HDR-Kotrast, der die ohnehin schon sehr hellen Bilder noch stärker konturiert sowie die zusätzliche Leuchtstärke des heimischen UHD-Equipments unterstützt. Die Farbgestaltung bzw. Farbkorrektur ist die gleiche wie auf der Blu-ray, die Sättigung ist allerdings höher. Auch die Audio-Abmischung wurde im verlustfreien DTS-HD-MA-5.1-Mix beibehalten. Das Menü samt der Bonusfeatures ist identisch.

FALKO THEUNER

Thriller

OT: Memory L: US J: 2022 V: Splendid Film B: 2.39 : 1 T: DTS-HD MA 5.1 R: Martin Campbell D: Liam Neeson, Guy Pearce, Monica Bellucci LZ: 114 min FSK: 16 W-Cover: ja