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Mensch & Tier: »Bei Echtfell gibt es Punktabzug«


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 21.06.2019

Als großer Tierfreund spricht sich der Modeschöpfer Guido Maria Kretschmer aus tiefster Seele gegen Echtfell aus


Artikelbild für den Artikel "Mensch & Tier: »Bei Echtfell gibt es Punktabzug«" aus der Ausgabe 7/2019 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 7/2019

Freunde fürs Leben Seine Hunde sind eine große Bereicherung für Guidos Leben


Meine Hunde geben mir mehr, als ich ihnen gebe, obwohl ich viel für sie mache


Mode ist sein Traum, sein Leben. Er liebt die Menschen, die seine Kreationen tragen, einfach so, wie sie sind. Aber nicht nur das – er liebt das Leben an sich. Alle wunderbaren Geschöpfe, die es beinhaltet. Er erweckt Kleider zum Leben, ohne dafür Leben zu nehmen. Guido Maria Kretschmer ist ein Modeschöpfer ohne Kompromisse. Für seine ...

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... Kreationen muss kein Tier sein Fell lassen. Der Mann, der hinter dem erfolgreichen TV-Format „Shopping Queen“ steht, respektiert und liebt Tiere von Herzen. Heute spricht er mit uns über die Modeindustrie, in der Echtfell leider immer noch nicht die Ausnahme ist.

EHfT:Seit wann sind Sie Tierfreund und hatten Sie schon als Kind Haustiere?

Guido Maria Kretschmer: Eigentlich schon mein ganzes Leben. Ich bin mit Hunden, Katzen, Pferden, Vögeln, Hühnern, Schweinchen, Tauben, Meerschweinchen und einer Kuh groß geworden. Wir hatten eigentlich alles und ich habe es immer sehr geliebt, von so vielen Tieren umgeben zu sein.

EHfT:Sie haben drei Barsois. Wie würden Sie Ihre Beziehung zueinander beschreiben?

Guido Maria Kretschmer: Sie sind meine geliebten russischen Mädchen und ich könnte nicht ohne sie leben. Sie sind eine so große Bereicherung für mein Leben. Das ist fast so wie mit der Liebe mit einem Partner. Man übernimmt Verantwortung, ist für sie da und verspricht, ihnen bis zum Ende ihrer Tage die beste Zeit zu geben. Meine Hunde geben mir mehr, als ich ihnen gebe, obwohl ich viel für sie mache. Wir denken immer zuerst an unsere lieben Hunde und dann kommt der Rest.

EHfT:Sie sind erklärter Gegner von Echtfell. Wie kam es dazu?

Guido Maria Kretschmer: Da ich viele Jahre als Designer mit Echtfell und Leder zu tun hatte, bekam ich früh die Chance, das alles kennenzulernen, und habe gesehen, wie die Tiere gehalten werden. Nachdem ich dies einmal gesehen und erlebt hatte, wusste ich ganz genau, was zu tun war und habe somit in meinen eigenen Kollektionen darauf geachtet, dass kein Pelz verwendet wird. Genauso wie in meiner Sendung, da mache ich immer darauf aufmerksam, dass es ein Verbrechen ist, Echtfell zu tragen. Natürlich muss es letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin dennoch ziemlich erstaunt darüber, wie viele Menschen noch kein Gefühl dafür entwickelt haben – auch heute noch in Deutschland. An jeder zweiten Mütze hängt ein Bommel dran und dann wissen weder die Leute noch die Verkäufer, dass es sich dabei um Echtfell handelt. Das finde ich sehr erschreckend.

EHfT:Tatsächlich boomt der Echtfell-Trend wieder. Wie erklären Sie sich das? Welche Bedeutung hat Fell generell in der Modewelt?

Guido Maria Kretschmer: Meine Oma hat immer gesagt: Das Einzige, was im Leben gerecht verteilt ist, ist Dummheit. Es ist einfach eine Ignoranz den Kreaturen und der Schöpfung gegenüber. Man kann ja schlecht seinen Wellensittich lieben und seine Katze streicheln und nebenbei hat man dann zufällig Fell an dem Pullover oder an der Tasche. Es ist natürlich etwas anderes, wenn Leute, die in der eisigen Kälte überleben müssen, Tiere erlegen und sich mit dem Fell der Tiere wärmen und schützen. Doch das kann hier bei uns auf jeden Fall nicht der richtige Weg sein. Ich glaube nicht, dass die Leute wirklich darüber nachdenken, so wie bei vielen anderen Dingen auch, und gar nicht sehen, woher der Pelz überhaupt kommt, nämlich von einem echten Tier. Ähnlich ist es ja auch beim Fleischkonsum. Ich war vor Kurzem bei Leuten zum Abendessen eingeladen, die hatten einen Sohn, der Hähnchen gegessen hat. Ich habe ihm dann gesagt, dass das Huhn mal fliegen konnte und ein Tier war. Der Sohn hat mir das tatsächlich nicht geglaubt, egal wie oft ich versuchte, es zu erklären. Natürlich ist es auch eine Pflicht der Eltern, die Kinder aufzuklären, und auch von der Gesellschaft, in der wir leben. Der Kleine wusste es einfach nicht besser.

EHfT:Besaßen Sie schon irgendwann einmal ein Teil aus echtem Fell? Wie soll man damit umgehen, wenn man noch Pelzmode (zum Beispiel von der Oma geerbt) besitzt?

Guido Maria Kretschmer: Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben Echtfell besessen. Damals in der Uni, während meines Studiums, mussten wir es verwenden. Aber seitdem ich selbst designe, habe ich sofort damit aufgehört. Ich habe einmal einer Freundin, die einen Mantel von ihrer Oma geschenkt bekommen hat und nicht so recht wusste, was sie damit anfangen soll, daraus ein großes Kissen für die Katze genäht. Das hat mir natürlich das Herz gebrochen. Aber der Pelz war nun mal schon da – jetzt liegt die Katze darauf. Es ist natürlich auch gefährlich, denn viele Leute verstecken sich hinter der Aussage „Ich habe es geerbt – ist ja fast wie Secondhand“. Man muss dazu sagen, dass Pelz nicht ewig hält und sich irgendwann selbst vernichtet. Das ist das Gute daran … Der Oma würde ich Danke sagen und dann den Pelz sinnvoll weiterverwenden, weil es ihn in dem Fall ja schon gibt … Zum Beispiel an Flüchtlinge geben, die in einem eiskalten Lager sein müssen.


Frank und ich nehmen Tiere auf, wenn andere sie überhaben


EHfT:Ist Fake Fur eine echte Alternative zu Echtfell?

Guido Maria Kretschmer: Ich glaube, dass es eine perfekte Alternative zu Echtfell ist. Es gibt so viele wunderbare Webpelze, deren Qualität auch gut ist. Manche sagen, dass man dadurch den Echtfell-Look kopiert und heißen das für nicht gut. Es gibt aber ganz viele Fake Furs, die nicht ansatzweise wie Echtfell aussehen. Ich habe immer Materialen eingesetzt, denen man ansieht, dass sie eben nicht „echt“ sind und nicht aussehen wie Nerz oder Chinchilla, sondern eine echte Alternative zu Echtfell sind und zudem kuschelig und weich. Wenn man dagegen ist, echte Tiermaterialien zu imitieren, dürfte man theoretisch auch keinen Animal Print zeigen. Ich denke aber, dass man da differenzieren sollte. Wenn alle Leute Fake Fur tragen würden, wäre das ein guter Ansatz und das Echtfell-Problem einfach gelöst.

Mode mit Moral Bei GMK-Kollektionen wird konsequent auf Echtfell verzichtet


EHfT:Engagieren Sie sich für den Tierschutz?

Guido Maria Kretschmer: Frank ist da schon besonders engagiert – das war er auch schon damals in Spanien. Wir nehmen Tiere auf, wenn andere diese überhaben, und machen ihnen ein schönes Leben. Außerdem unterstützen wir den Tierschutz natürlich auch monetär mit Spenden. Ich passe immer auf, dass ich gewisse Dinge boykottiere, zum Beispiel, dass ich keine Produkte verwende, die vorab an Tieren getestet werden. Da benutze ich dann bestimmte Produkte nicht oder kaufe auch bei gewissen Firmen oder Geschäften, die mit Echtpelz arbeiten, vor allem im Bereich Outdoorbekleidung, nicht ein. Das macht keinen Sinn, denn das sind dann Sachen, die ich einfach nicht tragen würde.

EHfT:Würden Sie den Kauf von Echtpelz bei „Shopping Queen“ verbieten?

Guido Maria Kretschmer: Ja, das haben wir im Prinzip ja schon getan. Und wenn dann doch jemand etwas kauft, gibt es in der Wertung ganz klar einige Punkte Abzug. Ich mache in jeder „Shopping Queen“-Sendung darauf aufmerksam, dass ich gegen Echtpelz bin. Ich erlebe es immer wieder, dass Leute keinen Pelz kaufen wollen, dann vermeintlich „Webpelz“ kaufen, der aber eigentlich echt ist.

EHfT:Wie unterscheidet man Echt-von Kunstfell?

Guido Maria Kretschmer: Ich erkenne das natürlich von 100 km Entfernung, aber es gibt auch Tests und Indizien, um das zu überprüfen. Zum Beispiel kann man durch das Pusten auf den Pelz erkennen, ob es sich um Echtpelz handelt. Wenn die Haare zurückgehen, handelt es sich um Echtpelz. Oder man zündet ein Haar des Fells an. Wenn es dann nach angeschmortem Haar riecht, kann man sich auch fast sicher sein, dass es sich um Echtpelz handelt. Man braucht natürlich immer aufgeklärte Kunden und auch aufgeklärte Verkäufer. Denn es gab auch schon Verkäufer, die gesagt haben, es sei kein Echtfell, war es dann aber doch.

Meiner Meinung nach sollte es einfach ein allgemeines Gesetz gegen Echtfell geben. So, wie auch festgelegt ist, dass man bei Rot nicht über die Ampel gehen darf. So sollte man auch kein Tier tragen dürfen. Punkt.

EHfT:Wie würde Ihre ganz persönliche Botschaft an unsere Leserinnen und Leser von „Ein Herz für Tiere“ zum Thema „Echtfell“ lauten?

Guido Maria Kretschmer: Ich glaube, man sollte Tiere lieben und respektieren, weil es einfach wunderbare Geschöpfe sind, und man sollte ihnen nicht das Fell über die Ohren ziehen, sondern das Fell streicheln, bis sie glücklich einschlafen. Und man sollte sich immer wieder fragen, ob man Echtpelz unbedingt braucht. Und für alle, die unverbesserlich sind, denen wünsche ich einen schönen Tag auf einer Pelzfarm. Einfach schnell über die Grenze nach Polen fahren, auch in Deutschland gibt es ein paar. Und dann solltet ihr euch da mal hinsetzen und zuschauen. Wer danach dann immer noch Pelz braucht, hat glaube ich nicht verstanden, was Leben bedeutet und was es heißt, Respekt vor den tollen Geschöpfen und Kreaturen auf unserem Planeten zu haben.

Wüssten Sie’s? Oft ist Echtfell von Fake Fur nicht mit bloßem Auge zu unterscheiden


Fotos: Getty Images, OTTO PR, Shutterstock