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MENSCH UND HUND: Häufchenweise Ärger


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 31.07.2019

Ein ewiger Streitpunkt – die Geschäfte unserer Vierbeiner. Müssen sie grundsätzlich immer und überall weggeräumt werden oder gibt es Ausnahmefälle? Verschiedene Mythen rund um die „Wurst“ halten sich hartnäckig. Höchste Zeit für ein bisschen Aufklärung


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 9/2019

Quatsch, hier im Wald und am Feldrand muss ich doch den Haufen meines Hundes nicht einsammeln. Der zergeht doch!“ Diese vollmundige Erwiderung sprach eine Hundehalterin aus, welche wir in der Pause eines unserer Seminare bei der Gassirunde mit den eigenen Hunden trafen. Zuvor hatten wir sie gebeten, die Hinterlassenschaft ihrer Fellnase am Wegesrand ...

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... einzusammeln. Unsere Hundeschule in Großenkneten bei Oldenburg liegt traumhaft inmitten einiger kleiner Waldstücke sowie ausgeprägter Landwirtschaft. Auch unsere Kunden bitten wir, alle Häufchen – unerheblich wo abgesetzt – mitzunehmen. Warum wir das tun, möchten wir genauer erläutern.

Ein echtes Problem: der Parasit Neospora caninum
Dieser Parasit zählt zu den Einzellern und hat aktuelle Relevanz für den Hundebereich entwickelt. Er löst die Erkrankung Neosporose aus und kann bei Rindern zu ungewollten Fehlgeburten führen. Wenn Sie sich jetzt fragen, was das mit dem Hundekot zu tun hat, folgt die Auflösung auf dem Fuße: Der Hund kann Träger dieses Parasiten sein. Das bedeutet, dass er, sofern er den Einzeller seinerseits aufgenommen hat, eine „frühe Entwicklungsform“ des krankmachenden Einzellers mit dem Kot ausscheidet. Diese „Vorstufe“ bleibt, auch wenn sie den Witterungsbedingungen ausgesetzt ist, am Boden einige Wochen überlebensfähig. Wird der infizierte Kot auf Weideland abgesetzt, vom Feldrand durch andere Tiere oder die maschinelle Bearbeitung auf die Wiese getragen, ist eine Aufnahme und folgende Erkrankung des Rindes durch das Grasen auf dem betreffenden Areal möglich.

Auch der Hund selbst kann an der Infektion, welche sich zumeist durch neuronale Störungen zeigt, erkranken. Dies scheint aber der seltenere Fall zu sein. Zumeist ist er nur Träger der Parasiten, ohne selbst Symptome zu zeigen. Gemäß einer Studie des Instituts für Epidemiologie am Friedrich-Löffler-Institut waren von ca. 24000 Proben, welche zwischen März 2001 und Oktober 2004 untersucht worden waren, 0,2 % infiziert (siehe auch Schares et al., 2005). Diese Zahl erscheint verschwindend gering. Es darf aber eine steigende Tendenz angenommen werden, denn auch der Verzehr von rohem Rindfleisch kann die Aufnahme des Parasiten in den Hundekörper bedingen – und die Rohfütterung erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Besonders gefährdet sind Hunde, die unbearbeitetes Fleisch in Form von Nachgeburten o.Ä. auf Höfen zu fressen bekommen.

Hundekot „zergeht“ und ist deshalb ungefährlich?
Dieser Mythos hält sich hartnäckig unter den Hundehaltern. Dabei ist die Annahme leider nicht ganz richtig. Hundekot besteht zu einem großen Teil aus unverdaulichen Anteilen der aufgenommenen Nahrung sowie aus abgestoßenen Darmzellen, Überresten von Verdauungsenzymen, Gallensäuren – und Farbstoffen sowie einer Menge Bakterien. Es handelt sich dabei um lebende Vertreter, wie auch bereits abgestorbene gutartige, wie auch einige bösartige Keime. Bei dem einen oder anderen Vierbeiner können auch Wurmlarven oder ganze Würmer dazukommen.

Die genannten Bestandteile werden durch die Witterung und Kleintiere am Boden zwar bearbeitet, es kommt jedoch nicht zum Entstehen von hohen Temperaturen, wie dies zum Beispiel bei der Verrottung von Pferde- oder Kuhmist der Fall ist. Im Morgengrauen ist sogar zu erkennen, wie ein solcher Misthaufen vor Hitze dampft. Durch die entstehende Hitze im Kot der Pflanzenfresser werden alle Keime und Einzeller zuverlässig abgetötet.

Bei den Ausscheidungen des Hundes als Fleischfresser kommt es gerade nicht zu dieser Temperaturentwicklung. Der Zersetzungsprozess dauert dadurch deutlich länger und die Keime, Wurmlarven und Würmer bleiben erhalten und können von den verschiedensten Tierarten vom Boden wieder aufgenommen werden.

Es ist an uns Hundehalterinnen und Hundehaltern, die Verbreitung von Parasiten nicht weiter zu fördern. Nehmen Sie die Häufchen Ihrer Lieblinge mit – auch in Feld, Wald und Flur. Und wenn Sie Skrupel haben wegen der dabei verwendeten Plastikttüte – es gibt mittlerweile auch Kotbeutel aus biologisch abbaubaren Materialien.

Kristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen, insbesondere in den Bereichen Tierheilpraxis, Hundeverhalten und Ernährung. Mit ihrem Mann Jörg gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, das mittlerweile deutschlandweit als eine der führenden Ausbildungsstätten für Hundetrainer gilt. Infos:www.ziemer-falke.de

Sabrina Hinrichs arbeitet als Dipl.-Rechtspflegerin, ist ausgebildete Hundetrainerin, zertifizierte Tierheilpraktikerin und Dozentin bei Ziemer & Falke. Ferner hat sie Zusatz- und Schwerpunktausbildungen im Bereich der Myko- und Phytotherapie absolviert. Gern unterstützt sie Hund und Halter bei Fragen des Zusammenlebens und der Gesunderhaltung.


FOTOS: SHUTTERSTOCK, ILLUSTRATION: SHUTTERSTOCK