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MENSCH UND HUND: Manipuliert Sie Ihr Hund?


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 02.10.2019

Haben Sie sich auch schon oft gefragt, wer hier eigentlich wirklich den Ton angibt – Sie oder Ihr Vierbeiner? Falls Sie dabei gefühlt immer den Kürzeren ziehen: So können Sie das zukünftig vermeiden


Artikelbild für den Artikel "MENSCH UND HUND: Manipuliert Sie Ihr Hund?" aus der Ausgabe 11/2019 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 11/2019

Schauplatz des Geschehens: Hundewiese. Protagonisten: Sie, Ihr Hund und eine Tüte Leckerchen. So mancher Halter kennt diesen Blick: Große Kulleraugen schauen uns an, und schon ist es um uns geschehen! Obwohl wir uns vorgenommen haben, ihn nur noch zu belohnen, wenn unser Hund etwas besonders gut gemacht hat, so können wir auch diesmal nicht widerstehen. Und kaum hat er den Bissen verspeist, tollt er auch ...

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... schon fröhlich mit seinem Kumpel über die Wiese. Bis er dann zwei Minuten später wieder vor uns steht, um sich erneut ein Goodie abzuholen. „Ihr Hund hat Sie aber ganz schön im Griff!“, meint die nette Dame neben Ihnen auf der Bank, die Sie offenbar beobachtete. Hat sie recht?

Oh, sieh her – ich bin’s: der ärmste Hund auf der ganzen Welt. Na, kennen Sie das?


Manipulation in Vollendung

Unsere Hunde schöpfen aus einem ziemlich umfangreichen Repertoire, um uns nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Von den folgenden Verhaltensweisen kennen Sie vermutlich nicht nur eine: Eher harmlos kommen Vierbeiner daher, wenn sie uns anstarren oder ihren unwiderstehlichen Augenaufschlag einsetzen. Meist gibt es schon dafür eine Kleinigkeit, zumindest aber ein nettes Wort oder einen ebenso freundlichen Blick zurück. Das ist an sich nun auch erst einmal nicht verkehrt, es kommt allerdings auf den Zusammenhang an. Sich komisch benehmen oder fiepen oder leise vor sich hinzumaulen sind weitere Möglichkeiten, uns zu beeinflussen. Stärkere Geschütze fahren dann die Anstupser, Anhopser oder Anbeller auf. Dann gibt es noch jene Hunde, die ihr gesamtes Können abspulen und einen Trick nach dem anderen zeigen, ohne dass wir sie darum gebeten hätten. Weil sie so putzig sind, gibt es bestimmt ein Leckerchen (das nächste Mal hoffentlich schneller …). Ach ja, und dann sind da noch die Schauspieler, die den sterbenden Schwan geben und mit einem Hinkebein um Aufmerksamkeit buhlen. Erinnern die sich etwa an die Fürsorge, die ihnen kürzlich erst entgegengebracht wurde, und mimen deshalb wieder den kranken Hund? Zugegeben, hier ist nicht immer leicht zu unterscheiden, ob der Hund nicht doch gesundheitliche Probleme hat. Und zu guter Letzt: Die kleinen Schwindler, die uns mit lautem Gebell an die Tür lotsen, um dann hinter unserem Rücken zum Küchentisch zu flitzen. Kommen wir zurück, ist das Leberwurstbrötchen nur noch in Form weniger Krümel auszumachen. Dafür spricht das glückliche Gesicht unseres Fellknäuels Bände. Was sollen wir davon halten? Sind unsere Hunde durchtrieben und manipulieren uns ganz bewusst? Die Antwort: Jein.

Wieso sind wir manipulierbar?

Die Gründe dafür sind vielfältig und sehr individuell. Mancher Mensch möchte einfach nett sein und tut sich vielleicht auch sonst im Leben mit dem Nein-Sagen ein wenig schwerer. Dann ist da noch das schlechte Gewissen, weil man berufstätig ist und dem geliebten Vierbeiner in der raren gemeinsamen Zeit jeden Wunsch von den braunen Kulleraugen ablesen möchte. Jenes schlechte Gewissen wird ebenfalls aktiviert durch typisch hundliche Verhaltensweisen, wie etwa sich auf den Rücken fallen zu lassen, das Wegschauen oder das Pföteln: klassische Beschwichtigungs- oder Unterwürfigkeitsgesten.

Forscher fanden kürzlich heraus, dass wir Menschen ziemlich empfänglich für einen bestimmten Gesichtsausdruck unserer Hunde sind: den „dramatischen“ Augenaufschlag. Werden die inneren Augenbrauenheber (ein Muskel) hochgezogen, entsteht dieser unfassbare mitleidserregende oder traurige Blick. Wer kann so einem widerstehen? Und wenn der Vierbeiner damit einmal erfolgreich bei uns war, dann wird er diesen Blick öfter einsetzen. Mancher Hund bleibt dann jedoch nicht bei eher subtilen Verhaltensweisen: Da wird recht vehement gefordert, sogar mit Jaulen, Kratzen, Bellen, Knurren. Wer nun als Mensch klein beigibt, geht allerdings dem Konflikt aus dem Weg und hat bald einen kleinen oder großen Tyrannen zu Hause.

Trotzdem: Nicht jedes Anstupsen unserer Hand, nicht jeder intensive Augenkontakt ist gleich ein Manipulationsversuch. Oft sind solche Verhaltensweisen einfach nur freundlich gemeinte Gesten, die signalisieren sollen: Wir gehören doch zusammen.

Die Forschung weiß, warum

Mittlerweile sind einige Studienergebnisse veröffentlicht worden, die Aufschluss darüber geben, wie unsere Hunde ticken: Prinzipiell lernen sie sehr schnell und merken sich die Zeigegesten, die wir benutzen, um ihnen zum Beispiel zu deuten, wo sich Futter verbirgt oder der Lieblingsball. Sie sind also gute Beobachter. Hunde achten dabei besonders auf unsere Augen und verfolgen, wohin wir blicken. Mehrere Studien belegten, dass Hunde unsere Perspektive einnehmen können: Sie begreifen, was wir sehen und was nicht. Wenn wir sie nicht sehen können, weil wir ihnen den Rücken zuwenden oder eine Barriere unsere Sicht versperrt, dann klauen sie ein Leckerchen. Und das, obwohl sie wissen, dass das verboten ist. Kürzlich fanden Forscher heraus, dass Hunde nicht nur wissen, was wir sehen, sondern vermutlich sogar, was wir gerade hören können: In einer extra dafür konzipierten Studie bevorzugten die meisten Tiere das leise Futterklauen. Sie machten sich an einer Apparatur zu schaffen, die gewährleistete, dass sie die Häppchen lautlos entnehmen konnten. Und das vor allem, wenn der Mensch sie nicht sehen konnte. Die Geräusche hätten sie verraten.

Betrügen sie bewusst?

Zurück zur Frage, ob sie uns auch ganz bewusst in die Irre führen, vielleicht sogar lügen. „Eine Lüge ist eine falsche Aussage, die bewusst gemacht ist und jemanden täuschen soll“ (Duden). Da eine Lüge im menschlichen Sinn nicht ohne das gesprochene Wort auskommt, wird der BegriffLüge im Zusammenhang mit Tieren meist vermieden. Jedoch schreibt auch Dr. Dorit Feddersen-Petersen in ihrem Ratgeber „Ausdrucksverhalten beim Hund”: „Haushunde belügen Menschen äußerst erfolgreich.“ Das wäre beim Leberwurstbrötchenklauen der Fall. Vielfach wird übrigens auch der Begriff„Täuschen“ herangezogen und das ist im Tierreich sehr häufig anzutreffen: Tiere täuschen durch Fellaufstellen über ihre wahre Größe hinweg, machen sich so gefährlicher, als sie in Wirklichkeit sind. Aber: Dieses Täuschen geschieht wohl eher unbewusst. So sieht das zumindest das eine Forscherlager, das andere hält es für eine bewusste Handlung. Sie ziehen die nächsten Verwandten der Hunde, die Wölfe, als Beispiel heran. So testen etwa heranwachsende Wölfe gerne ihre Grenzen aus: Sie versuchen, herauszufinden, was funktioniert und was nicht.

Wolfsbeobachter berichten, dass Wolfskinder ähnlich wie Menschenkinder um die Gunst der älteren Familienmitglieder buhlen und deshalb manchmal besonders laut und übertrieben um Hilfe schreien. Eine kleine Lüge, wenn der Biss des Geschwisterchens gar nicht so heftig war. Wiederholte Täuschungsmanöver können allerdings auch nach hinten losgehen, wenn sie von den anderen durchschaut werden. Dann steht Wölfchen plötzlich alleine und ohne Spielgefährten da.

Typische Kommunikation

Grundsätzlich ist das „manipulative“ Verhalten, das unsere Hunde zeigen, typisch für Lebewesen, die in sozialen Gemeinschaften leben. Und: Es ist weder moralisch verwerflich noch darauf ausgerichtet, uns zu schaden. Manipulation ist ein Teil der Kommunikation mit uns. Es liegt also an uns, ob wir darauf eingehen oder nicht. Ist der Mensch allerdings derjenige, der vorwiegend reagiert, während der Hund agiert, dann läuft etwas schief im gemeinsamen Zusammenleben.

Lernen Sie zu erkennen, wann der Vierbeiner Sie bewusst manipulieren will: Überprüfen Sie, ob Sie ihn in der Vergangenheit für dieses Verhalten regelmäßig unnötig (stark) belohnt haben. Auch ein „Lass das“ oder „Nein“ ist Aufmerksamkeit und kann eine Belohnung darstellen. Geben Sie die Marschrichtung im Zusammenleben vor und vermitteln Sie durch eindeutige Körpersprache, welches Verhalten Sie erwarten. Sorgen Sie täglich für genügend Auslauf und geistige Beschäftigung sowie regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen und anderen Menschen. Planen sie ausreichend Ruhepausen für Ihren Vierbeiner und vor allem auch für sich ein. Wenn unsere Hunde zufrieden und ausgelastet sind, dann müssen sie uns auch nicht manipulieren. Und wenn wir nicht gestresst sind, sind wir auch weniger leicht manipulierbar.

Manipulative Verhaltensweisen

▷ Sich komisch benehmen und nerven, um auf sich aufmerksam zu machen
▷ Uns um Hilfe bitten, z. B. durch fiepen, bellen, anstupsen
▷ Vehement zum Spiel auffordern
▷ Eigenständiges „Anbieten“ von bestimmten Verhaltensweisen, um ein Leckerchen zu bekommen
▷ Anstarren und der „dramatische“ Blick
▷ In die Irre führen und schauspielern
▷ Motzen und protestieren, um den Willen durchzusetzen

Was ist Manipulation?

Der Begrifftauchte erstmals im 18. Jahrhundert auf. Er wurde aus dem Französischen entlehnt und geht doch aufs Lateinische zurück. Wörtlich übersetzt heißt es „eine volle Hand“. Gemeint ist damit, dass man etwas in der Hand hat. Im allgemeinen Sprachgebrauch will man ausdrücken, dass jemand Einfluss auf das Verhalten eines anderen nimmt.

Warum manipulieren uns unsere Hunde?

▷ Weil sie gelernt haben, dass es sich lohnt
▷ Weil wir sie bewusst oder unbewusst belohnt haben
▷ Weil sie genau auf unsere Regungen achten und zwar ständig
▷ Weil sie uns ziemlich gut kennen und wissen, wie wir reagieren
▷ Weil wir inkonsequent sind (und unsere Vierbeiner das wissen)
▷ ABER: nicht aus bösem Willen!


FOTOS: GETTY IMAGES (2), IMAGO (1), ISTOCKPHOTOS.COM (1), SHUTTERSTOCK (1)