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Mentale Härte für Trader


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Traders - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 25.08.2022
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Bildquelle: Traders, Ausgabe 9/2022

Wer hätte das gedacht: Mentale Härte ist wichtig für den Tradingerfolg! Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stammen aus Untersuchungen aus der Sportpsychologie und natürlich dem unerschöpflichen Bereich der Tradingpsychologie. Ein getestetes Tradingsystem mit positivem Erwartungswert, Marktkenntnisse und Money-Management reichen nicht aus, um nachhaltigen Erfolg als Trader sicherzustellen. In der umkämpften, fordernden und unsicheren Welt der Finanzmärkte müssen Trader auch über mentale Härte verfügen.

Was ist mentale Härte?

Wie würden Sie mentale Härte definieren? Was macht einen mental starken Trader aus? Mentale Härte könnte man durchaus nach der Schnelligkeit beurteilen, mit der sich Trader von Verlusten und Fehlern innerhalb einer Handelssitzung erholen können. Bei einer Umfrage zu diesem Thema sagten erfahrene Trader:

• Zur mentalen Härte gehört die Fähigkeit, nach einer ...

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... Verlustserie weiterzutraden, eine schlechte Performance abzuhaken.

• Wenn ein Trader sich bewusst ist, auf was er genau fokussiert sein muss, dann sollte er auch die Fähigkeit haben, sich zu 100 Prozent darauf einzulassen.

• Mentale Härte ist, wenn man sich auf einen neuen Tradingstil einlässt, selbst wenn er nicht sofort profitabel ist, und ihn trotzdem durchzieht im Wissen, dass nur so die Lernkurve steil wird.

• Wenn man trotz schlechter Handelsphasen weiterhin positiv bleibt und sich an seine Arbeitsroutinen hält. Wenn man einfach seine Tradingregeln einhält.

• Wenn man hundertprozentig davon überzeugt ist, dass jedes Tradingergebnis, ob positiv oder negativ, helfen wird, als Trader zu wachsen.

• In der Lage zu sein, die emotionale Bindung an vorherige Handelsergebnisse auszuschalten, um mit objektiver Einstellung in den nächsten Tag zu starten.

• Die Disziplin zu haben, sich an die eigenen Grundsätze und Arbeitsabläufe zu halten, obwohl die eigenen Vorstellungen und Ziele kurzfristig verpasst wurden.

Tipps zur Performanceverbesserung

1. Tune-in

Identifizieren Sie die Schlüsselfaktoren, die für Ihre Tradingperformance verantwortlich sind. Können Sie die Schlüsselfaktoren positiv beeinflussen?

2. Nehmen Sie den Handelsablauf in den Fokus.

Bei der Handelsumsetzung sind einzelne Gewinne und Verluste sekundär. Konzentrieren Sie sich auf die Abläufe und vertrauen Sie auf Ihre Handelsstrategie. Die Gewinn- und Verlusttrades sind nur der Output des Systems. Zählen Sie nicht die Gewinne oder Verluste während der Handelsaktivität, das ist nur etwas für Buchhalter.

3. Fokussieren Sie sich nach jedem Trade neu.

Eine Serie von Verlusttrades kann Sie ablenken und in der Konzentration stören. Nehmen Sie bei Bedarf eine kurze Auszeit und verlassen Sie den Schreibtisch, um nachzudenken, Neues zu bewerten oder den Zustand zu verändern. Wenn Sie einen Plan zur Wiederfokussierung haben, hilft er Ihnen auch beim Trading.

4. Managen Sie Ihre Energie.

Ihre Fähigkeit zur Konzentration steht im engen Zusammenhang mit Ihrer persönlichen Energie. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und nährstoffreiches Essen und Trinken. Achten Sie auf eine gute Balance zwischen Bewegung und Ruhe.

Das sind nur ein paar ausgewählte Aussagen, die einen guten Eindruck verschaffen, wie sich mentale Härte beim Trading auswirkt. Bei allen Aussagen wurden in der einen oder anderen Form die gleichen Kernthemen genannt: Belastbarkeit, Fokus, Glaube an sich selbst und emotionale Kontrolle. Unter Druck Leistung zu bringen erfordert einen bestimmten mentalen Ansatz und emotionale Kontrolle. Private Trader empfinden mit steigendem Druck jedoch zunehmend Angst, bekommen Beklemmungen oder verlieren sogar ihre Fassung. Hier liegt sicherlich auch eine Ursache, warum so viele Konten von Privatanlegern eine negative Performance aufweisen.

Es ist spannend sich vorzustellen, dass mentale Härte erlernbar ist und bis zum Höchstmaß entwickelt werden kann. Es ist wie bei allen Fertigkeiten: Je mehr man sie praktiziert, desto weiter werden sie sich entwickeln. Und nach längerer Übung ist mentale Härte zum Bestandteil des Charakters geworden, sie setzt bei Druck und in Stresssituationen automatisch ein.

Mentale Härte im Spitzensport

Denken Sie einmal darüber nach, wie sich im Profifußball die einzelnen Spieler entwickeln. Wo liegt der Unterschied zwischen einem Profi der ersten und der zweiten Liga? Tatsächlich sind die fußballerischen Fähigkeiten gar nicht mal so unterschiedlich. Der Hauptunterschied vor allem in der mentalen Härte. Schauen Sie sich den Lebensstil eines Christiano Ronaldo oder eines Robert Lewandowski an. Obwohl beide bereits ein fortgeschrittenes Fußballeralter erreicht haben, sind sie topfit – und zwar in allen Bereichen. Sie leben ein fokussiertes Leben und sehen ihre Athletik und Gesundheit als Zentrum ihres Daseins. Beide Fußballer blieben durch ihren Trainings-, Ernährungs- und Lebensstil weitgehend verschont von schweren Verletzungen. Obwohl beide charakterlich durchaus als Sensibelchen bezeichnet werden dürfen, bringen sie in den wichtigsten Bereichen ihres Sports eine überdurchschnittliche mentale Härte mit. Schauen Sie sich an, was passiert, wenn es in der letzten Spielminute einen entscheidenden Elfmeter für die eigene Mannschaft gibt. Beide Spieler werden den Elfmeter auf jeden Fall schießen wollen. Das ist mentale Härte in Perfektion.

Motivation als Treibstoff des Börsenerfolgs

Nehmen Sie sich die Zeit und entwickeln Sie Ihre eigene mentale Härte. Denken Sie daran, welche Vorteile es hat, hochmotiviert und engagiert an den Tradingzielen zu arbeiten. Das nachhaltige Vertrauen und der Glaube an sich selbst wird zum Brennpunkt des Tradingerfolgs. Motivation ist der Treibstoff, der zur Erfüllung ihrer Handelsziele führen wird. Ohne angemessene Motivation kann kein Trader sein Potenzial ausschöpfen.

Selbstvertrauen ist die Grundlage der Performance

Unerschütterliches Vertrauen und Glaube an sich selbst sind von entscheidender Bedeutung. Das ist nicht nur wichtig, damit Sie Ihre Tradingstrategie unter Druck wirksam ausführen können, sondern auch, um nach Verlusten, Rückschlägen und Fehlern zuversichtlich zu bleiben.

Selbstvertrauen hat bei Tradern zwei Aspekte: Zum einen ist es das Vertrauen in die eigene Tradingstrategie (outer game), zum anderen der Wille und die Fähigkeit, den Plan umzusetzen (inner game). Die beiden Aspekte sind eng miteinander verknüpft und daran sollte jeder Trader arbeiten. Es ist der Schlüssel zum Aufbau des Selbstvertrauens. Es führt dazu, dass die Durchführung der Trades in bestmöglicher Weise erfolgt.

Trading in the zone

Die Fähigkeit, sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist, und alles andere auszublenden, ist einer der wichtigsten Erfolgsschlüssel. Das gilt sogar für alle Bereiche des Berufslebens. Die Sportpsychologen Shane Murphy und Doug Hirschborn bezeichnen den Vorgang als „tuning in“. Der Fokus ist das Herzstück einer Performance. Er entscheidet,

wie man sich fühlt und was man leistet. Trader sollten sich fragen, welche Faktoren sie in ihren persönlichen Fokus nehmen müssen, um ihre Bestform zu erlangen. Worauf sind sie fokussiert, wenn sie die Märkte beobachten? Versuchen Sie beim Trading in einen „Flow“ zu kommen. Ein Flow ist schwierig zu beschreiben, denn er hat etwas von einer gewissen Leichtigkeit in einer harten Umgebung. Stellen Sie sich einen Chirurgen vor, der eine komplizierte Operation vornimmt. Über Stunden operiert er mit einer Perfektion, die nicht anstrengend wirkt, aber auch noch schnell ist. Genau dann ist der Chirurg in einem Flow. Auf ähnliche Art sind viele Daytrader aktiv. Sie beobachten den Markt, sitzen auf ihrem Stuhl, reden nicht, lassen sich nicht ablenken und setzen nur ihre Trades bestmöglich um.

Gelassenheit erreichen

Ohne die Fähigkeit, unter Druck ein Mindestmaß an Gelassenheit zu haben, kann ein Trader nicht sein volles Potenzial ausschöpfen. Seien Sie sich Ihrer selbst bewusst und übernehmen Sie die Kontrolle. Versetzen Sie sich in die Lage, sich selbst und Ihre Emotionen effektiv zu managen. Versuchen Sie die körperlichen Auswirkungen wahrzunehmen. Dazu gehören zum Beispiel die erhöhte Muskelspannung, die schnelle und flache Atmung, der Herzschlag oder das Gefühl des Gehetztseins. Das sind alles negative Begleitumstände, die Ihre Performance behindern. Arbeiten Sie dagegen mit ausgleichenden Taktiken wie Entspannungstechniken, Atemübungen oder Ausgleichssport.

Tipps zum Selbstvertrauen

1. Bereiten Sie sich immer gut vor.

Das Wissen, bestmöglich vorbereitet zu sein, erzeugt automatisch Vertrauen. Durchdenken Sie in einem Wenn-dann-Prozess, wie sich der Markt verhalten könnte. Die Vorbereitung ist ein Schlüsselbaustein für das Vertrauen in Ihre Handlungen.

2. Versetzen Sie sich in eine positive Stimmung. Arbeiten Sie aktiv daran, positive Selbstgespräche zu führen, bis es zur Gewohnheit geworden ist. Notieren Sie jeden Tag drei Dinge, die gut gelaufen sind.

3. Spielen Sie Ihre Stärken aus. Jeder Trader hat Stärken und Schwächen. Überlegen Sie sich, welche Ihrer Eigenschaften Sie als Stärke bezeichnen würden. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Stärken auszubauen.

Belastbarkeit ist die Fähigkeit, schnell wieder auf die Beine zu kommen

Es kommt nicht darauf an, wie häufig Sie niedergeschlagen werden. Es kommt nur darauf an, dass Sie immer wieder aufstehen. Belastbarkeit ist eine notwendige Voraussetzung im Traderleben, um erfolgreich zu sein. Besonders auf den Finanzmärkten wird man mit Hindernissen, Rückschlägen und sonstigen Herausforderungen konfrontiert. Sie müssen sie überwinden – anders geht es nicht. Es kommt nicht auf die Menge der Herausforderungen an, sondern ob Sie sich Ihnen stellen. Die mentale Härte hängt von der Fähigkeit ab, Tradingfehler oder schlechte Performance schnell hinter sich zu lassen. Wenn der Trader seine Strategie sauber umgesetzt hat, was soll es ihm bringen, wenn er sich über Verlusttrades ärgert?

Fazit zur mentalen Härte

„Gewinnen ist bei jedwedem Bemühen eine Funktion der inneren Einstellung“, sagte einmal der Tradingpsychologe Mark Douglas. Die mentale Härte versetzt den Trader in die Lage, unter Druck effektiver zu handeln. Sie erlaubt es, die Strategie mit Selbstvertrauen auszuführen. Letztlich führt sie zu einer verbesserten Entscheidungsqualität. Verluste, Fehler und Rückschläge sind Teil des Börsenspiels. Wir können deshalb gar nicht vermeiden, dass schlechte Tradingphasen auf uns einwirken.

Man muss es schon als Wettbewerbsvorteil bezeichnen, wenn ein Trader seine Verluste schnell abhaken kann. Der Durchschnittstrader sitzt dann immer noch wütend auf seinen Stuhl und ärgert sich über den Markt, während der Profi längst den nächsten Trade abgesetzt hat. Mentale Härte hilft beim Trading enorm, doch sie ist nicht der einzige Erfolgsfaktor. Ein gut entwickeltes Handelssystem, gute Marktkenntnisse und ein ausgefeiltes Risiko- und Money-Management bilden die Grundlage. Die mentale Härte kommt zusätzlich als Tuningfaktor ins Spiel.

Tipps zur Belastbarkeit

1. Bauen Sie Ihre physische Belastbarkeit auf.

Durch Schlaf, Ernährung, Training und Entspannung können Sie Ihre physische Belastbarkeit steigern. Die physische Belastbarkeit steht in engem Zusammenhang mit der psychischen.

2. Akzeptieren Sie, dass Verluste ein Teil des Tradings sind.

Rückschläge und Probleme sind Teil des Börsenspiels. Nehmen Sie die Herausforderung an. Der berühmte Golfer Tiger Woods sagte einmal: „Bei Hindernissen lächle ich.“

3. Behalten Sie den Überblick.

Schätzen Sie die Anzahl Ihrer Trades pro Jahr. Setzen Sie einen einzelnen Trade ins Verhältnis zur Gesamtzahl. Warum sollten Sie sich über diesen einen Trade ärgern?

4. Lernen Sie und gehen Sie weiter.

Machen Sie sich klar, dass jeder Trade, jeder Verlust, jeder Rückschlag nur eine Information ist. Wenn Sie aus der Information lernen, dann werden Sie immer besser. Es gibt kein Versagen – nur Feedback. Und Feedback ist das Frühstück der Champions.

5. Erleben Sie frühere Erfolge noch einmal.

Spielen Sie in Gedanken einige gute Trades der Vergangenheit noch einmal durch. Durch das Wiederaufrufen positiver Erfahrungen verändern Sie Ihre innere Haltung und Ihr emotionaler Zustand verbessert sich. Stellen Sie sich vor, wie Sie in den nächsten 100 Sitzungen ein gutes Ergebnis erzielen werden. Visualisieren Sie Ihre guten Trades.

Tipps zum Druckmanagement

1. Akzeptieren Sie, dass Beklemmungen unvermeidbar sind, lernen Sie mit Ihnen umzugehen und genießen Sie die Herausforderungen. Lernen Sie Atemübungen.

2. Konzentrieren Sie sich auf den Handelsablauf. Halten Sie das Kontrollierbare unter Kontrolle und versuchen Sie nicht den Zufall zu managen. Das funktioniert nicht.

3. Werden Sie langsamer. Wenn Sie lernen, Ihre Atmung zu kontrollieren, dann können Sie sich systematisch beruhigen. Mit steigendem Druck werden Sie ein Gefühl leichten Gehetztseins empfinden. Wirken Sie dem mit verlangsamter Atmung entgegen.