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MERCEDES SETZT ZUM DREISPRUNG AN


auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 25.08.2021

Mercedes C-Klasse

Artikelbild für den Artikel "MERCEDES SETZT ZUM DREISPRUNG AN" aus der Ausgabe 9/2021 von auto Test. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: auto Test, Ausgabe 9/2021

Erstmals gibt es für die neue C-Klasse eine Hinterachslenkung. Der Lenkwinkel der Hinterräder beträgt maximal 2,5 Grad

MERCEDES C 300 d T-M.

265 + 20 PS ab 53 966 Euro

DAS DAUERTE JA NICHT LANGE! Früher verstrichen durchaus ein paar Jährchen, bis Innovationen aus dem Luxussegment in die Brot-und-Butter-Klasse durchsickerten. Doch die Markteinführung der neuen S-Klasse (W 223) liegt gerade mal ein paar Monate zurück, und schon schubsen die Schwaben auch die C-Klasse – als zweiten Mercedes überhaupt – mit dem neuen Bedienkonzept vom Stapel, inklusive MBUX der zweiten Generation.

Das macht einiges möglich, zum Beispiel bei der Sprachbedienung: „Hey Mercedes, navigiere nach Hause, öffne mein Fenster ein bisschen, schalte die Sitzheizung ein und spiele Klassik Radio.“

Innen eine kleine S-Klasse

Cockpit-Layout im Stil der S-Klasse, die C-Klasse hat nun auch das neue MBUX. 1 Der vertikal ausgerichtete Bildschirm passt ergonomisch gut, der Fahrer erreicht mit der Hand auch bei abgelegtem Ellenbogen ...

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... entspannt die Bildschirmoberfläche. Die darunterliegende Schalterleiste ermöglicht Schnellzugriffe zu wichtigen Funktionen wie Assistenten, beherbergt Fahrmodi-Schalter, Warnblinker, Fingerabdrucksensor und Lautstärkeregelung. Das digitale Kombiinstrument ist nun nicht mehr eingefasst, sondern frei stehend. Davor liegt der Projektor des neuen Head-up-Displays mit vergrößerter Projektionsfläche (29,5 Zoll), das Bild wirkt nicht so scharf wie beim BMW 3er. Die Instrumententafel ist leicht zum Fahrer geneigt, erkennbar etwa an den unterschiedlichen Positionen der äußeren Lüftungsdüsen.

! Zwei Drittel der Kunden in Deutschland entscheiden sich für das C-Klasse T-Modell

Mehrfachbefehle lassen die Sprachbedienung viel sinnvoller erscheinen, auch wenn zwischen den Befehlen eine kurze Pause eingelegt werden muss. „Aber daran arbeiten wir“, gibt ein Infotainment-Entwickler zu wissen. Solche Weiterentwicklungen oder auch völlig neue Gimmicks lassen sich bei dem System künftig auch „over the air“ aufspielen. Doch schon jetzt handelt es sich um das am weitesten entwickelte Sprachsystem in einem Auto.

Auch neu: Per Fingerabdruck (Sensor unterm Zentralbildschirm) oder per Sprache lässt sich das persönliche Profil ins Auto laden. Nicht nur ins eigene, sondern beispielsweise auch in Mietwagen mit dem neuen MBUX: „Hey Mercedes, bitte lade mein Profil“ reicht aus, schon landen persönliche Einstellungen und Daten wie Favoriten, letzte Ziele, verhaltensbasierte Vorhersagen, berufliche Einträge des Kalenders oder E-Mails im Auto. Dazu integriert das neue „Online Music“ die größten Musikstreamingdienste wie Spotify oder Apple Music in das Infotainmentsystem. Die verbleibenden Zeilen ließen sich locker mit weiteren Erläuterungen zu dem unterhaltsamen System füllen. Doch jetzt kommen wir zum Fahren – für viele ja immerhin noch der Knackpunkt an der Sache.

Unser Testwagen ist ein 300 d 4Matic mit optionaler Hinterachslenkung. Der Antrieb, die neueste Dieselgeneration, basiert auf dem Vorgänger-Aggregat, hat aber eine neue Kurbelwelle mit leicht längerem Hub erhalten (jetzt 1993 statt 1950 Kubikzentimeter). Nicht nur mit seinen beiden Turboladern ist der Diesel um fixes Ansprechverhalten bemüht. Das Ganze ist auch – wie bei allen anderen Nicht-Plug-in-Motori sierungen auch – als Mildhybrid mit 48-Volt-Technik ausgelegt. In die Neunstufenautomatik ist ein Startergenerator integriert, der bei Bedarf zusätzliche 20 PS zu den 265-Diesel-PS beisteuert. Bedeutet in der Praxis: seidenweicher Motorstart und mehr als genug Dampf in allen Lagen, für die versprochenen 250 km/h Spitze braucht es keinen großen Anlauf. Nicht so wichtig, aber wirklich bemerkenswert: Jenseits der 4000 Touren wirkt der Motor überhaupt nicht dieselig zugeschnürt, sondern dreht munter bis in den Begrenzer. Vibrationen und die Geräuschkulisse gehen in Ordnung, doch es bleibt spürbar und hörbar, dass es sich um einen vierzylindrigen Selbstzünder handelt. Das bestätigt auch der Blick auf die Verbrauchsanzeige: Rund sieben Liter sind angesichts von Fahrweise, Gewicht, Allrad und gebotener Leistung schon beeindruckend. Mit mehr Gemach wären wohl auch unter sechs Liter möglich. Die Verbrauchsmessung im ersten Test wird also spannend.

Motor Vierzyl., Biturbo + ISG, vorn längs

Hubraum 1993 cm 3

Leistung 195 + 15 kW (265 + 20 PS) bei 4200/min max.

Drehmoment 550 Nm bei 1800/min

Antrieb Hinterrad/Neunstufenautomatik

L/B/H 4751/1820/ 1455 mm

Leergewicht 1835 kg

Kofferraum 490-1510 l

0–100 km/h 5,8 s

Höchstgeschw. 250 km/h

Verbrauch 5,2 l D/100 km

Abgas CO 2 135 g/km

Da dürfte die neue C-Klasse auch im Komfortkapitel dank des neuen Fahrwerks viele Punkte einheimsen. Im Comfort-Modus wirkt die Karosserie wie auf Watte gebettet, erinnert an eine Luftfederung, die es optional ja beim Vorgänger noch gab, beim Neuen hingegen nicht (serienmäßig nur an der Hinterachse bei den Plug-in-Hybriden). Die überaus softe Grundabstimmung wirkt bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn etwas schaukelig. Kein Problem, in der Sport-Stellung hat man die Sache wieder fester im Griff, dann liegt der Benz satter auf der Straße, ohne dabei zu viel Komfort einzubüßen. Nur bei tiefen Bodenwellen erfährt man, dass das Schluckvermögen der Federn nicht ganz dem der alten, optional erhältlichen Airmatic entspricht.

Neben dem Verstellfahrwerk ist auch die Allradlenkung eine klare Empfehlung. Die beschert dem Benz eine deutlich direkter übersetzte Lenkung, da bei höheren Geschwindigkeiten (ab etwa 60 km/h) die parallel zur Vorderachse mitlenkenden Hinterräder die Spurtreue stabilisieren.

AUTO TEST TIPP!

Mercedes C 300 d T-M.

Da die Aufpreise bei Mercedes teils deftig ausfallen, hier die essenziellen Extras: Verzicht sollten Sie niemals beim Licht üben: 1606 Euro für das Digital Light einplanen. Famos sind die Multikontursitze mit Sitzheizung wie -lüftung und Massage (1011 Euro).

Gerade auf langer Strecke eine willkommene Hilfe ist das Fahrassistenz- Paket (1904 Euro) mit Abstandstempomat, Lenk-, Brems-, Spurhalte- und Totwinkel-Assistent.

Da die Luftfederung entfallen ist, raten wir in jedem Fall dazu, die Adaptivdämpfer (1071 Euro) zu erstehen.

Wichtig für den Wiederverkauf: gutes Infotainment.

Im Paket mit allem drum und dran für 3195 Euro.

Ohne die einlenkende Hinterachse würde eine derart direkte Übersetzung bei hohem Tempo unangenehm spitz wirken. Insgesamt fühlt sich das System nicht künstlich an und unterstützt beim Sezieren von schnellen Kurven.

Dazu wirkt der immerhin 4,75 Meter lange Benz extrem handlich; 2,1 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag und ein Wendekreis von nur 10,6 Metern machen es möglich.

Angesichts der Länge dagegen etwas enttäuschend: Auf der Rückbank der Limousine wird es schnell eng. Nicht für die Beine, da ist viel Luft. Doch das abfallende Dach schränkt die Kopffreiheit ein.

Für Chauffeur-Dienste eignet sich die E-Klasse also weiterhin deutlich besser. Doch schon im T-Modell der neuen C-Klasse gestaltet sich die Sache überm Scheitel etwas luftiger, der Kombi- Dachkonstruktion sei Dank.

Eine kurze Runde durften wir auch im Plug-in-Hybrid drehen.

Vorerst nur in Verbindung mit einem Benziner, ein Diesel folgt bald. 129 PS und 440 Newtonmeter leistet allein der im Getriebe integrierte E-Motor, 200 PS kommen vom Vierzylinder.

Ein deutlicher Widerstand im Fahrpedal deutet klar an, ab welchem Leistungseinsatz der Benziner zu Hilfe kommt. Klare Sache: Allein der Stromer hat genug Kraft für den Alltag, die geballte Power ist nur für eilige Überholvorgänge notwendig. Eingeschweißte Ladekabel bei Rückgabe des Firmenwagens? Mercedes möchte Nachlademuffel mit großer Reichweite und Schnellladefunktion zum häufigen Teilzeit-Stromern verführen.

Das hat den Nachteil, dass der 25,4-kWh-Akku im Kofferraum (endlich ohne Stufe) rund 200 Kilogramm wiegt – das spürt man beim Fahren. Wer es dynamisch mag, ist mit einem der Mildhybride besser bedient.

Schon die sind teuer genug, mit dem Einstiegsmotor (C 180, 170 PS) kostet die Baby-S-Klasse als Limo mindestens 41 138 Euro. Fast schon ein Trost: Die echte S-Klasse ist mehr als doppelt so teuer.

FAZIT

STEFAN NOVITSKI

Die neue C-Klasse begeistert mit S-Klasse- Bedienung, Komfort und herausragendem Fahrverhalten dank Hinterachslenkung. Ist das noch Mittelklasse? Bei den Platzverhältnissen stimmen wir zu, beim Preis eher nicht.