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MESSE 50 JAHRE BOOT: Von der fixen Idee zum Branchenprimus


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 07.12.2018

Es war einmal – so beginnen viele Märchen. Eine märchenhafte Erfolgsgeschichte unserer Zeit ist die derWassersportmesse boot Düsseldorf, die vor 50 Jahren als Projekt ambitionierter Visionäre in einer wassersportlichen Diaspora an den Start ging und sich bis heute zum Branchenprimus gemausert hat. Vom 19. bis 27. Januar 2019 wird in den Messehallen am Rhein Geburtstag gefeiert


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 10/2019

1969

Auf dem alten Messegelände an der Fischerstraße findet vom 27. November bis zum 3. Dezember die erste boot Düsseldorf statt. Heino singt.

1972

Die dritte boot Düsseldorf findet zum ersten Mal auf dem neuen Messegelände ...

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... zwischen Stockumer Kirchstraße und Beckbuschstraße statt.

1974

Das Olympia Jahr 1974 ist auch erfolgreiches Jahr der boot Düsseldorf.

1970

1970 machten Damen in maritimem Outfit auf die Messe aufmerksam. Heute werden Superyachten über den Rhein verholt und in die Messehallen transportiert.

2018

1979

Der Tauchsektor wird weiter ausgebaut, der Tauchturm der Preussag (Hannover) ist eine große Attraktion.

1980

Die boot begrüßt ihren stärksten Mitarbeiter: der 84 Tonnen schwere „Big Willi” hebt Yachten bis zu 100 Tonnen Gesamtgewicht aus dem Rhein.

1983

Die boot bekommt einen eigenen Song „Düsseldorf Ahoi”, der während der Travemünder-Woche 83 auf der Viermastbark „Passat“ uraufgeführt wird.

1975
Die Messehallen füllen sich mit Segelbooten. Von groß bis klein ist alles vertreten


Als 1969 die erste boot Düsseldorf ihre Tore öffnete – damals noch in einer einzigen Halle auf dem alten Messegelände an der Fischerstraße – hatte so mancher seine Zweifel, ob eine Wassersportausstellung im Binnenland neben zwei weiteren Veranstaltungen dieser Art in Deutschland Bestand haben könnte. Der Lübecker Horst Schlichting, Gründer des Fachmagazinssegeln und später der Segler-Zeitung, deren langjähriger Chefredakteur und Herausgeber er war, sah jedoch als passionierter Segler und als selbsternannter Mann „fixer Ideen“ eine Perspektive. Und so überzeugte er Kurt Schoop, damals Chef der Düsseldorfer Messegesellschaft, von seiner Vision einer Bootsausstellung in der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands fern der Küste. Die anfangs bescheidene Veranstaltung mauserte sich im Laufe von 50 Jahren zur größten Wassersportmesse der Welt, die heute unter schützenden Hallendächern auf dem Messegelände entlang der Stockumer Kirchstraße, der Beckbuschstraße und des Rheins alle Facetten der Branche umfangreich abbildet.

Heute füllt die boot immer Ende Januar für neun Tage riesige Hallen, die vor allem für weltweit bedeutende Leitmessen für Investitionsgüter aus vielen Industriebereichen – wie beispielsweise Druckindustrie und Kunststofftechnik – gebaut wurden. Die Düsseldorfer Messegesellschaft, heute mit Werner M. Dornscheidt und Hans Werner Reinhardt an der Spitze, hat stetig in einen perfekten Schauplatz und eine perfekte Organisation investiert und sich damit weltweit einen hervorragenden Namen erarbeitet. Hallentore und hohe Decken bieten selbst großen, bis zu 40 m langen Yachten genügend Raum. Für ganz große Modelle, für die ein Straßentransport zu aufwendig ist, wurde 1980 ein bis zu 120 t tragender Travellift angeschafft, der sie direkt aus dem Rhein in die Hallen transportiert. Getauft auf den Namen Big Willi, erinnert er an Willi Weyer, den langjährigen nordrhein-westfälischen Minister und seinerzeitigen Präsidenten des Deutschen Sportbundes. Und für noch schwerere Yachten wird seit 2016 ab Rotterdam eine Pontonflottille organisiert, von der die schweren Yachten auf speziellen Hubwagen sicher zu ihrem Standplatz in die Halle transportiert werden.

Visionär: Der Lübecker Horst Schlichting, Gründer der Fachmagazine segeln und „Segler-Zeitung“, und selbsternannter „Mann fixer Ideen“, überzeugte Kurt Schoop, damals Chef der Düsseldorfer Messegesellschaft, von seiner Idee einer Bootsausstellung in der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands fern der Küste. 1969 öffnete die erste boot Düsseldorf ihre Tore.


1987

Zum ersten Mal in der Geschichte der Messe Düsseldorf kommen an einem Tag 100.000 Besucher auf die Messe.

1989

Die boot Düsseldorf feiert 20 erfolgreiche Jahre und der Tauchpionier Prof. Hans Hass feiert seinen 70. Geburtstag in Düsseldorf.

1994

Ein ereignisreiches Jahr: die boot feiert ihren 25. Geburtstag und Monaco, „das kleine Juwel an der Cote d’Azur”, ist Partnerland und sorgt für royalen Besuch: Fürst Rainier III. und Erbprinz Albert besuchen die Jubiläumsboot.

1973
Schon in den 1970er Jahren konnte auf der boot in den Messehallen gesegelt werden. Ein Highlight der damaligen Zeit


Ab 1970 entwickelte Abdul-Rahman Adib, zuerst als Projektreferent, ab 1978 als Projektleiter mit seinem Team mit viel Engagement, Tatendrang und Ideenreichtum die boot von einer reinen Boots- und Zubehörausstellung zu der internationalen Leitmesse in ihrer heutigen Ausprägung mit umfassenden Angeboten rund um den Boots- und Wassersport. Viel diplomatisches Geschick war gefragt, um letztendlich alle Wünsche und Ideen der Aussteller und Besucher zu erfüllen. Dazu gehörten auch Kooperationen mit den Medien, wie beispielsweise die Einbindung von TV-Sendungen wie das Aktuelle Sportstudio, das während der boot Sendungen direkt am und im Wasserbecken in den Aktionshallen produzierte, sowie die Förderung des breiten Wassersports außerhalb der Messe, beispielsweise bei Segelevents. 2009 übernahm Goetz-Ulf Jungmichel die Teamleitung. In seine Zeit fällt die Hinwendung der boot zu einer Erlebnis-Veranstaltung unter dem Motto „360 Grad Wassersport“. Das Konzept bewegte die Menschen, Sonderschauen und Aktionen luden zum Mitmachen ein, und es gelang, die boot auf hohem Niveau als die weltweite Nummer Eins unter den Wassersportmessen zu etablieren, während andere Veranstaltungen rund um den Globus mit starken Einbußen zu kämpfen hatten. An das Erfolgskonzept von Adib und Jungmichel knüpfte 2016 der heutige boot Director Petros Michelidakis an, der die gute Zusammenarbeit mit den erfahrenen Marktteilnehmern im Messerat und mit dem Bundesverband Wassersportwirtschaft fortführt, die er bei seinem Start als einfach genial bezeichnete. Petros Michelidakis intensivierte den Mitmach-Faktor, weitere Informationsrunden und strukturierte den B2B-Sektor für Fachbesucher aus aller Welt. Mit Erfolg: Rund 70.000 der über 247.000 Besucher der letzten boot kamen aus dem Ausland, aus 102 Ländern. Und mehr als 2.000 Journalisten berichteten von der Megaschau am Rhein.

1975
Drei Mann in einem Boot – der damalige BVWW-Präsident Joachim Burger zwischen den Messechefs Kurt Schoop (l.) und Klaus Groth


1998

Die größte Yacht, die bisher in einer Messehalle präsentiert wurde, ist die „Golden Eye” mit 35,5 Meter in Halle 13. Für sie muss „Big Willi” erweitert werden.

1999

Schweden ist Partnerland, König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia verleihen der 30. boot besonderen Jubiläumsglanz.

2001

Die Super-Yacht-Show in der neuen Halle 6, mit panarabischer Beteiligung durch die Arab Marine Industries Association (AMIA), begeistert Zuschauer und Medien. Über Rampe und Straße gelangen die Großyachten vom Rhein in Halle 6.

1979
Die boot hat früh auf das Konzept gesetzt, einzelne Hallen zu bestimmten Themenkomplexen zu bilden


„Rund 70.000 der über 247.000 Besucher der letzten boot kamen aus dem Ausland“


Zur 50. Auflage der boot werden vom 19. bis 27. Januar 2019 erstmals mehr als 2.000 Aussteller erwartet. In 16 Messehallen wird auf 220.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine gigantische Erlebniswelt rund um das Thema „360° Wassersport erleben“ geschaffen. „Die boot Düsseldorf ist die einzige Messe weltweit, die diese Vielfalt umfassend präsentiert. Mit Herstellern aus erwarteten 70 Ländern aus allen Teilen der Welt zeigen wir hier eine einzigartige Produktvielfalt. 1.500 Segel- und Motorboote haben auf der boot ihre Messeheimat“, erläutert boot Director Petros Michelidakis. „Damit ist die boot ein anerkanntes internationales Branchenevent mit B2B-Charakter. So nutzen zum Beispiel Entscheidungsträger großer Charterunternehmen die Messe, um sich ein umfassendes Bild vom Markt zu machen, direkt mit den Herstellern in Kontakt zu treten und vergleichen zu können.“ Mitmachen und erleben heißt es für Besucher in den Themenwelten mit Programm und Aktionen, Stars und Gästen auf den Bühnen, Vorträgen und Workshops mit Experten. Diese von der Messe Düsseldorf arrangierten Sonderschauen widmen sich dem Segeln, Motorbooten, Superyachten, Trendsportarten, Tauchen, Urlaub und Charter, dem Refit, der Yachtausrüstung, dem Angeln und dem Kanusport.

Mit ihren 50 Jahren ist die boot bis heute jugendlich und frisch. „Unser Ziel ist es, immer ganz nah am Markt zu sein und die aktuellen Trends auf der Messe umzusetzen beziehungsweise selbst zu kreieren“, so boot-Chef Michelidakis. Ein Beispiel: das spektakuläre Tow-In Windsurfen im 60 Meter langen Flatwater-Pool. Auch die stehende Riesenwelle „THE WAVE“ ist so ein Trendsetter.

Doch die boot ist nicht nur ein bedeutender Marktplatz für die Branche, seit vielen Jahren beteiligt sie sich auch aktiv an Projekten zum Schutz der Meere. Daraus sind inzwischen Aktionen wie der „ocean tribute Award“ oder die „love your ocean“ Kampagne entstanden, die eine hohe Medienresonanz erzielen und die Aufmerksamkeit der Menschen auf dieses hochbrisante und wichtige Thema lenken. So ist die britische Seglerin und Meeresaktivistin Emily Penn für die boot Düsseldorf als prominente und erfolgreiche Botschafterin am Start. Und seit zwei Jahren präsentiert der „love your ocean“ Stand auf der Messe Maßnahmen und Ideen für den Meeresschutz, berät über die Qualität des Wassers oder lädt Kinderforscher zum Mitmachen ein. Projekte und Initiativen aus der ganzen Welt, die sich für den Schutz der Meere einsetzen, können sich für den „ocean tribute Award“ 2019 auf dem Portal oceantributeaward.boot.de bewerben. Mitstreiter bei dieser Initiative sind die monegassische Fürst Albert II Stiftung, die Deutsche Meeresstiftung sowie als Sponsor der Tauchscooter-Hersteller Seabob.

2006

Die „Catwalk“ der Kaiserwerft ist mit 41 Metern Länge die größte je in einer Halle ausgestellte Yacht (bis heute). RTL und WDR senden live, „Galileo“ und diverse Nachrichtensender berichten.

2009

40 Jahre boot Düsseldorf! Goetz-Ulf Jungmichel tritt seinen Dienst als neuer boot Chef an.„Mr. Boot“ Abdul-Rahman Adib ging Ende November 2008 nach 37 erfolgreichen Jahren boot Düsseldorf in den Ruhestand.

Die Düsseldorfer Messegesellschaft, heute mit Werner M. Dornscheidt (l.) und Hans Werner Reinhardt an der Spitze, hat stetig in einen perfekten Schauplatz und eine perfekte Organisation investiert und sich damit weltweit einen hervorragenden Namen erarbeitet


„Mr. boot“: Abdul Rahman Adib (1979 bis 2008) entwickelte die Schau am Rhein von einer reinen Boots- und Zubehörausstellung zur internationalen Leitmesse


360 Grad Wassersport: Goetz-Ulf Jungmichel (2009 bis 2015) formte die boot zu einer facettenreichen, inspirierenden Erlebnis -Veranstaltung


An Fachbesucher richten sich die Einla dungen zu speziellen Fachveranstaltungen und Meetings wie beispielsweise das International Breakfast Meeting der European Boating Industry am Dienstag früh, bei dem wirtschaftliche Aspekte der Branche mit einem Charterschwerpunkt im Mittelpunkt stehen, das Marina Symposium des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft für Hafenbetreiber, der Workshop boot Interior und die Agents Night für Vercharterer am Donnerstagabend.

2010

360° Wassersport erleben wird das neue Motto der boot Düsseldorf. In 14 neu gestalteten Themenwelten können Besucher dieses Motto nun erleben und Wassersport an den verschiedenen Becken und Bühnen ausprobieren.

2015

Der boot.club, die große Community der boot Düsseldorf wird eröffnet. Nach der Messelaufzeit sind bereits 30.000 Besucher boot.club Mitglied.

1985
Die neueste Ausrüstung war schon immer ein wichtiger Bestandteil des Messekonzeptes


„Die konsequente thematische Gliederung der einzelnen Hallen wird von den Besuchern geschätzt“


Die konsequente thematische Gliederung der einzelnen Hallen nach Angebotsschwerpunkten wird von den Besuchern hoch geschätzt. „Wir sind seit Jahrzehnten auf der boot vertreten, da wir dort den besten Kontakt zu Endkunden herstellen können und in den neun Tagen Beziehungen zu unseren gewerblichen Abnehmern pflegen“, sagt Robert Marx, Geschäftsführer des Hamburger Zubehör- und Motorengroßhändlers Friedrich Marx und Präsident des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft. „Die boot hat sich zum stärksten Marktplatz für uns entwickelt. Der Service der Messe und das positive Feedback suchen ihresgleichen.“

Zum 50. Geburtstag verpassten die Düsseldorfer der Anzeigenkampagne mit dem Motto „Follow the Call“ einen globalen Anstrich, indem man die Motive der elf Emotionen weckenden wassersportlichen Leidenschaften internationalisierte. Die diversen Facetten des Wassersports präsentieren sich vor Traumkulissen – wie in der Karibik oder im Yellowstone Nationalpark, wie in der Bay von San Francisco unter der Golden Gate Bridge oder vor der Skyline von Manhattan – Kulissen, die ihrerseits Sehnsüchte wecken.

2016

Der erfahrene Messemann Petros Michelidakis übernimmt das Steuer von Goetz-Ulf Jungmichel, der Generalsekretär des DSV in Hamburg wird.

2017

Der „ocean tribute“ Award wird für Beiträge zum Gewässerschutz und saubere Technologie im Wassersport ausgeschrieben: eine Kooperation mit der Deutschen Meeresstiftung und der Fürst Albert II of Monaco Foundation. Der Fürst kommt nach Düsseldorf und ist ein gefragter VIP-Gast.


Fotos: Messe Düsseldorf