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„Messi ist nur die Spitze des Eisbergs“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 32/2021 vom 11.08.2021

INTERNATIONAL

Artikelbild für den Artikel "„Messi ist nur die Spitze des Eisbergs“" aus der Ausgabe 32/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Messi verlässt Barça nach 21 Jahren. Er konnte sich mit dem Klub nicht auf einen neuen Vertrag einigen, steht vor einem Wechsel zu Paris St-Germain. SPORT BILD hat ihm in dieser Foto-Montage schon mal sein neues Trikot angezogen

SPORT BILD: Herr Rummenigge, was haben Sie bei der Nachricht gedacht, dass Lionel Messi den FC Barcelona verlässt?

KARL-HEINZ RUMMENIGGE (65): Als ich davon erfuhr, hat mich das ehrlich gesagt etwas traurig gemacht. Barcelona und Messi – das war eine erfolgreiche Ehe über 21 Jahre, die jetzt geschieden wird. Aber die Nachricht hatte sich ja angedeutet, sie kam gewiss nicht über Nacht. Die spanische LaLiga mit Chef Javier Tebas ist bekannt dafür, die Dinge sehr seriös einzufordern. Wenn gewisse Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden, wird dort rigoros gehandelt. Deshalb ist der Verschuldungsgrad des FC Barcelona als dramatisch zu bezeichnen.

Woran machen Sie das noch fest?

Ich glaube, dass die drei ablösefreien Spieler, die Barcelona in diesem Sommer verpflichtet hat (Agüero, Depay, García; d. Red.) bis dato nicht lizenziert werden konnten, da dafür keine Freigabe vorlag. Messi ist ...

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... daher nur die Spitze des Eisbergs.

Was empfanden Sie bei den Tränen-Bildern von Messi?

Man hat sein Leid gespürt, wie unglücklich er über das ist, was passierte. Er war bereit, auf viel Geld zu verzichten, um dem FC Barcelona entgegenzukommen. Aber selbst das hat nicht gereicht, um den Vertrag zu verlängern. Das war für Messi sicherlich eine große Enttäuschung. Man konnte sich Barcelona ohne Messi bis dato irgendwie auch nicht vorstellen. Nun ist es leider Fakt.

LaLiga verliert den größten Star aufgrund einer Gehaltsobergrenze, die 2013 eingeführt wurde – ist das konsequent und der richtige Weg?

Die spanische Liga wird in der Zukunft Schwierigkeiten haben, gewisse Dinge abzuschließen. Aktuell wird mit „CVC“ ein Marketingdeal verhandelt. Dieser Vertrag soll nun nachverhandelt werden, da das Hauptzugpferd Messi nicht mehr in LaLiga spielen wird. Die Konsequenzen sind also tiefgehend. Man muss mit Fingerspitzengefühl an das Thema Gehaltsobergrenzen gehen, aber wir müssen die Debatte führen. Auf der einen Seite verlangen wir alle, dass die Irrationalität bei Gehältern beendet wird. Eine Neid-Debatte zeichnet sich ab, und Fan-Gruppierungen protestieren gegen die Mega-Gehälter. Auf der anderen Seite haben diese Fans ein Interesse, dass Superstars wie Messi in ihrer Liga spielen. Der FC Barcelona wird enorm an Attraktivität verlieren, das ist klar, egal ob der Verein Meister oder Champions-League-Sieger in der nächsten Saison wird. Messi hat den Klub überstrahlt.

Gab es beim FC Bayern jemals einen Gedanken an eine Messi-Verpflichtung?

Nein. Das funktioniert aus mehreren Gründen nicht: Finanziell wäre das eine Größenordnung gewesen, die für Probleme gesorgt hätte – vor allem in der Kabine: Heute bleibt ja nichts mehr geheim, die Spieler wissen fast genau, was ihr Sitznachbar verdient. Das Gehaltsniveau wäre bei uns, so wie es bei Barcelona passiert ist, über Messi nach oben gezogen worden. Das zweite Problem: Einen Messi kann ich mir schwer in einem Land wie Deutschland vorstellen.

Wieso? Aufgrund der Neidkultur?

Sie sagen es.

Sollte das spanische Modell der Gehaltsobergrenzen in allen Top-Ligen in Europa eingeführt werden?

Der Fußball hat sich nicht nur seit dem Bosman-Urteil verändert, es gibt viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir einen Dämon namens Transfermarkt erschaffen haben. Das Gesamtvolumen der globalen Transfers lag vor Corona 2019 bei sieben Milliarden Dollar. Wir müssen alle, insbesondere auch der deutsche Fußball, großes Interesse haben, Regularien zu finden. Sonst wird der deutsche Fußball international auf Sicht abgehängt. Im Moment hat man den Eindruck, dass die Engländer am Transfermarkt weitermarschieren, als hätte es Corona nie gegeben. Das ist ihnen aus zweierlei Gründen möglich: Zum einen gibt es dreimal so hohe TV-Einnahmen wie in der Bundesliga. Zum anderen befinden sich schwerreiche Besitzer im Hintergrund, die Geld nachschießen und Corona möglicherweise sogar zu ihren Gunsten ausnutzen können. Wir brauchen demnach ein internationales Regulativ.

Wie kann das aussehen?

Es existiert bereits in Form von Financial Fairplay. Es muss nur angepasst und stringenter eingesetzt und eingefordert werden. Das ist eine absolute Notwendigkeit. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin sieht das ähnlich. Die Frage ist nur: Wie schnell kann man das einführen und juristisch durchsetzen in einem Europa, zu dessen Grundpfeilern der Marktwirtschaft der freie Wettbewerb gehört? Doch diese Regularien, von denen ich spreche, sollen den Wettbewerb ja stabilisieren und nicht einschränken, von dieser Seite wird die Thematik viel zu selten betrachtet.

Zeigt der Messi-Vorgang noch einmal, warum einige Klubs wirklich auf die Superliga drängten?

Die Super League hätte Vereine wie Barcelona von der spanischen Liga unabhängig gemacht, zudem hätte es frisches Kapital gegeben, angeblich 250 Mio. Euro pro Club. Nun kann La-Liga- Präsident Tebas mit den kleinen Vereinen im Rücken gegen Real Madrid und Barcelona seine Politik durchsetzen. Ich weiß nur nicht, ob das am Ende des Tages wirklich klug ist. Jede Liga braucht Top-Teams, welche als Lokomotive bei Marketing oder TV-Verträgen agieren. Tebas ist sehr konsequent. Der Fakt, dass Messi die Liga verlässt, wird ihm aber auf die Füße fallen. Ich sehe in Spanien weit und breit keinen Spieler, der Messi oder Ronaldo auch nur annähernd ersetzen könnte.

Wird PSG mit dem Angriffstrio Messi/Neymar/Mbappé unschlagbar?

Wenn es so kommt: Von den Namen her wäre Paris top besetzt. Aber es gehört zum Fußball auch der Mannschaftsgeist, siehe Italien bei der EM. PSG wird nicht unschlagbar sein!

Manchester City und PSG investieren trotz Corona ohne Ende – ist das noch ein fairer Wettbewerb?

Sie verfügen über die finanziellen Mittel und können im Endeffekt machen, was sie wollen. Nur mit Financial Fairplay ist dem entgegenzuwirken. Wir haben nun Financial Fairplay 2.0. Aber ich betone: Wir brauchen die Version 3.0, welche einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet. Manchester City bekam 2020 vor dem CAS (der europäische Sportgerichtshof; d. Red.) einen Freispruch allererster Güte. Für die Statuten war das der Worst Case. Man muss nicht wild um sich schießen, aber ein paar kleine Details verändern.

Was schlagen Sie vor?

Man kann mit einem Prozentsatz arbeiten: Beispielsweise, dass nur 50 Prozent vom Umsatz in Gehälter investiert werden darf. Diese Regelung könnte sich individuell an den Vereinen orientieren, die Größenordnung wäre von Klub zu Klub variabel. Es muss hier klare Bestimmungen für alle geben, die nicht mehr durch irgendwelche Tricks oder Hintertürchen umgangen werden können.

Welche Rolle spielt Chelsea, das vor der Verpflichtung von Romelu Lukaku für über 100 Mio. steht, auf dem Markt?

Vielleicht hat Roman Abramovich durch den Champions- League-Sieg noch einmal Geschmack an der Sache gefunden. Ein Beispiel: Sheffield United hat in der vergangenen Saison als Tabellenletzter 106 Mio. Pfund aus dem Fernsehtopf bekommen. Davon können alle Bundesligisten nur träumen! Damit ist doch der erste Wettbewerbsfaktor zugunsten der Engländer geklärt. Zudem sind die Vereine AGs, die arabischen, russischen oder asiatischen Milliardären gehören. Es kann quasi unendlich Geld investiert werden.

Sie haben schon vor Jahren über die Ausgaben von PSG und Man City gesagt: „Wir beim FC Bayern können das nicht und wollen das nicht.“ Kann Bayern in Zukunft noch mit PSG und City mithalten?

Wenn es so weitergeht, wird das natürlich ungleich schwieriger. Die Schere entwickelt sich nicht zugunsten der traditionell wirtschaftenden Klubs. Der FC Bayern kann sich Transfers in dieser Größenordnung nicht erlauben, da sich die Gehälter trotz Corona nach oben entwickeln. Das bedaure ich sehr, es erscheint auch absurd, aber der Markt regelt den Preis! Die Spieler gehen in der Regel dorthin, wo sie das meiste Geld verdienen können. Die größten Verlierer in dieser aktuellen Neuaufstellung der Mächte sind kurioserweise aktuell Barcelona, Real Madrid und Juventus Turin.

Wird die Sehnsucht der Bayern-Fans nach einem zusätzlichen Top-Transfer also aktuell nicht erfüllt?

Die Fans wollen große Namen haben, klar, aber am Ende wissen sie auch, dass die Finanzen in Ordnung sein müssen. In diesen Zeiten beides unter einen Hut zu bekommen ist schwieriger denn je, dafür haben auch die Fans Verständnis.