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Messier 31 mit Fernglas und kleinem Fernrohr


Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 15.11.2019

Bereits in einem Fernglas ist der visuelle Eindruck der Andromedagalaxie faszinierend. Unter dunklem Himmel lassen sich damit auch die Begleitgalaxien Messier 32und Messier 110ausmachen. Mit einem Teleskop und etwas Geduld verraten sich dem Auge noch weitere Details.


Wer in einer mondlosen, klaren Nacht das auffällige Sternenviereck des Pegasus betrachtet und dann den Blick ein wenig nach links, zum Sternbild Andromeda richtet, dem wird schnell etwas auffallen: Ein lang gezogener, blasser und dennoch deutlich sichtbarer Lichtfleck, der kein Stern sein kann. Heute wissen wir, dass dieses Objekt ...

Artikelbild für den Artikel "Messier 31 mit Fernglas und kleinem Fernrohr" aus der Ausgabe 12/2019 von Sterne und Weltraum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 12/2019

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... eines der am weitesten entfernten ist, die wir mit bloßem Auge wahrnehmen können. Rund zweieinhalb Millionen Jahre war das Licht der Andromedagalaxie unterwegs, bevor es unsere Augen erreichte.

Im Sternbild Andromeda leuchtet die schon mit bloßem Auge sichtbare Andromedagalaxie Messier 31. Gemeinsam mit der Galaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck (lateinisch: Triangulum) und unserer Heimatgalaxie, dem Milchstraßensystem, gehört Messier 31 der Lokalen Gruppe an, einem lockeren Verbund von mehreren Dutzend Welteninseln.

In einem 7 x 50-Feldstecher konnte Michael Fritz bereits einige Details erkennen, die erst bei der Betrachtung im Fernrohr deutlich hervortreten: eine Dunkellinie am nordwestlichen Rand der Galaxie sowie den äußeren Spiralarmbogen in ihrem nordöstlichen Teil (siehe Bild S. 74 oben links). Letzterer verdankt seine Helligkeit jedoch lediglich einigen vorgelagerten Sternen mit Helligkeiten von 11 bis 12 mag. Das bemerkenswerteste Detail, über das kaum berichtet wird, ist eine deutliche Verbiegung der Scheibe: ihr nordöstliches Ende ist ein wenig nach Norden, das südwestliche Ende nach Süden verbogen (siehe Bild S. 74 oben rechts). Diese Deformation wurde erst in den 1950er Jahren erkannt; unter einem sehr dunklen Himmel erscheint sie visuell auffälliger als auf den meisten Fotos.

Auf den meisten nicht übermäßig lang belichteten Aufnahmen erstreckt sich Messier 31 bereits über eine Länge von rund drei Grad, was sechs scheinbaren Vollmonddurchmessern entspricht. Eigene visuelle Beobachtungen belegen jedoch, dass sich die Galaxie über deutlich mehr als drei Grad ausdehnt (siehe Bild oben): Bei geduldigem Hin- und Herschwenken des Teleskops lässt sich Messier 31 über eine Länge von mindestens vier Grad verfolgen. Der Beobachter Robert Jonckheere (1888 – 1974), der unweit der nordfranzösischen Stadt Lille ein Observatorium betrieb, berichtete im Jahr 1953, die Andromedagalaxie mit einem 50-Millimeter-Fernglas sogar mit einer Ausdehnung von bis zu fünf Grad gesehen zu haben.

Die Andromedagalaxie erscheint am Himmel mit einem recht großen scheinbaren Durchmesser. Daher ließ sie sich nicht vollständig im drei Grad durchmessenden Gesichtsfeld des Teleskops des Autors Michael Fritz betrachten. Die Zeichnung gibt den visuellen Eindruck beim Blick durch seinen Refraktor mit 13 Zentimeter Objektivdurchmesser bei 20- bis 89-facher Vergrößerung wieder und lässt die Begleitgalaxien Messier 32 und 110 sowie die Sternwolke NGC 206 erkennen. Norden ist oben, Osten links.

Diese lang belichtete Aufnahme lässt deutlich erkennen, dass die Scheibe der Andromedagalaxie ein wenig verbogen ist: im nordöstlichen Bereich ein wenig nach Norden, im südwestlichen Bereich nach Süden. Der Astrofotograf Christian Koll verarbeitete insgesamt hundert Einzelaufnahmen zu diesem Komposit.

Heller Kern und dunkler Bogen

Wenn Sie nun vorhaben, Messier 31 mit einem kleinen Teleskop zu beobachten, dann sei das Wichtigste gleich vorweg gesagt: Abgesehen von ihrem hellen Kern erscheint die 3,4 mag helle Galaxie selbst unter bestmöglichen Bedingungen beinahe strukturlos. Das liegt zum einen an ihrer Neigung zur Sichtlinie – denn wir sehen die Scheibe der Galaxie nur zwölf Grad zur Kantenstellung verkippt – und zum anderen an ihrem morphologischen Typ: Die Andromedagalaxie und ihre Artgenossen besitzen nämlich keine sehr ausgeprägten Spiralarme. Gewöhnlich sind die Spiralarme reich an Sternwolken oder aktiven Sternentstehungsgebieten. Doch darauf müssen wir im vorliegenden Fall weitgehend verzichten.

Was beim Blick durch ein Teleskop zuerst ins Auge sticht, ist der leuchtend helle Kern. Er ist so hell, dass seine tiefgelbe Farbe leicht zu erkennen ist. Der eigentliche Zentralbereich von Messier 31 misst etwa 15  8 Bogenminuten; seine Helligkeit nimmt nach innen stetig zu und kulminiert im sternförmigen Nukleus. Des Weiteren fällt die sehr längliche Form der Galaxie auf: Ihre lange Achse liegt in einem Winkel von 35 Grad zur Nordrichtung, die Breite bleibt über die gesamte Länge auffallend gleich, etwa ein halbes Grad. Die nordöstliche Hälfte wirkt etwas heller, der Kern ist ein wenig in südwestlicher Richtung verschoben.

Strukturen innerhalb der Galaxie sind mit dem Auge am Fernrohr nicht leicht zu erfassen, weil sie einen geringen Kontrast aufweisen. Möchte man den Anblick zeichnerisch festhalten, dann sind viel Geduld und ein genaues, längeres Hinsehen wichtig. Im Nordwesten der Galaxie lässt sich dann eine rund eine Bogenminute breite Dunkellinie erkennen, welche die hellere innere Region mit einer Winkelausdehnung von 40 x 15 Bogenminuten schärfer begrenzt erscheinen lässt. Das matte Leuchten außerhalb der Dunkellinie ist dagegen schwieriger zu sehen, als man zunächst erwartet.

NASA / ESA / Z. Levay, R. van der Marel, STScI / T. Hallas / A. Mellinger

In etwa 4,5 Milliarden Jahren wird sich die Andromedagalaxie unserem Milchstraßensystem so weit angenähert haben, dass die dabei wirkenden Gravitationskräfte die beiden Partner bis zur Unkenntlichkeit verformen – ein spektakulärer Anblick. Allerdings dürfte die Erde dann schon längst unbewohnbar sein.

Die Bögen der Spiralarme erscheinen in der nordöstlichen Hälfte der Galaxie etwas heller und flacher ausgeprägt; im Südwesten sind sie dafür etwas enger gewunden. Den Beginn des äußeren, südwestlichen Spiralarms markiert die Sternwolke NGC 206, die im Jahr 1786 von dem englischen Astronomen William Herschel entdeckt wurde. Innerhalb unserer Milchstraße gibt es ein gutes Pendant zu NGC 206: Es ist die helle Sternwolke Messier 24, die wir in den Sommermonaten mit einem Fernglas bewundern können.

Gesellige Galaxie

Messier 31 hat mindestens 14 Begleiter, von denen zwei schon im Fernglas recht gut sichtbar sind (siehe Bild links oben): die diffuse Zwerggalaxie NGC 205, die in der neueren Literatur auch als Messier 110 bezeichnet wird, sowie die gut konzentrierte, aber kleinere Galaxie Messier 32. Letztere liegt scheinbar sogar noch innerhalb des Halos von Messier 31, der hier allerdings sehr lichtschwach ist und sich nur bei niedrigen Vergrößerungen wahrnehmen lässt.

Innerhalb der Lokalen Gruppe, der mindestens 50 Galaxien in unserer Nachbarschaft angehören, wird Messier 31 auch als eine Schwester unseres Milchstraßensystems angesehen. Unsere Heimatgalaxie hat ja ebenfalls zwei helle Begleiter, die Magellanschen Wolken. Zudem ist sie eine Spiralgalaxie, die Messier 31 hinsichtlich ihrer Größe ähnelt. Hier hören die Gemeinsamkeiten jedoch schon auf, denn das Milchstraßensystem ist eine viel enger gewickelte und stärker strukturierte Spirale mit einem kompakten Balken in ihrer Zentralregion.

All diese Unterschiede wären in einem Weitfeldokular deutlich sichtbar – könnten wir unsere kosmische Heimat von der fernen und doch so nahen Andromedagalaxie aus beobachten. Wirklich fern wird sie uns indes nicht immer bleiben, denn sie bewegt sich auf unser Milchstraßensystem zu. Neueren Untersuchungen zufolge werden sich die beiden Galaxien in etwa 4,5 Milliarden Jahren in einem Abstand von rund 245 000 Lichtjahren begegnen – nur rund ein Zehntel der heutigen Distanz (siehe SuW 8/2019, S. 16). Vermutlich werden sie dabei noch nicht miteinander verschmelzen, sondern sich für mehrere Milliarden Jahre umeinander bewegen.

MICHAEL FRITZ hat sich seit 20 Jahren ganz der visuellen Deep Sky-Beobachtung verschrieben und kommt auf der Kanareninsel La Palma voll auf seine Kosten.

KLAUS-PETER SCHRÖDER ist Professor für Astrophysik an der Universität Guanajuato in Zentralmexiko. Als Student beobachtete er über viele Jahre hinweg regelmäßig mit dem eigenen Teleskop; heute sind die stellare und solare Aktivität seine Forschungsschwerpunkte.

Literaturhinweise

Fritz, M.: M 110, der große Begleiter der Andromedagalaxie. Sterne und Weltraum 11/2013, S. 74 – 75
Hetznecker, H.: Milchstraße und Andromedagalaxie: Kollision vertagt. Sterne und Weltraum 8/2019, S. 16 – 19
Schröder, K.-P.: Unsere Schwestergalaxie in der Andromeda. Sterne und Weltraum 11/2013, S. 72 – 75
Schröder, K.-P.: Galaxien-Schmaus in Andromeda und Umgebung. Sterne und Weltraum 10/2014, S. 56 – 57
Schröder, K.-P.: Messier 33 – eine scheinbar große Spirale. Sterne und Weltraum 9/2016, S. 66 – 69