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Metaverse zwischen Rohrkrepierer und Hoffnungsstern


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 47/2022 vom 18.11.2022
Artikelbild für den Artikel "Metaverse zwischen Rohrkrepierer und Hoffnungsstern" aus der Ausgabe 47/2022 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ist das Metaverse eine neue digitale Dimension oder doch nur ein überbewertetes Loch, in dem viel Geld versenkt wird?“, fragte Matthew Ball, Chef-Analyst von Canalys, Ende Oktober auf einer Konferenz des Analystenhauses in Barcelona. Viele Milliarden Dollar seien bereits in die virtuellen Welten investiert worden, aber allein die immensen Kosten und Verzögerungen vieler Projekte seien ein gutes Barometer dafür, wo dieser Markt wirklich stehe.

Ball wies auf die wirtschaftlich schwierigen Zeiten hin und dass viele Menschen und Betriebe schon in der realen Welt Schwierigkeiten hätten, finanziell über die Runden zu kommen. „Wir stecken in einer Lebenshaltungs- und Kostenkrise. Die Menschen haben in der realen Welt schon genug Probleme. Da müssen sie nicht in der virtuellen Welt in Immobilien, Gegenstände und NFTs investieren“, so der Analyst. Vielleicht erlebe die Spielebranche mit dem Metaverse einen ...

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Ganz anders sehen das die Managementberater von McKinsey, die das Metaverse bereits als nächste Version des Internets feiern. Schon 2022 würden etwa 120 Milliarden Dollar in die virtuellen Welten fließen. Bis 2030 könnte der Metaverse-Markt auf ein Volumen von bis zu fünf Billionen Dollar anschwellen. Die Auguren der Citi Group sind sogar noch optimistischer und prognostizieren, dass die Metaverse-Wirtschaft in acht Jahren zwischen acht und 13 Billionen Dollar wert sein könnte.

Vom digitalen zum metaversen Geschäft

Auch Gartner ist positiv: Die Analysten gehen davon aus, dass bis 2026 ein Viertel der Weltbevölkerung mindestens eine Stunde pro Tag im Metaverse verbringen wird, um einzukaufen, zu arbeiten, Kontakte zu knüpfen oder zu lernen. Bis dahin soll ein knappes Drittel aller Unternehmen weltweit Produkte oder Dienstleistungen für die digitale Welt bereithalten. „Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle auf eine nie dagewesene Weise zu erweitern und zu verbessern, indem sie sich von einem digitalen zu einem metaversen Geschäft weiterentwickeln“, sagt Marty Resnick, Research Vice President bei Gartner.

Dabei ist weder bekannt, wie das Metaverse einmal aussehen wird, noch, welche Wege dorthin führen werden. Darüber herrsche noch viel Unsicherheit, räumen die Gartner-Analysten ein. Resnick zufolge sei es noch zu früh, um zu wissen, welche Investitionen sich langfristig lohnen werden. Produktmanager sollten sich jedoch die Zeit nehmen zu lernen, zu forschen und sich auf ein Metaverse vorzubereiten, in dem sie ihre Produkte wettbewerbsfähig positionieren könnten.

Kein anderes Unternehmen ist wohl enger mit dem Metaverse verbunden als die Facebook-Mutter Meta. Geradezu versessen hält der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg an seinem Projekt fest. Vor ziemlich genau einem Jahr hat er seinen Konzern in Meta umbenannt und kündigte an, sich fortan hauptsächlich um die Entwicklung eines virtuellen Paralleluniversums kümmern zu wollen. Seine Idee: Nutzer sollen sich als Avatare in einer virtuellen Welt bewegen und dort arbeiten, spielen und auf verschiedenste Art und Weise kommunizieren und interagieren.

Doch Zuckerbergs Vorhaben kommt nur schleppend voran und verschlingt Unsummen an Geld. Das wäre vermutlich nicht weiter beunruhigend, wenn denn die anderen Geschäfte gut liefen. Doch das tun sie nicht. Im Kerngeschäft mit sozialen Medien wie Facebook und Instagram leidet Meta, ähnlich wie auch Google, Microsoft oder Snap, unter der schwachen Konjunktur. Die Werbegelder sprudeln nicht mehr so reichlich wie noch in den vergangenen Jahren. Dazu kommt, dass sich der Wettbewerb weiter zuspitzt: Vor allem Tiktok nimmt den einstigen Platzhirschen im Social-Media-Umfeld Marktanteile und Besucher weg.

Der Druck auf Meta wächst unablässig. Seit Zuckerberg das Unternehmen auf den neuen Kurs gesetzt hat, geht es kontinuierlich bergab. Der einst unangefochtene Herrscher im Social-Media-Reich hat in diesem Jahr bereits ungefähr eine halbe Billion Dollar an Börsenwert eingebüßt. Der Kurs der Aktie brach von fast 385 Dollar im September 2021 auf unter 90 Dollar Anfang November 2022 ein – ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Analysten sprechen mit Blick auf die Geschäftszahlen von einem regelrechten Albtraum.

Zuckerberg bemüht sich Zuversicht zu verbreiten und betont, dass das Metaverse Zeit brauche. Man sei entschlossen, die Entwicklung weiter voranzutreiben, beteuerte der Manager im Oktober 2022 in einem Interview mit dem US-amerikanischen Techblog „The Verge“. Er sei froh, die Weichen bereits im vergangenen Jahr neu gestellt zu haben, sagte der Facebook-Gründer. Heute wäre es angesichts der angespannteren wirtschaftlichen Lage vermutlich schwieriger gewesen. Zuckerberg bekräftigte, seine Vision weiter zu verfolgen und dafür zu investieren, „für das nächste Jahrzehnt – oder wie lange es auch immer dauern mag.“

Metaverse lockt nur wenige Nutzer

Der Facebook-Gründer wird einen langen Atem brauchen. Derzeit weist nicht viel darauf hin, dass Userinnen und User sowie Unternehmen Schlange stehen und drängeln werden, um sich ihren Platz im Metaverse zu sichern. Im Gegenteil: „Horizon Worlds“, Metas virtuelle Welt für Privatkunden, zählt momentan nicht einmal 200.000 aktive monatliche Besucher. Das Ziel des Konzerns, bis zum Jahresende eine halbe Millionen Menschen zu begrüßen, rückt einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) zufolge in weite Ferne. Intern haben die Meta-Verant- wortlichen ihren Zielkorridor, was die avisierten Nutzerzahlen betrifft, mittlerweile deutlich auf 280.000 bis Ende des Jahres heruntergeschraubt. Zum Vergleich: Auf Facebook tummeln sich jeden Monat fast drei Milliarden aktive Nutzerinnen und Nutzer.

In Horizon Worlds wird es einsams

Der Sand im Getriebe von Zuckerbergs Metaverse knirscht also unüberhörbar. Selbst die Meta-Beschäftigten fragen sich offenbar, was sie in Horizon Worlds eigentlich tun sollen. Geleakte interne Dokumente, über die das WSJ und The Verge in den vergangenen Monaten berichteten, machen deutlich, dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Produkt wächst. Demzufolge kritisierte Vishal Shah, Vice President von Meta, in einem Memo den fehlenden Willen der eigenen Angestellten, Horizon Worlds zu nutzen. „Warum ist das so? Warum lieben wir das Produkt, das wir entwickelt haben, nicht so sehr, dass wir es ständig benutzen? Die einfache Wahrheit ist: Wenn wir es nicht lieben, wie können wir dann erwarten, dass unsere Nutzer es lieben?“, schrieb Shah.

Arbeitsalbtraum Metaverse

Mit der Virtual-Reality(VR)-Brille Quest Pro, neuen Workroom-Features und Kooperationen wie mit Microsoft will die Facebook-Mutter Meta ihr Metaverse potenziellen Kunden als Kommunikations- und Kollaborationsplattform andienen. Doch es gibt noch viel Kritik. Gerade das Setting mit Avataren hat seine Nachteile. Auch in virtuellen Sessions ist es wichtig beobachten zu können, ob das Gegenüber interessiert oder gelangweilt ist. In einem Teams- oder Zoom-Call ist das möglich – soweit die Kameras eingeschaltet sind – in Metas Workrooms mit Avataren eher nicht. Auch das Arbeiten im virtuellen Raum ist nicht jedermanns Sache. Wissenschaftler der Universitäten Coburg, Cambridge und Primorska haben in Kooperation mit Microsoft Research das bislang umfassendste Virtual-Reality-Arbeitsexperiment realisiert. Dabei arbeiteten 16 Testpersonen eine volle 40-Stunden-Woche in der virtuellen Realität. Die Probanden berichteten im VR-Umfeld über: D eine um 35 Prozent gesteigerte Arbeitsbelastung, D ein um 42 Prozent gesteigertes Frustrationslevel, D eine Zunahme von Angstzuständen um elf Prozent und D eine um 48 Prozent gesteigerte Belastung für die Augen. Ihre eigene Produktivität werteten die Teilnehmenden um 16 Prozent ab – ihr Wohlbefinden um 20 Prozent. Zwei Testpersonen (ein Mann und eine Frau) brachen die Studie schon am ersten Tag wegen Beschwerden in Form von Migräne, Übelkeit und Angstzuständen ab.

Als sich das Nutzungsverhalten nicht änderte, schlug er vor, dass die Manager ihre Teams dazu verdonnern sollten, Horizon Worlds mindestens einmal pro Woche zu nutzen. „Jeder in dieser Organisation sollte es sich zur Aufgabe machen, sich in Horizon Worlds zu verlieben“, so Shahs Maßgabe. „Das geht nicht, ohne es zu benutzen.“

Doch davon sind die meisten Menschen weit entfernt. So wie den Meta-Angestellten, geht es derzeit vielen potenziellen Usern. Sie fragen sich, was sie in der virtuellen Welt eigentlich tun sollen. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom wider. Gut zwei Drittel, der im Sommer 2022 befragten 1.163 Deutschen gab an, noch nie etwas vom Metaverse gehört oder gelesen zu haben. Gerade einmal jede/r Zwanzigste traut sich zu, erklären zu können, worum es beim Metaverse geht. Rund der Hälfte bereitet die Vorstellung Angst, dass mit dem Metaverse eine virtuelle Parallelwelt entstehen soll.

„Es braucht neue Perspektiven“

Dennoch setzt die Branchen aufs Metaverse. „Die Consumer Technology der Zukunft braucht jetzt neue Perspektiven“, sagte erst kürzlich Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Mit dem Metaverse hat sich ein Szenario eröffnet, das den Markt maßgeblich prägen kann.“ Bedenken versucht man zu zerstreuen und potenzielle Nutzer langsam mit der Idee vertraut zu machen und heranzuführen.

„Das Metaverse ist keine virtuelle Parallelwelt“, sagen die Verantwortlichen des IT-Branchenverbands. Vielmehr bezeichnen sie das Metaverse als „eine virtuelle, dreidimensionale Erweiterung der realen Welt, in der man als digitaler Zwilling oder Avatar lebt und künftig eventuell auch arbeitet und alltägliche Aktivitäten unternimmt, zum Beispiel eine Universität oder ein Konzert besucht.“ Es gebe zahlreiche Verbindungen mit der realen Welt: So könnten im Metaverse mit realem Geld virtuelle Güter gekauft werden. Hinter Avataren steckten reale Personen, hinter virtuellen Maschinen reale Anlagen im Sinne eines digitalen Zwillings.

Unternehmen bleiben skeptisch

Die Befürworter der virtuellen Welt verweisen darauf, dass Nutzer ihre ersten Schritte im Metaverse mit gewohnten Geräten wie PC und Smartphone tun könnten. Später kämen Virtual-Reality-Brillen sowie verstärkt eine erweiterte Realität (Augmented Reality) hinzu. Auf was es technisch genau hinauslaufen wird, scheint aber weiter unklar. Das Metaverse baue auf bereits etablierten Technologien auf, die aber noch weiterentwickelt werden müssten wie zum Beispiel Augmented und Virtual Reality, Blockchain oder künstliche Intelligenz, heißt es beim Bitkom.

„In der Tech-Szene erwarten so manche eine regelrechte Revolution des Internets. Ob sich dies bewahrheitet, ist derzeit völlig offen“, warnt allerdings Verbandssprecher Rohleder. Es sei aber wichtig, dass deutsche Firmen dieser Technologie offen gegenüberstünden und aufmerksam beobachten, wie sie sich entwickelt und was sie den Unternehmen bieten kann.

Dass die ITK-Branche ein Interesse daran hat, mit dem Metaverse den nächsten großen Digitaltrend auszurufen, überrascht nicht. Doch die Skepsis bei denen, auf die es ankommt, ist groß: Der Bitkom hat über 600 deutsche Unternehmen gefragt, was sie von der Entwicklung virtueller Welten halten. Die Skepsis überwiegt. Zwar steht ein Viertel dem Thema grundsätzlich interessiert und aufgeschlossen gegenüber. Drei von zehn Betrieben äußerten sich jedoch kritisch bis ablehnend. 42 Prozent der Befragten halten das Metaverse für einen kurzfristigen Hype, der die Erwartungen nicht erfüllen und wohl bald wieder verschwinden werde.

Viele Firmenlenker haben momentan keine Vorstellung davon, was ihnen das Metaverse bieten könnte. Zwei Drittel der Befragten sehen noch keine praktischen Anwendungen. Vier von zehn Unternehmen können sich derzeit grundsätzlich keine lohnende Aktivität dort vorstellen. Allgemein gehen 68 Prozent der Betriebe davon aus, dass das Metaverse noch weit entfernte Zukunftsmusik ist. Viele IT-Verantwortliche beklagen, dass die Technologie nicht ausgereift sei (76 Prozent) und es mit der notwendigen Standardisierung hapere (48 Prozent). Insgesamt fehlt es zwei Dritteln der befragten Entscheiderinnen und Entscheidern an praktischen Anwendungen in der virtuellen Welt.

Digital Twins etablieren sich

Andere IT-Chefs haben indes mehr Fantasie und können sich sehr wohl vorstellen, dass das Metaverse in Zukunft eine wichtige Rolle in ihrem Betrieb spielen wird. „Diese Technologie läutet ein neues Zeitalter ein“, sagte gerade erst Siemens-CIO Hanna Hennig laut einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ auf dem Tiroler Wirtschaftsforum in Innsbruck. „Künftig wird man sich in einem virtuellen Raum treffen, in dem Produkte erschaffen werden“, sagte die Siemens-Managerin. Produkte könnten dort mit minimalem Materialaufwand vorentwickelt und vor der tatsächlichen Herstellung im Werk bereits auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden. Fehler in Konstruktion oder Produktion ließen sich frühzeitig erkennen und beheben, noch bevor in der realen Welt die entsprechenden Produkte tatsächlich vom Band laufen.

Tatsächlich fallen solche Szenarien in vielen Unternehmen längst nicht mehr in die Sparte Science-Fiction. Digitale Abbildungen von Objekten – sogenannte Digital Twins – sind bereits vielerorts fester Bestandteil von Entwicklungs- und Produktionsprozessen. Rolls-Royce nutzt die Technik, um die Funktionsweise seiner Triebwerke zu simulieren. Lebensmittelhersteller Mars hat einen digitalen Zwilling seiner Produktionslieferkette gebaut und Bayer Crop Science optimiert seine Maissaat-Produktion in einer virtuellen Fabrik. Die Schiffsbauer der Meyer Werft haben ihr PLM-System mit Funktionen für Digital Twins erweitert. 16 Millionen Teile eines Ozeanriesen lassen sich hier virtuell abbilden. Auch das US-Militär arbeitet an einem eigenen Metaverse, um dort für die Kriege der Zukunft zu üben.

Anhand dieser Beispiele wird aber auch deutlich, dass es hier nicht um das allumfassende Metaverse geht, von dem Mark Zuckerberg träumt. Es geht schlicht um virtuelle Arbeitswelten, die für bestimmte Anwendungsfälle designt wurden. Neben Funktionen für Kommunikation und Zusammenarbeit sind weitere wichtige Business-Features gefragt. Schließlich müssen große Mengen an Daten verarbeitet und analysiert werden. Funktionen für künstliche Intelligenz und Machine Learning sollen für möglichst realitätsnahe Simulationen sorgen, um die Entwicklung von realen Produkten zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Für dieses Zukunftsgeschäft bringen sich andere Unternehmen als Meta in Stellung. Nvidia baut beispielsweise an seinem Omniverse. Anwender sollen dort mithilfe der KI-fähigen und industrietauglichen Virtual World Engine originalgetreue digitale Zwillinge in Echtzeit entwickeln können. Herzstück des Omniverse ist „Nvidia AI“, eine KI-Plattform, die bereits von mehr als 25.000 Unternehmen weltweit eingesetzt wird.

Metaverse ist nicht gleich Metaverse

Siemens arbeitet denn auch eng mit Nvidia zusammen. Die Münchner haben im Sommer dieses Jahres „Xcelerator“ vorgestellt, ein kuratiertes Angebot für die digitale Transformation der produzierenden Industrie. Die Plattform vereint ein ausgewähltes Portfolio an IoT-Hardware sowie diverse Software- und digitale Angebote von Siemens und zertifizierten Drittanbietern. Siemens will Xcelerator mit Nvidias Omniverse verknüpfen, um Industrieunternehmen beim Bau KI-betriebener digitaler Zwillinge sowie bei Produktivitäts- und Prozessverbesserungen zu unterstützen. Siemens-CEO Roland Busch bezeichnete die Integration von Xcelerator ins Omniverse als ein „beeindruckendes Metaversum in Echtzeit, das Hardware und Software vom Edge bis zur Cloud mit umfangreichen Daten aus Siemens-Lösungen verbindet.“