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Meteoritenfall 1892


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Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 08.10.2021

Der von Siegfried Kurz und Ulrich Bastian in SuW 9/2021, S. 7, diskutierte unglaubhafte »Meteoritenfall« im Kaspischen Meer war wohl ein kurzlebiges Resultat von Schlammvulkanismus, wofür diese Gegend bekannt ist. Zitat: »Die vor ungefähr zwei Monaten bei Ascheron aus dem Kaspischen Meer emporgestiegene Insel, die man anfänglich fälschlich für einen dort niedergefallenen riesigen Meteorstein hielt, ist jetzt wieder im Meere versunken.« (Illustrirte Zeitung, Band 99, 1892).

S. PREUSS, BOCHUM

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Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 11/2021

Ein Schlammvulkan in Aserbeidschan: Hier treten Gase aus Erdöllagerstätten in den Sedimenten an die Oberfläche. Im Kaspischen Meer gibt es vor der Küste des Landes solche Schlammvulkane in riesiger Größe, bei denen sich das Gas beim explosiven Austritt in einem Feuerball entzünden kann. So ein Ereignis war wahrscheinlich im Jahr 1892 der Grund für eine Zeitungsmeldung eines Meteoritenfalls.

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Herzlichen Dank an Herrn Preuß für diese überraschende Erklärung für eine zunächst einfach nur kurios und absolut unglaubhaft anmutende alte Zeitungsmeldung. Das gesamte Kaspische Meer ist reich an natürlichen Erdgaslagern. Schlammvulkanismus entsteht, wenn aus solchen Lagern Kohlenwasserstoffe aufsteigen, sich dabei mit Wasser und Sand mischen, um dann an die Oberfläche durchzubrechen. Meist bilden sich dabei nur schlammige Hügel, aber gelegentlich entzündet sich das Erdgas auch beim Kontakt mit Luft.

Erst kürzlich, am 4. Juli 2021, ereignete sich ein besonders feuriger Ausbruch eines Schlammvulkans im Kaspischen Meer vor Aserbeidschan, der einen 500 Meter hohen Flammenpilz erzeugte (siehe suw.link/2111-Vulkan). Vielleicht gab es im Jahr 1892 auch eine starke Detonation des austretenden Erdgases, was die damalige Verwechslung des »furchtbaren Getöses« mit einem Meteoritenfall verständlich machen würde.

Unser Leser Robert Heinz aus Dresden hatte das Gefühl, dass es bestimmt noch mehr über das Ereignis im Internet geben sollte. Und tatsächlich fand er im »Korrespondenzblatt des Naturforschenden Vereins zu Riga« Band 36, 1893, S. 42, einen sehr viel detaillierteren Bericht als den, der in SuW 9/2021, S. 7, gezeigt wurde (siehe: suw.link/2111-Meteorit1). Darüber hinaus wies er uns dankenswerterweise darauf hin, dass das Jahr 1892 in mehrfacher Hinsicht ein besonderes für die Meteoritenkunde war: Das 400. Jubiläum des Donnersteins von Ensisheim (Elsass), des ältesten gut dokumentierten Meteoritenfalls, und das 100. Jubiläum von Ernst Florens Friedrich Chladnis Besuch in Göttingen, der den Beginn der naturwissenschaftlichen Betrachtung von Meteoriten einläutete. Herr Heinz verwies uns in diesem Zusammenhang auf eine ernsthafte, aber sehr amüsant geschriebene Darstellung früher Meteoritenfälle und der Zweifel an ihrer Realität in »Die Gartenlaube«, Heft 14, S. 438 – 439, 1892, die bei Wikisource nachgelesen werden kann: suw.link/2111-Meteorit2.

U.B.

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