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METROID DREAD


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N-Zone - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 20.10.2021

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Bildquelle: N-Zone, Ausgabe 11/2021

Wir schreiben das Jahr 2007. Eine seltsame Textnachricht, versteckt in der Ingame-Datenbank von Metroid Prime 3: Corruption auf der Wii, sorgt für Verwirrung: „Projekt Metroid Dread nähert sich den finalen Stufen bis zur Komplettierung.“ Eine geheime Ankündigung eines neuen Metroid-Projekts? Nein, das konnte doch nicht sein, oder? Zumal jahrelang nichts in der Hinsicht passierte. Nun wissen wir: Doch, es konnte sein! Denn jetzt erscheint das legendäre Metroid Dread also wirklich für die Nintendo Switch. Hat ja nur schlappe 14 Jahre gedauert!

Das Ende einer Ära

Zur Einordnung: Metroid Dread, der offiziell fünfte Teil der Serie, ist auch deswegen etwas Besonderes, weil es den zumindest derzeitigen Abschluss der Metroid-Saga darstellt. Die Prime-Trilogie, Metroid: Other M, die diversen Spin-offs, das waren, wenn man so will, Nebengeschichten, angesiedeltzwischen den anderen Spielen. Nun aber erfahren ...

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... wir, wie es nach Metroid Fusion wei- tergeht, welches 2002 für den Game Boy Advance erschienen ist. In Fusion stellte sich Serienprotagonistin Samus Aran auf einer verlassenen Weltraumstation erfolgreich der alles vernichten- den parasitären Lebensform X entgegen. Zu Beginn von Dread macht sie sich nun im Auftrag der Galaktischen Föderation auf zum Planeten ZDR. Denn die X scheinen nicht ganz so ausgelöscht, wie es den Anschein hat, wenn man einer myste- riösen Videobotschaft Glauben schenken mag, die sie von dort erreicht hat. Metroid hat seit jeher den Ruf der „erwachsenen“ Nintendo-Serie, nicht nur wegen der düsteren Science-Fic- tion-Atmosphäre, sondern auch, weil sie sich nicht erzählerisch im Kreis bewegt. Hier gibt’s keine halbgaren Story-Erklärungen mittels Wiedergeburten wie bei Zelda, hier ist die Lore nicht völlig egal wie bei Super Mario: Vom ersten Metroid auf dem NES über die Prime-Eskapaden und nun bis hin zu Dread hängen die Geschichten der Spiele alle direkt zusammen. Dread soll laut den Entwicklern eine Art vorläufiges Finale darstellen. Es soll also nicht zwingend das Ende der Haupterzählung sein, aber doch ein Abschluss für all das, was Samus vor allem in Metroid, Metroid: Return of Samus, Super Metroid und Metroid Fusion erlebt hat.

Ein Kracher zum Abschluss

Und was soll man sagen, das gelingt – großteils. Das Ende des neuen Abenteuers hat es nämlich richtig in sich und liefert nicht nur Action satt, sondern auch eine geballte Ladung Informationen zu Samus selbst und der Science-Fiction-Welt, die wir in all den Jahren kennen und lieben gelernt haben. Der Weg dorthin ist aber nicht ganz so gut gelungen. Über weite Strecken passiert nämlich nach der Anfangssequenz nicht wirklich viel. Da schlägt man sich dann von Areal von Areal durch, gelegentlich gibt es Zwischensequenzen, die wirklichen Story-Entwicklungen sind aber auf wenige Momente verteilt. Zudem werden Leute, welche vor allem Fusion nicht kennen, überraschend alleine gelassen. Ja, es gibt zu Beginn eine Zusammenfassung, doch warum diese oder jene Enthüllung oder dieser oder

jener Auftritt einer Figur etwas Besonderes ist, dürfte einem Neuling nicht klar sein. Das ist nicht dramatisch, die Handlung bleibt auch so nachvollziehbar. Ohne Metroid-Wissen ist es aber schwer vorstellbar, dass jemand allzu viel aus ihr mitnehmen wird.

Ghost in the machine

Auch die Präsentation hat ihre Macken. Manchmal wirken die Schnitte in den Zwischensequenzen gar abrupt, zudem mutet es seltsam an, dass die beiden Computerstimmen, die man im Spiel häufig hört, tatsächlich auf künstliche Sprache setzen. Wir zumindest fühlten uns teilweise stark an die dadaistische Lebenssimulation Tomodachi Life erinnert, wo die Figuren ebenso plapperten, was in diesen Momenten ein wenig an der ernsten Atmosphäre zerrt. Aber immerhin: Die KIs sprechen deutsch, und die seltenen Momente, in denen wir der Kunstsprache außerirdischer Lebensformen lauschen, klingen tadellos. Grafisch reißt Dread keine Bäume aus, ist aber sehr anständig umgesetzt und wirkt wie eine deutlich hübschere Version des 3DS-Remakes Metroid: Samus Returns derselben Entwickler. In manchen Momenten wirkt die in 2,5D dargestellte, aber spielerisch stets auf 2D setzende Welt etwas kahl. In anderen hingegen sorgen schöne Effekte und Elemente im Hinter grund wie Dampf und malmende Maschinen, schales Licht und düster glitzernde Höhlen für jede Menge Stimmung. Die Animationen von Freund und Feind sind zudem über jeden Zweifel erhaben und die Momente, in denen die butterweiche Framerate mal in die Knie geht und es zu leichten Rucklern kommt, kann man an einer Hand abzählen. Die Sound-Kulisse ist außerdem gelungen wie eh und je, zumindest, was die Effekte angeht. Die Musik hingegen … nun, sie ist nicht per se schlecht. Sie unter- malt das Gameplay passend, in den richtigen Momenten dreht sie schön auf. Auch direkt nach dem Abspann war es uns aber nicht möglich, uns auch nur eine der Melodien ins Gedächtnis zu rufen, was wohl auch daran liegt, das anders als auf die heroischen Klängen eines Fusion eher auf Ambiente-Musik gesetzt wurde. Das Ergebnis klingt gut, ist aber eben doch ein gutes Stück entfernt von den ikonischen Klängen eines Super Metroid oder auch eines Metroid Prime.

So muss Samus!

Aber Story-Schwächen hin, Tech- nikproblemchen her, wovon Metroid lebt, ist natürlich die Atmosphäre, und die ist wieder einmal famos gelungen. Mehr noch als zuvor ist die Inspiration durch den Weltraumhorrorklassiker Alien klar erkennbar, und Momente, in denen Dread beinahe schon gruselig ist, gibt es allenthalben; zwar ist es auch in dieser Hinsicht nicht ganz so kompetent wie vor allem Fusion, steht aber nicht weit dahinter. Und: Sie haben Samus wieder auf Spur gebracht! Nach dem kontrovers aufgenommenen Metroid: Other M und dessen sehr verletzlichen Interpretation der Figur ist sie in Dread die taffe Kriegerin, als die man sie kennt und liebt. Eine Frau weniger Worte, die stattdessen ihre Taten sprechen lässt aus gutem Grund als eine der besten Action-Protagonisten der Videospielwelt gilt. Klasse!

Eine Welt von Welt

Kennt man und liebt man: Das gilt auch für das Gameplay. Denn eines kann man Dread nicht unterstellen: dass es große Experimente eingehen würde, weder im Positiven noch im Negativen. Uns erwartet eine große, verzweigte 2D-Welt, die es nach und nach zu erkunden gilt. An allen möglichen Ecken und Enden findet man, beziehungsweise erhält man von besiegten Bossen neue Items und Fähigkeiten, mit denen man weiter voranschreiten und Gebiete erreichen kann, die beim ersten Besuch noch nicht zugänglich waren. Metroidvania eben! So bekommt man größtenteils auch bekannte Items wie Bomben, Morph Ball, Super Missiles und den Grapple Beam an die Hand. Die neu hinzugekommenen Helferlein ergänzen das Portfolio gut, ohne das Spielgefühl dramatisch zu verändern, darunter etwa eine neue Art von Bombe und die Möglichkeit, an speziellen, blauen Wänden entlangzukrabbeln. Nein, innovativ ist das nicht,muss es unserer Meinung nach aber auch nicht sein. Denn die Umsetzung ist umso gelungener. Das fängt schon bei der Welt an. Ganz so einzigartig und unverkennbar wie in manch anderen Serienteilen mögen die Areale nicht sein. Dafür ist es aber eine wahre Freude, nach und nach zu erkennen, wie die unterschiedlichen Gebiete zusammenhängen, sobald man entsprechende Items zum Freilegen der Wege gefunden hat. Die Welt ist in sich ungemein stimmig, und ständige nervige Sackgassen, wie sie in Samus Returns gang und gäbe waren, gehören dankenswerterweise der Vergangenheit an.

Vorwärts durch Rückwärts

Überhaupt ist Backtracking, also das Zurückkehren in bereits besuchte Bereiche, zwar schon ein Faktor, allerdings ist die Spielführung so gut gemacht, dass es sich nie anfühlt, als würde man immer wieder dasselbe sehen. Genau im richtigen Moment gibt’s einen neuen Shortcut, ein Gebiet hat sich so verändert, dass man es eh kaum noch wiedererkennt oder sonstwie wird dafür gesorgt, dass das Erforschen eine Freude ist und man von abwechslungsreichem Highlight zu abwechslungsreichem Highlight jagt. Nur Komplettisten, die 100 Prozent der Items ihr Eigen nennen wollen, werden öfter mal dieselben Räume zu Gesicht bekommen, und da gibt’s dann jede Menge, teilweise wirklich knifflige, optionale Umgebungsrätsel. Die Suche nach den wertvollen Raketen- und Lebenscontainern und Bomben wird einem dank einer extrem kompetent umgesetzten Map, die genau zeigt, wo man schon war und wo nicht und was man schon alles gefunden hat und auf der man interessante Orte markieren kann, sehr angenehm gestaltet. Weitere Hilfsfunktionen wie ein Logbuch, welches die bisherigen Ereignisse zeigt, ein praktisches Schnellreisesystem und andere Quality-of-Life-Features zeigen: Die Entwickler von Metroid Dread haben sich hier wirklich viele Gedanken gemacht.

E.M.M.I. – kurz für Eher MittelMäßig Interessant

Auch das Pacing ist eine wahre Freude. Unnötige Spielzeitstreckung, Momente, in denen nichts von Belang passiert, all das gibt es fast nicht. Da fällt es auch leichter, die dennoch relativ kurze Spielzeit von etwa sieben bis acht Stunden für die Story und elf bis zwölf Stunden für Komplettisten zu verkraften – lieber hohe Qualität über eine kürzere Spanne, als Leerlauf um des hohen Spielzeitkontos willen. Eine Ausnahme gibt es:Neben wenigen, aber dafür toll gestalteten Bossen erwarten den Spieler allerlei Nebenbosse. So weit, so gut, allerdings wiederholen sich diese Widersacher viel zu häufig. Gerade die Menge an Kämpfen gegen die Chozo-Soldaten mit nur leichten Variationen hätte man gerne zurückschrauben können. Zudem etwas Geschmacksache sind die E.M.M.I.s. Die Roboter im Apple-Design und in verschiedenen Farben sind in bester Terminator- oder eben Alien- Manier fast unzerstörbar. Pro Areal gibt es ein Gebiet, in dem eine der Blechbüchsen ihr Unwesen treibt. Der einzige Weg, zu überleben, ist Stealth. Zwar kann man meist gut ausweichen und auch Wegrennen ist eine Option, haben die Roboter Samus aber erwischt, heißt es abseits eines sehr, sehr schwer hinzubekommenden Kontermoves aber: Game Over. Bei den ersten paar Malen macht das noch Spaß, zumindest wir waren der (stets dankenswerterweise in einer äußerst befriedigenden Zerstörungsaktion endenden) Schleichparade aber irgendwann überdrüssig. Gerade die letzten paar E.M.M.I.s erlauben relativ wenige Fehler. Schlussendlich sind diese Momente aber kein so großer Faktor, wie das Gameplay-Material vor Release es einem glauben machen wollte. Das Metroid- Gameplay wird durch die eingestreuten Schleichpassagen zwar nicht schlechter, aber auch nicht wirklich besser. An die noch deutlich selteneren und wohl auch dadurch wesentlich furchterregenderen Stealth-Momente in Metroid Fusion reichen die E.M.M.I.- Passagen jedenfalls nicht heran.

Leichte Probleme

Wer jetzt Angst hat, dass Metroid Dread wegen diesen Momenten zu anspruchsvoll ausfallen könnte: keine Sorge. Mit ein bisschen Trial & Error ist jeder E.M.M.I.- Moment rasch geschafft. Im Gegenteil kann man dem Abenteuer sogar eher vorwerfen, dass es zu sehr auf der einfachen Seite wandert. Nach ein paar Versuchen hat man die Angriffsmuster der Bosse verstanden und erledigt sie mühelos, wenn man sie denn nicht gleich beim ersten Antritt bezwingt. Eine Ausnahme bildet der letzte Endgegner, aber auch da hat man die Tricks relativ bald raus. Einen härteren Schwierigkeitsgrad kann man erst nach dem ersten Durchgang anwählen. Dass die Kämpfe selten ein Problem darstellen, kann man natürlich auch positiv deuten, denn das liegt nicht zuletzt auch an der beinahe perfekten Steuerung. Das Gamepad ist gut belegt mit allerlei Aktionen, dennoch hat man stets die volle Kontrolle. Egal, ob man mit Höchstgeschwindigkeit durch Gänge saust und springt, Feinden mit dem Konterschlag die Lichter ausbläst oder eben mit Beam und Raketen gegen Obermotze vorgeht – wenn man doch mal draufgeht, muss man meist die Schuld bei sich selbst suchen, nicht beim Spiel. Und auf einer anderen Ebene ist Metroid Dread zwar auch nicht schwer, aber sehr Nintendo-untypisch: Es nimmt einen fast niemals an der Hand. Von einigen wenigen Momenten abgesehen, muss man sich komplett selbst erarbeiten, wohin man für das nächste Ziel gehen muss. Das gelingt aber wegen der wirklich sehr guten organischen Wegführung gut, die dafür sorgt, dass man sich regelmäßig ziemlich schlau fühlt, eine gesuchte Lösung entdeckt zu haben, weil man die subtilen Hinweise richtig gelesen hat. Und auch sonst vertraut das Spiel darauf, dass man sich die Funktionsweise diverser Items und Moves abseits erklärender Tutorial-Texte selbst erarbeitet. Keine nervigen Hinweiseinblendungen, keine Wegweiser, kurzum: Man fühlt sich als Spieler ernstgenommen. So muss das sein!

Große Fußstapfen

Schlussendlich ist Metroid Dread eines nicht: ein großer Schritt voran für die Serie, sollte sich irgendjemand einen solchen erwartet haben. Nein, es ist einfach ein verdammt gutes Metroidvania, bezüglich der Story vor allem für Fans interessant, auf spielerischer Ebene aber auch für alle anderen. Ist es das beste Metroid aller Zeiten? Auch das wohl eher nicht, denn trotz aller Qualitäten halten es einige Kleinigkeiten zurück, und in Zeiten der beiden Ori-Spiele, von Hollow Knight oder auch Guacamelee! Ist die Konkurrenz natürlich sehr, sehr stark. Aber: Es ist eben Metroid, und diese ganz eigene Atmosphäre, dieses Gefühl, als Fan nach Hause zu kommen, und vor allem mit Samus Aran die wohl coolste Socke des ganzen Universums zu verkörpern, gibt es nur hier. Wir mussten lange auf dich warten, Metroid Dread. Schön, dass du endlich angekommen bist.

Lukas Schmid