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Mexiko: Vor 25 Jahren starteten die Zapatistas ihren Kampf


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WeltTrends - epaper ⋅ Ausgabe 155/2019 vom 01.09.2019

Die Zapatisten in Mexiko zeigen, dass „eine andere Welt möglich ist“. Sie sind nicht nur eine Protest- und Widerstandsbewegung, sondern haben es fertiggebracht, einen eigenen Raum mit einer alternativen sozialen Organisation aufzubauen. Und dies in einem Land, das kapitalistisch organisiert, von den USA abhängig und von Drogenmafia und organisierten Verbrechen durchdrungen ist. Die Zapatisten hielten sich über 25 Jahre, auch gegen die militärischen Attacken der Regierung. Zugleich hatten sie Erfolge im Gesundheits-, Erziehungs- und Versorgungsbereich. In den letzten Wahlen kam in Mexiko ein ...

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Bildquelle: WeltTrends, Ausgabe 155/2019

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... sozialdemokratisch orientierter Präsident an die Macht. Wieso müssen die Zapatistas gerade jetzt um ihre Existenz fürchten?

Subcomandante Marcos hoch zu Ross, 1996


VillaPhotography (CC BY-SA 3.0)

Der andere Punkt betrifft die Zusammenarbeit mit dem nationalen und transnationalen Kapital. Die Vorhaben Obradors, das nationale Territorium durch Infrastrukturprojekte wie die Entwicklung des transisthmischen Korridors von Tehuantepec und der Bau des Maya-Zuges zur touristischen Erschließung des Landes mit einem 1.525 Kilometer langen Schienennetz werden mit großer Kraft vorangetrieben. Dafür vergab er Lizenzen an das in- und ausländische Kapital. Siemens hat am Maya-Zug-Projekt als zweitgrößter Produzent von Zügen in der Welt bereits Interesse bekundet.3 Die Infrastrukturprojekte zerstören sensible Ökogebiete und führen zur Enteignung indigener Lebensräume. Davon wären auch die Zapatisten betroffen. Argumentativ werden diese Projekte durch das Versprechen von Wohlstand und Entwicklung für das mexikanische Volk begleitet. López Obrador ließ über die Projekte in Volksbefragungen abstimmen. Für das Maya-Zug-Projekt stimmten 90 Prozent der Befragten.4

Zwar wird der neoliberalen, ökonomischen Fragmentierung des nationalen Territoriums durch die Sonderwirtschaftszonen, wie diese auch von den Vorgängerregierungen betrieben wurden, weiter betrieben. Jedoch wird dies nun mit einer Stärkung des Nationalstaates und einer restriktiven militärischen Absicherung des nationalen Territoriums verbunden. Das steht im Widerspruch zur Errichtung von Autonomien, wie die der Zapatisten und anderer indigener Gemeinden. Hinzu kommt, dass zwischen Obrador und dem Präsidenten der USA ein neues Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde. Obrador erfüllt die von den USA Mexiko zugedachten Aufgaben der Migrationsabwehr besser als die vorhergehenden Präsidenten, die sich durch die enge Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen selbst behinderten.

Wie reagieren die Zapatisten?

„Für uns zapatistische Völker ist die Stunde gekommen und wir sehen, dass wir alleine sind.“5 So begann der Sprecher und militärische Oberkommandierende der EZLN, Subcomandante Moises, seine Rede anlässlich des 25. Jahrestages. Was bedeutet dieses „Alleinsein“? Subcomandante Moises bedauerte, dass die mexikanische Bevölkerung den Zapatisten auf ihrem Weg der Selbstorganisation und Basisdemokratie nicht folge, sondern den großen Infrastrukturprojekten und der militärischen Aufrüstung zustimme. Zu den Abstimmungen sagte er: „Diese Befragung bittet um Erlaubnis, durch Abstimmung, unspueblos originarios angreifen zu können.“6 Die Zapatisten schätzen ihre Situation als äußerst gefährdet ein. Sie erwarten von der neuen Regierung einen Angriff auf ihr Territorium und erklärten, sie seien zur Verteidigung bereit. „Wir werden verteidigen, was wir erschaffen haben und wir zeigen es den Menschen von Mexiko und der Welt, dass wir es sind, die erschaffen, Frauen und Männer. Wir werden nicht erlauben, dass sie kommen, um uns zu zerstören.“7 Um dies zu unterstreichen, marschierte am 31. Dezember 2018 die 3.000 Personen starke 21. zapatistische Infanteriedivision auf dem Versammlungsplatz von der Ortschaft La Realidad auf, die vor 25 Jahren sieben Städte im mexikanischen Bundesstaat Chiapas besetzt hatte.

25 Jahre lang konnten die Zapatisten einen alternativen autonomen Raum errichten, auch wenn er ständigen Gefährdungen ausgesetzt war. Die neue Regierung, die emanzipatorische Bewegungen und die mexikanische Zivilgesellschaft weiterhin bekämpft, erlangte die Hegemonie für eine ultraliberale kapitalistische Organisation und deren militärische Absicherung. Alternative Autonomien passen nicht zu dieser Entwicklungsrichtung. Diese Politik ist Teil einer gesamtkontinentalen, neokonservativen und rechten Entwicklung, bei der linke Bewegungen und Regierungen erst in die Defensive gedrängt und mit zunehmender Gewalt, wie in Venezuela, bekämpft werden. Obwohl sich López Obrador modern und sozialdemokratisch gibt, ordnet er sich in diese von den USA angeführte kontinentale, autoritäre Strategie ein.

1 Vgl. Neuber, Harald: Mexikos linker Präsident wird Liebling der Märkte. In: Telepolis, 19.12.2018; www.heise.de/tp/features/Mexikos-linker-Praesident-wird-Liebling-der-Maerkte-4255855.html.
2 Vgl. Baghery, Nina: López Obrador legt ersten Haushaltsentwurf in Mexiko vor. In: amerika21, 10.12.2018; amerika21.de/2018/12/219451/mexiko-amlo-haushalt-militaer-bildung.
3 Vgl. Siemens se apunta para construir un Tren Maya inteligente. In: Forbes, 9.12.2018; www.forbes.com.mx/siemens-se-apunta-para-construir-un-tren-maya-inteligente/.
4 Vgl. Hildebrand, Knut: Kritik am Maya-Zug. In: Nachrichtenportal Lateinamerika, 17.12.2018; www.npla.de/poonal/kritik-am-maya-zug/.
5 Subcomandante Insurgente Moises: Worte des CCRI-CG der EZLN an die Zapatistas zum 25. Jahrestag zu Beginn des Krieges gegen das Vergessen. In: Chiapas 98, 13.1.2019; www.chiapas.eu/news.php?id=10122.
6 Ebd.
7 Ebd.

Prof. Dr. Raina Zimmering

geb. 1951, 2007–2013 Professorin an der Johannes Kepler Universität Linz, Frauensonderprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, Senior Research Fellow amWeltTrends -Institut für Internationale Politik Potsdam
zimmering.institut@welttrends.de