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Mich! Schau! An!


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 19.07.2019
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Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 8/2019

GÖTTLICH SCHÖN Der raggi-Paradiesvogel ist einer der größten Vertreter und wird auch göttervogel genannt


Schillernde Federn, leidenschaftliche Tänze: Um die Weibchen zu beeindrucken, geben männliche Paradiesvögel so richtig Gas. Reisen Sie mit uns in den Dschungel und lassen Sie sich verzaubern …


Nebelschwaden hängen über dem tiefgrünen Blätterdach von Neuguineas tropischem Regenwald. Schraubenpalmen, Ameisenbäume und Baumfarne stehen dicht gedrängt. Farbenfrohe Orchideen recken ihre Köpfchen in die Höhe, um Insekten anzulocken. Hier, mitten im Dschungel und meilenweit entfernt von der nächsten ...

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Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Ein Herz für Tiere. Alle Rechte vorbehalten.

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... menschlichen Siedlung, bereitet ein tierscher Show-Star seine Bühne vor: Direkt unter einem mächtigen Baumwipfel sitzt der Große Paradiesvogel auf einem dicken, ausladenden Ast und befreit diesen emsig von Laub und anderen störenden Pflanzenteilen. Nichts soll von seinem wohlchoreographierten Tanz ablenken, mit dem das krähengroße, braun-gelb gefiederte Männchen das unscheinbarere Weibchen bezirzen möchte. Wie bei einem aufwendig einstudierten Balletttanz wechselt der Große Paradiesvogel während seiner Balz von einer aufrecht sitzenden in eine herabgeneigte Pose und präsentiert dabei seine langen, prachtvollen Flankenfedern. Untermalt von lautstarken, klickenden Rufen hüpft der Tänzer hin und her und versucht so, die Aufmerksamkeit der Vogeldame auf sich zu lenken. Um ihn herum sitzen bis zu 15 Artgenossen, die genau dasselbe im Sinn haben. Das Weibchen sieht sich das Spektakel kritisch an und entscheidet dann, wer der Vater ihrer Küken werden soll. Aufziehen wird sie die Kleinen später alleine.

INSEL IM PAZIFIK neuguinea nördlich von Australien ist ein artenreiches naturparadies


Kaum erforscht

Neuguinea ist nach Grönland die zweitgrößte Insel der Welt und die Heimat unzähliger Pflanzen- und Tierarten, viele davon gibt es nur hier. Dieses ökologische Juwel im Pazifischen Ozean wird auch „Insel der Paradiesvögel“ genannt, denn auf Neuguinea leben die meisten der über 40 Arten dieser facettenreichen Vogelfamilie. Weitere Verbreitungsgebiete sind einige umliegende Inseln und die Nordspitze Australiens. Ihre Verwandtschaft sieht man den verschiedenen Paradiesvogel-Arten übrigens nicht unbedingt auf den ersten Blick an: Es gibt zum Beispiel kleine, knallbunt gefiederte Vertreter wie den männlichen Sichelschwanz-Paradiesvogel, größere Tiere mit buschigen, feuerroten Schwanzfedern wie den Raggi-Paradiesvogel und extravagante Flattermänner mit langen Kopffedern wie den Wimpelträger. Im Gegensatz dazu sind die Weibchen eher unauffällig gefärbt und tragen ein bräunliches Tarngefieder. Einige Paradiesvögel leben in schwer zugänglichen Bergregionen im Westteil Neuguineas, wohin keinerlei Straßen oder Wege führen. Selbst Forscher kommen nur selten hierher, sodass viele Merkmale und Verhaltensweisen der exotischen Vögel noch immer ein großes Rätsel sind. Gelingt es einem Team von Wissenschaftlern dennoch, neue Erkenntnisse über die geheime Welt der Paradiesvögel zu erlangen, so ist dies eine kleine Sensation. Im vergangenen Jahr sorgte beispielsweise folgende Meldung weltweit für Aufsehen: „Paradiesvogelfedern zeigen das schwärzeste Schwarz des gesamten Tierreichs“. Gemeint sind schwarzgefiederte Arten wie der Zwölffädige Paradiesvogel, deren Federn so tiefschwarz sind, dass darin optisch keinerlei Strukturen mehr erkennbar sind. Dieser Effekt entsteht nicht durch dunkle Farbpigmente, sondern durch den speziellen Aufbau der Federn: Sie haben so feine Verästelungen, dass das einfallende Sonnenlicht mehrfach gestreut wird und kein Strahl mehr das Auge des Betrachters trifft. Und warum das Ganze? Biologen vermuten, dass dadurch die angrenzenden Farben des nur teilweise schwarzen Gefieders noch prächtiger wirken – und die Männchen attraktiver für die paarungswilligen Weibchen erscheinen.

Blitzblanker Balzplatz

Paradiesvögel gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel, damit sind sie entfernt mit dem Haussperling verwandt. Dennoch unterscheiden sich die Inselbewohner aus der Südsee deutlich von den heimischen Spatzen – und zwar nicht nur aufgrund des farbenfrohen Federkleids und der komplexen Balztänze, sondern auch durch ihre Ernährung. Während unsere kleinen Haus- und Feldsperlinge gerne Sämereien und Insekten aufpicken, fressen die majestätischen Dschungelvögel am liebsten Früchte. Wirft man einen genaueren Blick auf die vielfältige Familie der Paradiesvögel, dann erkennt man nicht nur Unterschiede in Sachen Farbe und Federn, auch das Balzverhalten fällt je nach Art vollkommen anders aus. Während der Große Paradiesvogel mit weiteren Männchen um die Wette tanzt, legen andere wie der Nacktkopf-Paradiesvogel eine ausgeklügelte Solo-Show hin. Das Tier mit der leuchtend blauen Kappe wirbt am Waldboden um die Gunst der Damenwelt. Damit genügend Licht auf sein „Tanzparkett“ fällt, räumt der gefiederte Charmeur sämtliches Laub beiseite. Seinen Balzplatz wählt er mit Bedacht: Nur wenn dort ein astloser Baumschössling wächst, kommt seine Performance perfekt zur Geltung. Das Startsignal für die Tanzeinlage gibt das Weibchen, indem es auf dem Baumtrieb landet. Die Show beginnt mit einer ruckartigen Kopfbewegung, anschließend sträubt das Männchen seine glänzenden Brustfedern und reckt seine drahtigen, eingeringelten Schwanzfedern in die Höhe. Beißt die Lady an, fliegt sie auf einen nahegelegenen Ast und lädt ihren Galan zur Paarung ein.

Feuriger Balztanz

Eine besonders ausgefeilte Darbietung bekommen weibliche Kragenparadiesvögel geboten: Die Herren entfalten ihre blau-grünen Brustfedern zu einem „Tanzröckchen“ und hüpfen aufgeregt um ihre Angebetete herum. Dann klappen sie ihr Gefieder zu einem komplett geschlossenen schwarzen Kreis um, auf dem einzig die irisierenden Scheitelfedern wie ein bizarrer Smiley leuchten. Um seiner Vorführung noch mehr Dramatik zu verleihen, öffnet und schließt das Männchen mehrmals seine Flügel. Konnte der Kragenparadiesvogel mit seinem feurigen Balztanz überzeugen, darf er sich mit seiner Zuschauerin paaren. Nach fünf Sekunden ist alles vorbei: Der Tänzer flattert davon und versucht, ein weiteres Weibchen für sich zu gewinnen. Leben in einer Zweierbeziehung? Das ist nichts für einen Künstler wie den Kragenparadiesvogel. Und auch die meisten anderen Arten sind polygyn – das heißt, ein Männchen beglückt mehrere Weibchen. Bleibt die Frage, warum sich im Laufe der Evolution bei den Paradiesvögeln solch aufwendige Balzrituale und kunterbunte Federkleider entwickelt haben. Warum gibt es auf Neuguinea Vögel, die ihre sonnengelben Seitenfedern zu einem Ball aufstellen? Warum wippen antennenartige Kopffedern keck im Rhythmus der Bewegung, warum ist das Brustgefieder mal metallisch türkis, mal schwärzer als schwarz? Der Grund ist der Lebensraum der Tiere: Wer im dicht bewachsenen, sattgrünen Regenwald auffallen will, muss sich tierisch ins Zeug legen. Nur wenn das Männchen mit seinen eleganten Posen, seinen lauten Rufen und seinem schrillen Gefieder das Weibchen von sich überzeugen kann, darf es sich fortpflanzen.

Vorhang auf für die Dschungel-Parade

Nacktkopf-Paradiesvogel

Er ist nur auf den Inseln Batanta und Waigeo vor der Küste Westneuguineas anzutreffen. Dort lebt er alleine oder zusammen mit anderen Singvögeln. Auf seinem Speiseplan stehen Früchte, Insekten und Spinnen.

Zwölffädiger Paradiesvogel

ist Diese Art ist auch als „Fadenhopf“ oder „Fadenparadiesvogel“ bekannt. Das Männchen schimmert violett und hat gelbe Flankenfedern, sie hat braune Federn und rote Beine. Ihr Zuhause Neuguinea und Salawati.

Königs-Paradiesvogel

Er ist der Kleinste aller Paradiesvögel und balzt mit Inbrunst: Das Männchen spreizt zunächst die Flügel, neigt den Kopf zur Seite und hängt sich dann kopfüber an einen Ast – ähnlich wie eine Fledermaus.

Sichelschwanz-Paradiesvogel

In den Bergwäldern Neuguineas lebt dieser überwiegend einzelgängerische Kerl. Während der Balz fächert er auf pulsierende Weise sein Brustgefieder auf – selbst wenn kein Weibchen in der Nähe ist.

Die nächste Generation

Und wie geht es weiter nach dem stürmischen Balztanz und der kurzen Begattung? Das Weibchen kümmert sich alleine um den Nestbau und legt ein bis zwei ockerfarbene Eier. Nach etwa drei August 2019 / Ein Herz für Tiere 71 Wochen schlüpfen die Kleinen, die im Anschluss noch zwei bis vier Wochen von der Vogelmama versorgt werden. Danach flattern sie hinaus in die weite Welt des tropischen Regenwalds. Bis die Männchen ihr schillerndes Kleid tragen, dauert es allerdings noch ein wenig. Als Jungvögel sind sie zunächst ähnlich unauffällig braun gefärbt wie die Weibchen. Erst wenn sie mehrere Jahre alt und geschlechtsreif sind, sorgen sie mit ihrem knallroten, himmelblauen oder violetten Gefieder für Farbkleckse im Blätterdickicht. Und dann ist es wieder Zeit für ein Tänzchen: Mit aufgeplusterten Brustfedern, wackelnden Schwanzfedern und schrillen Pfiffen buhlt die nächste Generation von Paradiesvogel-Männchen um die Aufmerksamkeit der Mädels. Es ist der ewige Kreis des Lebens, geschaffen von der Evolution. Doch nur hier, auf Neuguinea und den vorgelagerten Inseln, ist das Spiel um Anziehung und Annäherung so farbenfroh und spektakulär.


Auffallen um jeden Preis – das ist das Motto der Männchen.