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Michelle OBAMA: ÜBER DAS BEGLÜCKENDE GEFÜHL, DIE EIGENE STIMME ZU FINDEN …


Herzstück - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 01.10.2020

Sie war die erste afroamerikanische First Lady der Vereinigten Staaten und liebte es, die Türen des Weißen Hauses weit zu öffnen – für alle! Für die kleinen und großen Mitbürger, die reichen und armen. Bis heute ist sie eine Mutmacherin für Mädchen und Frauen weltweit. Vor allem für jene, die nicht so besonders viel Glück in die Wiege gelegt bekommen haben. Ihr Herzenswunsch: Benachteiligten den Rücken stärken, damit sie ihre eigene Stimme finden. Und damit unsere Welt endlich eine wird, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben …


Michelle LaVaughn Robinson – so lautet der Mädchenname der ...

Artikelbild für den Artikel "Michelle OBAMA: ÜBER DAS BEGLÜCKENDE GEFÜHL, DIE EIGENE STIMME ZU FINDEN …" aus der Ausgabe 6/2020 von Herzstück. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Herzstück, Ausgabe 6/2020

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... ehemaligen First Lady – wuchs in South Shore auf, einem südlichen Stadtviertel von Chicago. Zusammen mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder Craig lebte sie ziemlich beengt im ersten Stock eines Backsteinhauses, das ihrer Großtante Robbie gehörte. Auch wenn ihre Familie nicht viel besaß: Ihre Eltern waren liebevoll, fürsorglich und redeten immer offen, ehrlich und geduldig mit Craig und ihr. Was sie besonders von klein auf geprägt hat: die Bedeutung, die ihre Eltern guter Bildung beimaßen. Zum Glück. Denn Michelle liebte es zu lernen! Mit vier Jahren gab Robbie ihr erste Klavierstunden. „Für mich lag ein Zauber im Lernen”, beschreibt die 56-Jährige die Stimmung, in die sie das Lernen von Anfang an versetzte. „Ich bekam ein kribbelndes Gefühl der Genugtuung.”

DIE EIGENE GESCHICHTE SCHREIBEN

Auch wenn die kleine Michelle es damals noch nicht bewusst wahrgenommen hat: Das Leben ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern war geprägt von der Diskriminierung der Schwarzen, die untrennbar mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verwoben ist. Auch nach der Sklaverei blieb Afroamerikanern der Zugang zu gut bezahlten und angesehenen Jobs lange verwehrt, so dass sie auch kein Geld hatten, um zu sparen – geschweige denn, um ihre Kinder aufs teure College zu schicken. So kam es auch, dass in Michelles Familie schon viele Träume geplatzt und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft den Bach hinuntergegangen waren. Die Robinsons wussten daher nur zu gut, wie wichtig Bildung ist – gerade für Menschen, die „anders” sind. Nur sie ermöglicht es, privilegierten Mitbürgern, die alle Möglichkeiten in die Wiege gelegt bekommen haben, auf Augenhöhe gegenüberzutreten. Oder sie sogar zu überholen! Michelles Eltern taten alles, was in ihrer Macht lag, um Michelle darin zu unterstützen. Sie brachten ihr bei, wie wichtig es ist, sich gut auszudrücken. Stellte ihre Tochter Fragen, ermunterten sie sie in der Enzyklopädie mit dem Goldrand nachzuschlagen, und als der Unterricht in der Schule an Qualität verlor, setzte sich ihre Mutter dafür ein, dass Michelle und andere lernstarke Schüler gefördert wurden. Zu jener Zeit schlichen sich nämlich viele Veränderungen im Viertel ein …

Als First Lady legte Michelle Obama mit Schülern einen Gemüsegarten auf dem Gelände des Weißen Hauses an


Michelle Obama verkörpert den echten amerikanischen Traum. Mit ihrer Geschichte will sie jungen Menschen Mut machen …


MACHT MUT, AN UNSERE ZIELE ZU GLAUBEN

Politik hin oder her – ein möglichst normales Leben wünschen sich die Obamas für ihre Töchter


Früher lebten dort Familien aus der Mittelschicht – alle mit unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe. Aber jedes neue Schuljahr kamen weniger weiße Kinder. „Zuerst schien es, als würden nur die weißen Familien weggehen, aber dann änderte sich auch das. Bald schien jeder wegzuziehen, der die Möglichkeit dazu hatte”, beschreibt es Michelle. Und trotzdem: Die kleine Robinson wuchs zu einer klugen, strebsamen jungen Frau mit großen Träumen heran. Als sie drauf und dran war, die Highschool als eine der besten ihres Jahrgangs zu beenden, erkundigte sie sich bei der Studienberatung nach der Elite-Uni Princeton – ihre Eltern hatten seit Jahren hart dafür gespart. Doch in der Beratung sollte sie einen Dämpfer erleben, der sie nachhaltig prägte. Ihre Beraterin bezweifelte, dass sie „Material für Princeton” sei. Sie solle sich lieber nicht so hohe Ziele setzen. Dabei hatten ihre Eltern ihr genau das beigebracht! Michelle wollte es der Beraterin zeigen. Sie bewarb sich in Princeton. Und bekam den Studienplatz!

EINE FRAU SUCHT IHREN WEG

Was Michelle in Princeton gleich ins Auge fiel: Die Universität wurde in den frühen 80ern zum Großteil von weißen Männern besucht – ziemlich einschüchternd. Demotivierend waren auch die Blicke, die ihr viele weiße Mitstudenten zu- warfen – sogar manche Professoren. Ein Blick, der sagte: „Ich weiß, warum du hier bist.” Minderheitenförderung! Aber wieder: Michelle wollte sich deshalb erst recht beweisen und jede Herausforderung annehmen. Bis sie schließlich einige Jahre und zwei Abschlüsse später Harvard als Anwältin verließ …

EIN MANN MIT VISIONEN

Nach der Ausbildung arbeitete die junge Anwältin 70 Stunden wöchentlich in der renommierten Kanzlei „Sidley & Austin”. Das Geld war gut und auch wenn die Arbeit nicht sonderlich erfüllend war, konnte sie von sich selbst sagen: „Ich habe es geschafft.” Diese Einstellung änderte sich aber – nämlich, als sie die Aufgabe bekam, einen Praktikanten einzuarbeiten. Dieser Praktikant stellte ihre Welt gehörig auf den Kopf:Es war Barack Obama! Dieser große, belesene, nonchalante Typ mit Visionen inspirierte – und irritierte – sie. „Ich hatte einen Job bei einer großen, erfolgreichen Anwaltskanzlei. Ich hatte meine Eltern und Großeltern stolz gemacht”, beschreibt es Michelle. „Aber als ich Barack zuhörte, begann ich zu verstehen, dass seine Version von Hoffnung weit über meine hinausging. Es war eine Sache, einen Ort hinter sich zu lassen, an dem man nicht weiterkam. Doch es war etwas ganz anderes, zu versuchen, diesen Ort so zu verändern, dass dort auch niemand anderes mehr steckenblieb.”

Michelle und Barack wurden ein Paar und die junge Anwältin kam immer mehr ins Grübeln, was Glück für sie bedeutete (siehe dazu auch den Auszug aus ihrer Biografie ab Seite 34). Letzten Endes entschied sie sich gegen den Beruf der Anwältin und landete erst in der Stadtverwaltung Chicagos, später in der Geschäftsführung einer NGO, die junge, talentierte Menschen förderte. Denn sie spürte: Glücklich macht es sie vor allem, andere zu fördern, so wie auch sie gefördert wurde.

BESTÄRKT UNS, DIE WELT ZU VERÄNDERN

Obst und Gemüse machen stark, das gab Michelle Kindern in der „Sesamstraße” mit auf den Weg


1992 heirateten Barack und Michelle, und als sie schwanger wurde, erfüllte sich ein Lebenstraum. 1998 und 2001 brachte sie ihre Töchter Malia und Natasha zur Welt. Währenddessen kletterte Barack immer weiter die politische Leiter empor – so dass Michelle ein Spagat machen musste zwischen ihrem Beruf und der Familie. Nach der Ankündigung von Baracks Präsidentschaftskandidatur legte sie ihre Karriere aber erstmal auf Eis, um ihn leidenschaftlich mit Wahlkampfreden und Interviews zu unterstützen.

OFFENE TÜREN, OFFENES HERZ

Als ihr Mann im Januar 2009 zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wurde, wollte Michelle als First Lady nicht nur ein hübsches Anhängsel sein. Sie wollte ihre Rolle nutzen, um eigene Ziele zu verwirklichen – vor allem, um junge Menschen zu fördern. Da Übergewicht in der amerikanischen Bevölkerung ein weit verbreitetes Problem ist, setzte sie sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in der Schule gesünderes Essen bekommen und an täglichen Bewegungsprogrammen teilnehmen können. Zusammen mit Schülern aus der Washingtoner Nachbarschaft legte sie auf dem Gelände des Weißen Hauses einen Gemüsegarten an – einen Garten, in dem am Ende ihrer Zeit als First Lady rund 900 Kilo Obst und Gemüse pro Jahr heranreiften. Damit wurden die Bewohner und Gäste des Weißen Hauses versorgt, ein Teil davon ging auch an eine Unterstützungsküche für Bedürftige. Die Schüler begleiteten die Ernte von Anfang bis Ende – was auch deren Umgang mit Lebensmitteln beeinflusste. Denn wenn man weiß, wo all das Gemüse und Obst wirklich herkommt, geht man natürlich viel bewusster damit um.

HAND IN HAND IN DIE ZUKUNFT

Michelle setzte sich dafür ein, dass Mädchen auf der ganzen Welt Zugang zu Bildung bekommen. Außerdem hielt sie unzählige Reden an amerikanischen Schulen und Colleges, um jungen Menschen Mut zu machen, an sich selbst zu glauben und ihnen zu helfen, ihre Stimme zu finden. Denn sie weiß es aus eigener Erfahrung: Es braucht im Leben nur einen einzigen Menschen, der an einen glaubt, damit man es auch selbst tut. „Ich erwähnte gern, dass ich die Ur-Enkelin eines Sklaven namens Jim Robinson war, der vermutlich irgendwo in South Carolina auf einer Plantage in einem namenlosen Grab verscharrt lag”, so Michelle. „Und wenn ich am Rednerpult vor Schülerinnen und Schülern, vor Studentinnen und Studenten stand, die alle an die Zukunft dachten, war ich der lebende Beweis für die Idee, dass es möglich war, zumindest in mancher Hinsicht die Unsichtbarkeit zu überwinden.”

Bis heute bringt sie die Augen von jungen Frauen zum Leuchten – und rührt sie zu Tränen. Sie macht ihnen Hoffnung auf eine Zukunft, für die es sich zu kämpfen lohnt. „Für jede Tür, die mir geöffnet wurde, habe ich versucht, meine eigene Tür für andere zu öffnen. Und das ist es, was ich letztendlich sagen will: Laden wir uns gegenseitig ein”, ermutigt Michelle. „Vielleicht können wir dann ja anfangen, weniger Angst zu haben, weniger oft von falschen Voraussetzungen auszugehen, die Vorurteile und Klischees, die uns unnötigerweise voneinander trennen, einfach loszulassen. Vielleicht werden wir dann offener für die vielen Aspekte, in denen wir gleich sind.” Was für ein Manifest der Solidarität und Lebensfreude! Und was für eine Kämpferin.

Zum Weiterlesen:

Michelle Obamas inspirierende Fragen im Ausfüll-Buch „Becoming. Finde deine innere Stimme” (Goldmann Verlag, 12,50 €) regen an, über das Leben nachzudenken


FOTOS: GETTY IMAGES (2), INSTAGRAM/@MICHELLEOBAMA, MILLER MOBLEY, PR