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MIKROFONE: GRUNDAUSSTATTUNG MIKROFONE: Werkzeugkasten fürs Recording


Soundcheck - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 17.02.2020

Am Anfang der Aufnahmekett e steht das Mikrofon. Doch welche Mikrofone eignen sich für den Einstieg ins Home-Recording? Klug ist, wer die Vor- und Nachteile der verschiedenen Typen kennt und sie zu kombinieren versteht. Wir stellen euch eine Grundausstatt ung für unter 1000 Euro zusammen.


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Fotos: Mark Schwarzmayr

Der SOUNDCHECK-Mikrofonkasten (Gesamtbudget circa 1000,- EUR)

Das Neumann TLM 102 liegt schon im oberen Preissegment, ist aber eine lohnende Investition. Markenqualität in No-Nonsense-Ausführung.


Großmembran-Kondensator: Neumann TLM 102 bk, UVP 584,-
Die Firma Neumann hat unter Mikrofonliebhabern ...

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... einen sehr guten Ruf. Viele Modelle gelten als Klassiker. Das TLM 102 ist das Einstiegsmodell, natürlich in der für Neumann gewohnten hochwertigen Verarbeitung. Eine leichte Betonung zwischen 8 und 12 kHz hilft bei der Platzierung von Vocals im Mix. Ein integrierter Popschutz und ein gutmütiger Umgang mit scharfen Konsonanten (S-Laute) helfen bei der stressfreien Aufnahmesession. Dank maximalem Schalldruck von bis 144 dB darf das Mic auch vor Blasinstrumenten oder Drums Platz nehmen. Der attraktive Preis kommt durch den Verzicht auf umschaltbare Richtcharakterisitken oder Filter/ Pad-Schaltungen zustande.

Dynamisches Mikrofon: Shure SM57, UVP 109,-
Keine Bühne und kein Studio ohne SM57. Egal ob Snare, Gitarrenamp, Gesang (es hat die selbe Kapsel wie das SM 58) oder Bläser. Sehr direkt und extrem pegelfest, selbst bei Nahmikrofonierung. Seine robuste Fertigungsqualität verträgt auch mal eine Begegnung mit dem Drumstick. Die Nierencharakteristik reduziert Signale anderer Instrumente. Zahlreiches Zubehör (Erschütterungsabsorber, Drum-Mikrofonhalterung für die Rim-Montage,…) erleichtert euch die Mikrofonierung von Drums. Mit dem SM57 erwirbt man ein Mikrofon, das seinen Besitzer wahrscheinlich überlebt.

Weit verbreiteter Standard und ein Allrounder für Studio und Bühne: Das Shure SM57.


Kleinmembran-Kondensator: Røde NT5 Matched Pair, UVP 309,-
Ein Kleinmembranmikro fehlt uns noch. Hier am besten ein Stereopaar. Das NT5 vom australischen Hersteller Rode ist ein beliebtes semiprofessionelles Modell. Es hat einen breiten Frequenzgang und ist für einen Kleinmembraner recht rauscharm. Eine leichte Höhenanhebung kann, muss aber nicht immer, ein Vorteil sein. Ein maximaler Schalldruck von 143dB machen einen Einsatz am Drumset jedenfalls problemlos möglich und auch für alle anderen Stereoanwendungen (Flügel, Akustische Gitarre, Chor) seid ihr damit gerüstet. Einzeln eingesetzt hat man zwei vielseitige Nierenkapseln zur Verfügung, die beim Closemiking (Hi-Hat, Percussion, Bläser, Streicher) Verwendung finden können.

Preiswertes Duo für die Stereomikrofonie: Røde NT5 als Matched Pair.


Wir basteln uns unsere Grundausstattung. Nix vintage, nix exotisch, sondern „middle of the road“. Diese Mikros bilden die Basis für eure Sammlung und die darf und soll über die Jahre wachsen. Es muss aber betont werden, dass es sinnvoll ist, erst einmal mit wenigen Mikrofonen zu beginnen. Dies schont nicht nur euren Geldbeutel, sondern ermöglicht auch die intensive Beschäftigung mit den unterschiedlichen Modellen. Dadurch lernt ihr deren Stärken und Schwächen kennen. Welche Instrumente profitieren von welchem Mikrofon, welche Richtcharakteristik und welcher Frequenzgang ist den Tools jeweils eigen?
Im Laufe der Jahre stellen sich bei jedem Produzenten Präferenzen für bestimme Mikrofone ein und formen zusammen mit seinem Mixing-Stil seinen persönlichen Sound. Doch um einen guten, individuellen Sound zu entwickeln, sind solide Grundkenntnisse unentbehrlich.

Großer Klopper: Das Großmembran-Kondensatormikrofon

Die meisten Studiobetreiber greifen zum Großmembran-Kondensator-Mikrofon, wenn Vocals oder Sprache aufgenommen werden sollen. Ebenso kommt es bei akustischen Gitarren, Drums oder Kontrabass zum Einsatz. Die Funktionsweise dieses Mikrofontyps ist schnell erklärt: Auftftftretende Schallwellen versetzen die Membran in Schwingungen. Diese leitfähige Membran und die verbaute Gegenelektrode ergeben einen Kondensator, dessen Kapazitätsänderung ein elektrisches Mikrofonsignal erzeugt. Die Umwandlung von Luftschall in elektrische Spannungsänderung ist letztendlich das Funktionsprinzip aller Mikrofone.
Von einem Großmembranmikrofon spricht man in der Regel, wenn der Membrandurchmesser mindestens 2,54 cm (1 Zoll) beträgt. Zum Betrieb benötigt ein Kondensatormikrofon immer eine Phantomspeisung (48 Volt). Beim Umgang mit der Phantomspeisung ist etwas Vorsicht sinnvoll. Ein sicheres Vorgehen ist: Kanal muten, dann die Verkabelung vornehmen, Phantomspeisung einschalten, Kanal demuten. Nach einigen Sekunden (bei Röhrenmikrofonen gerne länger) seid ihr „ready to record“. Beim Abbau heißt es dann: Kanal muten, Phantomspeisung deaktivieren, einige Sekunden warten, erst dann die Verkabelung lösen und das Mikrofon vorsichtig weglegen. So vermeidet ihr Schäden an der Studioabhöre und an c ausgestattete Modelle bieten umschaltbare Richtcharakteristiken. Die gängigsten sind Kugel (Schall wird von allen Richtungen gleichmäßig aufgenommen), Acht (Aufnahme hauptsächlich von vorn/hinten, Seitenanteile reduziert) und Niere (stärkere Richtwirkung, Schall hinter oder seitlich des Mikrofones wird stark reduziert).
Die Vorteile eines Großmembraners sind unter anderem geringes Eigenrauschen und weiter Dynamikumfang. Zartes Hauchen, aber genauso lautes Shouten sind kein Problem. Der leicht abfallende Frequenzgang in den Höhen in Kombination mit Partialschwingungen sorgt für eine oft gewünschte Klangfärbung: Die Gesangsstimme wird kraftvoll und bekommt Charakter. Instrumente betten sich in den Mix ein. Nicht zuletzt auch wichtig: Der psychologische Effekt. Diese Mikrofone sind groß und prächtig, den meisten Künstlern flößt so ein edles Teil mehr Selbstvertrauen ein. Folglich darf ein Großmembraner in Kombination mit einem Popfilter in keinem Studio fehlen und viele Engineers werden bei Vocals als Erstes dazu greifen.

Das Neumann KM134 ist definitiv ein Vorzeigemodell unter den Stereo-Mikros mit kleiner Membran (entsprechend teuer).


Stereomikrofonierung für Einsteiger

Gängig sind die Varianten X/Y und A/B. Bei der X/Y-Technik setzt ihr auf zwei Nieren-Kleinmembraner. Die Kapseln werden möglichst dicht aneinander gebracht und im 90º Winkel positioniert. Das Ergebnis ist ein absolut monokompatibles, auf Intensitätsstereofonie basierendes Stereosignal. Es geht theoretisch auch mit Großmembranmikros, da aber die Kapseln so nah wie möglich beieinander sein sollten, ist das mit den massiveren, klobigeren Gehäusen nur schwer realisierbar.

Anders funktioniert die A/B-Mikrofonierung. Hier sind Großmembraner wie Kleinmembraner denkbar. Das A/B-Verfahren basiert auf der Laufzeitstereofonie. Beide Mikrofone werden parallel aufgebaut. Bei einem Abstand von maximal 0,5 Metern sind die Intensitätseffekte vernachlässigbar. Die Stereowirkung kommt durch zeitliche Signaldifferenzen in den einzelnen Kanälen. Ein schönes Ergebnis, welches aber nicht monokompatibel ist.

Dream-Team: Kleinmembraner als Stereopaar

Klassische Tonmeister bedienen sich gerne Kleinmembran-Kondensator-Mikrofonen. Dank der kleinen, leichten Membran verfügen diese Mikros über eine sehr gute Impulstreue. Das heißt, während Großmembran-Kondensatormikrofone ihr Signal mehr oder weniger färben, kommt ein Kleinmembraner sehr neutral daher. Es empfiehlt sich dank seines gleichmäßigen Richtverhaltens (sogar in Nierenbauweise) für größere Klangkörper wie Flügel, Drumset, Chöre oder Streichergruppen. Deshalb wandert auch ein Stereopärchen in unseren „Einkaufswagen“. Von fast allen Herstellern gibt es Stereosets aus zwei baugleichen Mikros – nutzt diese Möglichkeit. Die beiden Mikrofone sind einander klanglich sehr ähnlich, was euch bei Stereoanwendungen das Leben leichter macht. Durch die Möglichkeit, in Stereo zu mikrofonieren, tut sich geradezu eine neue Klangwelt auf. Probiert also fleißig aus! Denkt bei der Bestellung auch an eine Stereoschiene für die zwei Kleinmembraner.
Umschaltbare Richtcharakteristiken findet man bei Kleinmembranmodellen nur selten. Der Hersteller Schoeps bietet solche Features im obersten Preissegment. Andere Hersteller haben auswechselbare Kapseln im Sortiment, die auf das Mikrofon geschraubt werden können. Mit einer Nierencharakteristik macht man bei der Erstausstattung allerdings nichts falsch.
Der Kleinmembraner ist aber nicht das perfekte Mikrofon für alle Lebenslagen. Durch ein verstärktes Eigenrauschen verlangt ein Kleinmembraner eurem Mikrofon-Preamp oder Audiointerface mehr ab. Das offene, neutrale Klangbild kann je nach Mix auch die Wärme eines Großmembraners vermissen lassen. Glücklich ist letztendlich der Produzent, der beides im Schrank hat.

Die Mischung machts: Die gängigen Mikrofontypen eignen sich für verschiedene Einsatzbereiche.


Der Bruder von der Straße: Dynamische Mikrofone

Live werden sehr gerne dynamische Modelle eingesetzt, meistens Tauchspulenmikrofone. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Induktion. Dabei wird die Membran durch Schallwellen in Bewegung versetzt. Diese ist mit einer Spule verbunden, die in das durch einen Permanentmagneten erzeugte Magnetfeld eintaucht.
Bewegt sich ein Leiter darin, so findet Induktion statt. Mit anderen Worten, es entsteht Spannung. Ein akustisches Signal hat einen elektrischen Effekt hervorgerufen. Auf Phantomspeisung können wir daher verzichten. Wir haben ja den Permanentmagneten als Spannungsquelle.
Dynamische Mikrofone lassen sich kostengünstig produzieren, ihr Aufbau ist recht einfach und sie verfügen über eine hohe mechanische Robustheit. Gerade im Livekontext, wo Mikrofone in höherer Stückzahl benötigt werden, stellen diese Tatsachen entscheidende Pluspunkte dar. Ebenso nützlich auf der Bühne ist die geringe Feedback-Anfälligkeit im Vergleich zu den Kondensatoren. Mit lauten Signalen haben die dynamischen Mikros keine Schwierigkeiten, was besonders bei der Nahmikrofonierung von lauten Quellen (Drums, Amps …) im Bühneneinsatz wichtig ist.

Merke: Regeln sind zum Brechen da

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Dynamische Mikrofone lösen nicht so fein auf wie Kondensatormodelle. Der Klang ist rauer, erdiger. Für die Produktion einer klassischen Klavieraufnahme wird wohl kein Tonmeister ein Paar SM57 in den Flügel hängen. Für ein Honky-Tonk-Piano in einer Bluesnummer jedoch kann diese Technik eine passende Klangfärbung bringen. Ähnliches gilt für Gitarrenamps oder Trommeln. Viel Punch kommt dabei auch durch die geschickte Auswahl des Mikrofons zustande. Live setzen viele Vokalisten auf ein dynamisches Gesangsmikrofon. Das SM58 von Shure gilt längst als inoffizieller Industriestandard, der immer irgendwie passt. Im Studio wird dann eher vor einem Großmembraner performt. Aber nicht immer. Manch ein Künstler mag die Arbeit mit einem Handmikrofon und es gibt darüber hinaus dynamische Mikros für Studioanwendungen. Das Shure SM7b (oft als „Michael-Jackson-Mikro“ bezeichnet) hat bewiesen: Dynamische Mikros sind kein Hindernis für Charthits. Wer dynamische Mikrofone qualitativ auf ein anderes Level heben möchte, der sollte einen guten Preamp hinter sein Mikro hängen. Durch eine gute Vorverstärkung kitzelt man aus manch biederem dynamischen Bühnenmikro ungeahnte Studioqualitäten.