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Militär und Technik: Grille Hoffnungsträger der Panzergrenadiere


Clausewitz - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 30.09.2019

1943: Mit der Grille erhalten die deutschen Panzergrenadiere eine Selbstfahrlafette mit einem großkalibrigen Infanteriegeschütz. Dieses Fahrzeug soll die Mobilität und die Kampfkraft der angeschlagenen Truppe steigern


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WIRKUNGSVOLLEVERSTÄRKUNG: Der große Aufbau der Grille Ausf H ist hier gut erkennbar. Das Geschütz ist in der Marschsicherung verzurrt. Mit dieser Waffe verfügen die Panzergrenadiere über eine höhere Kampfkraft


Foto: Sammlung Anderson

SEITENANSICHT: Diese Grille gehört dem Panzergrenadier- Lehr-Regiment 901 an. Das Fahrzeug ist stark mit Tarnpaste abgetarnt, die Markierung der Einheit hat man ...

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... an den Aufbau schabloniert


Foto: Sammlung Anderson

MODIFIZIERT: Mit Auslauf der ersten Serie wird die Grille umkonstruiert. Die Ausf M zeigt nun einen Mittelmotor, das Geschütz ist in einem leichter zugänglichen Heckaufbau lafettiert


Foto: Sammlung Anderson

BEREIT ZUM ABFEUERN: Diese Selbstfahrlafetten präsentieren ihre Geschütze. Die Fahrzeuge zeigen die Reste einer Wintertarnung


Foto: Sammlung Anderson

HAUPTBEWAFFNUNG: Das 15 cm schwere Infanteriegeschütz 33 ist die Standardwaffe der schweren Kompanien der deutschen Infanterie-Regimenter. Ohne Schutzschild und Unterlafette baut man es in die Grille ein


Foto: Sammlung Anderson

B is die Industrie die Grille ab Frühjahr 1943 an die an allen Fronten schwer in Bedrängnis geratene Wehrmacht ausliefert, ist es ein langer und steiniger Weg. Dabei benötigen die immer stärker beanspruchten Panzergrenadiere dringend eine verbesserte Ausrüstung.

Rückblick: In den 1930er-Jahren ist die Aufstellung der Panzerdivisionen von heftigen Diskussionen begleitet. Die Generäle Oswald Lutz und Heinz Guderian kämpfen gegen wenig reformfreudige Generalstabsoffiziere, Sparzwänge und konkurrierende Waffengattungen. 1936 befinden sich gerade drei Panzerdivisionen in Aufstellung, weitere sollen folgen.

Die ambitionierten Pläne sehen vor, die Verbände mit zwei Panzertypen auszustatten. Jede Panzerdivision soll demnach 140 Hauptkampfpanzer mit einer 3,7-cm- Kampfwagenkanone (KwK, Panzerkampfwagen III/PzKpfw III) und zehn Unterstützungspanzer mit einer 7,5-cm-KwK (PzKpfw IV) erhalten. In dieser Phase ändern sich die Zahlenangaben regelmäßig.

Den Verantwortlichen ist jedoch klar, dass Panzer nur kurzfristig isoliert kämpfen können. So will man auch Artillerie und Panzerjäger der Panzerdivisionen mit Selbstfahrlafetten (Sfl) ausstatten, um den vorauseilenden Panzern auch in schwierigem Gelände folgen zu können.

Schwächen der Industrie

In der Aufbauphase offenbaren sich schnell die Schwächen der deutschen Rüstungsindustrie. Die technische Seite ist lösbar. Ingenieure entwickeln zügig die gewünschten Produkte. Die wahren Probleme liegen jedoch in den Werkhallen: Denn hier offenbaren sich schwerwiegende Kapazitätsprobleme. Das Deutsche Reich ist nicht in der Lage, die gewünschten Panzer in den benötigten Stückzahlen zu beschaffen. Besonders die Produktion des „Massenpanzers“ PzKpfw III hinkt stark hinterher. Bis Ende 1939 stehen nur 200 Exemplare zur Verfügung.

Die Industrie kann die geforderten Sfl in dieser Lage nicht liefern. Man muss improvisieren. Anstatt spezialisierte und leistungsfähige Kettenfahrzeuge für Panzerabwehrkanonen (Pak) und Artilleriegeschütze zu entwickeln, greift man notgedrungen auf die Fahrgestelle alter Panzer zurück.

Probleme mit Selbstfahrlafetten

Die Panzerjäger-Abteilungen der Panzerdivisionen in der Wehrmacht sind mit dem Standardgeschütz der Panzerabwehr, der eher leistungsschwachen 3,7-cm-Pak, ausgerüstet. Und es ist nicht möglich, diese Einheiten auf Sfl umzustellen. Lediglich einige

NAMENSTAUFE: Die Selbstfahrlafetten „Höllenzauber” und „Wilde Sau” werden bald im Einsatz stehen. Ein Tarnschema hat man offenbar noch nicht auf die dunkelgelbe Grundfarbe aufgetragen


Foto: Hoppe

IN POSE: Ein Soldat posiert vor „Ursula”, einer Grille der 26. Panzerdivision in Italien. Das Fahrzeug ist recht aufwendig getarnt, vermutlich olivgrün auf dunkelgelbem Grund


Foto: Sammlung Anderson

Abteilungen auf Heeresebene erhalten leistungsstärkere 4,7-cm-Pak aus tschechischer Beute. Diese montiert man auf die Wanne des PzKpfw I – eine wirtschaftliche und durchaus brauchbare Lösung.

Verzögerte Lösungen

Die Panzerdivisions-Artillerie kann man zunächst ebenfalls nicht mit Sfl ausrüsten. Die 1. Panzerdivision verfügt im Oktober 1940 über zwei Artillerieabteilungen mit je zwölf leichten Feldhaubitzen (10,5-cm-leFh 18) und eine weitere mit zwölf schweren Feldhaubitzen (15-cm-sFH 18). Auch hier ist eine schnelle Ausstattung mit Sfl zunächst nicht möglich. Erst 1943 führt man mit der Hummel und der Wespe Erfolg versprechende Lösungen ein.

Während die Artillerie dank weit reichender Geschütze ihre Mobilitätsprobleme bewältigen kann, ist die Lage der schweren Infanteriegeschütz- Kompanien in den beiden Schützenregimentern schwieriger. Diesen sind je Kompanie vier 7,5 cm leichte Infanteriegeschütze (leIG) und zwei 15 cm schwere Infanteriegeschütze (sIG) zugeteilt. Letztere führt die Truppe kurz hinter der HKL (Hauptkampflinie) mit, um gegnerische Geschützstellungen zu bekämpfen. Bei einem Gewicht von knapp 1,8 Tonnen ist diese Waffe von der Besatzung nicht mehr zu bewegen.

Gezogen durch den schweren Einheits- Pkw oder leichte Zugkraftwagen (eine oder drei Tonnen), ist es bereits problematisch, auch nur die Feuerstellung zu beziehen. Sind gegnerische Verbände durchgebrochen, kann der notfallmäßige Stellungswechsel in einer Katastrophe enden. Hier scheint die Ausstattung mit einer Sfl sinnvoll. Das Heereswaffenamt entscheidet sich jedoch dagegen, diese Einheiten rasch und vollständig umzustellen. Zunächst stattet man sechs Pan- zerdivisionen mit je einer selbstständigen Kompanie zu sechs 15-cm-sIG 33 auf Selbstfahrlafette aus. Unter Zeitdruck entwickeln die Ingenieure und Konstrukteure eine einfache Lösung. Die Rüstungsindustrie montiert die kompletten schweren Infanteriegeschütze mitsamt Unterlafette auf Fahrgestelle des PzKpfw I. Das Geschütz versieht man mit einem einfachen Panzeraufbau, der die Besatzung nur notdürftig schützt. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Sommer 1941 sind die 15-cm-sIG 33 auf PzKpfw I im Einsatz jedoch schnell verschlissen.

ITALIEN 1943: Eine Grille des Panzergrenadier-Regiments „Hermann Göring“. Das 15 cm schwere Infanteriegeschütz 33 ruht auf der Marschverzurrung


Foto: Sammlung Anderson

MIT MISCHBESTÜ- CKUNG: Ein Geschützzug der Skijäger-Brigade auf dem Marsch. Geführt von einem Schützenpanzerwagen (SdKfz 251) folgen eine Grille Ausf M und zwei Grille Ausf H


Foto: Sammlung Anderson

OFFENER KAMPFRAUM: Der Geschützführer einer Grille Ausf H hat seinen Platz hinten links, direkt neben dem Fu-16- Funkgerätesatz. Der Kanonier 2 sitzt auf einem Schemel links vor ihm, der Munitionskanonier rechts


Foto: Sammlung Anderson

Wieder folgt kein schneller Ersatz der für die Truppe grundsätzlich wertvollen Sfl- Fahrzeuge. Das Heereswaffenamt führt erst 1942 weitere Untersuchungen durch. Als möglichen Nachfolger testet man den PzKpfw II in einer Kleinserie. Doch dieses Fahrzeug stellt sich als untauglich heraus. Entwicklung und Produktion einer spezialisierten Sfl sind aufgrund der Fertigungslage nicht möglich, denn Panzer haben Vorrang.

Deshalb muss eine Behelfslösung her. Nach dem Einmarsch in das Sudetenland und der Okkupation der „Rest-Tschechei“ 1938/39 fanden Mitarbeiter des Heereswaffenamts mit dem PzKpfw 38 (t) einen produktionsreifen leichten Panzer vor. Aufgrund der eigenen Produktionsprobleme beschließt man damals, die Serienfertigung dieses Typs aufzunehmen. Vom Einsatzspektrum her mit dem PzKpfw III vergleichbar, stehen bis zum Frankreich-Feldzug etwa 260 Stück zur Verfügung – genug, um zwei weitere Panzerdivisionen aufzustellen. Mit einer 3,7-cm-KwK ausgestattet, ist der Panzer jedoch nach Beginn des Russland-Feldzugs im Jahr 1941 bereits technisch überholt.

Die Fahrwerke des leichten Panzers, der als robust und wartungsfreundlich geschildert wird, zieht man nun für die Fertigung von Sfl heran. Zunächst montiert man darauf die 7,62-cm-Pak 36 aus sowjetischer Beute, später die deutsche 7,5-cm-Pak 40. Ende 1942 fällt dann der Entschluss, auch das schwere Infanteriegeschütz auf dieses Fahrwerk zu setzen.

Schussstarkes Geschütz

Das Kaliber des bereits 1933 in die Wehrmacht eingeführten 15 cm schweren Infanteriegeschützes ist ungewöhnlich groß. Die gezogene Waffe hat die Aufgabe, die Infanterieregimenter mit schwerem Flach- und Steilfeuer zu unterstützen. Das Geschütz verfeuert Sprenggranaten, Nebelgranaten und Brandgranaten. Weiter steht Sondermunition zur Verfügung: Die Geschützbedienungen können Hohlladungs-Granaten zur Panzerabwehr einsetzen. Die riesige Stielgranate soll Gassen durch Minenfelder und Drahthindernisse sprengen.

Die Sprenggranaten verfügen über eine Schussweite von bis zu 4.700 Metern. Die Explosionskraft der 15-cm-Geschosse ist sehr groß. Die Firma Altmärkische Kettenwerke GmbH fertigte bereits 1940 einen Prototyp einer Sfl für das schwere Infanteriege- schütz auf der Wanne des PzKpfw 38 (t). Die Nachteile des Vorgängers hat man analysiert, die Ergebnisse fließen in die neue Entwicklung ein.

TOTALAUSFALL: Diese Grille Ausf M wurde durch einen Volltreffer und die nachfolgende Explosion der Munitionsvorräte total zerstört


Foto: Sammlung Anderson

GROSSES KALIBER: Die riesige Stielgranate wird verwendet, um Minengassen zu sprengen oder starke Befestigungen zu zerstören. Über Einsatz und Leistungsdaten dieser Sondermunition ist nicht viel bekannt


Foto: Sammlung Anderson

Die grundsätzlich unveränderte genietete Wanne des PzKpfw 38 (t) wird nach Demontage des Turmes nur im vorderen Teil angepasst. Das Geschütz verwendet man ohne Unterlafette. Um es in der Wanne unterzubringen, ist es nötig, einen schweren Stahlsockel am Boden zu montieren. Das ist leicht möglich, da sämtliche Fahrwerksteile außen angebracht sind. Das Geschütz lässt sich, nur unwesentlich modifiziert, auf die Grundplatte aufsetzen. Man passt die Lage der nach hinten wirkenden Ausgleicher an, die Bezeichnung ändert sich in 15-cm-sIG 33/1. Die Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik in Prag übernimmt die Serienfertigung. Für den Fahrer, der, anders als bei Panzerfahrzeugen reichsdeutscher Hersteller, rechts sitzt, bleibt so nicht mehr viel Platz. Um das Geschütz herum montiert man einen Panzeraufbau. Die Besatzung ist damit rundum gegen Feuer aus Infanteriewaffen und Splitter geschützt. Frontal beträgt der Panzerschutz des Aufbaus beachtliche 50 Millimeter, seitlich 14,5 Millimeter. Der Kampfraum ist nach oben offen. Doch die gute Rundumsicht und die Bewegungsfreiheit gleichen die offensichtlichen Nachteile zumindest teilweise aus. Der Zugang zum Kampfraum befindet sich direkt über dem Motorraum. Dort sind zwei kleine Luken am Heck des Aufbaus vorhanden; eine eher unpraktische Lösung.

Das Fahrwerk übernimmt man unverändert, der Motor leistet 125 PS. Bei einem Gefechtsgewicht von 11,5 Tonnen ergibt sich ein Leistungsgewicht von knapp 11 PS/t. Dank des robusten Fahrgestelles ist die Beweglichkeit auf festem Grund gut. Die Sfl erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 42 km/h. Erfahrungsberichte beschreiben die Haltbarkeit der Ketten und anderer Laufwerkskomponenten als überdurchschnittlich. In schwerem Gelände ist der Motor aber rasch überlastet.

Man stattet die Fahrzeuge mit dem Fu- 16-Gerätesatz aus. Dieser umfasst einen 10- W-Sender h und einen UKW-Empfänger h für die Kommunikation im Funkkreis der Panzergrenadiere.

Im Innenraum ist es ziemlich eng. Neben dem Fahrersitz sind Plätze für drei Mann Besatzung vorgesehen. Das offizielle Datenblatt gibt dagegen neben Fahrer und Geschützführer drei Kanoniere an, vermutlich nicht zu viel im scharfen Einsatz.

Im Inneren kann die Besatzung nur 13 Schuss mitführen. Die Granaten sind seitlich und hinten im Kampfraum untergebracht. Die Fahrzeuge erhalten bald die Bezeichnung Grille. Zunächst soll eine einmalige Serie von 200 Fahrzeugen entstehen.

Wertvolle Infanteriewaffe

Am 5. Mai 1943 meldet der Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer: „Nachdem sich die ersten Fahrzeuge der als einmalige Serie vorgesehenen 200 sIG auf 38 (t) gut bewährt haben, hat der Führer angeordnet, dass die von den Front zur Reparatur anfallenden PzKpfw 38 (t) laufend für den Aufbau mit sIG verwendet werden.“

AN DER ITALIENFRONT: Selbstfahrlafetten Grille in einem verwüsteten Gebäudekomplex. Im Hintergrund steht neben einem zerstörten M4 Sherman der mittlere Schützenpanzerwagen des Batterieführers


Foto: Sammlung Anderson

SPÄTE NEUENTWICKLUNG

1945 stellt die Rüstungsindustrie auf Basis des leichten Jagdpanzers 38 (Hetzer) eine Neukonstruktion vor, die jedoch nicht mehr in Serienproduktion geht

Der Einsatz von Fahrzeugen aus der Heimat- Instandsetzung scheint unter wirtschaftlichen Aspekten vielleicht sinnvoll zu sein, doch die Truppe bemängelt diese Praxis. Viele Fahrwerkskomponenten sind trotz Reparatur nicht mit neu gefertigten Teilen zu vergleichen. Bremsen, Motoren und Lenkgetriebe versagen regelmäßig im Einsatz, die Fahrzeuge fallen aus. Die neuen Sfl Grille (SdKfz 138/1) teilt man ab April 1943 diversen Panzer- und Panzergrenadier-Divisionen von Wehrmacht und Waffen-SS zu. Die jeweiligen Panzergrenadier-Regimenter erhalten für ihre schweren Geschützkompanien je sechs Exemplare der Grille. Der Nutzen dieser schweren Infanteriewaffen für die deutschen Bodentruppen ist unbestritten. Zahllose Erfahrungsberichte von Fronteinheiten belegen dies. Noch vor Auslauf des ersten Produktionsloses (zirka 210 werden gebaut) erhält der Hersteller BMM Weisung, den neuen Geschützwagen 38 (Gw 38) zu verwenden. Diesen hat man zuvor für den Panzerjäger Marder III Ausf M entwickelt.

Der spezialisierte Gw 38 ist eine Neuentwicklung mit hinten liegendem Kampfraum. Der deutlich verbesserte Zugang zum Geschütz erlaubt schnellere Munitionierung. Die Ingenieure verlegen den Motor (man baut eine stärkere Variante mit 150 PS Leistung ein) in die Mitte. Der Fahrersitz befindet sich nun auf der linken Seite.

Verbesserte Neuentwicklung

Parallel zum Geschützträger entwickelt man ein Munitionsfahrzeug. Es besitzt eine deutlich höhere Geländegängigkeit als Lkw oder Halbketten-Zugkraftwagen. Die Lösung hat einen weiteren Vorteil: Sollte eine Grille im Gefecht ausfallen, so kann man das intakte Geschütz mit geringem Aufwand in einen Munitionswagen einbauen. Die neue Sfl erhält die Bezeichnung 15-cmsIG 33/1 Grille Ausf K. Da noch viele Fahrzeuge der ersten Variante im Einsatz stehen, nennt man diese nun Grille Ausf H (Motor hinten).

Im Einsatz verstärken die bis zu zwölf schweren Infanteriegeschütze auf Sfl die Kampfkraft der Panzergrenadier-Regimenter beträchtlich. Die gepanzerten Fahrzeuge können die Schützenpanzer im Angriff begleiten. Sie sind wie diese relativ immun gegen Infanteriefeuer und Geschosssplitter. Kompanieführer und die einzelnen Kommandanten und Geschützführer sollten jedoch das Einsatzgelände nach Minen absuchen und besonders auf tückische Panzerbüchsen achten. Geschicktes Anpirschen, schneller Feuerkampf unter bestmöglicher Tarnung und rascher taktischer Rückzug sind das Gebot der Stunde, um keine tödliche Überraschung zu erleben.

KURZ VOR KRIEGSENDE: 1945 entsteht eine Weiterentwicklung der Grille. Basierend auf dem leichten Jagdpanzer Hetzer, weist das Fahrzeug einen verbesserten Panzerschutz auf, doch es geht nie in Serie


Foto: Sammlung Anderson