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MILLIARDÄR AUF DER ÜBERHOLSPUR


Erfolg Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 27.08.2020

Richard Branson und Virgin - Zwei Namen teilen sich eine Geschichte. Das Portrait eines der reichsten Briten


Artikelbild für den Artikel "MILLIARDÄR AUF DER ÜBERHOLSPUR" aus der Ausgabe 5/2020 von Erfolg Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Erfolg Magazin, Ausgabe 5/2020

Virgin“, nicht einfach ein englisches Wort, sondern der Name einer der bekanntesten Unternehmensgruppen. Die Virgin Group, ein riesiger Mischkonzern, ist in den unterschiedlichsten Branchen unterwegs und mittendrin ihr Visionär. „Virgin“ ist untrennbar mit dem Namen Richard Branson verbunden. Am 18. Juli 1950, in Blackheat London, geboren, feierte der britische Selfmademan vor kurzem seinen 70 Geburtstag.

Zwischen schlechten Noten und Gründungswille
Die schulischen Leistungen des jungen Branson ...

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Zwischen schlechten Noten und Gründungswille
Die schulischen Leistungen des jungen Branson waren nicht die besten. Geschuldet seiner Legasthenie schrieb er eher schlechte Noten und verließ als 16 Jähriger die Schule ohne Abschluss. Das hielt ihn aber nicht davon ab, 1967 die Schülerzeitung „Student“ zu gründen. Mit John le Carré und Jean Paul Sartre konnte er zwei namenhafte Autoren gewinnen, die ohne Honorar Artikel in der „Student“ publizierten. Trotz der bekannten Unterstützung erwies sich die Zeitung als wirtschaftlicher Misserfolg. Davon ließ sich der blonde Brite nicht beirren und gründete 1970 einen Versand für Schallplatten mit dem Namen „Virgin“. Damit war der Markenname für alle weitergehenden Projekte des Unternehmers geboren.

Durch einen Zufall hatte Branson herausgefunden, dass sich durch den Export von Schallplatten nach Belgien und den sofortigen Reimport, die Steuer umgehen ließ. Das brachte ihm, 1971, eine Nacht im Gefängnis und eine empfindliche Geldstrafe ein. Dem 1970 gegründeten Plattenversand, folgten in den darauffolgenden Jahren auch feste Plattenläden.

Der erste Millionenerfolg
Als erstes ein Versand von Schallplatten und darauf folgend Läden für den Verkauf von Schallplatten. Als nächstes, vielleicht ein eigenes Musikstudio? 1972 tat Branson genau das. Er gründete die Manor Studios in Oxfordshire und das Label „Virgin“ um Musiker unter Vertrag nehmen zu können und Musik zu produzieren.

Eine der ersten Verpflichtungen sollte dann auch der Durchbruch von Branson und seines Labels sein. 1972 nahm er den noch eher unbekannten Bassisten der „Kevin Ayers Group“, Mike Oldfield, unter Vertrag. 1972/73 nahm der gerade mal 19 Jährige sein Debütalbum „Tubular Bells“ auf. Das Album wurde ein Riesenerfolg. Es erreichte schnell die Top Ten der britischen Albumcharts und verblieb dort 247 Wochen lang. Die Platte wurde schneller verkauft als das Label „Virgin“ nachpressen konnte. Das Album wurde über 5 Millionen Mal verkauft und machte Richard Branson und sein Label, durch diesen Erfolg, über Nacht berühmt. In den folgenden Jahren nahm „Virgin Records“ Künstler wie die „Rolling Stones“, „Culture Club“, „Genesis“ oder die „Sex Pistols“ unter Vertrag. 1990 verkaufte er das Label unter Tränen an EMI um seine Fluggesellschaft am Leben zu erhalten.

Ein Name - Vielfältige Unternehmensinteressen und Rückschläge
Die Virgin Group versammelt unter ihrem Dach die verschiedensten Unternehmen aus vielfältigen Branchen. Einen großen Anteil nahm und nimmt daran der Bereich Flug- und Luftverkehr ein. 1984 hob der erste Flug der von Richard Branson gegründeten Airline „Virgin Atlantic“ vom Flughafen London Gatwick. Die Idee dazu soll Branson einige Monate zuvor gekommen sein. Als er und seine Frau von Puerto Rico zurückfliegen wollten, wurde ihnen der Rückflug gecancelt. Ohne Umschweife, buchte Branson ein Flugzeug, das für Flüge zu mieten war. Er schrieb kurzum „Virgin Airline“ auf ein Schild und bot den anderen gestrandeten Passagieren die übrigen Sitzplätze für jeweils rund 40 US-Dollar an. Für das erste Flugzeug, eine Boeing 747, handelte der Brite mit Boeing dann auch aus, dass er das Flugzeug bei einem Fehlschlag der Airline wieder zurückgeben könne, was aufgrund des Erfolgs der Airline nicht notwendig war.


»Die Virgin Group, […], ist in den unterschiedlichsten Branchen unterwegs und mittendrin ihr Visionär. ‚Virgin‘ ist untrennbar mit dem Namen Richard Branson verbunden.«


Das Wirtschaftsimperium von Branson ist so vielfältig, dass man sich fragen könnte, was nicht unter dem Namen „Virgin“ vermarktet wird. Und tatsächlich sind die Investitionen des Briten sehr facettenreich. Neben Fluggesellschaften bündeln sich, unter dem Dach der Virgin Group, Unternehmen wie Hotels, Fitnessstudio, Mobilfunk, Medien oder Züge. Trotz der Vielfalt fällt auf, dass es der Transportsektor, dem britischen Selfmade-Milliardär besonders angetan hat. Zu den verschiedenen Airlines kommt ein Unternehmen im Zugverkehr. „Virgin“ betreibt ein eigenes Schiffreise- Unternehmen mit großen Luxuslinern. Ein Unternehmen ist Anbieter für Ballonflüge für Jedermann. Und mit „Virgin Orbit“ und „Virgin Galactic“ liegen die Interessen Branson, wie ebenso bei seinen Milliardärs-Kollegen Elon Musk und Jeff Bezos im Bereich Raumfahrt. Das eine Unternehmen entwickelt Trägerraketen um kleine Satelliten ins All zu bringen und „Virgin Galactic“ soll Weltraum-Tourismus betreiben, in dem Menschen, die ein Ticket kaufen, in den Erdorbit und zurück in einem Flug gebracht werden sollen.


»Einen herben Rückschlag gab es auch bei Virgin Galactic. Einer der SpaceShipTwo-Prototypen stürzte bei einem Testflug ab. Dabei kam der Co-Pilot ums Leben. Das hält Branson aber nicht davon ab, aus den Rückschlägen zu lernen und immer wieder neue Unternehmen zu gründen.«


Dass nicht alle Unternehmungen Bransons erfolgreich sind, zeigt sein Projekt „Virgin Cola“. Mit dem Unternehmen wollte er dem US-Konzern Coca Cola im Vereinigten Königreich Konkurrenz machen. Der große Erfolg im eigenen Land, brachte das Unternehmen auf den Schirm von Coca Cola, spätestens nachdem Branson auf dem Times Square in einem Sherman Panzer auffuhr, um dem US-Konzern auf dem eigenen Boden Konkurrenz machen zu wollen. Nach dem Start 1994, war das Produkt in den späten zweitausender nur noch in einigen Läden erhältlich. Einen herben Rückschlag gab es auch bei „Virgin Galactic“. Einer der SpaceShipTwo-Prototypen stürzte bei einem Testflug ab. Dabei kam der Co-Pilot ums Leben. Das hält Branson aber nicht davon ab, aus den Rückschlägen zu lernen und immer wieder neue Unternehmen zu gründen.

Gesellschaftliches Engagement und die Suche nach Rekorden
Richard Branson ist neben seinem unternehmerischen Erfolg für sein gesellschaftliches und politisches Engagement und für seine Suche nach Nervenkitzel und neuen Rekorden bekannt. Die karitative „Virgin Healthcare Foundation“ engagiert sich insbesondere in der AIDS-Prophylaxe und setzt sich für die Einschränkung von Werbung und Sponsoring von Tabakfirmen im Sport ein. Auch im Klimaschutz engagiert sich Branson. Seine Non-Profit-Organisation „Carbon War Room“ stellte eine Datenbank vor, die dabei helfen soll, Treibhausgase zu vermeiden. Von der Organisation „Sharkproject“ ist er 2013 für die Unterstützung der Präsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla, bei der Verbesserung des Schutzes von Haien, als „SharkGUARDIAN of the Year“ ausgezeichnet worden. Zu seinen Errungenschaften gehört aber auch der Rittertitel und damit das Recht, das „Sir“ vor seinem Namen zu tragen. Im Dezember 1999 wurde Branson für seine Leistungen als Unternehmer zum „Knight Bachelor“ ernannt und von Königin Elisabet II. zum Ritter geschlagen.


»Ich wurde Unternehmer, weil ich das Leben von Menschen positiv verändern will« - Richard Branson


In der Diskussion über den „Brexit“ sprach er sich immer wieder nachdrücklich für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU aus.

Branson unternahm im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Weltrekordversuche. 1986 stellte er mit seinem Schiff „Virgin Atlantic Challenger II“ den Rekord für die schnellste Atlantiküberquerung auf. In den darauffolgenden Jahren stellte er Rekorde für die erste Überquerung des Atlantiks und des Pazifiks in einem Heißluftballon auf. Mehrere Versuche, in einem Heißluftballon die gesamte Welt einmal zu umrunden, schlugen fehl, bis es schließlich 1999 Bertrand Piccard und Brian Jones als erste schafften. Branson half den beiden als es Probleme mit den Überfluggenehmigungen für den Iran, Irak und China gab.

2004 stellte Branson den Rekord für die schnellste Überquerung des Ärmelkanals in einem Amphibienfahrzeug auf und 2012 den Rekord für den ältesten Menschen, der den Ärmelkanal durch Kitesurfen überquert. Die Rekordversuche haben Branson auch immer wieder für den Start verschiedener seiner Unternehmen als Werbung und für die Erregung von Aufmerksamkeit auf eben jene Unternehmen gedient.

Noch lange nicht Schluss
Mit 70 Jahren hat Richard Branson schon so einiges erlebt und ist nie stehengeblieben. Er wechselt immer wieder zwischen seinem Wohnsitz in London, seinem Landsitz in Oxfordshire oder seiner Privatinsel „Necker Island“, die zu den britischen Jungferninseln gehört.

„Ich wurde Unternehmer, weil ich das Leben von Menschen positiv verändern will“, sagte Branson einmal. Ob er das Ziel für sich erreicht hat, weiß nur er selbst. Es steht aber fest, dass der Selfmade Man auch mit seinen 70 Jahren noch lange nicht genug hat.

Bilder: Imago Images/ZUMA Press, Depositphotos/Jean-Nelson/ChinaImages


Bilder: Imago Images/Eastnews, Depositphotos/Jean-Nelson