Lesezeit ca. 9 Min.
arrow_back

Mineralöl auf dem Teller


Logo von ÖKO-TEST Magazin
ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 25.08.2022

Mineralöl in Lebensmitteln

Artikelbild für den Artikel "Mineralöl auf dem Teller" aus der Ausgabe 9/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Halleluja, möchte man fast sagen. Mehr als 30 Jahre nach den ersten Funden von Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln hat die EU endlich Grenzwerte festgelegt. Zumindest für die besonders bedenklichen – weil teilweise krebserregenden – aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH. Verbraucherschützer wie wir fordern diese seit vielen Jahren. Bricht bei ÖKO-TEST jetzt also Partystimmung aus? Und ist das Thema Mineralöl in Lebensmitteln damit nun endlich vom Tisch? Leider nein.

Das liegt gar nicht daran, dass wir nicht gern feiern. Im Gegenteil, aber das ist ein anderes Thema. Das liegt daran, dass diese Grenzwerte aus unserer Sicht zu hoch sind – für krebserregende Stoffe gibt es keine sicheren Mengen – und daran, dass die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH komplett unreglementiert bleiben. Aber der Reihe nach, was ist eigentlich das Problem?

„Ich habe mich ...

Weiterlesen
Artikel 1,50€
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Abgeschmiert. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Abgeschmiert
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Fünf Gramm Mineralöl. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fünf Gramm Mineralöl
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Leserbriefe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
GEMEINSAM BESSER
Vorheriger Artikel
GEMEINSAM BESSER
Ein langer Weg
Nächster Artikel
Ein langer Weg
Mehr Lesetipps

... viele Jahre lang gefragt: Wieso interessiert das niemanden?“

Koni Grob Chemiker

DAS PROBLEM

Etliche Lebensmittel sind mit Mineralölbestandteilen verunreinigt, einige Kosmetika wie Vaseline bestehen sogar daraus. Es handelt sich dabei um sehr viele, sehr uneinheitliche Stoffe, die man ganz grob in zwei Hauptkategorien einteilen kann: die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH, von denen einige krebserregend sind, und die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH. Einfach ist an diesen Verunreinigungen nichts. Denn so vielfältig wie die Stoffe selbst sind, so unterschiedlich sind die Eintragswege. Immer da, wo die Lebensmittel in Kontakt mit Schmierölen kommen, können Verunreinigungen entstehen. Und das ist je nach Lebensmittel komplett unterschiedlich.

Beispiel Schokolade: Die Kakaobohnen können schon während der Ernte in Kontakt mit Schmierölen aus Erntemaschinen gelangen. Oft werden sie danach in Juteoder Sisalsäcke verpackt, die häufig mit mineralölhaltigen Ölen behandelt werden. Weitere Eintragswege sind dann die maschinelle Verarbeitung und die Übergänge aus der Verpackung: Kartonverpackungen aus Recyclingpapier können Mineralöl enthalten. Und Beispiel Olivenöl: Schon wenn die Bauern die Olivenbäume mit Kettensägen zurückschneiden, kommen die Oliven in Kontakt mit Schmierölen. Erntemaschinen und Maschinen, die während der Produktion eingesetzt werden, sind weitere Eintragswege.

Erste Entdeckung war Zufall

Hinzu kommt: Da unsere Umwelt bereits dermaßen verschmutzt mit Rohöl ist, gibt es auch Einträge aus der Umwelt, die Hersteller nicht in den Griff bekommen, weil sie schlecht in den Griff zu bekommen sind. „Hängen Sie mal ein weißes T-Shirt über einige Tage aus dem Fenster zum Trocknen“, sagt der Schweizer Chemiker Koni Grob. „Das bekommt einen grauen Schleier.“ Pflanzen stehen über viel längere Zeit an dieser Luft. Nicht alles davon sei Mineralöl, das sei klar, aber es sei eben auch Mineralöl, beispielsweise unverbranntes Heiz- und Dieselöl oder Schmieröl aus Dieselmotoren. „Es ist durchaus möglich, dass die Umweltbelastung heute schon die dominierende ist“, stellt der Toxikologe fest. Und als wäre das alles nicht kompliziert genug, gibt es auch noch Pflanzen, die Stoffe bilden, die Mineralöl zum Verwechseln ähnlich sind, was wiederum in der Analytik schwierig ist.

Grob war in den 1980er-Jahren einer der ersten, der die Mineralölverunreinigungen von Lebensmitteln überhaupt entdeckte. Im Kantonalen Labor Zürich stellte er per Zufall eine starke Belastung von Haselnüssen fest – eigentlich wollte er die Bestrahlung der Nüsse nachweisen. So richtig ernst genommen hat ihn damals niemand. „Was wollt ihr da in der Schweiz mit eurem Mineralöl? Alle anderen finden das tolerierbar“, hätten die Kollegen im Rest der Welt gesagt. „Ich habe mich viele Jahre lang gefragt: Wieso interessiert das niemanden?“. Jetzt, mehr als 30 Jahre später und nachdem die großen Einträge in die Lebensmittel vor allem in den 1990- und Nullerjahren gestoppt wurden, sei das Problem vielleicht sogar übergekocht. „Die Belastung der Lebensmittel hat bereits stark abgenommen.“

MOAH-Funde in 13 Tests – dieses Jahr

Aber sie ist eben nicht weg, noch lange nicht. Allein in diesem Jahr – und jetzt ist gerade mal August – haben wir die besonders kritischen MOAH in Olivenölen, Schokoeis, getönten Tagescremes, Rasiermitteln für Frauen, Kurkuma, Leinsamen, Sonnenschutzmitteln für Kinder, Haarölen, Gesichtscremes, Puder, Basispflege, Haargelen und Deocremes gefunden. Besonders häufig und besonders stark verunreinigt waren die Olivenöle. MOSH steckten in noch viel mehr Produkten. Denn: Wo viel MOSH ist, sind häufig MOAH auch nicht weit. Auch das ist ein Grund, warum die MOSH-Gehalte dringend reduziert werden müssen.

Funktionelle Barrieren

Etwas überraschend für die Lebensmittelindustrie hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Ende Juni einen elf Jahre alten Entwurf für eine „Mineralölverordnung“ an den Bundesrat weitergeleitet. Wenn der Bundesrat dem zustimmt, könnte das heißen, dass drei Jahre nach Zustimmung eine sogenannte funktionelle Barriere Pflicht in Verpackungen mit Altpapier werden könnte. Ein Beispiel dafür sind etwa die Folien, mit denen viele Schokoladen eingepackt sind. Sie bilden eine funktionelle Barriere für mögliche Mineralöl-Einträge aus der Verpackung. Die Verpackungsindustrie dürfte sich die Hände reiben. Die Lebensmittelindustrie und auch der Lebensmittelverband Deutschland, der sie vertritt, sind hingegen nur so mittelbegeistert von der möglichen neuen Regelung. Es soll allerdings Ausnahmen geben, bestätigt eine Sprecherin des Ministeriums – etwa für Verpackungen, die von vornherein keine MOAH enthalten und für Produkte, bei denen keine Übergänge zu erwarten sind. Ob Eierkartons dazu gehören, wird sich erst noch zeigen.

DIE RISIKEN

Bei MOAH muss man glücklicherweise heute nicht mehr lang diskutieren, auch nicht mit den (meisten) Herstellern. Dass MOAH in Lebensmitteln nichts zu suchen haben, da sind sich Verbraucherschützer, Politik und Industrie inzwischen einig wie selten. Denn zu dieser großen Gruppe von Stoffen gehören Substanzen, die krebserregend sind. Die Aufnahme von MOAH sollte generell vermieden werden, da, so auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, „ein mögliches krebserregendes Potenzial [...] nicht ausgeschlossen werden kann“. Das mag pauschal sein, angesichts der großen Menge an unterschiedlichen Stoffen, von denen eben nur einige sicher krebserregend sind. Definitiv unter Krebsverdacht stehen die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe, deren chemischer Aufbau aus drei bis sieben Ringsystemen besteht. Den Umkehrschluss, dass die mit ein oder zwei Ringen unbedenklich seien, kann man allerdings nicht ziehen. Deswegen und weil die Analyse nach Ringsystemen extrem aufwendig ist, ist der pauschale Weg auch der praktikabelste.

MOSH hingegen sind die große Unbekannte. „Wir müssen davon ausgehen, dass MOSH die mit Abstand größte Verunreinigung im menschlichen Körper darstellen“, sagt Koni Grob. Er hat gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 2014 festgestellt, dass MOSH sich etwa im menschlichen Fettgewebe, in Lymphknoten, Leber, Milz und Lunge anreichern, und zwar nicht zu knapp.

„Aus den von uns untersuchten Geweben haben wir abgeschätzt, dass die mittlere body burden (Anm. d. Red.: Belastung) älterer Personen bei etwa 5 Gramm liegt“, stellt der Chemiker fest. Nicht Milligramm, nicht Mikrogramm: Gramm. Wir nehmen die gesättigten Kohlenwasserstoffe also auf und scheiden zumindest einen Teil davon nicht wieder aus. Aber was machen die mit uns?

Die Datenlage ist extrem dünn

Aus Studien mit Ratten gab es Hinweise, dass MOSH etwa in der Leber zu Entzündungsreaktionen führten. Bei Menschen oder anderen Tieren wurden diese Reaktionen allerdings nicht bestätigt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das jetzt nun aber auch nicht unbedingt zu Alarmismus neigt, stellt dazu auf Anfrage fest, dass „die toxikologische Datenlage heute dahingehend interpretiert“ werde, dass diese Hinweise auf Entzündungsreaktionen „für diesen Rattenstamm spezifisch und für den Menschen nicht relevant ist.“ Also einfach mal runterkommen, entspannen, wird schon? Könnten wir, wenn die „toxikologische Datenlage“ ein bisschen weniger dünn wäre. Aber auch heute – mehr als 30 Jahre nach den ersten Funden von Mineralölverunreinigungen von Lebensmitteln – fehlen noch immer entscheidende Experimente. Und die Untersuchungen, die es gibt, wie die mit den Ratten, die schwächeln an entscheidender Stelle. Zum einen setzte man zu lange auf einen Rattenstamm, der Wirkungen zeigte, die im Menschen so nicht vorkommen. Zum anderen hat man die MOSH-Konzentrationen in menschlichen Geweben stark unterschätzt und andere Wirkungen zu wenig mit geeigneteren Versuchstieren untersucht. Toxische Effekte der MOSH sind deswegen zwar nicht bekannt, aber es ist noch immer nicht möglich, schleichende Schädigungen des menschlichen Organismus auszuschließen. Die Datenlage ist also nach wie vor: ungenügend. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa bewertet ihre Einschätzung zu den Risiken, die von Mineralölverunreinigungen ausgehen, gerade neu – Ergebnisse werden für Ende dieses Jahres erwartet.

„Wir müssen davon ausgehen, dass MOSH die mit Abstand größte Verunreinigung im menschlichen Körper darstellen.“

Koni Grob Chemiker

DIE LÖSUNG (-SVERSUCHE) DER INDUSTRIE

Wenn Jahrzehnte nach den ersten Funden von Mineralölen in Lebensmitteln und Kosmetika unsere Analysen immer noch und immer wieder Mineralölverunreinigungen entdecken – hat die Industrie dann einfach jahrzehntelang geschlafen? Nein. Viele Anbieter und Hersteller bemühen sich tatsächlich, die Verunreinigungen zu reduzieren – die einen mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg. Insgesamt jedoch, sagt Lebensmitteltoxikologe Koni Grob, sei die Belastung in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Was nicht heißt, dass es kein Problem mehr gibt, das hängt auch an der Produktgruppe. Ein Beispiel: In unserem ÖKO-TEST Olivenöle im Mai waren fast alle Olivenöle mehr oder weniger stark mit Mineralölbestandteilen verunreinigt – bis auf ein einziges. Das Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ Extra war komplett frei davon, keine MOSH, keine MOAH. Und das nicht nur in unserem aktuellen Test. Auch schon vor drei Jahren fiel das Rapunzel-Produkt ohne Mineralölverunreinigungen auf. Was macht Rapunzel also besser als die anderen?

„Wir haben bereits vor vielen Jahren ein Mineralöl-Minimierungskonzept implementiert, das wir kontinuierlich weiterentwickeln“, erklärt Eva Kiene von Rapunzel. Eine Arbeitsgruppe koordiniere das Thema, die Mitglieder würden sich regelmäßig fortbilden. Rapunzel arbeite bei dem Thema eng mit den Lieferanten zusammen, außerdem würden Anbaupartner dazu geschult. Die Rohwaren und ihre Herkünfte würden sorgfältig ausgesucht, zudem die gesamte Prozesskette überwacht. Auch das Verpackungsmaterial – eine Eintragsquelle für Mineralöl – prüft Rapunzel. Zudem analysiert der Anbieter die Migration aus der Verpackung, nachdem die Produkte eine Weile gelagert wurden.

„Ein Vorteil liegt für uns sicher auch darin, dass wir Rohwaren in der Regel direkt beziehen und so die gesamte Lieferkette kennen.“

Eva Kiene Rapunzel

Aber ist das schon alles? „Ein Vorteil liegt für Rapunzel sicher auch darin, dass wir Rohwaren in der Regel direkt beziehen und so die gesamte Lieferkette kennen“, stellt Kiene fest. So hat man natürlich auch mehr Einfluss auf – und Kontrolle über – die Anbaubedingungen. Denn, Beispiel Olivenöl: Die Eintragswege für Verunreinigungen mit Mineralöl sind so vielfältig, dass überschaubare Lieferketten ein riesiges Plus sind. Denn bereits die Kettensägen der Bauern können eine Eintragsquelle sein. Wer da nicht einmal weiß, welche Bauern die Oliven für das Öl liefern, hat schlechte Karten.

Bei unseren Bewertungen von Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln und Kosmetika haben sich bisher viele Hersteller und Anbieter darauf zurückgezogen, dass es ja keine Grenzwerte gab. Und wie so oft, wenn da ein politisches Vakuum besteht, ist die Industrie auch hier vorgeprescht und hat sich selbst Orientierungswerte auferlegt. Das Gute daran: MOAH sollten nicht nachweisbar sein. Das Schlechte: Die Orientierungswerte für MOSH – nach wie vor die einzige überhaupt bestehende Reglementierung – sind teils viel zu hoch.

Foodwatch sieht die Rolle der großen Lebensmittelhersteller in Sachen Mineralölreduzierung sehr kritisch. „Lebensmittelriesen wie Unilever, Danone und Nestlé haben die Gesundheitsgefahren durch Mineralölbelastungen jedoch seit Jahren heruntergespielt und nur zögerlich geeignete Maßnahmen zur Reduktion der Verunreinigungen angegangen“, kritisiert Dario Sarmadi von Foodwatch. „Es ist ein wichtiges Signal, dass jetzt die EU-Expert:innen klarstellen: Mineralöle sind gefährlich und gehören nicht auf unsere Teller!“ Und das tun sie – wenn auch erst jetzt.

Konkret empfiehlt der EU-Ausschuss folgende Grenzwerte:

• Für trockene Lebensmittel mit einem geringen Fett-/Ölgehalt von bis zu 4 % sind bis zu 0,5 mg/kg MOAH zulässig.

• Für Lebensmittel mit einem höheren Fett-/Ölgehalt von mehr als 4 % sind bis zu 1 mg/kg MOAH erlaubt,

• Und für Fette und Öle sind bis zu 2 mg/kg MOAH gestattet.

DIE LÖSUNG (-SVERSUCHE) DER POLITIK

30 Jahre. Mehr als 30 Jahre hat die Politik gebraucht, um nach den ersten Mineralöl-Funden in Lebensmitteln nun endlich Grenzwerte zu beschließen. ÖKO-TEST fordert diese inzwischen seit Jahrzehnten. Jetzt gibt es also welche, zumindest für MOAH: Der ständige Ausschuss zu Pflanzen, Tieren, Lebensmitteln und Futtermitteln der Europäischen Kommission schreibt in seinem „summary report“ vom April dieses Jahres, dass Produkte, die quantifizierbare Mengen an MOAH enthalten, vom Markt genommen werden sollten. Die Regelung gilt ab sofort – ist aber noch nicht rechtsverbindlich.

Jetzt ist nur die Frage: Was bedeutet quantifizierbar? Und hier kommt dann die sogenannte Bestimmungsgrenze von Laboren ins Spiel. Dabei geht es um die kleinste Konzentration einer Substanz, die sicher quantifiziert, also mengenmäßig bestimmt werden kann. Es gibt auch eine Nachweisgrenze, die niedriger ist, da geht es nur um die Frage: Ist MOAH drin? Aber die EU will nicht nur wissen: Ist da MOAH drin? Sondern: Wie viel MOAH ist da drin? Und diese Bestimmungsgrenze, die variiert halt je nach Matrix und Labor. Und jetzt ist das Ziel nicht, eine möglichst niedrige Grenze zu ermitteln, sondern eine europaweit praktikable, weswegen dann Grenzwerte beschlossen wurden – statt zu sagen dass MOAH eben nicht nachweisbar sein dürfen. Das hat mit gesundheitlichen Überlegungen nicht wirklich etwas zu tun, es geht hier rein um die Einheitlichkeit und die Praktikabilität.

„Es ist ein wichtiges Signal, dass jetzt die EU-Expert:innen klarstellen: Mineralöle sind gefährlich und gehören nicht auf unsere Teller!“

Dario Sarmadi Foodwatch

Gute Labore testen genauer

Warum wir das so ausführlich beschreiben? Weil es ärgerlich ist. Die Labore, die wir beauftragen, können Gehalte unterhalb dieser Grenzen verlässlich bestimmen. Und wenn wir uns alle so einig sind, dass MOAH in Lebensmitteln nichts zu suchen haben, dann haben auch ein bisschen MOAH in Lebensmitteln nichts zu suchen. So beträgt der Grenzwert für Fette und Öle nun also 2 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg), obwohl gute Labore auch Gehalte von 1 mg/kg locker bestimmen können. Mit der Einschätzung, dass diese Grenzwerte zu hoch sind, stehen wir übrigens nicht allein: „Wir fordern eine Nulltoleranz gegenüber aromatischen Mineralöl-Verbindungen“, stellt Dario Sarmadi von Foodwatch fest. „Der Grenzwert von 2 Milligramm in Pflanzenölen ist unserer Auffassung nach definitiv zu hoch“, sagt er. „Es sollte in keinem Lebensmittel MOAH nachgewiesen werden können.“

Aber unsere Kritik geht über die Grenzwerte von MOAH hinaus. Denn: An das Thema MOSH wagt sich die EU überhaupt nicht heran. Während die Industrie sich selbst zumindest Orientierungswerte gesetzt hat, gibt die Politik an dieser Stelle gar nichts vor. Wir sprechen hier von der größten Verunreinigung im menschlichen Körper, komplett unreglementiert. Nicht weil MOSH sicher unbedenklich sind. Sondern weil man es einfach nicht weiß.