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MISCANTHUS-TREIBEN: Auf Füchse Im Fasanenmagnet


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 02.04.2020

In einem Niederwildrevier in Unterfranken setzten die Jäger zur Biotopverbesserung unter anderem auf Miscanthus. Doch dessen dichte Bestände ziehen nicht nur Fasane und Rehe magisch an.


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Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 7/2020

Jagdleiter Hubert Kuhn (l.) und Pächter Werner Kuhn (M.) bei der Absprache mit einem Ansteller.


„Es steckt ein Fuchs!“, die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Treibergruppe. „Er wollte das Treiben verlassen, hat ‘nen Schützen mitbekommen und ist wieder runter in den Miscanthus“, so wird Jagdleiter und Treiberführer Hubert Kuhn die Situation von einer Hundeführerin geschildert. Er hatte sich mit seinem ...

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... Kurzhaar „Ares“ weiter hangaufwärts durch die Dornen des Biotopverbundes aus Miscanthus-Schlag, dichten Brombeeren, Hecken sowie Abraum gequält und wollte das Treiben gerade beenden.

„Alle runter in den Miscanthus! Möglichst dicht gehen, vielleicht versucht er, sich davonzustehlen. Sonst müssen wir eben auch noch mal den Rest treiben!“ Aufgeben ist hier und heute also keine Option. Daran denkt auch niemand, weder die Treiber, die im übermannshohen Halmenmeer nur schwer vorankommen, noch die Schützen, die sich reglos die Beine in den Bauch stehen, wohl wissend, dass die Beute heute nicht üppig ausfallen wird.

Trotzdem hatte sich am Morgen der Parkplatz am Hubertushof, einem Legehennenbetrieb im bayerischen Güntersleben unweit von Würzburg, schnell gefüllt. Dutzende Schützen, Hundeführer mit Terriern und Vorstehhunden sowie Treiber hatten sich zur letzten Gesellschaftsjagd in diesem Jagdjahr eingefunden. Wenn jemand bei diesem Aufgebot an ein zünftiges Saudrücken gedacht hätte, wäre wohl niemand verwundert gewesen.

Aber nicht nur das Datum Ende Februar und die Waffenwahl in Form von Flinten verrieten etwas anderes. Die Gesprächsthemen zeigten ebenso, dass Schalenwild hier nur die zweite, eher die dritte Geige spielt: Hasen, Hühner, Fallen, Heckenschnitt und Fuchsstrecken statt Keiler, Kaliber und Kronenhirsche.

Nicht allein die beeindruckende Ansammlung von Niederwildhegern, auch die einzelnen Treiben selbst sind andernorts eher eine Rarität. Denn es galt ausschließlich Miscanthus-Schlägen. Dieses schilfähnliche Süßgras wird im April und Mai über Rhizome gepflanzt und auch jährlich in diesem Zeitraum zur Biomasse-Gewinnung oder etwa als Einstreu geerntet. Dazwischen, also von Juni bis April des Folgejahres, bietet der Aufwuchs einen perfekten Wildeinstand. Vor allem in der ausgeräumten Feldflur ist Miscanthus von Spätherbst bis ins Frühjahr eine sehr wertvolle Deckungsstruktur für alle Wildarten.

Übrigens ist die jährliche Ernte kein Muss! Schläge können auch über Jahre stehen bleiben. Dann sollte man nur ein Auge auf aufkommende Begleitgehölze werfen. Bevor sich die etablieren oder zu stark verholzen, müssen zumindest diese Bereiche gemulcht werden.

Die Treiberwehr startet erneut in enger Reihe, und auch die Hunde beginnen ihre Arbeit aufs Neue. Mit möglichst viel Tamtam geht es durch den übermannshohen und bürstendichten Pflan- zenbestand. „Die Brombeeren mit Hecken- und Waldanschluss lassen wir jetzt ganz in Ruhe“, hatte Hubert Kuhn die Weisung ausgegeben. „Wenn der Fuchs noch im Miscanthus liegt, dann schleicht er sich hoffentlich dort raus, ohne sich erneut zu drücken. Der Wind passt, und deshalb stehen dort oben auch die Asse“, sagt der junge Landwirt mit einem Grinsen auf den Backen. Denn droben im Wald hat sein Vater, einer der Pächter und WuH-Lebensraum-Experte Werner Kuhn, seine Schützen angestellt.

Abmarsch in Gruppen: Zuerst werden die Schützen auf den windabgewandten Seiten platziert, um Reineke zu überraschen.


Auch jetzt beim zweiten Durchgang purren noch Fasane aus dem Halmenmeer, um nach einiger Distanz die Schwingen auszubreiten, in den Gleitflug überzugehen, um dann in einem der nahe liegenden, dichten Heckenstreifen wieder einzufallen. Der Anteil der Hennen ist auffällig hoch und ein gutes Zeichen für die kommende Brutsaison. „Wir haben dieses Jahr ja auch 20, 30 Hähne erlegt“, wissen Kuhns zu diesem Thema zu berichten. „Ausgesetzt war davon aber keiner!“, beteuert Werner. „Es gab von Anfang an einen eher kläglichen Restbesatz. Ausgewildert haben wir nur vor etlichen Jahren die Überbleibsel von zwei ausgemähten Wild-Gelegen“, ergänzt sein Junior.

Welchen Anteil der Miscanthus am mittlerweile vorzeigbaren und mit gutem Gewissen bejagbaren Besatz hat, sah man vor allem im ersten Treiben, als aus einem kleinen Schlag um die 40 Fasane abstrichen. Und weil sich nicht nur Gockel und Henne sowie Reh und Hase im Miscanthus wohlfühlen, wird im fränkischen Revier ebendort regelmäßig auch auf Fuchs und - wenn bestätigt - auf Sau gejagt.

„Eines musste ich erst lernen “, schildert Lebensraum-Experte Werner Kuhn eine seiner wichtigsten Erfahrungen.

Miscanthus bietet im Winterhalbjahr beste Deckung für Fasan und Hase, aber auch für Reineke und Schwarzkittel.


Dieser schwache Rüde wollte sich nach hinten aus dem Treiben stehlen und wurde gestreckt.


Miscanthus kann nicht klassisch geriegelt, sondern muss getrieben werden. Dazu sind raubwildscharfe Hunde nötig.


„Ich dachte erst, der Lebensraum ist alles entscheidend. Aber der allein reicht bei der Niederwildhege nicht aus! Wir haben es zu Anfang nur über diesen Hebel versucht - keine Chance!“ Erst die intensive Raubwildjagd brachte die Sache voran. Nicht umsonst prägte Werner Kuhn den mittlerweile viel zitierten Hege-Leitsatz: „Nicht gefressen werden kommt vor schöner Wohnen!“

Das Ende des Süßgras-Streifens schimmert schon durch den Bestand. Die Treiber wissen, dass es jetzt in die übermannshohen Brombeeren gehen wird, da Reineke das dicht abgestellte Treiben nicht ungesehen verlassen konnte. Puff - seltsam dumpf und weit entfernt hört sich der raue Schuss im Schlag an. Wie auf ein Kommando verharrt die Treiberwehr. Puff - puff, zwei weitere Schüsse. Für Hubert ist die Situation klar: „Das war bei Andreas und Sascha. Ein erster Schuss von einem, dann jeweils ein Nachschuss. Der liegt, sonst hätte der zweite Jäger nicht nur einmal geschossen!“ Wie sich wenig später herausstellt, eine goldrichtige Analyse.

Ein Fuchstreiben lässt sich im Gegensatz zum Riegler - wenige Schützen lauern dabei gezielt an den Pässen auf nur wenig beunruhigte Füchse - nicht perfekt im Voraus planen. Man erkennt aber eben doch, dass keinen detaillierten Plan haben zu können, nicht gleichbedeutend ist, mit planlos zu agieren. Denn wie letztendlich angestellt wird, entscheidet sich, ebenso wie das genaue Vorgehen, manchmal eben erst Minuten vor der Jagd. So war es auch beim ersten Treiben am Morgen.

Der Wind hatte über Nacht gedreht. Die Schützengruppen mussten in ande- rer Reihenfolge abrücken und abgestellt werden als angedacht. Abgestellt wird beim Fuchstreiben nämlich stets so, dass der Wind die Wittrung der um den Schlag postierten Schützen erst mit der letzten Schützenflanke ins Innere trägt. So wittert Reineke keine Lunte und verkrümelt sich nicht durch eine Lücke, bevor die Schützenwehr geschlossen ist. Die Jäger der Wind-Seite beziehen deshalb als letzte ihre Stände.

Wild-Paradies: Ein großer Miscanthus-Schlag im Biotopverbund mit üppiger Brombeere und Heckenstrukturen.


Am Ende des herrlichen Jagdtages liegen zwei von zwei vorgekommenen Rotröcken auf der Strecke.


Schon am Morgen ging diese Rechnung hervorragend auf. Ein schwacher Rüde ließ sich von der Treiberwehr überlaufen und versuchte, sich aus dem Treiben zu stehlen. Die Schützenkette hinter einer nahen Hecke sah er nicht. Nachdem er sie passiert hatte, fiel der tödliche Schuss.

Wie bei jeder ähnlich aufgebauten Jagd, etwa bei der Ernte- oder Maisjagd, bei der das Wild von innen einen Ring aus Schützen passiert, wird ausschließlich nach außen geschossen. Die Treiber sind selbstverständlich unbewaffnet. Schließlich kommt vor jedem Erfolg die Sicherheit. Aber auch in Sachen Erfolg haben die Kuhns am Miscanthus schon Lehrgeld gezahlt. „Mittlerweile jagen wir bei solchen Terminen nur noch auf Haarraubwild“, erläutert Hubert. „Geben wir Krähen, Elstern und Eichelhäher frei, werden Luftlöcher in den Himmel geschaut und geschossen, während der Fuchs unten ungesehen entkommt - das gabs alles schon.“

Das dritte und letzte Miscanthus-Feld an diesem Jagdtag unterscheidet sich merklich von den anderen beiden. Nur hüfthoch zeigt sich der Pflanzenbestand. „Das ist das Ergebnis der zwei letzten extrem trockenen Sommer“, erklärt Landwirtschaftsmeister Werner Kuhn. Trotzdem finden sich auch hier ein Dutzend Fasane und nicht minder viel Rehwild. Reineke ist indessen nicht zu Hause, was dem gelungenen Jagdtag aber keinen Abbruch tut. Am Abend werden die zwei Miscanthus-Füchse feierlich verblasen und in kompletter Runde zünftiger totgetrunken als woanders der brave Erntehirsch.


Foto: Peter Schmitt

Fotos: Peter Schmitt

Fotos: Peter Schmitt