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MISCHT GENESIS DIE MITTELKLASSE AUF?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 05.01.2022

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Kein Zweifel, der Genesis ist eine auffällige, elegante Erscheinung. Zwischen 3er, C-Klasse und XE macht er eine gute Figur

SIE GEBEN EIN- FACH KEINE RUHE. Allein im letzten Jahr hat Hyundai ein ganzes Modellfeuerwerk gezündet. Da sind Autos dabei wie der i20 N, der spektakuläre Van Staria oder der vollelektrische Ioniq 5.

Und dann noch Genesis. Ursprünglich ein Oberklasse-Modell mit Sechsund Achtzylindern, seit 2015 eine eigenständige Marke als Luxus-Abteilung. 2021 ging Genesis dann auch bei uns an den Start – eine mutige Entscheidung. Der Erfolg der edlen Toyota- Tochter Lexus hält sich ja eher in Grenzen, Nissan hat sich mit Infiniti längst zurückgezogen und von Xedos, der Edelmarke von Mazda, spricht keiner mehr. Hyundai stört das alles offenbar nicht, sie wollen es wissen – schließlich haben sie mit Genesis in Amerika und Asien bereits einigen Erfolg. Bei uns gehört zudem ein umfassender Service zum Programm. Mit persönlichem Assistenten, fünf Jahren Garantie ...

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... einschließlich Wartung und Haus-zu-Haus-Service. Zur Modellpalette gehören G80 (Auto- Bild 37/21), GV80 (39/21), der etwas kleinere GV70 (35/21).

Und der 4,69 Meter lange G70. Der trifft hier auf etablierte Konkurrenz in der feinen Mittelklasse: BMW 3er, Mercedes C-Klasse und Jaguar XE. Allesamt mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo- Benzinern und Automatik. BMW und Benz standen zu unserem Test nur mit Vierradantrieb zur Verfügung. Hat der Edel-Koreaner wirklich eine Chance gegen die Deutschen und den Briten?

!Genesis hat in Amerika und Asien Erfolg – jetzt wollen die Koreaner es auch in Europa wissen

4 Unsere Platzierung

JAGUAR XE P250

490 Punkte

Gepflegtes Design, geschmackvolles Interieur, umfangreiche Ausstattung.

Enger Fond, Bedienung gewöhnungsbedürftig, betont steife Federung.

DER XE, das muss man sagen, sieht immer noch blendend aus. Klar gezeichnet, mit ausgewogenen Proportionen und schönen Details. Die Leute schauen ihm hinterher – zumal im Italian Racing Red. Beim Interieur spürt man das Alter – der XE wird seit 2015 gebaut – dann aber doch. Vor allem an der leicht gewöhnungsbedürftigen Bedienung, etwa dem verzögert reagierenden Touchscreen mit den verschachtelten Menüs. Der Jag ist knapp geschnitten, hat den kleinsten Fond. Der 2,0-Liter-Vierzylinder mit 250 PS bleibt bis zum mittleren Drehzahlbereich unauffällig, bei höheren Touren wirkt er zäh und schaumgebremst und fällt im direkten Vergleich etwas ab. Das Zusammenspiel mit der ZF-Automatik fühlt sich eckig und unharmonisch an. Abgestimmt hat Jaguar den XE ziemlich stramm, er federt erstaunlich steif. Mit 58 049 Euro im Testtrimm ist er wenig günstiger als Benz und BMW.

Die Leute schauen dem Jaguar hinterher, immer noch

GEFÄLLIG

Interieur mit schönen Instrumenten, Touchscreen auch fürs Klima. Platz im Fond knapp

GENESIS G70 2.0T

520 Punkte

Tolles Design, komplette Ausstattung, einfache Bedienung, umfangreiche Garantien.

Durstiger Motor, knapper Fond. Mit 330 Litern erstaunlich kleiner Kofferraum.

GENESIS IST NEU, der G70 aber nicht ganz. Der wird seit 2017 gebaut, kommt aber, nach einem Facelift, erst jetzt zu uns. Und, das ist jetzt nichts Neues, Hyundai/Genesis kann Design. Bemerkenswert, wie stilsicher die Koreaner die Autos bauen. An Bord herrscht Wohlfühl-Atmosphäre, im allerbesten Sinn geht es etwas altmodisch zu – die neueren Genesis haben moderneres Multimedia. Der Platz im Fond ist ähnlich knapp wie im Jaguar. Angetrieben wird der G70 von einem 2,0-Liter mit 245 PS, gekoppelt an eine Achtstufen - automatik. Und jetzt zeigt sich: Zaubern können auch die Koreaner nicht. Der Motor läuft rau, dreht lustlos, die Automatik ist wirklich nicht die schnellste. Und der 2,0-Liter säuft, verbraucht mit 10,8 Litern über zwei Liter mehr als BMW und Benz. Doch die 49 650 Euro sind dann über 10 000 Euro weniger als bei 3er oder C-Klasse.

Hyundai/ Genesis kann einfach Design

3 Unsere Platzierung

STILSICHER

Instrumente in 3D, Multimedia mit feiner Grafik und klaren Menüs. Hinten ist es ähnlich eng wie im Jag

2 Unsere Platzierung

BMW 330i XDRIVE

550 Punkte

Lebhafter, sparsamer Motor, perfekte Automatik. Hohe Agilität. Schlaues iDrive.

Federung sehr stramm. Rückbank im Fond zu flach. Instrumente schlecht ablesbar

SCHON seit 2019 wird der G20 gebaut, und er steht frisch und fit da wie am ersten Tag. Mit geradezu klassischen Proportionen, hochwertiger Einrichtung und dem nach wie vor überragenden iDrive. Der 3er verfügt über ordentlich Platz, der Fond ist der größte hier, typisch aber auch die flach montierte Rückbank. Der 2,0-Liter-Vierzylinder mit 258 PS gibt klar den Ton an: lebhaft, kraftvoll, schnell. Mit den besten Fahrleistungen und dem mit 8,1 Litern niedrigsten Verbrauch. Wie immer spielt die hellwache ZF-Achtstufen-Automatik auf höchstem Niveau mit. Im Test war der 330i mit dem adaptiven M-Fahrwerk dabei, liegt stabil und stramm und fährt sich mit der zackigen Lenkung genau so, wie er soll: wach und agil, das macht Spaß. So federt er aber auch sehr trocken und neigt auf Querfugen durchaus zum Stuckern. Mit 61 430 Euro ist er sogar teurer als der Mercedes.

Der 3er fährt so, wie er soll: agil

TECHNISCH

Sachliche Einrichtung, iDrive perfekt, sichelförmige Instrumente. Geräumigster Fond

MERCEDES C 300 4MATIC

552 Punkte

Hoher Fahrkomfort, erstklassige Lenkung, schöne Automatik. Modernes Multimedia.

Teils einfache Kunststoffe im Innenraum. Kurzes Werkstattintervall

SEIT KNAPP einem Jahr ist die C-Klasse dabei, taufrisch also. Die leicht opulente Einrichtung erinnert an E-und S-Klasse, dazu gehört auch das erstklassige, optisch aufwendige und gut bedienbare Multimedia-System. Vorn ist einen Hauch mehr Platz als im BMW, hinten etwas weniger, passt alles. Angetrieben wird er vom aktuellen 2,0-Liter-Vierzylinder mit 258 PS und Mildhybridsystem. Ein durchaus energischer Typ, der bei Fahrleistungen und Verbrauch hauchzart hinter dem BMW liegt. Die sanfte Neunstufen-Automatik reagiert vielleicht nicht ganz so entschlossen wie die im 3er, lässt aber sonst nichts anbrennen. Die feinfühlige Lenkung liefert schöne Rückmeldung und mit der Hinterachslenkung fährt sich der Benz erstaunlich handlich. Und er federt mit den adaptiven Dämpfern sehr komfortabel. 60 259 Euro sind ein stolzer Preis, zum Sieg reicht’s trotzdem.

Die Lenkung liefert eine schöne Rückmeldung

1 Unsere Platzierung

OPULENT

Vornehme Lüftungsdüsen, großer, griffgünstiger Touchscreen. Bequeme Bank im Fond

Noch keine Einstufungen

Für den G70 liegen noch keine Versicherungs- Einstufungen vor. Aus Fairness-Gründen haben wir deshalb diesen Punkt gar nicht bewertet

Werkstatt- Intervalle

Mercedes C-Klasse und Genesis G70 müssen tatsächlich einmal pro Jahr zur Inspektion, BMW 330i und auch Jaguar XE nur alle zwei Jahre

S = Serie; N = nicht lieferbar; Z = Zubehör; * inklusive Ausstattung M Sport 4700 €, M-Sportbremse 700 €, M-Sportdifferenzial 1400 €, Akustikverglasung 200 €, Live Cockpit Connected- Drive 2800 €, adaptivem M-Fahrwerk 600 € und 19"-Bereifung 730 €; ** inklusive Komfortpaket 2040 €; *** inklusive Ausstattung R-Dynamic HSE 10 540 €, Rückbank teilbar 439 €, unterem Touchscreen 408 €, adaptivem Fahrwerk 1122 € und Dynamik-Modus 510 €; **** inklusive Avantgarde-In- und -Exterieur 298 € + 1023 €, große Bremse 298 €, Hinterachslenkung 1250 €, High-End-Infotainment-Paket 3195 €, Parkpaket 1244 €, Akustikglas vorn 143 €, Sitzlehnen im Fond klappbar 393 €, adaptivem Fahrwerk 1071 €, Sportreifen 357 €, 66-Liter-Tank 60 € und 18"-Mischbereifung 655 €

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

FAZIT

DIRK BRANKE, BEREND SANDERS

Der Genesis G70 gibt einen bemerkenswerten Einstand, fährt praktisch auf Augenhöhe mit den Besten. Und das sind in dieser Klasse Mercedes C-Klasse und BMW 3er – die sich auch hier ein Duell auf Augenhöhe mit knappem Ausgang liefern. Und der in Würde gealterte Jaguar bleibt ein Tipp für Individualisten.