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Mission Sau


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 13.05.2022

Dicht am Borstenvieh

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Schwein gehabt: unabdingbar ist gute Vorbereitung!

Der Waldjäger wird dem Schwarzwild momentan wenig nachstellen, denn die Rottenverbände verbringen den Sommer kaum im Wald. Sobald die Sauen auf den Feldern genügend Deckung und Fraß finden, bleiben die meisten Rotten Tag und Nacht in den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Das beginnt mit dem blühenden Raps und endet mit dem abgeernteten Mais. „Draußen“ fühlen sich die Schwarzkittel sicherer, je größer die Schläge sind. Ihr Sicherheitsbedürfnis ist enorm, weiß doch eine der intelligentesten Tierarten der Welt, dass jemand permanent nach ihrer Schwarte trachtet. Sie sind anpassungsfähig und die Lernfähigkeit ist bewundernswert. Die riesigen Agrasteppen haben ihr Verhalten in den letzten Jahrzehnten komplett verändert. Die Schlaraffenlandverhältnisse bieten ihnen gleich am Rande der Deckung süße Rüben, schmackhafte Kartoffeln, frisches Grün, milchigen Weizen und tierisches Eiweiß. ...

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Sauerei im Feld

Die Jagd auf Sommersauen in den jetzigen Streifgebieten gestaltet sich äußerst schwierig, ist aber auch eine besondere Herausforderung. Stets müssen wir Bejagungsstrategien ändern bzw. verbessern. Die Aussage „Lass doch die Sommersauen zufrieden, dabei passieren nur Fehler“ ist mitunter gerechtfertigt. Doch die permanente Gefahr von Schäden setzt den Feldjäger nun einmal gehörig unter Druck.

Wenn nicht im Sommer, wann sonst kann er jagen. Solange die Waidgerechtigkeit nicht leidet und Fehlabschüsse nicht vorkommen, sollte es keine Spannungsfelder geben. Der Abschuss von führenden Bachen und Überläuferbachen verschärft generell die Wildschadensproblematik, das wissen auch die Feldjäger. Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Der Feldjäger bemängelt die mitunter passive Jagd im Waldrevier, die Waldjäger bemängeln den Verlust der Sozialstrukturen in den Feldrevieren. Unternimmt der Jäger aber in wildschadensgeplagten Revieren nichts, wachsen die Schäden ins Unermessliche. Unter den derzeit wieder sehr guten Verhältnissen, wie dem letzten milden Winter und dem trockenen, warmen Frühjahr, dürfte die reproduktivste heimische Wildart wieder hohe Bestände haben und das bemerken wir Jäger sehr schnell.

Die Sommerjagd auf Sauen erfordert Zeit, Geduld, Verantwortungsbewusstsein sowie genaue Revierkenntnisse. Schnelle Finger sind hier fehl am Platze.

Im Zweifelsfall bleibt der Finger immer gerade! Nichts ist fataler als Schwarzwild im hohen Bewuchs zu bejagen. Gefragt ist jetzt beim Sauenansitz Disziplin und Augenmaß, das heißt aber auch ein Fass voller Erfahrungen.

Vorbereitung ist alles!

Zudem müssen wir im Vorfeld viel Aufklärungsarbeit leisten. Tägliches, gründliches Abfährten ist gefragt. Wo ist frisch gebrochen, welche Wechsel zeigen die deutlichen Fährtenbilder der Rotten. Schwarzwild verrät seinen Aufenthalt sehr schnell. So ist man flexibel und kann nach seiner täglichen Aufklärungspirsch den Ansitz mit transportablen Leitern vorbereiten. Schwarzwild lässt sich auch im Sommer durchaus lenken. Wildäcker wurden bereits im Frühjahr angelegt. Falls nicht dieses Jahr, dann aber im nächsten Jagdjahr daran denken. Zum Beispiel mit Futtererbsen, diese sind ein echter Geheimtipp im Wildacker. Wegen ihres hohen Proteingehalts wird sie besonders vom Schwarzwild geschätzt. Die anspruchslose Pflanze ist für alle Böden geeignet. Schwarzwild hat aber auch eine besondere Vorliebe für Furchenkohl, Phacelia, Senf, Raps, Ölrettich und Klee. Auf Daueräsungsflächen bieten wir ihnen einen hohem Kleeanteil an. Ideal sind zudem Wildackermischungen fürs Schwarzwild, die einerseits eine gute Lockäsung bieten und andererseits niedrig im Aufwuchs bleiben, denn dadurch wird das Ansprechen erleichtert. Sicherlich, Sauen gehören zu den Allesfressern, doch dabei fressen sie nicht alles in sich hinein was sie vor ihrem Gebrech finden, sondern sind, wie sich immer wieder zeigt, richtige Feinschmecker. So planen sie ihre nächtlichen Streifzüge zielgenau, um die schönsten Leckerbissen im Revier auch immer zu finden.

„Saueneinstände sind vor allem an Entwässerungsgräben zu finden.“

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt im Sommer ist Wasser. Die Möglichkeit zum Suhlen muss permanent gegeben sein.

Wie hoch der Drang nach Suhlen ist, haben insbesondere die extremen, trockenen Sommer 2018 und 2019 gezeigt. Das Schwarzwild hat ganze trockene Landstriche verlassen. Ohne ihr Schlammpaket können sie die blutsaugenden Parasiten nicht los werden. Parasiten wie Zecken werden durch den Schlamm erstickt.

Suhlen gehören für sie zur täglichen Körperpflege, zum Wohlbefinden. Entwässerungsgräben, Vorfluter, Erlenbrüche, die schwarzen Gesellen wissen, wo das nasse Element zu finden ist. Oft liegen die Entwässerungsgräben gerade an den großen Schlägen und hier fährten wir weiter regelmäßig ab. Wer keine Suhlen hat muss Künstliche anlegen, ansonsten wandern die Rottenverbände ab.

Ein Luxushotel für Schweine

Rapsschläge liebt das Schwarzwild insbesondere. Die verflochtenen hüfthohen Rapsstängel bieten nun optimale Ruhe und Sicherheit. Weder Spaziergänger noch die landwirtschaftliche Bearbeitung schrecken sie bis zur Ernte auf. Schweißhundeführer können ein Lied davon singen, nichts fordert mehr, als eine Nachsuche im Rapsdickicht. Doch selbst in den Schlägen bieten sich Jagdmöglichkeiten.

Wer nichts findet, nutzt die Drohne, wozu haben wir all die Technik heutzutage. Ist nichts zu finden am Rand des Schläges eine Handvoll Mais in der Nähe des Wechsels wirkt Wunder. Ein Malbaum hinzu, vielleicht eine Salzlecke und schon wird die Futterstelle unwiderstehlich. Ein Malbaum scheint mehr zu sein. Er ist auch eine Art Kommunikationspunkt. Mittlerweise gibt es Buchenholzteer selbst als Spray. So verwenden wir mit großem Erfolg Buchenholzteer mit dem Pheromon-Analogika. Pheromone sind Botenstoffe, die das Sexualverhalten ansprechen. Ist kein Baum weit und breit wird ein stabiler Holzpfahl eingegraben und mit dem Holzteer bestrichen. Wir müssen die Sauen lange halten, da wir nun einmal Zeit zum Ansprechen brauchen. Bewährt hat sich, jeden Malbaum in der Nähe mit Sendewildkameras auszustatten. So bekommen wir die wichtigen Information über Uhrzeit und Aufbau des Rottenverbandes.

Kleine Tipps am Feldrand:

● Nicht immer so lange warten bis das Stück brettbreit steht. Wenn ich meinen Sohn frage warum er mal wieder nicht geschossen hat: „Das Stück stand nicht breit!“ Dabei geht halbspitz auch.

● Nicht auf die Teller zielen, das kann fatal werden. Der Schuss aufs Blatt ist Pflicht.

● Da trotz jeder Vorsicht ein Halm im Weg sein kann, empfiehlt sich immer ein robustes Teilmantelgeschoss.

● Ein guter Nachsuchenhund steht bereits vor der Jagd fest. Wir haben die Telefonnummer schon auf dem Handy gespeichert.

● Geräuschlose Camouflagekleidung ist ein Muss.

● Stets den Wetterbericht verfolgen.

● Wer noch unsicher ist, besucht Pirschseminare auf Sommersauen, auch so etwas wird zur Weiterbildung des Jägers heutzutage angeboten. Ansprechseminare auf Schwarzwild sind ebenfalls sehr zu empfehlen und geben mehr Sicherheit in der Praxis.

Alles rund ums Thema Sau finden Sie hier.

Frühmorgens sind die Chancen Sauen in Anblick zu bekommen am Größten. Unsere Sauen stecken gegen Abend ihren Wurf nur ungern aus dem Getreide oder dem Tageseinstand und somit ist der Abendansitz eher abzulehnen. Sicheres Ansprechen im letzten Büchsenlicht ist oft nicht möglich. Beim Morgenansitz hat man den Tag vor sich. In der Morgendämmerung bereits sitzen! Die kurze Nacht reicht nicht aus, um den Schweinemagen zu füllen und morgens nimmt mit jeder Minute das Licht schnell zu. Die Sauen werden förmlich vom Tageslicht überrascht und hier kommen wir zum Erfolg. Kommt nun eine Meldung von der Sendewildkamera von anderswo, wird angepirscht. Vierbein und Wärmebildkamera sind selbstverständlich dabei.

Schaut man damit von einem erhöhten Sitz in die Schläge, lassen sich meistens auch die Frischlinge entdecken und seien es nur schemenhafte Bilder. Leider brauchen wir heutzutage all die Technik, denn das Schwarzwild ist uns weit überlegen. Das Jagen mit Schalldämpfer erhöht heutzutage ebenfalls den Jagderfolg und sollte nicht fehlen. Es reduziert die Beunruhigung, oft reagieren sie nicht sofort mit Flucht und ein zweites Stück kann erlegt werden. Also Hauptwindrichtung prüfen, einen Plan schmieden und sitzen und pirschen.

Tag für Tag zum Erfolg

Tagsüber kontrollieren wir weiter die Wiesen. Findet man dort große Krater, handelt es sich um von Sauen ausgeworfene Mäusenester. Grünlandschäden sind ein kontinuierliches alljährliches Problem. Hier finden sie ihr tierisches Eiweiß. Briedermann fand bei Magenuntersuchungen heraus, dass sich der Anteil an animalischer Nahrung bei etwa 13% im Durchschnitt im Jahr beläuft. Wir vermengen unseren Kirrmais mit einem Schwarzwild-Additiv. Es ist ein flüssiges Produkt auf rein biologischer Basis, das den für Schwarzwild lebenswichtigen Bedarf an Vitamin B12 sowie an essentiellen Aminosäuren deckt. Somit versuchen wir das Brechen auf den Wiesen auf der Suche nach tierischem Eiweiß zu reduzieren.

Ansonsten setzen wir auf Ansitz bei Grünlandschäden. Wer dabei noch unsicher ist im Ansprechen, konzentriert sich nur auf die Frischlinge. Hier kann nichts falsch gemacht werden. Sie können schon um 20 Kilogramm schwer sein und ergeben sind somit einen prima Braten. Dabei bejagen wir auch den Frischling unter zehn Kilogramm. Nicht viele Jäger können sich damit anfreunden, jeder kann es nur für sich entscheiden. Hasen mit vier Kilogramm erlegen und essen wir doch auch. Sind Sauen für einen sicheren Schuss dennoch zu weit, pirschen wir wieder unter gutem Wind an. Ist erst mal eine geringe Sau aus der Rotte erlegt, meidet die Rotte für Monate die Schadensfläche. Handelt es sich um Bachen mit Frischlingen nützt alles nichts, es muss ein kleiner gestreifter Frosch erlegt werden, wenn Ruhe auf der Schadensfläche herrschen soll. Bachen sind beim Verlust eines Frischlings extrem empfindlich. Schwarzwild hat ein Elefantengedächtnis, sie machen Fehler selten zweimal. Wer sich zudem mit Wildschäden auskennt, der weiß, mindern lassen sie sich nur in ständiger Zusammenarbeit von Jäger und Landwirt.

Jens Krüger Nach der Ausbildung zum Forstwirt im Forstamt Barlohe und Landwirt auf der Landwirtschaftsschule Rendsburg folgte die Berufsjägerausbildung in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Theorie am Jägerlehrhof Springe. Der Wildmeister (DJV) ist Pächter eines Hochwildrevieres in Niedersachsen mit Dam-und Schwarzwild. Zudem betätigt er sich seit über 25 Jahren als Outfitter in British Kolumbien. Darüber hinaus bildet er Jäger aus und schreibt für uns über Themen der Jagdpraxis.