Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Missverständliche Beipackzettel


Diabetes-Journal - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 26.07.2019

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“: Das ist ein Satz, der uns häufig begegnet. Eine Umfrage der Stiftung Warentest mit 15 000 Teilnehmern ergab: Patienten nutzen vor allem die Packungsbeilage (meist Beipackzettel genannt) und das Internet, um sich über Arzneimittel zu informieren. Doch gerade der Beipackzettel ist oft schwer zu verstehen. Sogar die Europäische Kommission bestätigt, dass die Verständlichkeit verbessert werden müsste: Design und Layout sollen benutzerfreundlicher werden und die Sprache weniger komplex. Andere Studien ...

Artikelbild für den Artikel "Missverständliche Beipackzettel" aus der Ausgabe 8/2019 von Diabetes-Journal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Diabetes-Journal, Ausgabe 8/2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Diabetes-Journal. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Rezeptfrei im Netz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rezeptfrei im Netz
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von 10 Jahre Deutsches Zentrum für Diabetesforschung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
10 Jahre Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Umfrage-Ergebnisse: So informieren Sie sich. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Umfrage-Ergebnisse: So informieren Sie sich
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Frau an der Spitze nach 55 Jahren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frau an der Spitze nach 55 Jahren
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Nebenwirkungen: So gehe ich damit um. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nebenwirkungen: So gehe ich damit um
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Wie Arzneimittel noch sicherer werden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie Arzneimittel noch sicherer werden
Vorheriger Artikel
Nebenwirkungen: So gehe ich damit um
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Wie Arzneimittel noch sicherer werden
aus dieser Ausgabe

... zeigen, dass die Beipackzettel viele Menschen vor allem verängstigen. Apothekerin Dr. Viktoria Mühlbauer von der Universität Hamburg gibt Hinweise, wie Sie am besten mit den Informationen im Beipackzettel umgehen.

In einer Umfrage glaubten ca. 80 Prozent der befragten Fachleute, das Arzneimittel verursache die Nebenwirkung mit der im Beipackzettel gelisteten Häufigkeit. Aber: Das stimmt so nicht!


In den Beipackzetteln der Statine findet sich alsolediglich die Angabe, wie häufig Beschwerden in der Statingruppe aufgetreten sind . Um beurteilen zu können, ob ein Arzneimittel eine Nebenwirkung verursacht oder ob es sich um alltägliche Beschwerden handelt, muss man aber wissen, wie häufig die Beschwerden auch ohne Arzneimitteleinnahme auftreten.Diese Informationen fehlen im Beipackzettel. Dadurch kann der Abschnitt „Nebenwirkungen“ im Beipackzettel in seiner aktuellen Fassung gar nicht verstanden werden!

Wissen zumindest Fachleute Bescheid?

Wir aus denGesundheitswissenschaften der Universität Hamburg wollten wissen, ob wenigstens die Fachleute mit dem Abschnitt Nebenwirkungen im Beipackzettel umgehen können. Dazu haben wir Angehörige der Gesundheitsberufe befragt, insgesamt knapp 400 Ärzte, Apotheker, Krankenschwestern, medizinische Fachangestellte und Studierende der Medizin, Pharmazie und Gesundheitswissenschaften. Das Ergebnis war eindeutig:Von den Befragten war sich niemand dessen bewusst. Ca. 80 Prozent glaubten, das Arzneimittel verursache die Nebenwirkung mit der im Beipackzettel gelisteten Häufigkeit. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker? Manchmal vielleicht lieber nicht …

Studienergebnisse können täuschen

Statine haben den Ruf, Muskelschmerzen zu verursachen. In den großen klinischen Studien konnte dies, wie gesagt, nicht bestätigt werden: Sowohl in der Statingruppe als auch in der Placebogruppe traten Muskelschmerzen gleich häufig auf. Allerdings nehmen an solchen Studien meist „fitte“ Patienten ohne Begleiterkrankungen teil. Werden Patienten mit einem höheren Risiko für Muskelschmerzen von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen,kann das Ergebnis verfälscht sein .
Eine andere Studie zu den Statinen hat hingegen gezeigt: Solange die Teilnehmernicht wussten , ob sie ein Statin oder ein Placebo bekamen, hatten beide Gruppen gleich häufig Muskelschmerzen. Am Ende der Studie wurden die Teilnehmer aufgeklärt, ob sie ein Statin oder ein Placebo bekommen hatten. Bei der nächsten Befragung hatten plötzlich viel mehr Teilnehmer aus der Statingruppe Muskelschmerzen.

So wird der Beipackzettel verständlicher

Wir von der Universität Hamburg haben uns auch gefragt, wie der Beipackzettel verständlicher werden könnte. Gemeinsam mit demMax-Planck-Institut für Bildungsforschung haben wir alternative Darstellungen der Nebenwirkungen entwickelt. Diese untersuchten wir in einer Befragung mit knapp 400 Laien im Vergleich zum Standardbeipackzettel als Kontrolle. Auch hier war das Ergebnis eindeutig:Alle alternativen Darstellungen der Nebenwirkungen waren deutlich besser verständlich als im Standardbeipackzettel. Während mit diesem nur 2 bis 3 Prozent der Teilnehmer die Fragen korrekt beantworten konnten, waren es mit den alternativen Formaten bis zu 82 Prozent. Eine dieser alternativen Darstellungen sehen Sie links.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Beipackzettel, wie wir sie heute kennen,haben gravierende Schwächen . Sie sind für Patientenund für Angehörige der Gesundheitsberufe nicht verständlich. Die Beipackzettel sind juristische Dokumente zur Absicherung der Hersteller, keine Patienteninformationen. Ob ein Arzneimittel eine Nebenwirkung verursacht, erfährt man nur durch den Vergleich, wie häufig die Beschwerden auch ohne Arzneimitteleinnahme aufgetreten wären.Diese Information sollte im Beipackzettel ergänzt werden. Bis dahin müssen Ärzte und Apotheker selbst die Studienergebnisse heraussuchen, um ihre Patienten gut zu beraten.
Um realistische Daten zu Nutzen und Schaden von Arzneimitteln zu bekommen,braucht es gute klinische Studien . An diesen sollten auch gebrechliche Patienten mit Begleiterkrankungen teilnehmen. In der Praxis ist das ja auch die Patientengruppe, die die meisten Arzneimittel einnimmt.

Alternative Darstellung der Nebenwirkungen im Beipackzettel eines fiktiven Arzneimittels „Suffia“ (Format: Faktenbox nach Schwartz und Woloshin)

Beispiel: Nebenwirkungen von „Suffia“

Wie alle Arzneimittel kann auch Suffia Nebenwirkungen haben. Dabei sind aber nicht alle unerwünschten Symptome auch zwangsläufig auf das Einnehmen von Suffia zurückzuführen. Unerwünschte Symptome können auch auftreten, wenn das Arzneimittel Suffia gar nicht eingenommen wird.

Kontakt: Dr. Viktoria Mühlbauer // Universität Hamburg // MIN-Fakultät, Gesundheitswissenschaften // Martin-Luther-King-Platz 6 // 20146 Hamburg // E-Mail: viktoria.muehlbauer@uni-hamburg.de


Fotos: ArtFamily - AdobeStock / benjaminnolte - AdobeStock

Foto: yavdat - AdobeStock