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Mit Ausdauer Gold gewinnen


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joblese - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 22.03.2022

Erste(r) beim Wettbewerb

Andreas M. Sattler, Jahrgang 1965, und Gründer von Faltin Sattler FSW Düsseldorf GmbH ist Wettbewerbsmanager. Vereinfacht ausgedrückt ist er eine Art Türsteher, der blitzschnell entscheiden muss, wer zu einem Vergabebzw. Wettbewerbsverfahren zugelassen wird und wer draußen bleibt. Vor sechs Jahren gab er dem competition-Magazin (das leider, leider nicht mehr erscheint) ein Interview. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die „door opener“, die Andreas Sattler zum Aufsperren der entsprechenden Tür bewegen.

Platz 1: Referenzprojekte

Der bis heute unveränderlich wichtigste Türöffner sind Referenzprojekte, Referenzprojekte und nochmal Referenzprojekte. Ähnlich wie es sich bei Bewerbungsverfahren verhält, bei dem das mögliche Gehalt mit den Jahren der Berufserfahrung steigt, erhöhen sich die Chancen auf eine Einladung zur Teilnahme am Wettbewerb mit der Anzahl der Referenzprojekte. ...

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Bildquelle: joblese, Ausgabe 1/2022

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Wir haben einmal ein Bewerbungsverfahren durchgeführt, bei dem Büros lediglich zwei Bilder ihrer besten Projekte einreichen sollten.

——— Andreas Sattler, Faltin+Sattler FSW Düsseldorf GmbH

Doch Masse allein reicht nicht, nach Erfahrungen von Andreas Sattler müssten diese so aufbereitet und im Netz auffindbar sein, dass sich die wichtigsten Inhalte innerhalb von einer Minute erfassen lassen. Die Bedeutung dieser leichten Auffindbarkeit unterschätzen immer noch viele Büros, die ihre Webseite eher zur Selbstverwirklichung einsetzen, anstatt es recherchierenden Wettbewerbsmanagern leicht zu machen. Diese wünschen sich Eckdaten auf der Webseite, die sofort ersichtlich sind, ohne lange danach suchen zu müssen. Dazu gehören die Bürogröße, Informationen zu den Mitarbeitenden sowie die Referenzen inklusive thematischer Gliederung und Bildmaterial. Dessen Wichtigkeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Wir haben einmal ein Bewerbungsverfahren durchgeführt, bei dem Büros lediglich zwei Bilder ihrer besten Projekte einreichen sollten“, berichtet Andreas Sattler. Mehr habe er gar nicht gebraucht, um die für ihn relevanten Informationen zu transportieren, die sich allein im optischen Eindruck widerspiegeln. „Das hat sehr gut funktioniert – aber es war sehr interessant zu sehen, dass manche Teilnehmer mit dieser Aufgabenstellung nicht klarkamen.“

Vergabeverfahren

Offener Wettbewerb

VOF-Vergabeverfahren mit offenem Planungswettbewerb

Diese Wettbewerbsform bedeutet für alle Beteiligten einen größeren Aufwand, bieten Bauherrn durch Konkurrenz der Ideen aber die bestmögliche planerische und wirtschaftliche Lösung.

Vorteile

× gleiche Zugangsmöglichkeiten für alle Teilnahmeberechtigten

× Qualität durch Vergleich einer großen Auswahl an Lösungsvorschlägen

× wirtschaftliche Lösung durch Ideenkonkurrenz und Vergleichbarkeit der Vorschläge

Nachteile

× Preise und Anerkennungen nur für prämierte Teilnehmende

× hohe Investitionen für Planungsbüros

× Bauherr hat keinen Einfluss darauf, mit wem er ins Verhandlungsverfahren geht

Nichtoffener Wettbewerb

VOF-Vergabeverfahren mit nicht offenem Planungswettbewerb

Nichtoffene Wettbewerbe bieten Bauherren und Teilnehmenden neben der Ideenkonkurrenz mehr Sicherheit und sind weniger aufwendig als der offene Wettbewerb, schließen aber viele Büros aus.

Vorteile

× durch Begrenzung der Teilnehmerzahl bleibt der Aufwand für den Bauherrn überschaubar

× der Bauherr hat die Möglichkeit, Teilnehmer zu bestimmen

× höhere Auftragschancen als beim offenen Wettbewerb durch Begrenzung der Konkurrenz

Nachteile

× hoher Aufwand auf Ausloberseite: Im Vorfeld muss ein Bewerbungsverfahren durchgeführt werden

× werden die Bewerbungshürden zu hoch angesetzt, wird die Mehrheit der Büros von Anfang an vom Verfahren ausgeschlossen

Verhandlungsverfahren mit Lösungsvorschlägen

VOF-Vergabeverfahren mit Planung

Dieses Verfahren bietet dem Bauherrn den Vorteil, Erfahrungen abzufragen und gleichzeitig über die besten Lösungsvorschläge zu verhandeln, ohne dass eine Pflicht zur Beauftragung besteht. Das Verfahren ist allerdings wegen der Honorarpflicht teurer als ein nichtoffener Wettbewerb.

Vorteile

× Bauherren müssen sich nicht zur Weiterbeauftragung verpflichten

× geringer Aufwand und wenige formale Erfordernisse

× Vergleichsmöglichkeit der Vorschläge

× erbrachte Vorplanungsleistung wird nach HOAI entlohnt

Nachteile

× in der Regel geringe Anzahl an Lösungsansätzen, da sich die Kosten für Honorare summieren

× keine Fachjury zur Optimierung der Aufgabenstellung

× bei zu hohen Bewerbungshürden werden viele Büros ausgeschlossen

Platz 2: Mitmachen

Competitionline stellt jährlich das Ranking der Wettbewerbs-und Ausschreibungsgewinner auf, im Jahr 2020 führte gmp Architekten die Liste der Gewinner an, auch RKW Architektur + oder HPP Architektur tummeln sich auf den vordersten Plätzen. Unter den Bauingenieuren zählen SBP, Leonhardt, Andrä und Partner sowie Werner Sobek zu den Platzhirschen auf den oberen Rängen. Welche Eigenschaft eint diese Büros?

Die Antwort erscheint banal: Sie alle sind fleißige Ausschreibungs-und Wettbewerbsteilnehmer, immer und immer wieder, auch nach Durststrecken, auch nach mehrfacher, unsanfter Landung auf dem undankbaren zweiten Platz. Nach Berechnungen von Competitionline braucht man für einen ersten Preis maximal zehn Wettbewerbsteilnahmen. Dranbleiben lautet also die Devise oder wie es Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten – ebenfalls immer wieder auf Top-Positionen vertreten – ausdrückt: „Mitmachen, was geht und umsetzen, was möglich ist.“

Platz 3: Ausdauer

Bär, Stadelmann, Stöcker investiert in „normale“ Projekte wie Grundschulen bis hin zu weiterführenden Schulen 200 bis 250 Stunden in den jeweiligen Wettbewerbsbeitrag. Bei größeren, mehrphasigen Wettbewerben, wie bei der Zentral-und Landesbibliothek in Berlin, schlagen auch mal 400 Stunden zu Buche. Neunmal verlieren, einmal gewinnen – angesichts des hohen Zeitkontingents tut Verlieren immer weh. Trotzdem sind diejenigen jenseits der Siegertreppe keine Verlierer. Im Gegenteil: Aus regelmäßigen Teilnahmen entsteht eine große Routine. In den meisten Gewinnerbüros arbeiten eingespielte Wettbewerbsteams, unterstützt von Entwurfstalenten, die den ganzen lieben langen Tag nichts anderes machen, als Wettbewerbshüter wie Andreas Sattler von ihren Ideen, optischen Eindrücken und Entwürfen zu überzeugen. Auf diese Weise können solche Teams auch immer auf aktuelle Unterlagen zurückgreifen, die frei von formalen Fehlern sind. So reduziert sich die Bearbeitungszeit von Bewerbungen auf ein Minimum. Und noch ein Vorteil ergibt sich aus der regelmäßigen Teilnahme im Ringen um den ersten Platz von Wettbewerben:

Vergabeverfahren

Verhandlungsverfahren ohne Lösungsvorschläge

VOF-Vergabeverfahren ohne Planung

Reine Verhandlungsverfahren ohne Planung sind für Bauherren und Planer weniger aufwendig. Geeignet für Planungsaufgaben ohne Gestaltung oder solche, bei denen die gestalterische Herausforderung den volkswirtschaftlichen Aufwand eines Wettbewerbs nicht rechtfertigt.

Vorteile

× geringer Aufwand und wenige formale Erfordernisse

× höhere Auftragschancen als beim offenen Wettbewerb durch Begrenzung der Konkurrenz

× geringerer Aufwand, aber auch keine Preise oder Anerkennungen

Nachteile

× Ideenfindung und Planungsleistungen müssen erst noch erbracht werden

× keine fachliche Unterstützung bei Beurteilung des Entwurfs

× keine Vergleichsmöglichkeit der kreativen Leistung

Wettbewerblicher Dialog

Anwendung, wenn sich die Aufgabenstellung vorher nicht definieren lässt

Wettbewerbliche Dialoge sind nur sinnvoll, wenn wichtige Parameter wie Standortwahl, die Frage der Nutzung, die rechtlichen oder finanziellen Konditionen im Rahmen des Vergabeverfahrens erst noch geklärt werden müssen.

Vorteile

× Bauherren und Teilnehmende können sich einer noch offenen Planungsaufgabe schrittweise annähern

Nachteile

× Rahmenbedingungen für die Auftragsvergabe werden erst im Laufe des Verfahrens geklärt

× großer Aufwand

× komplexes Verfahren

Nichtoffener Wettbewerb als Einladungswettbewerb (private Bauherren)

Der unter privaten Bauherren geläufigste Wettbewerb, geeignet für Planungsaufgaben, die nur für einen kleinen Kreis von Planungsbüros infrage kommt oder bei denen der private Bauherr auf einer Lösung aus einem bestimmten Teilnehmerkreis besteht.

Vorteile

× alle Teilnehmer werden dank Anonymität der Beiträge gleich und fair behandelt

× durch gesetzte Teilnehmende hat der Bauherr eine größere Sicherheit, dass erfahrene oder erwünschte Büros unter den Preisträgern sind

× Qualität durch Beratung (Preisgericht ggf. Verfahrensbetreuer)

Nachteile

× hohe Investitionen für Planungsbüros

× i.d.R. geringe Anzahl an Lösungsansätzen

× die exklusive Teilnahme durch Einladung steht der Chancengleichheit aller Marktteilnehmer entgegen

Erfolgreiche Büros mit Zugang zu interessanten Projekten ziehen Talente an, die wiederum mithelfen, im Marktwettbewerb bestehen zu können. Angesichts des Fachkräftemangels ist dieser Umstand nicht zu unterschätzen.

Platz 4: Persönliche Kontakte

Netzwerken ist bei der Auftragsakquise das A und O, heißt es. Ist es also klug, statt Projekte zu bearbeiten, lieber Veranstaltungen wie Messen oder Tagungen zu besuchen, um sich als Büro zu präsentieren? Wettbewerbs-Manager wie Andreas Sattler sehen das differenziert. „Wenn es sich ergibt, ist das o.k.“ Aber um sich ein Bild von möglichen Wettbewerbs-Kandidaten zu machen, nutzt Sattler das Internet. „Für uns ist es schlicht zu zeitaufwendig, Veranstaltungen zu besuchen.

Außerdem wollen wir in unserer Entscheidung, welche Büros wir für welche Verfahren vorschlagen, möglichst unabhängig bleiben. Die persönlichen Kontakte entstehen dann im Laufe der Verfahren.“ Neben einer hochwertigen Webseite mit gut aufbereiteten und schnell zu erfassen Informationen nimmt die Berichterstattung in Online-und Printmedien einen hohen Stellenwert ein. Auf Wettbewerbe fokussierte Büros sind also gut beraten, ihre Projekte in seriösen Fachmedien zu präsentieren. Es ist „Gold wert“, von diesen wahr genommen zu werden. Was für Wettbewerbsbetreuer gilt, sieht aus Sicht privater Bauherren allerdings anders aus. Wenn sie nach einem geeigneten Teilnehmerkreis Aus-schau für ihre Baumaßnahme halten, liegt der Schwerpunkt auf Empfehlungen durch Kollegen und Bekannte sowie auf Networking und dem Knüpfen persönlicher Kontakte im Rahmen von Veranstaltungen. Der Fokus liegt hier weniger auf Messen, vielmehr auf Tagungen zu bestimmten Fachthemen, wo man nicht nur seine Expertise unter Beweis stellen kann, sondern auch die Möglichkeit besteht, sich bei einer Tasse Kaffee kennenzulernen. Der berühmte Small-Talk, bei dem auch mal Privates, Fußball oder Politik auf den Tisch kommen, ist der „door-opener“ schlechthin.

Denn gerade private Bauherren, die freihändig vergeben, arbeiten gerne mit Gleichgesinnten zusammen. Schließlich gilt für alle, die sich im Wettbewerb mit anderen messen, sich möglichst breit aufzustellen. Das bedeutet auch Kooperationen mit anderen Büros. Um konkur-renzfähig zu bleiben, sollte man unbedingt mehrgleisig fahren und Leistungen anbieten können, die nicht unbedingt zum eigenen Portfolio gehört.

„Mitmachen , was geht und umsetzen , was möglich ist.“

——— Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten

Freihändige Vergabe mit/ohne Teilnahmewettbewerb

Die Vergabeform bedeutet für Bauherren und Planer wenig Aufwand. Geeignet für kleinere Planungsaufgaben.

Vorteile

× der schnellste Weg zum Kostenangebot und zum Planungsbüro

× höhere Auftragschancen durch Begrenzung der Konkurrenz

× geringer Aufwand, aber auch keine Preisgelder

Nachteile

× Ideenfindung und Planungsleistung müssen erst noch erbracht werden

× keine fachliche Unterstützung bei Beurteilung des Entwurfs durch ein Preisgericht

× keine Vergleichsmöglichkeit der kreativen Lösung

Mehrfachbeauftragung

Diese Art der Beauftragung bietet den Vorteil, Erfahrungen abzufragen und über unterschiedliche Lösungsvorschläge zu verhandeln. Geeignet für Planungsaufgaben, bei denen der Wunsch des Bauherrn nach größtmöglicher Entscheidungsfreiheit den Zwang zur Kostenminimierung überwiegt.

Vorteile

× Bauherren müssen sich nicht zur Weiterbeauftragung verpflichten

× geringer Aufwand und wenige formale Erfordernisse

× erbrachte Vorplanungsleistung wird nach HOAI entlohnt

Nachteile

× i.d.R. geringe Anzahl an Lösungsansätzen

× keine Fachjury zur Optimierung der Aufgabenstellung

× bei zu hohen Bewerbungshürden werden viele Büros ausgeschlossen

Nichtoffener Wettbewerb als kooperatives Verfahren

Wegen des hohen Aufwands sind kooperative Verfahren nur sinnvoll – aber dann auch extrem wichtig – wenn eine Aufgabe und ihre Ziele nicht eindeutig definiert werden können und Diskussionsbedarf besteht.

Vorteile

× Bauherren und Planer können sich einer noch offenen Planungsaufgabe schrittweise annähern

× Bauherr lernt den Planer im Laufe des Prozesses kennen

× Vergleichsmöglichkeit der Vorschläge

Nachteile

× nicht anonymes Verfahren

× hohe Investitionen in Planungsbüros

× komplexes Verfahren

× i.d.R. geringe Anzahl an Lösungsansätzen