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Mit Brief & Siegel?


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Leben & erziehen green - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 25.05.2022
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Bildquelle: Leben & erziehen green, Ausgabe 2/2022

Mehr als 1000 verschiedene Gütesiegel und Label für Waren und Dienstleistungen existieren in Deutschland. Gedacht sind sie als Unterstützung für den Verbraucher, sollen Orientierung beim Kauf geben.

Manche klingen grün und sehen nach Bio aus, unterliegen aber keinen gesetzlichen Vorgaben. Ähnlich verhält es sich mit bestimmten Begriffen, mit denen Produkte beworben werden. In unserem großen Green-Abc stellen wir euch eine Auswahl der bekanntesten Label vor – und ordnen ein, was von den einzelnen Zeichen zu halten ist.

A Aus der Region

Dieser Zusatz gilt als nicht vertrauenswürdig, weil der Begriff „Region” gesetzlich nicht definiert ist. So kann zum Beispiel Kaffee mit dem Begriff versehen werden, weil er in Deutschland geröstet wird, obwohl er aus Übersee kommt. Achtet besser auf konkrete Herkunftsangaben wie zum Beispiel „Uckermark“, auf das „Regionalfenster“ oder das Label „Geerntet in ...

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Dieser Zusatz gilt als nicht vertrauenswürdig, weil der Begriff „Region” gesetzlich nicht definiert ist. So kann zum Beispiel Kaffee mit dem Begriff versehen werden, weil er in Deutschland geröstet wird, obwohl er aus Übersee kommt. Achtet besser auf konkrete Herkunftsangaben wie zum Beispiel „Uckermark“, auf das „Regionalfenster“ oder das Label „Geerntet in Deutschland“.

ASC

Aquaculture Stewardship Council

Wurde 2010 u. a. vom World Wildlife Fund (WWF) gegründet und prüft weltweit Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen. Das Label gilt nicht als uneingeschränkt empfehlenswert, weil zum Beispiel bei der Fischfütterung gentechnisch verändertes Soja genutzt werden darf und es laut Naturschutzbund Deutschland zu schwache Vorgaben für den Medikamenteneinsatz gibt.

B Biologisch/ökologisch

„ Bio“ oder „Öko“ ist als Begriff in der EU gesetzlich geschützt. Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut.

Bio-Siegel

Das Bio-Siegel wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vergeben, es gilt als vertrauenswürdig. Die Bestandteile der Produkte, die landwirtschaftlich erzeugt werden, müssen, so wie beim EU-Bio-Siegel, zu mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen. Betriebe werden jährlich überprüft, es gibt unangemeldete Stichproben.

C CmiA

Cotton made in Africa ist eine Initiative der Aid by Trade Foundation, gegründet vom Hamburger Unternehmer Michael Otto. Ziele sind die Förderung des Umweltschutzes und die Verbesserung sozialer Lebensumstände in ärmeren Ländern, vor allem in Afrika. Es gilt als vertrauenswürdig.

D Demeter

Die Landbewirtschaftung des Bio-Anbauverbands Demeter gilt als eine der nachhaltigsten Formen. Ihre Richtlinien gehen über die Bio-Mindestkriterien der EU hinaus. Betriebe werden mindestens einmal jährlich geprüft. Das Label gilt als vertrauenswürdig.

Der Blaue Engel

Das Siegel wird seit 1978 vergeben, ist das weltweit erste Umweltzeichen und gilt als vertrauenswürdig. Inhaber ist das Bundesumweltministerium. Das Umweltzeichen soll Verbrauchern eine verlässliche Orientierung beim umweltbewussten Einkauf geben.

E Ecolabel

Die sogenannte EU-oder Euro-Blume gilt ebenfalls als vertrauenswürdig. Sie wird von der Europäischen Kommission für alle Produkte des täglichen Gebrauchs vergeben. Der Fokus bei der Vergabe liegt u. a. auf einem geringen Einsatz von Chemikalien, einem niedrigen Energie-und Wasserverbrauch sowie Abfallreduktion durch Recycling. Ausgezeichnete Produkte werden regelmäßig überprüft.

Energy Star

Das Label wird international für stromsparende Bürogeräte vergeben. Inhaber ist das US-Umweltbundesamt (EPA). Die Auszeichnung ist nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Hersteller führen die Prüfungen in eigener Verantwortung durch und bescheinigen selbst, welche Modelle den Energy-Star-Anforderungen genügen. Unabhängige Kontrollen sind nicht vorgesehen.

F Fairtrade

Labelinhaber ist der Dachverband FLO e. V. (Fairtrade Labelling Organizations International). Es steht für fair angebaute und gehandelte Produkte und gilt als vertrauenswürdig. Es kennzeichnet Güter, Waren, Unternehmen oder Initiativen, bei deren Herstellung festgesetzte soziale und teilweise auch ökologische Kriterien eingehalten werden müssen.

G GOTS

Der Global Organic Textile Standard gilt als vertrauenswürdig. GOTS kennzeichnet Produkte, die mindestens 95 Prozent biologisch erzeugte Naturfasern enthalten und in ökologischer Landwirtschaft produziert wurden.

Grün

Der Begriff „Grün“ unterliegt keiner gesetzlichen Vorgabe, ist somit nicht empfehlenswert. Er könnte auch nur auf die Farbe hinweisen, macht aber keine Aussage zu Inhalt und Herstellung.

Noch mehr Orientierungshilfe?

Der Bundesverband „Die Verbraucher Initiative e. V.“ hat mehr als 700 Siegel geprüft. label-online.de

K Klimaneutral

Klimaneutrale Produkte sollen dazu beitragen, die umweltschädlichen Treibhausgase nicht noch weiter zu erhöhen. Allerdings wird meistens kein CO2 eingespart, sondern nur kompensiert. Beispiel: Bei einer klimaneutralen Flugreise wird CO2 verursacht, allerdings zahlen die Passagiere Geld, das an ein Umweltprojekt geht, damit an anderer Stelle CO2 eingespart wird. Deshalb führt der Begriff ein wenig in die Irre, weil er suggeriert, dass man mit dem Kauf eines klimaneutralen Produktes der Umwelt etwas Gutes tut. Genau genommen ist es aber so, dass man der Umwelt nur nicht mehr schadet.

M Made in green

Die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie (OEKO-TEX) vergibt das Label. Hersteller müssen sozialverträgliche und sicheren Arbeitsbedingungen garantieren, es muss umweltfreundlich produziert werden. Alle Materialien sind auf Schadstoffe getestet. Organisationen wie Greenpeace bestätigen die hohen Ansprüche des Siegels. Es gilt als vertrauenswürdig.

N Nachhaltig

Der Begriff ist gesetzlich nicht geschützt. Jeder kann ihn verwenden. So behaupteten zum Beispiel einige Lebensmittelkonzerne, dass ihre Produkte „nachhaltiges Palmöl“ enthalten würden. Für den Anbau holzten die Lieferanten nach Informationen von Umweltorganisationen jedoch illegal Regenwald in Indonesien ab – was ganz und gar nicht umweltfreundlich ist.

Naturland

Der Verband für ökologischen Landbau e. V. vergibt dieses Label. Voraussetzung ist, dass bei Anbau und Verarbeitung von Nahrungsmitteln hohe ökologische Standards gesetzt und auch soziale Aspekte berücksichtigt wurden. Das Siegel gilt als vertrauenswürdig.

Neuland

Das Label des Neuland-Vereins für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung e. V. Zu den Mitgliedern gehören u. a. der Deutsche Tierschutzbund. Ziel ist, eine qualitätsorientierte, tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung zu fördern und die bäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen. Das Label gilt als vertrauenswürdig, es gibt aber Kritik: Beim Ackerbau zur Futtererzeugung dürfen konventionelle Dünge-und Pf lanzenschutzmittel eingesetzt werden, die beim Bio-Landbau verboten sind.

O Ohne Gentechnik

Das Label wird vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e. V. (VLOG) vergeben und gilt als nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Vermittelt wird, dass die Produkte gänzlich frei von Gentechnik seien, sie sind es aber nicht unbedingt. Denn bei der Erzeugung von tierischen Lebensmitteln dürfen die Tiere laut EG­ Gentechnik­Durchführungsgesetz bis zu einer bestimmten Frist mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Es gilt ein Grenzwert von 0,1 Prozent für Verunreinigungen mit Gentechnik.

Öko-Test

Vergeben wird das Siegel seit 1985 von der Öko­Test Verlag GmbH. Die Tests enthalten unter anderem Informationen über die Gebrauchstauglichkeit, über Garantien und andere Eigenschaften von Produkten und Dienstleistungen. Im Vordergrund der Untersuchungen steht der gesundheitliche Verbraucherschutz. Irreführend: Aspekte wie ökologische Landwirtschaft oder artgerechte Tierhaltung werden seltener berücksichtigt.

Q QS

Das QS­Prüfzeichen wird von der QS Qualität und Sicherheit GmbH vergeben, die von Verbänden aus der Land­ und Ernährungswirtschaft getragen wird. Es steht für geprüfte Qualitätssicherung bei frischen Lebensmitteln. Für alle teilnehmenden Betriebe gelten strenge Anforderungen, etwa zur Rückverfolgbarkeit oder zur Hygiene.

Kritik gibt es u. a. von der Organisation Foodwatch, die bemängelt, dass die nur einmal im Jahr durchgeführten Kontrollen nicht gewährleisten können, dass zum Beispiel die Haltungsbedingungen für Tiere tatsächlich besser seien.

R Recycelbar

Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt und ist oft irreführend, da er nicht bedeutet, dass das Produkt auch sicher recycelt wird.

S Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest wurde 1964 von der Bundesregierung gegründet und will Verbraucher über den Nutzen, die Qualität und teilweise über die Umweltverträglichkeit von Produkten und Dienstleistungen informieren. Ihr Urteil gilt als vertrauenswürdig.

T Tierschutzlabel – Für mehr Tierschutz

Das Label wird vom Deutschen Tierschutzbund e. V. vergeben. Ziel ist, die Tierschutzstandards und Haltungsbedingungen von Tieren in der Landwirtschaft zu verbessern. Kritik gibt es deshalb, weil das Label suggeriert, es stehe für zufriedene Tiere, vergeben wird es aber auch für Mastbetriebe. Nur in der Premium­Stufe ist zum Beispiel der Auslauf ins Freie Voraussetzung.

V Europäisches V-Label

Vergeben wird das Label in Deutschland vom ProVeg e. V. in den Ausführungen „vegetarisch“ oder „vegan“. Zwar dürfen bei den vegetarischen Produkten zum Beispiel keine Eier von Hühnern aus Käfighaltung verwendet werden, allerdings müssen die mit dem V ausgezeichneten Produkte nicht die Bio­Standards erfüllen.

Weiterer Kritikpunkt: Wegen einer Lücke in der Gesetzgebung könnten vegetarische V­Label­Produkte Eier oder Milch von Tieren enthalten, die gentechnisch verändertes Futter bekommen haben.

ANDREA LEIM