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Mit Charme und Strom


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 25.05.2022

City-E-Autos · Vergleichstest

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 12/2022

FOTOS Frank Ratering

MINI COOPER SE 184 PS/135 kW, 150 km/h, 15,6 kWh/100 km, 32.500 Euro

HONDA e Advanced 154 PS/113 kW, 145 km/h, 19,1 kWh/100 km, 38.000 Euro

FIAT 500 118 PS/87 kW, 150 km/h, 15,6 kWh/100 km, 31.990 Euro

Unsere Städte werden immer voller und enger. Daher bieten sich Kleinwagen für das mobile Bestreiten des urbanen Alltags mehr denn je an. Noch besser ist es, wenn das Fahrzeug lokal emissionsfrei seiner Wege geht – so wie im vorliegenden Fall Fiat 500, Honda e und Mini Cooper SE. Die drei flotten Elektro-Zwerge bringen charmantes Retro-Design mit zeitgemäßer verbrennerloser Technik unter einen Hut. Doch welcher dieser drei City-Flitzer bietet in der Summe das beste Gesamtpaket?

Karosserie

Mittlerweile eine der größten Herausforderungen gerade in unseren Großstädten ist die Suche nach einem Parkplatz. Mit ihren überaus kompakten Abmessungen – der Honda ist mit 3,90 Metern sogar ...

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... der längste Wettstreiter – passen alle drei in Lücken, vor denen die meisten anderen Verkehrsteilnehmer beschämt kapitulieren müssen.

Connectivity

Das Multimedia-Modul im Fiat 500 umfasst bereits im Serientrimm die wichtigsten Funktionen. Somit gehören neben dem obligatorischen Digitalradio DAB eine Navigationsfunktion sowie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Android Auto und Apple CarPlay zum Lieferumfang. Einzig eine induktive Ladefläche für geeignete Smartphones kostet extra. Der Aufpreis fällt mit 150 Euro allerdings sehr moderat aus.

Dass im Gegenzug keine S-Klasseartigen Platzverhältnisse erwartet werden dürfen, liegt auf der Hand. Am großzügigsten geschnitten ist der Honda. Vorn bietet er Platz auf Kompaktwagen-Niveau. Und auch der Fond ist geräumiger als bei den Wettbewerbern – zumal sich dieser durch die zusätzlichen Türen deutlich einfacher erreichen lässt. Der Fiat und der Mini sind schließlich reine Dreitürer.

Ein weiterer Vorzug des Japaners ist seine für einen Kleinwagen durchaus beeindruckende Sicherheitsausstattung. Zwar gehören autonome Bremssysteme mit Fußgängererkennung auch bei den anderen beiden zur Serienausstattung, einen intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzer, der sich an geltende Tempolimits anpasst, bietet der Honda e jedoch exklusiv. Ein Alleinstellungsmerkmal des Fiat ist eine Staufolgefunktion, während der Mini zumindest optional mit Matrix-LED-Scheinwerfern und einem Head-up-Display aufwartet.

Honda

Connectivity

Honda schickt seinen Elektriker ebenfalls mit vollständiger Infotainmentausstattung auf die Straße. Navigation, Smartphone-Anbindung und ein WLAN-Hotspot sind bei ihm serienmäßig enthalten. Damit letzterer funktioniert, muss jedoch ein Datenpaket hinzugebucht werden. Zwei kuriose Details: Der Honda e verfügt über eine 230-Volt-Haushaltssteckdose und eine HDMI-Schnittstelle unterhalb des Armaturenträgers.

Mini

Connectivity

Hinter der verspielten Retro-Anmutung des Infotainmentsystems im Mini Cooper SE verbirgt sich modernste Technik. Digitalradio DAB, Sprachsteuerung, Navigation, ein vollständiger Online-Zugang, Smartphone-Anbindung bis hin zu Remote-Funktionen gehören bei ihm zur Serienausstattung. Kostspielig wird es, wenn eine induktive Ladefläche für geeignete Smartphones gewünscht wird: Sie ist nur im 900 Euro teuren Connected Navigation Plus-Paket erhältlich.

Ein weiterer Vorzug des Mini ist die edle Innenraumanmutung. Seine Materialen wirken durchweg am hochwertigsten in diesem Umfeld. Zudem sind die verschiedenen Flächen am sorgfältigsten zusammengefügt. Außerdem bringt der Cooper die intuitivste Bedienung mit. Hier profitiert der Brite von seinem Mutterkonzern BMW, der auch im Mini das gewohnt durchdachte iDrive-System samt gut zur Hand liegendem Dreh-Drück-Steller installiert.

Fahrkomfort

Viel Gutes lässt sich zudem über die Sitze des Deutsch-Briten sagen. Serienmäßig verlässt der Mini das Werk mit Sportsitzen, die vielfach einstellbar und auch sehr bequem gepolstert sind. Darüber hinaus stellen sie im Gegensatz zu den weniger ausgeprägt konturierten und deutlich weicheren Stühlen der Wettbewerber reichlich Seitenhalt bereit.

Hinten hingegen sitzen – wie auch im Fiat – nur Kinder kommod. Im Honda fühlen sich Erwachsene auf langer Strecke aber ebenfalls nicht gänzlich wohl – was weniger am Platzangebot, sondern vielmehr an der tief montierten Rückbank liegt. Sie sorgt für stark angewinkelte Beine, was auf Dauer recht unbequem ist.

Dafür stellt der Honda den besten Federungskomfort bereit. Der Asiate liegt angenehm satt auf der Straße und spricht erheblich sensibler auf Unebenheiten an als der Fiat und der Mini. Darüber hinaus verarbeitet der Stadt-Floh sogar tiefere Fahrbahnschäden souveräner und beruhigt sich nach Anregungen umgehend wieder. Ganz im Gegensatz dazu der Fiat, der gerade bei kleineren Verwerfungen beinahe permanent Vertikalbewegungen aufweist.

Dafür lässt sich der 500 selbst von schwerem Gepäck kaum beeindrucken und vermittelt zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, mit sei- nen Federwegsreserven allzu schnell am Ende zu sein.

Was alle drei indes eint, ist ein durch das Fehlen von Verbrennungsgeräuschen seitens des Motors durchaus angenehmer Akustikkomfort. Dennoch gibt es hörbare Unterschiede. So blendet die Isolierung des Fiat am wirkungsvollsten die Abrollgeräusche der Reifen aus, während der Honda den Wind bei höheren Geschwindigkeiten am leisesten durchschneidet. Im Mini hingegen dringen Abroll- und Fahrwerksgeräusche vergleichsweise deutlich in den Innenraum.

Der Mini Cooper SE spurtet in nur 6,9 Sekunden auf Tempo 100

Dies kann man aber wohl auch auf den fortgeschrittenen Produktionszeitraum des kultigen Kleinwagens zurückführen. Schließlich ist er mit Abstand das älteste Fahrzeug im Test.

Motor / Getriebe

Die florierende Elektro-Mobilität setzt in vielerlei Hinsicht ein Umdenken voraus. Dies gilt gerade auch für das gelernte Vorurteil, dass mehr Leistung gleichbedeutend mit mehr Fahrspaß ist. Ein gutes Beispiel dafür, dass dieses Mantra sich längst überlebt hat, ist der Fiat 500. Nominell mit 87 kW oder eben 118 PS nicht sonderlich beeindruckend motorisiert, bietet der schmucke Italiener seinen Widersachern zumindest in der Stadt hartnäckig Paroli, sodass der auf dem Papier durchaus erwähnenswerte Leistungsunter-schied in der Praxis quasi nicht ins Gewicht fällt. Immerhin benötigt der Fiat nur 0,3 Sekunden länger, um aus dem Stand auf Tempo 50 zu beschleunigen. Auch Landstraßentempo erzielt der Cinquecento flott, nämlich nach 8,4 Sekunden. Dass der Honda diese Marke eine halbe Sekunde eher reißt, ist allenfalls eine Randnotiz wert. Lediglich der 135 kW starke Mini schafft es über Stadttempo hinaus, sich merklich abzusetzen.

Enttäuschend hingegen ist die Reichweite des britischen Elektrikers. Unseren praxisnahen Testverbrauch zugrunde gelegt, kommt der Cooper SE lediglich 185 Kilometer weit, ehe die Ladesäule zu einer Pause ruft. Da der Brite überdies nur mit gemächlichen 50 Kilowatt wieder auflädt, kann der Stopp auch gern eine längere Kaffeepause beinhalten.

Noch enttäuschender ist der Aktionsradius, den der Honda e offeriert – erst Recht vor dem Hintergrund, dass der Japaner von vornherein als reines Elektro-Auto konzipiert wurde und nicht moderne Technik in ein im Prinzip veraltetes Gerüst eingepfercht werden musste wie etwa beim Mini. Der Asiate kommt aufgrund des hohen Testverbrauchs von 19,1 Kilowattstunden je 100 Kilometer lediglich 180 Kilometer weit. Die Ladeleistung ist mit 56 Kilowatt ebenfalls mau.

Am ehesten geeignet, einen längeren Überlandausflug zu unternehmen, ist der Fiat 500. Dank des mit 42 Kilowattstunden fassenden größten Akku-Pakets im Test marschiert der Italiener immerhin 237 Kilometer weit, ehe die Energiereserven wieder aufgefrischt werden wollen. Entsprechende Stopps sind bei ihm wegen der tüchtigen Ladeleistung von 85 Kilowatt am schnellsten abzuhaken.

Der Mini lädt mit einer Leistung von lahmen 50 kW wieder auf

Fahrdynamik

Fahrspaß im Kleinwagensegment hat einen Namen: Mini. Kaum ein anderer Hersteller setzt bei seinen Modellen derart konsequent auf Fahrfreude wie die zur BMW Group gehörenden britische Marke. Das spürt man auch im batterieelektrischen Cooper SE nach wenigen Metern. Der mit 1,4 Tonnen noch recht leichte Stromer wuselt quirlig durch Wechselkurven und verwöhnt seinen Fahrer mit präziser Rückmeldung sowie angenehm kleinen Lenkwinkeln.

Somit überrascht es kaum, dass der Mini mit Abstand am schnellsten durch den Slalom wedelt. Dass er sich auf dem Handlingkurs jedoch dem 146 kg schwereren Honda geschlagen geben muss, liegt vor allem an der vergleichsweise schwachen Traktion.

Der Honda ist – obwohl mit Heckantrieb unterwegs – zwar ebenfalls kein Traktionswunder, fegt dafür aber mit großem Elan durch enge Radien. In verwinkelten Parkhäusern kommt ihm zudem sein besonders kleiner Wendekreis zugute. Kurioserweise ist der Asiate trotz der guten fahrdyna-mischen Anlagen, zu der auch die überaus standfeste Bremse gehört, im Slalom mit Abstand der langsamste Testkandidat. Das liegt zum einen an den sehr großen Lenkwinkeln und zum anderen am recht eifrig regelnden ESP.

Letzteres hat beim Fiat nur in den seltensten Fällen etwas zu tun. Zu ausgeprägt ist seine Traktion, zu neutral sein Fahrverhalten. Der Fiat bringt seine Kraft einfach besser auf die Straße als der Honda und der Mini und kennt Untersteuern allenfalls durch Erzählungen. Seine Achillesferse aber ist die Bremsanlage. Mit kalten Komponenten benötigt der Testwagen für eine Vollbremsung aus Tempo 100 glatte 36 Meter, mit warmer Anlage 36,7 Meter. Das konnte der 500er in früheren Tests schon besser.

Umwelt / Kosten

Wie üblich bei Elektro-Fahrzeugen könnte man sich von den hohen Einstandspreisen abschrecken lassen, schließlich sind 38.000 Euro Grundpreis, wie im Fall des Honda, sehr viel Geld für ein City-Vehikel. Nach Abzug der Förderprämie in Höhe von 9480 Euro, die sich aus einem Herstelleranteil und einer staatlichen Finanzspritze zusammensetzt, sieht die Sache jedoch schon deutlich freundlicher aus. Gleichwohl bleibt der äußerst umfangreich ausgestattete Japaner auch dann das teuerste Auto im Wettbewerb. Mit einem bewerteten Preis von 28.520 Euro liegt er heftige 6010 Euro über dem Fiat 500 und immer noch satte 4900 Euro über dem Mini Cooper SE.

Doch damit nicht genug: Dass der Honda e mit großem Punkterückstand Letzter im Kostenkapitel wird, hat noch drei weitere Gründe. Zum einen liegen die Energiekosten durch den vergleichsweise maßlosen Verbrauch auf einem höheren Level als bei den Rivalen von Fiat und Mini. Und zum anderen rangiert die Typklasseneinstufung für die Vollkaskoversicherung auf einem deutlich höheren Niveau, als dies bei den Konkurrenten der Fall ist. Zu guter Letzt müssen Honda e-Käufer mit dem höchsten Wertverlust rechnen. Nach vier Jahren büßt der schicke Japaner saftige 25.080 Euro ein – ausgehend vom Grundpreis ohne Abzug der Förderprämie, wohlgemerkt.

Der Honda ist nach Abzug der Förderprämie 6010 Euro teurer als der Fiat

Übrigens gewähren alle drei Hersteller acht Jahre Garantie auf die Batterien in ihren Elektro-Kleinwagen – unabhängig von der standardmäßigen Technikgarantie, die bei Honda und Mini drei Jahre umfasst und beim Fiat vier.

FAZIT

Marcel Kühler

Wendig, durchaus praktisch und bestens vernetzt: Der Honda e ist ein wirklich gelungenes Stadtauto, das durch seine angenehmen Fahreigenschaften auffällt. Allerdings ist seine Reichweite enttäuschend und der Preis sehr hoch. Daher sichert er sich lediglich die Krone in der Eigenschaftswertung und Rang zwei. Der Gesamtsieg geht an den Mini Cooper SE. Er ist mit seinem lebendigen Wesen und dem rasanten Vortrieb ein echter Mini. Umso erfreulicher, dass sich der Preis im Rahmen hält. Das gilt schließlich nicht für alle Mini-Modelle. Allerdings kommt der Cooper mit einer Batterieladung nicht sehr weit. Auf Rang drei landet der Fiat 500. Zu seinen Vorzügen gehören die im direkten Vergleich praktikabelste Reichweite und der schnellste Ladevorgang.