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Mit dem »Holzhammer « gegen Polen


FLUGZEUG CLASSIC - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 09.03.2020

Das Kampfgeschwader 2 »Holzhammer« war beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegen Polen mit dabei. Nun sind Fotos des Piloten Anton Wieners aufgetaucht, die die ersten Einsätze und die Maschine der Einheit zeigen: die Do 17 Z


Artikelbild für den Artikel "Mit dem »Holzhammer « gegen Polen" aus der Ausgabe 4/2020 von FLUGZEUG CLASSIC. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FLUGZEUG CLASSIC, Ausgabe 4/2020

Als die II./KG 2, zu der Anton Wieners gehörte, auf die Do 17 Z umrüstete, galt sie als der schnellste deutsche Bomber. Mit ihr erlebte er die Kämpfe über Polen und Frankreich. Hier ist die U5+CM zu sehen, die Teil der 4. Staffel des KG 2 war


Porträt von Anton Wieners. Aus seinem Nachlass stammen die Bilder


Feindlicher Treffer in einer der Do 17 des KG 2


Es ist der 1. September 1939. ...

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... Die Luft ist zum Zerreißen gespannt - sollte es zum ersten scharfen Einsatz gegen Polen kommen? Um 4:45 Uhr dann der Alarm, es war beschlossen. Die Piloten eilen zu ihren Dorniers Do 17 Z und starten umgehend. Am Himmel sammeln sie sich und suchen dann ihr Ziel auf: den Flughafen Brest-Litowsk. Als sie das Rollfeld sehen, werfen sie ihre Bomben ab. Damit beginnt für das KG 2 der Zweite Weltkrieg.

Einer der Piloten, der beim KG 2 den geschilderten Einsatz mit dem neuen Bomber flog, war Leutnant Anton Wieners. In diesem nun aufgetauchten Bildernachlass von ihm dreht sich alles um die damals neueste Bomberversion von Dornier, die Do 17 Z. Wieners gehörte zur 4. Staffel des KG 2 und damit zur II. Gruppe. Anfangs war seine Gruppe noch mit der Junkers Ju 86 ausgerüstet. Das änderte sich, als seine II. Gruppe des KG 252 am 1. Mai 1939 in II./KG 2 umbenannt wurde. Damit stieg sie praktisch zeitgleich auf die neue Do 17 Z um. Und die galt damals als der schnellste deutsche Bomber.

Wie die Bilder zeigen, war Wieners Staffel bereits mit der Do 17 Z ausgerüstet. Die als Hochdecker ausgelegte Do 17 war ein Bomber der ersten Stunde. Gegenüber der Vorgängerbaureihe hat Dornier das komplette Rumpfvorderteil für die vierköpfige Crew erneuert. Die Rumpfspitze aus Plexiglas bot jetzt gute Sicht nach vorn. Durch den allseitig verglasten Besatzungsraum verbesserte sich die Sicht für den Flugzeugführer und Beobachter deutlich. Was allerdings blieb, waren die zwei luftgekühlten Bramo-323-Triebwerke mit jeweils 1050 PS Startleistung.

In enger Formation fliegen diese beiden Do 17 leicht höhenversetzt. So kann, trotz der Hochdeckerbauweise, die tiefer fliegende Besatzung die andere Do 17 gut im Auge behalten


Die Bombenwarte beladen die Do 17 mit 50-kg-Bomben


Essen unter freiem Himmel. Spartanisch löffelte man die Ration aus dem Henkelmann


Liegen hier schon die nächsten Angriffspläne auf dem Tisch? Hermann Göring, hier noch als Generalfeldmarschall (Zweiter von links), studiert mit einer Zigarre in der Hand die Karten


Warum nicht? Den in Holzkisten verpackten Nachschub aus der Junkers Ju 52 transportiert die Bodenmannschaft ebenfalls mit dem Bombenwagen


Blick nach vorn durch das Fadenkreuz der Bordwaffe. Die Motoren laufen auf Hochtouren. Der Start mehrerer Do-17- Bomber steht unmittelbar bevor


Wenn das Wetter mitspielte, hatte der Pilot eine tolle Sicht aus der neuen Kanzel der Do 17


Motorenreparatur der extremen Art. Auf dem Bauch direkt auf der Propellerhaube liegend, arbeitet der Motorenwart an dem Bramo-Sternmotor


Die Flugleistungen hielten sich mit diesem Antrieb in Grenzen. Bei einem Abfluggewicht von 8,6 Tonnen brachte es die Do 17 auf maximal 425 km/h in fünf Kilometer Höhe. Darüber machten die Motoren schlapp. Bei diesem Gewicht stieg die Maschine nur auf knapp sieben Kilometer Höhe. Maximal eine Tonne Bomben fand in ihrem Rumpf Platz, die Reichweite mit gedrosselten Motoren lag bei 1910 Kilometern.

Dazu kam noch eine dürftige Abwehrbewaffnung von nur drei MG 15: ein nach vorn schießendes MG 15 in der rechten vorderen Scheibe sowie zwei nach hinten feuernde und in Linsenlafetten gelagerte MG im B- und C-Stand. Das kritisierte man schon vor dem »Polenfeldzug«, und man sollte recht behalten. Mit diesen Bombern flog die Gruppe ihre ersten Kampfeinsätze gegen Polen. Die Einheit war nicht allein, neben der I./KG 2 gehörten auch noch die Stabsstaffel sowie der Stab/KG 2 dazu.

Im »Polenfeldzug«

Nachts um 2 Uhr erschallte am 1. September 1939 der Alarm. Um 4:45 Uhr startete die II./KG 2 von Schippenbeil aus in den Kriegseinsatz. Kette auf Kette startete. Das Einsatzziel war der Flugplatz Brest-Litowsk. Doch bevor man sich als geschlossener Verband aufmachen konnte, war Sammeln in fünf Kilome- ter Höhe angesagt. Der Coup gelang, und die Bomben zerstörten das Rollfeld und neun Flugzeuge am Boden. Die gegnerische Flak traf eine Do 17 in der Kraftstoffanlage, woraufhin diese auf polnischem Gebiet notlanden musste. Am ersten Kriegstag startete die Gruppe noch einmal gegen einen weiteren Flugplatz. Bald änderte sich aber der Schlachtplan, denn das KG 2 musste die 3. Armee unterstützen, die die Polen zum Stehen gebracht hatten. Ab jetzt bombardierte die Einheit feindliche Stellungen am Boden und es ging darum, das Heer durch Angriffe auf Bunkeranlagen oder feindliche Positionen unmittelbar zu unterstützen. Am 11. September ging sie wieder zum operativen Luftkrieg über und flog gezielt Einsätze gegen Eisenbahnlinien im ostpolnischen Raum. Mit dem Einmarsch der Sowjets am 17. September in Ostpolen endete die erste Kriegsphase für das KG 2.

Bomben größeren Kalibers oder, wie hier, Versorgungsbomben musste man mit dem Bombenwagen heranziehen. Diese Do 17 besitzt die beiden Seiten-MG und vorn das zusätzliche MG nach schräg unten


Sicherlich gab es hier einen triftigen Grund zum Feiern. Nach erfolgreichen Einsätzen trank man schon mal die ein oder andere Flasche Bier


Nach dem »Polenfeldzug« traf Mitte September 1939 der Befehl für die II./KG 2 ein, in die Heimat zu verlegen. Über Liegnitz ging es dann am 4. Oktober weiter nach Schweinfurt. Anfang November verlegte sie wieder nach Fürth. Dort blieb die Gruppe für vier Monate, bevor sie dann Anfang Februar 1940 nach Ansbach gelangte. Mit Ausnahme vom 19. bis Ende April, wo die Gruppe kurzzeitig auf dem Platz Großostheim verweilte, blieb Ansbach bis zum 10. Mai der Liegeplatz der Einheit. Das kurzzeitige Verlegen auf andere Plätze hatte System. Man wollte erproben, wie schnell sich einzelne Staffeln an andere Platzverhältnisse anpassen konnten. Das betraf ja nicht nur die Flugzeuge und deren Besatzungen, sondern auch das Bodenpersonal. Nur so konnte man erreichen, dass für die kommenden Einsätze die Gruppe bestens vorbereitet und gerüstet war. Natürlich flog das KG 2 auch immer wieder notwendige Übungseinsätze.

Katastrophenflug

Bei einem dieser Flüge am 16. April 1940 vom Platz Ansbach aus kam es zur Katastrophe: Leutnant Anton Wieners, unser Bildgeber, flog in seiner Do 17 Z, U5+M, südlich von Ansbach im Tiefflug, als er den Boden berührte. Wieners wurde verletzt - wie schwer, wissen wir nicht. Er war da schon Leutnant und dürfte wohl auch die Einsätze in Polen mitgeflogen haben. Mit in seiner Maschine saßen auch zwei Mann vom Bodenpersonal, beide trugen ebenfalls Verletzungen davon.

Der Flieger Karl Hahn schwebte nicht in Lebensgefahr, aber den anderen Mitflieger, Flugzeugwart Feldwebel Ludwig Ommerborn, hatte es schlimmer erwischt. Er verstarb wenig später, am 23. April 1940, im Lazarett. Die Do 17 war nur noch Schrott. Aber Wieners Wunden heilten und er kam wieder zur Staffel zurück. Wann genau, ist leider nicht bekannt.

Neue Waffen

Die Einsätze über Polen hatten Konsequenzen. Die Abwehrfeuerkraft der Do 17 Z erwies sich mit nur drei MG als viel zu gering. Gegen seitlich angreifende Jäger gab es gar keinen Schutz. Die Truppe behalf sich im Februar 1940 selbst und rüstete erstmals ein viertes MG in der Kanzel nach, um Ziele schräg unten zu beschießen. Aber nicht nur das …

Um bei künftigen Kämpfen den schnelleren Feindjägern mit mehr Feuerkraft im Westen etwas entgegensetzen zu können, kam der Gedanke auf, die eigene Feuerkraft zur Seite und nach hinten zu verstärken. Die Do 17 Z erhielt deshalb erstmals zwei Seiten-MG und bessere Lafetten am Boden-MG. Damit war man beweglicher und das Schussfeld größer. Der Bordmechaniker, der diese Waffe im C-Stand zu bedienen hatte, konnte so praktisch parallel zum Rumpf nach hinten schießen, ohne dabei selbigen zu treffen, was zuvor noch möglich war. Wie die Geschichte von Anton Wieners, der KG 2 und der Do 17 Z weiterging, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Flugzeug Classic.

Quelle (Auswahl):

Balke, Ulf: Der Luftkrieg in Europa 1939- 1941 - Die Einsätze des KG 2 gegen Polen, Frankreich, England, auf dem Balkan und in Rußland. Augsburg 1997

Sehr wichtig für die Bordschützen: das Testschießen auf freiem Feld. Der Feldstecher dient dazu, das Ergebnis zu kontrollieren


Ob das nur eine Übung oder bereits der Ernstfall war? Helfer bringen die Verletzten mit Liegen zu einer Ju 52


Fotos Sammlung Christian Schulz