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MIT DER LIZENZ ZUM TÖNEN


Audio Video Foto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

Plattenspieler

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DUAL CS 418

DUAL CS 518

Der Name Dual bedeutet „zweifach“ oder „doppelt“ und verweist auf einen Grammophon-Antrieb, den der traditionsreiche Hersteller aus dem Schwarzwald einst baute: eine Art Hybrid, der sowohl mit Federwerk als auch mit Elektromotor Musik machen konnte.

In den vergangenen Jahrzehnten machte Dual seinem Namen aber noch auf andere Weise Ehre: Zwei Firmen nutzten den Markennamen Dual, es gab zwei ähnliche, aber nicht identische Logi – und zwei grundverschiedene Produktsortimente. Die Dual GmbH in Landsberg hielt und hält die Namensrechte, bot damit aber lediglich Einfach-Spieler und andere preiswerte Unterhaltungselektronik an.

Die gehobenen Hi-Fi-Plattenspieler dagegen baute die Firma Fehrenbacher am historischen Dual- Standort St. Georgen mit einer Lizenz der Landsberger. Diese Lizenz ist nun abgelaufen. Fehrenbacher arbeitet zwar weiter – nur eben nicht mehr unter dem ...

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... Namen Dual. Der steht nun auf dem neuen CS 418 und seinem großen Bruder CS 518 – den ersten wirklich ambitionierten, „eigenen“ Spielern der Dual GmbH. Langjährige Fans der Marke müssen dabei erst mal einen Frosch schlucken: Die neuen Modelle stammen nicht mehr aus dem Schwarzwald, sondern werden bei einem großen Spezialisten in Taiwan zusammengebaut. Was der Qualität keineswegs abträglich sein muss, wie der Test zeigt.

Stabile Technik unter Holzoptik

Die beiden neuen CS-Modelle kommen in Doppelkartons und wirken beim ersten Anfassen grundsolide. Eine schöne Acrylhaube mit Federscharnieren ist serienmäßig dabei und begrüßt den neuen Besitzer beim Auspacken zuerst. Hat der Vinyl-Fan dann den eigentlichen Spieler von Styroporschalen und Schutzfolien befreit, steht da ein griffiges und verwindungssteifes Ge­rät. Das konnten frühere Duals, egal aus welcher Ära und Preisklasse, definitiv nicht besser. Die komplette Zarge – also Boden, Decke und alle vier Seitenwände – lässt Dual aus 12,5 Millimeter starker mitteldichter Faserplatte (MDF) schreinern und mit MDF-Blöcken in den Ecken und entlang der Kanten versteifen. So stehen Tonarm und Plattenteller auf einer sicheren, von keinerlei Vibrationen beeinträchtigten Basis, deren Holzoptik allerdings nur aus aufgeklebtem Plastik besteht.

Neben der Zarge sind auch Plattenteller und Antrieb beider Modelle identisch: Ein mit 600 Gramm sehr leichter, aber präzise rund laufender Teller aus Alu-Guss trägt die Platte auf einer Gummimatte. In Rotation versetzt ihn ein kleiner Gleichstrom-Motor über einen Flachriemen. Diese schnell drehenden Motörchen sind typisch für bezahlbare Plattenspieler, und meist hinterlassen sie Laufgeräusche im Musiksignal – selten wirklich laut, aber fast immer wahrnehmbar, etwa in Musikpausen oder sehr leisen Passagen.

Sehr gute Laufruhe

Dual-Entwickler Alfred Langer ist es bei den neuen 18er-Modellen gelungen, die Motorgeräusche mit einfachen Mitteln praktisch verschwinden zu lassen: Er lagert den Motor mit einer soliden Montageplatte auf drei straffen Gummidämpfern und platziert ihn an einer ungewöhnlichen, aber strategisch klug gewählten Position: Statt wie üblich links hinten sitzt der Motor links vorne unter der Zarge. Das schwächt potentielle Störungen, die über den Riemen zum Teller wandern, deutlich ab, weil sie nun aus einer Richtung kommen, in der der Tonabnehmer akustisch praktisch „blind“ ist.

Diese Motoranordnung kostete den Hersteller nur Hirnschmalz, doch für das Tellerlager muss er richtig Geld hinlegen: Mit zehn Millimetern hat es ein außergewöhnlich großes Kaliber, und seine Stahlachse dreht sich in ihrer Messingbuchse geschmeidig. Beide Plattenspieler laufen denn auch auffallend kultiviert: Selbst bei weit aufgedrehter Lautstärke gelangen zwischen zwei Stücken wirklich nur das Eigenrauschen der Vinyloberfläche sowie presstechnisch bedingte Nebengeräusche ans Ohr. Bei 45 Touren surrt das Motörchen schon deutlicher, obwohl es nur 36 Prozent schneller drehen muss – auch das ein Hinweis auf eine präzise Optimierung aller Antriebsteile auf den kritischsten Anwendungsfall: LPs bei 33 Umdrehungen. 45er-Singles sind selten geworden, und in manchen Sammlungen fehlen sie komplett. Zudem liefern 45er-Scheiben generell höhere Pegel und damit bessere Störabstände.

Hochwertiger Tonabnehmer

Auch 78 Umdrehungen lassen sich auswählen. Platten, die diese hohe Drehzahl brauchen, sind in aller Regel Schellack-Scheiben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und für solche Antiquitäten müsste man auch die Abtastnadel wechseln. Tatsächlich gibt’s für den serienmäßigen Tonabnehmer der Duals eine Austauschnadel namens 2M 78, die den erforderlichen, extradicken Nadelschliff mit 65 Mikrometern (µm) Verrundung, statt der üblichen 18 µm, aufweist.

Moderne Platten – also ziemlich alle seit den frühen 60er-Jahren – sind mit dem Seriensystem bestens versorgt: Im CS 418 sowie im CS 518 ist ein Ortofon 2M Red montiert. Es gehört zu den beliebtesten Erstausrüstungen und dient auch in weit teureren Spielern als Tonabnehmer. Wer seinen Dual später aufwerten will, kann beim nächsten Nadelwechsel die noch feiner abtastende Blue-Nadel nachrüsten. Aber bereits im Serienzustand überzeugten die beiden Spieler klanglich voll und ganz.

100 Euro für den Kardan-Arm

Aber wieso ist nun der CS 518 100 Euro teurer, wo er sich doch in Teller, Zarge, Motor und Tonabnehmer nicht vom CS 418 unterscheidet? Den Unterschied macht der Tonarm, genauer gesagt: das Tonarmlager. Denn gewissermaßen als Verbeugung vor den klassischen Dual-Konstruktionen der 70er-Jahre hat der CS 518 einen vollkardanisch aufgehängten Arm: Vertikal wie horizontal eingespannt in jeweils zwei Präzisions- Kugellagern, bewegt sich sein neun Zoll langer Ausleger praktisch widerstandslos, aber dennoch vollständig spielfrei. Genauigkeit und Leichtlauf liegen mühelos auf dem Niveau guter tschechischer oder britischer Tonarme, und auch die alten deutschen Vorbilder waren in diesem Punkt nicht besser.

Nostalgiker könnten bemängeln, dass die Auflagekraft beim CS 518 „nur“ statisch, also durch entsprechendes Verstellen des Gegengewichts justiert wird. Die klassischen Dual-Arme nutzten dafür noch raffinierte Federmechanismen, um die Massenträgheit möglichst gering zu halten. So ein Federmechanismus würde in der Herstellung jedoch viel Geld verschlingen, das anderswo eine größere klangliche Ausbeute bringt. Außerdem spielt die Massenträgheit des Arms heute keine Rolle mehr, weil nahezu alle aktuellen Tonabnehmer für mittelschwere – und eben gerade nicht ultraleichte – Arme optimiert sind.

Der kleine Bruder CS 418 verzichtet zwar auf die elegante Kardan-Anordnung zugunsten eines eher konventionellen Y-förmigen Lagerjochs. Er schwenkt aber praktisch mit der gleichen Präzision über die Platte wie der aufwendigere 518er-Arm.

Auch die Passgenauigkeit der abnehmbaren Headshell, also der Montageplatte für den Tonabnehmer, ist bei beiden Armen vorbildlich: Einmal behutsam mit zwei Fingern angezogen, hält die Klemmung bombenfest und wackelfrei. Andererseits ist sie bei Bedarf schnell wieder gelöst und erleichtert damit deutlich den Tonabnehmerwechsel.

So macht Genauigkeit Spaß

Die mechanische Festigkeit und Genauigkeit schlägt sich im Klang beider Spieler nieder, die im Hörtest gegen den Pro-Ject Debut Carbon Evo (Testsieger in Ausgabe 3/2021) antraten. Der Pro-Ject ist einer der klangstärksten aktuellen 500-Euro-Spieler und ab Werk mit dem gleichen Tonabnehmer ausgerüstet wie die Duals. Er klang jedoch ganz anders: insgesamt weicher, mit natürlicheren Klangfarben und einem etwas fülligeren Bass.

Der Dual CS 518 hatte im direkten Vergleich aber auch Stärken: Spielten etwa viele Instrumente gleichzeitig, bewahrte er mehr Übersicht und Durchblick – er machte es dem Hörer leichter, seine Aufmerksamkeit auf einzelne Elemente im Klangmix zu fokussieren. Bei etwas schlankerem Bass wirkte der große Dual kerniger, präsenter als der Pro-Ject – was da nun besser gefällt, ist aber Geschmackssache: Freunde des ganz leicht romantisierenden Pro- Ject könnten den Dual als zu vordergründig empfinden. Umgekehrt dürfte der Pro-Ject einem Fan des straffen Dual-Timings zu passiv erscheinen. Aber das ist schon ein Abwägen auf sehr hohem Niveau – hinter dem auch der CS 418 nur ganz knapp zurückbleibt: Der günstigere der beiden Duals ähnelt dem großen frappierend, zeichnet aber einen geringfügig engeren, nicht ganz so akkurat gegliederten Raum vor und zwischen die Boxen.

Mit integriertem Vorverstärker

Was beide Duals dem Pro-Ject voraus haben, ist ihr eingebauter Phono-Vorverstärker, der sie von Verstärkern mit speziellen Phonoeingängen unabhängig macht: Wer den Wahlschalter am Heck auf „Line“ stellt, kann die Dual-Plattenspieler an jeden CD-, Aux-, Line- oder sonstigen Hochpegeleingang anschließen – und büßt gegenüber hochwertigen Phonoeingängen nicht mal viel Klangqualität ein.

Komfort indes ist bei keinem der Kandidaten ein Thema: Der Silikon-gebremste Tonarmlift ist hier wie dort die einzige Bedienhilfe. Wer einen Vollautomaten sucht, muss aber nicht verzagen: Auch damit wird Dual bald wieder dienen können.

[br]

FAZIT

Dual verabschiedet sich aus dem Schwarzwald, baut aber weiter richtig gute Plattenspieler. Mit Blick auf die Preise ist der CS 418 das bessere Angebot, inklusive gutem Ortofon- Abtaster verwöhnt er mit souveränem und sauberem Klang. Der CS 518 klingt noch packender und bietet mit seinem aufwendigeren Tonarmlager auch mehr fürs Auge.