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Mit der NATUR gebaut!


Zuhause Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 04.09.2019

Natürliche Baustoffe und ein gesundes Raumklima sind nur zwei Aspekte: Wie Sie sich vom Keller bis zum Dach ein nachhaltiges Zuhause schaffen, erfahren Sie auf den folgenden Seiten


slowLIVING TEIL 2 Gesund wohnen

Artikelbild für den Artikel "Mit der NATUR gebaut!" aus der Ausgabe 10/2019 von Zuhause Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Zuhause Wohnen, Ausgabe 10/2019

GUTES GEWISSEN Dank eines wohngesunden und nachhaltigen Zuhauses wohnt es sich sehr entspannt


slow LIVING TIPP


Ehrliche Materialien, wie Vollholz oder Kalkputz, haben eine lange Lebensdauer – und entwickeln mit der Zeit eine schöne Patina


Die Leitlinien der Baubiologie

Neben der umweltfreundlichen und schadstoffminimierten Erstellung von Gebäuden beschäftigt sich die Baubiologie mit der Beziehung ...

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... zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt. Das IBN (siehe Interview rechts) hat dafür insgesamt 25 Leitlinien in fünf Kategorien aufgestellt.

Umwelt, Energie & Wasser
Es sollte u. a. darauf geachtet werden, den Energieverbrauch zu minimieren,erneuerbare Energiequellen sowie Materialien und Wirtschaftskreisläufe mitbestmöglicher Ökobilanz zu wählen und füroptimale Trinkwasserqualität zu sorgen.

Öko-sozialer Lebensraum
Wichtig ist es hierbei z. B. auf einegute Nutzungsmischung und kurze Wege im Alltag zu achten,ausreichend Grünflächen vorzusehen, die Nah- und Selbstversorgung zu stärken,regionale Dienstleister und Lieferanten einzubinden sowie ein Baugrundstück zu wählen, das nicht durch Altlasten, Strahlenquellen, Emissionen und Lärm belastet ist.

Raumausstattung & Baustoffe
Ziel ist es, auf geringe Neubaufeuchte zu achten sowieRaumakustik und Schallschutz zu optimieren,schadstofffreie, feuchtigkeitsausgleichende Materialien mit geringer Radioaktivität zu verwenden und eine ausgewogeneWärmedämmung und -speicherung sowieOberflächen- und Raumlufttemperatur zu gewährleisten.

Raumgestaltung & Architektur
Angestrebt wird,harmonische Proportionen und Formen zu verwenden,Sinneseindrücke wie Riechen und Tasten zu fördern, aufnaturnahe Lichtverhältnisse und Farben zu achten,flimmerfreie Leuchtmittel einzusetzen,physiologische und ergonomische Erkenntnisse zu berücksichtigen und dieregionale Baukultur und Handwerkskunst zu stärken.

Innenraumklima
Hier geht es darum, Reiz- und Schadstoffe zu reduzieren, ausreichendFrischluft zuzuführen, Schimmel- und Hefepilze, Bakterien, Staub und Allergene zu vermeiden,neutral- oder wohlriechende Materialien zu verwenden, elektromagnetische Felder und Funkwellen zu minimieren undStrahlungswärme zur Beheizung zu bevorzugen.

KLICK-TIPPS ZUM GESUNDEN BAUEN

www.baubiologie.net
Hier informiert der Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB zum Tätigkeitsfeld, bietet ein Gesünder-Wohnen-Telefon sowie eine PLZ-Suche nach Baubiologen in Ihrer Nähe

www.eggbi.eu
Die Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene EGGBI hat u. a. über 50 Gütezeichen für Baustoffe und Produkte für das Wohnumfeld ausgewertet

www.energiefoerderung.info
Ermöglicht (wie auch die Fördermitteldatenbank auf www.foerderdata.de) die Suche nach bundesweiten und regionalen Förderprogrammen fürs Bauen und Sanieren. Weitere Infoquellen für Förderungen: www.kfw.de und www.bafa.de/energie

LANGLEBIG UND BEZAHLBAR

Winfried Schneider (Foto), Leiter des Instituts für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN in Rosenheim, weiß, was beim gesunden und nachhaltigen Bauen wichtig ist

Was macht wohngesundes Bauen aus?
Es soll ein Wohn- oder Arbeitsumfeld entstehen, in dem man gesund bleibt, sich bezüglich Raumklima und ästhetischer Kriterien wohlfühlt, das aber auch im Sinne sozialer Aspekte ein gutes Zusammenleben ermöglicht – und bezahlbar ist.

Was sind die Herausforderungen?
Durch den ganzheitlichen Ansatz sind viele Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Wenn man das mit Erfahrung und guter Koordination schafft, ist baubiologisches Bauen einfach – und soll es sein. Wir wollen langlebige und bezahlbare Gebäude ermöglichen. Kompliziertes Bauen ist nur fehleranfällig und teuer.

Viele Menschen leiden an Allergien – auch auf Tierhaare oder andere natürliche Materialien. Was dann?
Baubiologen wissen um Schadstoffe, aber auch, dass es Allergien auf natürliche Materialien, wie z. B. Naturharzöle oder Holz, gibt. Schon im Sinne der Vorbeugung ist ihr Know-how hilfreich. Im Idealfall empfiehlt sich ein koordiniertes Vorgehen zusammen mit Haus- und Fachärzten sowie Umweltmedizinern.

Wo kann man beim gesunden Bauen am ehesten Kompromisse eingehen?
Im Schlusssatz unserer „25 Leitlinien der Baubiologie“ steht die „Optimierung im individuell machbaren Rahmen“ – es geht also immer um den bestmöglichen Kompromiss im Einzelfall. Was für den einen wichtig ist, ist für den anderen verzichtbar.

Und das Thema Smarthome?
Die einen wünschen Hightech-Lösungen, die anderen möchten Technik eher reduzieren. Wir raten eher zum „Abrüsten“. Wer ein Smarthome möchte, sollte die Planung und Ausführung vom Baubiologen begleiten lassen, um den Elektrosmog zu minimieren.

5 Basics für Bauherren

Hier eine Übersicht zu relevanten baubiologischen Aspekten, die in die Planung eines Neubaus einfließen sollten:

1. Standort & Umgebung
Klima, Topografie, Orientierung des Grundstücks zu denHimmelsrichtungen, Bodenbeschaffenheit und Vegetation sind ebenso zu berücksichtigen wie dieNachbarbebauung undInfrastruktur: Wie stark ist das Gebäude den Elementen ausgesetzt? Wie gut leitet und speichert das Erdreich Wärme? Oder auch: Wie stark versiegelt ist die Umgebung?

2. Geschosse & Grundriss
Geschosswohnungsbauten benötigen weniger Baugrund pro Bewohner als Einfamilienhäuser. Daher gilt zu prüfen,wie viele Räume in welcher Größe benötigt werden.Je kleiner der umbaute Raum, desto geringer der Eingriff ins Erdreich oder die Menge und Transportwege der Baustoffe. Tipp: Eherquadratische Räume wirken größer als schmale und bieten mehr Möglichkeiten der Möblierung.

3. Ausrichtung der Räume
Alle Räume sollten der Nutzung und demBedarf an Tageslicht und Wärme entsprechend ausgerichtet sein: Arbeitsplätze nach Norden, Schlafzimmer nach Osten, Wohnräume nach Süden und Westen, Kinderzimmer nach Süden.

4. Öffnungen in der Fassade
Der verglaste Anteil einer Fassade sollte sich an derFunktion der jeweiligen Räume orientieren, die Fenster sollten dasTageslicht tief in den Raum fallen lassen. Dafür ist vor allem der obere, deckennahe Bereich verantwortlich.

5. Keller & Dach
Ein Keller bedeutet Mehrkosten für Aushub, Bau und Erschließung und einen Eingriff in die Natur. Für die meisten Nutzungen sind ebenerdige Räume ebenso gut geeignet,Naturkeller – wo möglich – eine Alternative zu Beton. Dachform und -neigung hängen v. a. von der regionaltypischen Bauweise bzw. dem Bebauungsplan ab. Grundsätzlich sindalle Dachformen möglich, egal, aus welchem Material das Gebäude besteht. Je nachDachneigung eignen sich z. B. Holz, Naturstein, Ton oder Schilf für die Deckung.

AUSSICHTSREICH Großzügige Dachfenster verbessern die Aussicht und den Tageslichteinfall. Dachfenster „Quartett“, kombinierbar mit außen oder innen liegendem Sonnenschutz. Ab ca. 2.247 Euro (Velux)


SlowLIVING TIPP


Ein unschlagbares Trio für wohngesunde Gebäude: Strohballen als Baustoff, ein Innenputz aus Lehm und ein Außenputz aus Kalk


Natürliche Baustoffe für die Hülle

Nachwachsende sowie mineralische, d. h.in der Natur vorkommende Baustoffe zeichnen sich durch einelange Lebensdauer und günstige Folgekosten in Bezug auf Pflege, Wärmeverhalten und ihre Erneuerung aus. Über die Energie, die für die Beschaffung und Verarbeitung benötigt wird, entscheidet u. a. ihre Herkunft: Am besten stammen die Materialienaus dem unmittelbaren Umfeld der Baustelle und wurden ohne zweifelhafte Zusätze möglichstunbehandelt und naturbelassen verarbeitet. Dann können sierecycelt, kompostiert oder wiederverwendet werden.

BAUHOLZ …

… benötigt wenig Energie in der Verarbeitung. Nadelholz ist relativ leicht und fest und kann so in Dachstühlen weite Räume überspannen. Laubholz ist schwerer, härter und strapazierfähiger und gut für den Innenausbau geeignet.

LEHM …

… stammt bestenfalls vom Aushub und variiert regional und nach Verwendung (z. B. für Wände oder Putz) in der Zusammensetzung. Er härtet an der Luft und hält fast unbegrenzt: Mit Wasser kann er aufbereitet und neu geformt werden.

STROH …

… v. a. von Weizen und Roggen ist als Abfallprodukt bei der Getreideernte ein günstiger und langlebiger Baustoff, der wenig Heizenergie benötigt. Bedenken bezüglich Brennbarkeit, Schimmelbildung und Nagetieren sind unbegründet.

MAUERWERK …

… kann z. B. aus Tonziegeln, Kalksandstein oder Porenbeton bestehen. Achtung: Je nach Produktionsprozess des Herstellers kann der Brennvorgang möglicherweise energieintensiv sein und Schadstoffe freisetzen.

BEREICHERND Mit Durchbrüchen Räume öffnen oder mit Abtrennungen gemütliche Zonen schaffen: Dank Trockenbau, z. B. von Knauf, gelingt beides spielend


VARIABEL UND LEICHT

Dipl.-Ing. Doris Pfeffermann (Foto) arbeitet als Referatsleitung Öffentlichkeits- und Hochschularbeit beim Bundesverband der Gipsindustrie e. V.

Welche Vorteile bieten Innenwände im Trockenbau gegenüber massiven Wänden?
Trockenbauwände werden trocken montiert und sind leicht, weshalb sie schnell, einfach und sauber zu errichten sind – auch für Selbermacher.

Man kann sie auch nachträglich einbauen?
Da sie meist ohne statische Überlegungen eingezogen werden können, ist der Grundriss damit frei planbar – egal, ob Sie eine Speisekammer abtrennen oder ein größeres Zimmer durch einen Raumteiler gliedern. In Feuchträumen kommen imprägnierte Platten zum Einsatz, die in Duschen oder über der Wanne zusätzlich abgedichtet werden. Trockenbauwände können auch einfach zurückgebaut oder mit neuen Türöffnungen ausgestattet werden. So passt sich ein Haus jederzeit dem Leben der Bewohner an.

Das klingt ja schon recht nachhaltig …
Tatsächlich punktet der Trockenbau auch durch effizienten, CO²-armen Materialeinsatz. Es wird weit weniger Rohstoff benötigt als bei herkömmlichen Massivbauwänden. Zusätzlich sind fast alle Komponenten gut recycelbar. Gips z. B. kann im Prinzip unendlich wiederverwendet werden.

Sind die Wände auch wohngesund?
Gipsbaustoffe wirken sich z. B. positiv auf das Raumklima aus, weil ihre Struktur hilft, die Luftfeuchtigkeit im Raum zu regulieren. Ihre geringe Wärmeleitung sorgt für eine behagliche Oberflächentemperatur – und sie sind gut fürs Auge, da sie eine unauffällige Kabelführung ermöglichen.

Materialien für Innenwände

Massive Wände
Lehm: Stampflehm (in Schalung, ca. 20 cm dick) ist relativ teuer und wird meist nichttragend eingesetzt. Lehmsteine (gepresster feuchter oder vom Strang geschnittener Lehm) und Leichtlehmsteine (mit Stroh, Hanf oder Schilf) werden schmaler (ca. 12 cm) aufgeschichtet.
Mauerwerk: Nichttragende Wände aus Ziegel- oder Kalksandsteinmauerwerk (8 bis 10 cm dick) bieten guten Schallschutz. Da meist verputzt, sind sie aufwendiger als Lehmwände oder Kalksteine, die unverputzt bleiben können.

Leichte Wände
Gipskarton-/Gipsfaserplatten: Naturgips (in der Natur abgebaut) oder REA-Gips (aus Kraftwerken, betrieben mit fossilen Brennstoffen; baubiologisch unbedenklich).
Strohbauplatten: unter Druck bei ca. 200 Grad gepresstes Stroh, mit Karton beschichtet. Schwerer, dicker und stabiler als Gipsplatten. Bieten hohen Wärmeschutz.
Lehm-Trockenbauplatten: gepresster, mit Schilfrohrmatten, Stroh oder Holzspänen stabilisierter Ton, mit pflanzlichen oder mineralischen Zuschlägen versehen.

Gut fürs Raumklima: Dämmung und Schallschutz

Was macht einen ökologischen und wohngesunden Dämmstoff aus?

Um Dämmstoffe als ökologisch einzustufen, ist der gesamte Prozess von der Herstellung über Transport, Einbau und Nutzung bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung zu betrachten. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen weisen einegünstige CO²-Bilanz auf,schonen endliche Ressourcen und werden mit relativgeringem Energieaufwand hergestellt. Sie sind fast überall regional verfügbar und legennur kurze Transportwege zurück. Allerdings sollten sie nicht in großflächigen Monokulturen angebaut werden. Während des Einbaus und der Nutzung werden keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffe frei, sofern siekeine bedenklichen Zusätze enthalten. Allerdings müssen sie staubdicht eingebaut werden, damit keine Fasern in den Hausstaub gelangen. Natürliche Dämmstoffe könnenwiederverwertet, recycelt oder kompostiert werden. Mitunter ist derAusgangsstoff bereits vorhanden , wie Hobelspäne oder Stroh, oder er wird, wie Altpapier und Jute, wiederverwertet.

WÄRMELEITFÄHIGKEIT
Je schlechter ein Stoff Wärme leitet, desto besser ist seine Dämmwirkung. Als Richtwert gilt: Liegt die Wärmeleitfähigkeit bei unter 0,05 W/mK ist eine gute Wärmedämmung garantiert. Dämmmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen liegt meist bei 0,04 W/mK.

WÄRMEKAPAZITÄT
Sie zeigt an, wie viel Wärme ein Stoff aufnehmen (und bei kühleren Temperaturen, wie nachts, langsam wieder abgeben) kann. Eine hohe Materialdichte plus eine hohe spezifische Wärmekapazität (J/kg x K) sind optimal und gewährleisten guten Hitzeschutz im Sommer.

SCHALLSCHUTZ
Elastische poröse Stoffe bieten guten Trittschallschutz. Luftschall (z. B. Musik oder Autoverkehr) wird durch eine hohe bauliche Masse und offenporige Materialien reduziert. Für den Schallschutz ist besonders der Frequenzbereich von 200 bis 5.000 Hz wichtig, da dieser vom Gehör deutlich wahrgenommen wird.

DAMPFDIFFUSIONSWIDERSTAND
Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen weisen einen geringen Dampfdiffusionswiderstand (μ) auf – sie sind diffusionsoffen. Das hat jedoch den Vorteil, dass eingedrungene Feuchtigkeit schnell wieder entweichen kann.

BRANDSCHUTZEIGENSCHAFTEN
Brennbarkeitsklassen (z. B. A1 oder B2) geben an, wie leicht entflammbar ein Material ist, ob beim Brennen giftige Gase entstehen, oder wie stark die Rauchentwicklung ist. Natürliche Dämmstoffe benötigen oft Zusätze, um den vorgeschriebenen Schutz zu gewährleisten.

ZUSATZSTOFFE
Diese können nötig sein, um Dämmstoffe zu imprägnieren, zu verkleben oder ihre Brennbarkeit zu reduzieren. Neben der benötigten Menge und dem Preis spielt bei der Auswahl des passenden Dämmmaterials diesbezüglich der Einsatzzweck eine Rolle (außen oder innen, an Wand oder Dach etc.).

GESCHÜTZTER RAUM
Naturmaterialien – auch dort, wo man sie nicht sieht – sorgen für ein gutes Wohngefühl (Holzfaser-Dämmung aus Tannen- und Fichtenhölzern, z. B. von Pavatex by Soprema)


MEHR ERFAHREN
„Gesundes Bauen und Wohnen“ macht Bauherren und Architekten mit den baubiologischen Prinzipien für Wohnhäuser vertraut und zeigt 13 beispielhafte Projekte in unterschiedlichen Bauweisen. 168 Seiten, 50 Euro (DVA)



”Für jeden Baum, den wir fällen, wird unmittelbar ein neuer gepflanzt“


VORTEIL HOLZ

Bauexperte Johannes Schwörer über den nachwachsenden Rohstoff mit zahlreichen Vorzügen

NATUR UND ERBE VERPFLICHTET Johannes Schwörer leitet seit 1998 das Familienunternehmen SchwörerHaus

Welche Vorteile kann ein Fertighaus in ökologischer Holzbauweise seinen Bewohnern bieten?
Holz ist sehr gut wärmedämmend. Unter anderem deshalb erlebt man das Raumklima eines entsprechend gebauten Hauses als so behaglich. Holz lässt sich auch gut bearbeiten, wodurch viele Bauteile in Werkshallen vorgefertigt werden können. Dies sorgt für deutliche Qualitätsvorteile gegenüber konventionellem Bauen auf der Baustelle. Und: Holz löst als natürlich gewachsener und chemisch nicht behandelter Rohstoff Umweltfragen wie die CO²-Bindung oder die Wasserreinigungsfunktion der Wälder. Dadurch steht der Hausbau im Einklang und nicht im Widerspruch zur Natur.

Welche Holzarten kommen dabei zum Einsatz?
Zur Zeit wird überwiegend Fichte verarbeitet. In den letzten 70 Jahren stand diese ausreichend zur Verfügung, da sie nach den beiden Weltkriegen in Deutschland von den Waldbesitzern intensiv angepflanzt wurde. Deshalb haben sich auch viele Sägewerke und holzverarbeitende Betriebe darauf spezialisiert, und es besteht eine große Bauerfahrung. Eichenholz ist in Deutschland ebenfalls aus der Vergangenheit als Baumaterial sehr bekannt. Auch Kiefer und Tanne finden Anwendung.

Woher stammt das Holz für die Produktion Ihrer Häuser?
Unser Holz wächst in einem Radius von etwa 60 Kilometern rund um unser Werk in Hohenstein/Oberstetten. Wenn dort ein Baum gefällt wird, wird unmittelbar danach ein neuer gepflanzt.

Begegnen Ihnen Bedenken bezüglich des Brandschutzes?
Dieses Thema ist bereits seit Jahren geklärt, und es gibt unzählige Brandversuche, die belegen, dass das Risiko beherrschbar ist. Die meisten Brände entstehen in Innenräumen, wo die größte Gefahr eine Rauchvergiftung ist, die durch das Brennen der Einrichtung hervorgerufen wird. Die tragende Holzkonstruktion eines Hauses brennt hingegen zögernd, da bei direkter Feuereinwirkung auf ihrer Oberfläche eine Kohleschicht entsteht, die das innere Holz schützt. Die Gebäudestabilität sinkt im Brandfall deshalb nur langsam und abschätzbar.

Warum sind schadstofffreie Baumaterialien so wichtig?
Wir verbringen viel Zeit in Gebäuden. Und wenn Materialien in Zukunft einmal wiederverwendet werden – Stichwort Stoffkreislauf –, ist es ebenfalls sinnvoll, dass sie keine Schadstoffe enthalten und vor allem gut trennbar angeordnet sind.

Wie läuft eine Raumluftqualitätsmessung ab?
Nach dem Verschließen von Fenstern und Türen wird nach etwa acht Stunden nach einem genormten Verfahren eine Probe entnommen, die dann in ein Labor geschickt wird. Gemessen werden VOC (flüchtige organische Verbindungen und deren genaue Zusammensetzung) und Formaldehyd. Ein Wert von 300 Mikrogramm/cbm und darunter ist sehr gut.

Welche Handlungsempfehlung kann sich daraus ergeben?
Bei einem Wert ab 10.000 Mikrogramm/cbm sollte nach der Empfehlung des Umweltbundesamtes über eine Sanierung des betroffenen Raumes nachgedacht werden. Der Werkstoff, aufgrund dessen es zu einem hohen VOC-Gehalt gekommen ist – diesen können die Fachleute meist sehr schnell erkennen – sollte entfernt und durch einen anderen Werkstoff (der diese Probleme nicht hat) ausgetauscht werden.

REINHEITSGEBOT
Eine Messung der Raumluftqualität ermittelt Menge und Art flüchtiger organischer Verbindungen sowie Formaldehyd in der Luft

NICHT VERPASSEN!

In der nächsten Ausgabe alles zum Thema„LICHT & ENERGIEEFFIZIENZ


Fotos: Jack Frog/Shutterstock (1)

Fotos: Shutterstock (4)

Fotos: SchwörerHaus