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Mit einem Dachzelt durch Namibia


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Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 3/2023 vom 12.01.2023

Allrad-Abenteuer

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Sieht kleiner aus, als es ist. Das Familien-Dachzelt lässt sich schnell aufklappen, bietet Platz für vier Personen und schützt vor Tieren am Boden

DER ERSTE ATEMZUG IST DER SCHÖNSTE. Endlich diese Wärme und die exotischen Gerüche genießen. Als die Tür des Flugzeugs aufgeht, können wir es kaum glauben. Drei Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet. Zweimal mussten wir wegen der Pandemie den Urlaub verschieben. Jetzt hat es endlich geklappt: Namibia. Zwei Wochen wollen wir, zwei Kinder und zwei Erwachsene, mit einem Toyota Hilux nebst Dachzelt in der Natur verbringen. Camping at it’s best. Lagerfeuer, Boerewors und Stockbrot. Dazu Instantkaffee und, ach, es wird großartig!

Auf Safari gehen, im Geländewagen unterwegs sein. Es gibt nichts Besseres für eine Tour in Namibia. Nach dem Nachtflug von Frankfurt nach Windhoek landen wir auf dem internationalen Flughafen von Namibia. Der liegt eine Stunde entfernt von der Hauptstadt, und so lassen wir uns zum Autovermieter fahren. Das Auto, ein Toyota Hilux Doppelkabine mit Box auf der ...

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... Pritsche und Familien-Dachzelt, haben wir vorher über einen deutschen Mietwagen-Broker gebucht. Bei der Autovermietung erledigen wir den Papierkram, lassen uns kurz den Toyota mitsamt Ausrüstung und Zubehör erklären und gehen anschließend einkaufen. Wer weiß, wann wir den nächsten Supermarkt abseits der großen Stadt finden?

”Immer geradeaus und bei der dritten Sanddüne links. So einfach lässt es sich ungefähr in Namibia navigieren.

Mit vollgepacktem Kühlschrank und gut sortierter Verpflegungsbox geht es Richtung Süden, ab in die Kalahari. Nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Windhoek entfernt hört die Asphaltdecke auf, und der Schotter beginnt – und mit ihm das Abenteuer. Olivbeige Büsche krallen sich in den Boden, dazwischen sprießen vereinzelt Akazien oder grüne Mopanebäume. Ansonsten: Sand. Die karge Landschaft huscht vorbei. Zwei Antilopen springen über die Schotterpiste, eine Pavianfamilie lümmelt am Wegesrand. Ansonsten: Weite, wohin das Auge blickt.

So haben wir uns das vorgestellt. Nach Campingurlauben in der Eifel und in Österreich sollen es diesmal viel Sand und exotische Tiere sein. Namibia ist dafür ideal – weil einfach und sicher zu bereisen. Im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika leben auf einer Fläche von 824 000 Quadratkilometern, das ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, nur 2,2 Millionen Menschen. Dafür aber 114 Arten von Säugetieren, gut 380 Vogel-, 110 Reptilien- und 16 Amphibienarten. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern bietet Namibia mehr Raum, mehr Weite. Zu den Hotspots zählen Fishriver-Canyon, die Dünen bei Sossusvlei, der Namib-Naukluft-Park, das Okawango-Delta und die tierreiche Etosha-Pfanne.

”Endlose Weiten und viele Schotterstraßen bietet Namibia abseits der Städte.

Wir beschränken uns bei der 14-tägigen Tour auf die Kalahari, Namib, Swakopmund, Brandberg und die Etosha-Pfanne. Mindestens zwei Übernachtungen planen wir pro Stellplatz ein. Das schont die Nerven beim Auf- und Abbauen und entspannt die Kinder.

Für sie ist wichtig: wenig Auto fahren und ein Pool beim Campingplatz. Okay, ein paar Elefanten und Erdmännchen wären auch nicht schlecht. Letztere sind für die 13-jährige Tochter die Bedingung, dass sie mitfährt. Fast. Empfehlenswert ist auch der Besuch von Swakopmund mit rund 45 000 Einwohnern. Dort, aber auch in den Städten Windhoek und Lüderitz hört man noch vereinzelt ein „Wie geht’s?“. Und das liegt nicht an den rund eine Million Touristen im Jahr – nur ein kleiner Teil davon kommt aus Deutschland.

30 Jahre dauerte die deutsche Kolonialherrschaft auf dem heutigen Gebiet Namibias, eine Sehnsucht nach neuen Siedlungsräumen, Bodenschätzen und ein Wettrennen mit anderen Kolonialmächten. Der Erste Weltkrieg beendete das blutige Experiment. Danach nahmen die britischen Truppen Südafrikas das Land ein. Mit dem Ende des Krieges wurde es als Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union zur Verwaltung übergeben. Erst seit 1990 ist Namibia nach über 100-jähriger Fremdbestimmung ein unabhängiger demokratischer Staat mit den Stämmen Ovambo, Himba, San, Nama und Herero. Deutsch wird noch fast überall gesprochen, ebenso wie Englisch. Verständigungsprobleme gibt es daher nicht.

Auf dem ersten Campingplatz der Jansen Kalahari Guest Farm bauen wir schnell das Lager auf. Stühle und Tisch raus, Schutzfolie vom Dachzelt entfernen und das Zelt einfach umklappen. Innerhalb von 20 Minuten ist das Lager fertig, und der Grill brennt. Aus der Kühlbox nehmen wir die kalten Getränke, Appletizer und Windhoek Lager, und genießen den ersten Abend in der Natur. Endlich angekommen!

Am nächsten Morgen wärmen die ersten Sonnenstrahlen sehr früh das Dachzelt. Also ziehen wir zügig den Reißverschluss auf und genießen die afrikanische Wärme. Den gleichen Gedanken scheint wohl auch die Puffotter zu haben, die über den Weg schleicht. Zum Glück war sie noch ein paar Meter entfernt – ihr Gift kann tödlich sein. Vorsichtig erkunden wir daher das Gebiet, die Kinder natürlich den kleinen Pool. Beim Farmdrive am Nachmittag, so heißt die Fahrt mit einem offenen Safari-Auto durchs Gebiet, zeigt uns Farmer Anti Jansen sein Land. Kudus, Rinder, Erdhörnchen, Schafe und ein riesiges Webernest. „Hier können bis zu 250 Vögel leben und brüten, über Jahre“, sagt er. Auf einer roten Sanddüne legen wir eine Pause ein und beobachten die untergehende Sonne. Sie taucht den Horizont rot ein und ist schnell verschwunden. Atemberaubende Schönheit der Natur.

Beim Einpacken am nächsten Tag kontrollieren wir Untergrund und Ausrüstung genau, die Puffotter scheint sich zum Glück verzogen zu haben. Wir trinken den letzten Schluck Instantkaffee und fahren Richtung Namib-Wüste. Sie gilt als die älteste Wüste der Welt und aufgrund ihrer Trockenheit und Temperaturschwankungen als eine unwirtliche Gegend. Auf einer Fläche von 81 000 Quadratkilometern erstreckt sie sich entlang der Küste Namibias bis nach Angola über eine Länge von 1300 Kilometern und einer Breite von etwa 120 Kilometern. Bei Touristen beliebt: Sossusvlei, Deadvlei und ein morgendlicher Spaziergang auf den hohen, roten Dünen.

Der Stellplatz in der Nähe des Parks ist sehr gepflegt, nur das Kreischen einer Teenagerin vom Nachbarplatz irritiert. Ein Blick auf die Holzpfähle erklärt, warum: Unzählige afrikanische gepanzerte Boden-Crickets, Riesen-Grillen, klammern sich mit ihren langen Beinen und Fühlern am Holz fest, sehen aus wie prähistorische Viecher, die einen verschlingen wollen. Auch wenn sie harmlos sind, auf der Schulter möchten wir sie nicht haben. Ins Dachzelt mit dem integrierten Fliegennetz kommen die Viecher aber nicht herein – einer der sichersten Plätze auf diesem Campingplatz.

Am nächsten Morgen brechen wir schon um fünf Uhr das Lager ab, um in den Namib-Park zu fahren. Vorsichtshalber lassen wir Luftdruck ab, um auf den letzten paar Kilometern nicht im tiefen Sand stecken zu bleiben. Allrad einschalten und mit Schwung durch den tiefen Sand. Als einer der ersten Besucher parken wir nahe einer Düne. Die nächsten Stunden erklimmen wir die hohen Sandberge, sinken immer wieder tief mit den Füßen ein, genießen die sensationelle Aussicht und den Sonnenaufgang in der Namib. Der blaue Himmel passt perfekt zum roten Sand, vereinzelt ragen gelbe Sträucher an den Ausläufern empor.

Bis zum Gipfel von „Big Daddy“, mit 350 Meter die höchste Sanddüne der Welt, schaffen wir es allerdings nicht. Bergaufwandern im tiefen Sand ist vor allem für Teenager „brutal abnormal“ anstrengend. Im Deadvlei stehen die vertrockneten und bis zu 850 Jahre alten abgestorbenen Kameldornbäume wie ein Fotomotiv auf einer Tonpfanne. Und dazu werden sie auch, als die ersten Touristenbusse die Pfanne belagern. Für uns Zeit für die Weiterfahrt nach Swakopmund.

Die Küstenstadt westlich von Windhoek wurde 1892 von deutschen Kolonisten gegründet – was sich heute noch unschwer an den Häusern und Namen erkennen lässt. Wir wollen aber raus aufs Meer und dort Tiere beobachten. Nach einer halben Stunde im Touri-Boot ab Walvis Bay haben wir Glück und entdecken, dank des Guides mit seinem Funk, drei Buckelwale. Sie tauchen ab und auf, schnaufen und schlagen mit ihren riesigen Flossen aufs Wasser. „Um diese Jahreszeit ziehen hier zwar häufig Wale vorbei, aber gleich drei auf einmal ist selten“, erklärt uns Guide John, während er nebenbei einen, bestimmt dressierten, Pelikan und einen Seehund aufs Boot lockt. Nach einer Weile tauchen die Wale ab und verschwinden irgendwo im Atlantik.

Ebenso wie die Sonne. Waren es gestern noch über 30 Grad, fällt die Temperatur jetzt auf 15 Grad. Wind und Nebel ziehen auf, das passiert, wenn Atlantikluft auf heiße Wüstenluft trifft, vertreibt aber die Wolken nicht. Zum ersten Mal frieren wir. So haben wir uns Afrika nicht vorgestellt – und fahren daher einen Tag später wieder ins Landesinnere.

Die Gerölllandschaft hinter Swakopmund zählt zu den ältesten Wüsten der Welt, Geologen schätzen sie auf 450 Millionen Jahre. Auf dem felsig-sandigen, graubraunen Untergrund wächst fast nichts. Die unwirkliche Mondlandschaft diente nicht nur amerikanischen Astronauten als Trainingsplatz für ihre Mondmission, sondern auch als Kulisse für den Hollywoodfilm „Mad Max – Fury Road“. Auf dem Weg in den Norden taucht in der Ferne das Brandbergmassiv mit dem Königstein auf, mit 2573 Metern der höchste Berg Namibias. Zwei Zebraherden nehmen uns die Vorfahrt, zuerst Steppenzebras und dahinter Hartmann-Bergzebras. Sie unterscheiden sich an den Streifen an den Beinen: Steppenzebras haben kaum welche. Die Streifen dienen als Tarnung: In flirrender Hitze sind die Tiere aus der Weite kaum zu erkennen.

Meine Hände umgreifen fest das Lenkrad, korrigieren die Fahrtrichtung alle paar Sekunden, um Bodenwellen und Sträucher auszuweichen. Mühelos rollen die Reifen des Hilux über Schotter und den trockenen Wüstenboden. Der 2,4-Liter-Diesel mit 150 PS und 400 Newtonmeter brummt ruhig vor sich hin, bis wir endlich unseren nächsten Campingplatz am Brandberg erreicht haben.

Der Rock Shandy, eine Mischung aus Limonade, Sprudelwasser, Zitronensaft und Angostura, spült den feinen Staub die Kehle runter. Vor uns das Damaraland, eine spärlich besiedelte, karge und ausgedörrte Landschaft in der Region Erongo. Riesige Felsen bilden ein Bergmassiv, der höchste Berg Namibias misst 2573 Meter, im Mittel überragt das Massiv bis zu 2000 Meter die Ebene. Ein idealer Ort, um morgens zu wandern, die Natur mit den Füßen intensiv zu erleben und zu spüren. Klar, dass die Kinder schon noch einer Stunde fragen, „wie lange noch“, und feststellen, dass die Tour „abnormal anstrengend“ ist. Aber als sie die Felsmalereien mit der White Lady sehen, einer rund 40 Zentimeter hohen Figur, sind sie begeistert. Immerhin sind die Zeichnungen zwischen 2000 und 4000 Jahre alt.

Für gute Laune bei den Kindern sorgen auch die Erdmännchen am Campingplatz. Sie sind sehr zahm und lassen sich auf den Arm nehmen. Für Stunden. Urlaubsziel der Tochter erreicht. Puh, das wäre geschafft. Abends nach dem obligatorischen Grillen und Stockbrotbacken fliegen die Funken des Feuers gen Himmel. Die Milchstraße überstrahlt den an sich schon spektakulären Nachthimmel. Kein störendes Restlicht oder Lärm einer Stadt weit und breit. Dafür weht ein Duft aus Lagerfeuer, Kudu-Fleisch und Wüstensand um unsere Nasen.

Reisetipps Namibia

Wichtige Adressen

• Deutsche Botschaft Namibia

• Camping-Übersicht campingplaetze

• Reise- und Sicherheitshinweise -Auswärtiges Amt aussenpolitik/laender/namibia-node/ namibiasicherheit/208314

Anreise

Die meisten Touristen aus Deutschland reisen mit dem Flugzeug von einem internationalen Flughafen wie Frankfurt oder München nach Windhoek an. Der Flughafen liegt zwar weit außerhalb der Stadt, die meisten Autovermieter bieten aber einen kostenlosen Transfer in die Stadt an, um dort den Mietwagen zu übernehmen. Flüge ab Frankfurt mit Eurowings Discovery, Air Namibia, Air France, KLM oder Lufthansa kosten je nach Saison pro Person ab 900 Euro.

Mietwagen

Es gibt in Namibia eine Vielzahl von Autovermietern wie Hertz, Asco Hire, Africa Car Hire, Bobo Campers, Bushlore Africa, Camping Carhire, Savanna Car Hire oder Britz. Die Fahrzeuge lassen sich direkt bei der Mietwagenfirma oder über einen Vermieter-Broker wie oder billiger-mietwagen.de buchen. Die Preise können sogar niedriger sein als bei einer Direktbuchung. Je nach Marke, Modell, Aufbau, Alter, Zustand, Zusatzangeboten und Versicherung kostet ein Allradcamper wie der Toyota Hilux 75 Euro bis 120 Euro am Tag. Kraftstoff kommt extra. Wichtig: Vor dem Buchen die Fahrzeuge, Versicherungen und Dienstleistungen (Hotline, Reparatur, Reifenwechsel) miteinander vergleichen. Bei der Übernahme im Protokoll alle Schäden und Kratzer notieren. Wer das Land Richtung Südafrika oder Botswana verlassen will, muss das vorher angeben.

Tanken

Namibia ist leicht zu bereisen. In den größeren Städten und entlang einiger Hauptstraßen gibt es große und gut ausgestattete Supermärkte. Ein dichtes Tankstellennetz bietet eine gute Versorgung – allerdings nur an stark frequentierten Strecken. Wer abseits der großen Routen unterwegs ist, sollte den Tank frühzeitig auffüllen. Die meisten Mietwagen besitzen einen Doppeltank. Im Falle des Hilux waren das 120 Liter für rund 1200 Kilometer Reichweite. Ein Liter Diesel kostet in Namibia rund einen Euro.

Campen

Campgrounds und Lodges mit Zeltplätzen gibt es entlang der Touristenrouten viele. In den Hauptreisemonaten und in den Ferien wie Sommer, Herbst, Weihnachten und Ostern empfiehlt es sich, Stellplätze vorher zu reservieren. Je nach Ausstattung und Anbieter kostet die Übernachtung mit einem Allradcamper rund 20 bis 40 Euro.

Beste Reisezeit

Als gute Reisezeit gelten die Monate Juli bis Oktober, wenn es warm und trocken ist. Zwischen November und März wird es heiß, bis zu 35 Grad, ab April beginnt der Winter in Namibia, mit zum Teil kalten Nächten. Die Regenzeit liegt zwischen Dezember und April. In der Zeit blühen zwar viele Pflanzen und die sonst trockene Wüste erscheint zum Teil grün. Dafür locken die Wasserlöcher weniger Tiere an.

Route

Nur die wenigsten Hauptverbindungsstraßen in Namibia sind asphaltiert, sodass Autos 120 km/h schnell fahren dürfen. Auf den Schotterstraßen ist 80 km/h erlaubt, die auch eingehalten werden sollten: Aufwirbelnde Steine können schnell die Windschutzscheibe zerstören. Mit Kindern an Bord sollten Tagesrouten nicht mehr als 300 Kilometer betragen, die rund fünf Stunden dauern können. Die Straßen sind gut ausgeschildert, eine aktuelle Straßenkarte im Maßstab 1:1 000 000 hilft. Handy-Empfang gibt es nicht überall.

Strom und Handy

Viele Campingplätze bieten Strom am Platz. Damit lassen sich der Kühlschrank des Fahrzeugs betreiben und elektronische Geräte laden. Um EU-Geräte in Namibia mit Strom zu versorgen, benötigt man einen Stecker Typ D. Gespräche aus und nach Deutschland sind teuer, günstiger ist es, sich eine namibische SIM-Karte in einem Telefonshop zu kaufen – oder Gespräche über WhatsApp zu führen – sofern Wifi am Campingplatz zur Verfügung steht.

LITERATUR

• Reiseführer Namibia und Botsuana, Lonely Planet Verlag, 18,99 Euro

• Reiseführer Namibia Reise Knowhow-Verlag, 25 Euro

• Reiseführer Namibia, Iwanowski, 25 Euro

• Reiseführer Namibia, Stefan Loose, 24,95 Euro

Am nächsten Tag geht es zur Etosha-Pfanne. Durch Städte wie Khorixas und Outjo fahren wir, tanken den Toyota auf, befreien die Scheiben von Sand und Mücken. Von fliegenden Händlern kaufen wir Biltong. Die namibische Version des amerikanischen Beef Jerky besteht aus luftgetrocknetem Rindfleisch oder Wildfleisch wie Strauß, Kudu, Springbock, Eland oder Gemsbock – und schmeckt besser zu Bier als zu Wasser. Zumindest den Erwachsenen.

Die Etosha-Pfanne im Norden Namibias ist eine 4731 Quadratkilometer große Salzpfanne. Etosha bedeutet „großer weißer Platz“. Bei seiner Gründung 1907 maß der Nationalpark rund 80 000 Quadratkilometer, wurde aber wegen des steigenden Landbedarfs der Bevölkerung im Lauf der Jahre auf nun 22 270 Quadratkilometer verkleinert. Heute leben hier auf „engstem“ Raum mehr als 2000 Elefanten, 300 Löwen, 400 Geparden, 3000 Giraffen sowie einige Nashörner und Leoparden. Die Pfanne ist meist trocken, füllt sich nur ab und zu nach schweren Regenfällen, dann kommen die Tiere zu einem der 60 Wasserlöcher. Wir haben Glück, entdecken bei einer Pirschfahrt am Nachmittag ein Rudel von sechs Löwinnen. Gemütlich schlafen und rekeln sie sich faul unter einem Baum, überlegen sich vielleicht, was sie als Nächstes fressen wollen. Hoffentlich nicht uns! Etwas weiter entfernt grast eine Herde von Oryxantilopen. Namibias Nationaltier, ein Spießbock, scheint keine Gefahr zu wittern: Die Herde trottet gelangweilt weiter.

Eine Giraffenherde schlendert am Horizont vorbei, leider selbst fürs Fernglas sehr weit entfernt. Ihr Einzugsgebiet ist bis zu 120 Quadratkilometer groß – nur so finden sie genug Futter. Erwachsene Tiere ziehen mit ihrer 50 Zentimeter langen Zunge an den Bäumen, vertilgen pro Tag etwa 60 Kilogramm Blätter. Es geht weiter bis an eine Weggabelung, an der eine Herde Elefanten verweilt. Bis zu einen Meter größer als im südöstlichen Afrika wird der Etosha-Elefant, dafür ist sein Rüssel kleiner. Eine Weile beobachten wir mit dem Fernglas das Treiben.

Dann müssen wir weiter. Die vorletzte Etappe geht über lose Straßen durch den Etosha-Park Richtung Osten, bis an den anderen Eingang Von Lindenquist Gate. Eigentlich erhoffen wir uns weitere Tierbeobachtungen, planen dafür einen ganzen Tag ein. Aber am Vorabend hat es geregnet, die Wasserlöcher sind fast leer. Dafür ist der Pool wieder voll – die Kinder freut’s für die nächsten zwei Tage.

Dann heißt es: Vorräte aufbrauchen, das letzte Mal den Grill anschmeißen, kalte Getränke aus dem Kühlschrank holen und die Natur genießen. Bis nach Windhoek sind es rund 500 Kilometer, meist über Asphalt. Gedankenverloren spulen wir gemeinsam die Strecke ab, erinnern uns an die grandiose Natur und die vielen Wildtiere. Ein paar Kratzer an den Rädern, viel Sand auf dem Lack und ein bisschen auf dem Armaturenbrett – ansonsten hat der Hilux die Tour heil überstanden. Eine kleine Staubfahne zieht hinter uns her, als wir nach zwei Wochen und 2800 Kilometer den Hilux bei der Autovermietung abgeben. Der Motor knistert noch ein paar Minuten wie ein Lagerfeuer der vergangenen Wochen und wir sehnen uns jetzt schon wieder nach einer Safari – und dem nächsten ersten Atemzug.

”Auf den Gravel-Roads, den Schotterpisten, geht es mit maximal 80 km/h quer durchs Land.

Fabian Hoberg