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Mit «Essentials» am neuen Gewässer


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 30.09.2020

Wie fischt man an einem neuen, unbekannten Gewässer? «Petri-Heil»- Redaktor Robin Hrovatic setzte am Lac Léman auf seine bewährten Erfolgsköder und Strategien vom heimischen Zürichsee.


Artikelbild für den Artikel "Mit «Essentials» am neuen Gewässer" aus der Ausgabe 10/2020 von Petri-Heil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 10/2020

Gleich vor der überlebensgrossen Statue von Freddie Mercury ragt eine Plattform auf den See hinaus, die frühmorgens, bevor die Touristenströme die Flaniermeile in Montreux in Beschlag nehmen, geradezu einlädt, ein paar Würfe mit der Spinnrute zu machen.


Der Corona-Sommer bringt es mit sich, dass uns in den Familienferien mit zwei kleinen Kindern nicht nach langen Reisen im Flugzeug zumute ist. Die Sehnsucht nach neuen Ufern ...

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... muss aber trotzdem gestillt werden und so entscheiden wir uns für das schillernde Montreux am Schweizer Binnenmeer Lac Léman, dem Genfersee. Das ersehnte Feriengefühl stellt sich rasch ein, zeigt sich Montreux, für einmal im Sommer nicht von Besuchern des Jazz Festivals überlaufen, doch von seiner schönsten Seite. Beim Einchecken frage ich den Concierge, ob vielleicht jemand Freude an einem Stück frischen Fisch hätte, will ich doch schon am nächsten Morgen losziehen. Seine Augen funkeln und er fragt mich, ob er auch mitkommen könne, er sei Gelegenheitsfischer und habe morgen frei. Ich willige gerne ein und freue mich auf den ersten Morgen mit dem neuen «Fischergspänli

Reduziertes Fischen mit «Essentials»

Weil es ja Familien- und keine eigentlichen Fischerferien sind, kann ich nicht rund um die Uhr am Wasser stehen und muss mir meine Fischerzeit genau einteilen. So bleibt mir weder bei der Köderwahl, noch bei der Platzwahl Zeit für grosse Experimente. Zwar fehlt mir lokales Wissen, doch unsere tiefen und grossen Voralpenseen sind, was ihre Unterwasserstruktur anbelangt, doch ziemlich ähnlich. Das Ufer des Genfersees ist rund um Montreux ziemlich steil abfallend und auch vom Wasser her mit dem mir gut vertrauten Zürichsee vergleichbar. So beginne ich an einer Stelle, die an fast jedem See der Schweiz erfolgsversprechend ist: die Schifflände. Dank der zusätzlichen Struktur von Steg und Säulen und den regelmässigen Turbulenzen der Schifffahrt sind hier fast immer irgendwelche Fische anzutreffen. Ich habe vor, nur mit meinen «Essentials», meinen erprobten Erfolgsködern, zu fischen. Neben dem toten Köfi am Zapfen ist dies ein «Lunker City»-Gummifisch am Chatterbait- Kopf und der vorbebleite Käferli-Löffel mit Gummifisch für Egli.

Ein Start wie aus dem Märchenbuch

Im Kanton Waadt ist es erlaubt, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang mit dem Fischen zu beginnen, was ich natürlich ausnütze. Im Schimmer der Laternen um den Steg ist schnell ein Köderfisch gefangen und getötet, sodass er, am Rücken aufgezogen, bald am Zapfen in der Allerweltstiefe von 5 Metern in der Schifffahrtslinie baumelt. Mein neues Fischergspänli, das übrigens Baram heisst, verspätet sich um eine Stunde, was meiner Stimmung aber nicht weiter abträglich ist, da der Sonnenaufgang mit den französischen Alpen im Hintergrund atemberaubend schön ist. Als er dann eintrudelt, begutachten wir seine in die Jahre gekommene Ausrüstung und ich versuche die wenigen Habseligkeiten, die er an einem Flohmarkt erstanden hat, zu einer potenziell fängigen Montage zusammenzuschustern. Neben uns fischt noch ein chinesischer Tourist, der sein Glück mit einem Sabiki- Rig versucht, einem Paternoster-System fürs Meer. Noch ins Knöpfen vertieft, macht mich Baram plötzlich darauf aufmerksam, dass meine Schnur läuft. Ich fackle nicht lange und schlage nach wenigen Sekunden an. Er hängt! Und dass er kein Kleiner ist, lässt er mich von Anfang an spüren. Nach wildem Drill bis vor die Füsse, macht er noch zwei Fluchten um je einen Pfosten, die nur deshalb glimpflich ausgehen, weil das 75er-Vorfach fast zwei Meter lang ist. Weil ich aus dem Augenwinkel sehe, dass Baram am Filmen ist, frage ich den Sabiki-Fischer, ob er mir beim Feumern behilflich sein könne. Obwohl er kein Wort versteht, ist mein Gestikulieren hinreichend verständlich, dass er voller Tatendrang zum Feumer greift. Als der Mordsfisch an der Oberfläche erscheint, scheinen ihm die Knie dann doch ein wenig zu schlottern. Es braucht schliesslich drei Versuche, bis der Fisch im Netz gesichert ist. Ich bin heilfroh und bedanke mich ausgiebig bei meinem chinesischen Mitstreiter. Die Messung ergibt eine Länge von 120 cm, mein bisher grösster Hecht! Ich kann mein Glück kaum fassen. Was für ein Fisch nach gerade mal zwei Stunden am neuen Gewässer. Der gut elf Kilo schwere Fisch wurde dann genüsslich von Barams Familie und Freunden verspeis

Leere nach dem grossen Fang

Der zweite Morgen ist von Beginn weg mit Unsicherheiten behaftet. Nochmals an die dieselbe Stelle? Wieder mit dem Köfi? Nachdem mein Köder eine Stunde lang keinen Wank macht, wechsle ich zum Chatterbait, aber auch dort geht nichts, die Misere nimmt ihren weiteren Lauf. Ich greife zurück zur Zapfenmontage, nur um zu sehen, dass hier wieder nichts geht. Dann wieder zurück zum Chatter, den ich auch diesmal halbherzig durch den schönen Lac Léman ziehe - bis meine begrenzte Zeit um ist. Nach dem traumhaften Einstand folgte am zweiten Morgen also ein ernüchternder Nuller. Was war geschehen? Ich war wohl ganz einfach befriedigt vom Prachts- fang am vorherigen Fischermorgen und brachte darum nicht die erforderliche Konzentration auf, um einen weiteren Fisch zu fangen. Man sollte als Fischer ja auch mal Pause machen. Das Jucken im Handgelenk kommt dann schon früh genug wieder zurück …

Mit der Zapfenmontage aus den «Essentials» wird der Bubentraum endlich wahr: Die 120er-Marke ist geknackt.


Auch am Lac Léman lässt mich der Käfer-Löffel nicht im Stich. Diesmal wartet er noch mit einem Novum auf: Es lassen sich damit sogar im Dunkeln Fische fangen.


Doch noch ein Novum

Im Dunkel der Nacht beginnt auch der letzte Morgen; diesmal ziehe ich nur mit dem Käferli- Löffel los. Bisher habe ich mit den Käferli nur bei Tageslicht gefangen, aber da dies mein letzter Morgen am Genfersee ist, versuche ich es trotzdem bereits vor Sonnenaufgang. Im Hochsommer ist Rot meine bevorzugte Ausführung. Mit 20 Gramm vorbebleit und einem Paddelschwanzgummi in 9 cm Länge versehen, lässt er sich weit werfen. Ich ziehe den Köder schon knapp nach dem Auftreffen auf der Wasseroberfläche ein und kurble ihn in regelmässigen Umdrehungen noch eher langsam, weil dunkel, zu mir. Bereits beim dritten Wurf erfolgt ein ziemlich heftiger Biss. Obwohl ich ein Egli erwartet hätte, hat sich doch tatsächlich ein mittlerer Hecht von knapp 80 cm den Löffel geschnappt. Der Käferli-Löffel funktioniert also auch ohne Tageslicht. Nachdem es nun langsam heller wird, erhöhe ich die Geschwindigkeit beim Einkurbeln stetig. Es braucht aber einige Würfe, bis ich das ersehnte erste Egli ans Band kriege. Jetzt ist der Bann gebrochen und es folgen weitere Fische und die Konzentration und das Vertrauen in meine Köder- und Platzwahl ist wieder voll da.

FISCHEN AM GENFERSEE

Der Genfersee ist der zweitgrösste See Mitteleuropas, der tiefste Punkt mit 310 Meter Wassertiefe liegt vor Lausanne. Währenddem östlich von Lausanne tendenziell mit rasch abfallenden Ufern zu rechnen ist, ist das Genfer Becken bis nach Nyon hinab eher flach. Durch seinen nach wie vor eher hohen Nährstoffgehalt weist er grosse Fischpopulationen auf und ist bekannt für besonders grosse Hechte, Forellen und Egli. Zudem beherbergt er in den Tiefen eine beachtliche Saiblingspopulation. Das Patent für die Uferabschnitte des Kantons Waadt kann unter folgendem Link online bestellt werden:www.region-du-leman.ch/de/P18460/angeln


Luftbild: swisstopo