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Mit Frack am Strand


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 37/2021 vom 10.09.2021

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 37/2021

HEIMAT Der Brillenpinguin lebt vor allem auf Inseln vor den Küsten von Namibia, Südafrika und Mosambik. Kolonien auf dem Festland sind selten, dazu gehört Boulders Beach

Da genießt man entspannt das angenehme Klima Südafrikas, plötzlich watscheln Pinguine über den Strand. Aber nein, das ist keine Halluzination. Den kleinen Frackträgern gefällt es gut am Boulders Beach. Während die meisten Verwandten lieber frostig leben und etwa im Eis der Antarktis brüten, haben Brillenpinguine den Reiz des heißen Sands bei Kapstadt entdeckt. Ein Anblick zum Staunen!

Ein Strand wird zum Geheimtipp

In den 1980er-Jahren kam zunächst nur ein einziges Paar, doch der Geheimtipp muss sich herumgesprochen haben. Mittlerweile wird die Größe der Kolonie an diesem Strandabschnitt auf rund 2500 Vögel geschätzt. Was lockt die Tiere ausgerechnet hierher? Der eiskalte antarktische Benguelastrom führt direkt an Südafrikas Küste vorbei und sorgt für Artenvielfalt. Im Meer wimmelt es daher von ...

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... Fischen – ein Paradies für Pinguine! Da nehmen sie die Hitze in Kauf. Außerdem gibt es ausreichend geschützte Plätze zur Brut und zur Aufzucht des Nachwuchses.

Ganz so verrückt, wie es zunächst klingt, ist das Auftauchen dieser Strandgäste allerdings nicht. Die 60 bis 70 Zentimeter kleinen Brillenpinguine gehören zu den wenigen Vertretern ihrer Art, die in warmen Regionen heimisch sind. Sie alle haben sich perfekt an die klimatischen Bedingungen angepasst. Um cool zu bleiben, suchen sie schattige Plätze auf, lassen sich von frischen Meeresbrisen umwehen oder verbringen die wärmste Tageszeit ganz im Wasser. Sie gehen schwimmen, auch wenn gleich nebenan die Menschen planschen. So viel Abkühlung muss sein, denn ihr isolierendes Gefieder schützt zwar vor Kälte und Nässe, an Land und unter der Sonne droht jedoch die Gefahr der Überhitzung.

Auch wenn es um den Nachwuchs geht, ist besondere Vorsicht gefragt: Deshalb fällt die Brutzeit der Brillenpinguine mit dem Winteranfang zusammen. Eine Doku (siehe TV-Tipp) zeigt, wie sie an geschützten Stellen zwischen Steinen nisten oder 30 bis 90 Zentimeter tiefe Erdlöcher graben, in denen ihre zwei Eier vor der Sonne sicher sind. Dann wird rund sechs Wochen lang im Schichtbetrieb gebrütet.

Die Frackträger brauchen Hilfe

Boulders Beach muss für die Brillenpinguine paradiesisch sein: Bislang wuchs hier die Kolonie, während die Zahl der afrikanischen Pinguine insgesamt stark abgenommen hat. Nach Schätzungen ist die Population in den vergangenen 100 Jahren um 95 Prozent geschrumpft. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Brillenpinguin in ihrer Roten Liste als „stark gefährdet“ und geht von nur noch 41.700 Exemplaren aus. Die leben vor allem auf den Inseln vor Südafrika und Namibia. Lässt sich diese Tendenz nicht stoppen, könnte die Art in 30 Jahren ausgestorben sein. „Wollen wir das verhindern, müssen wir jetzt handeln“, sagt Marcus Doherr. Der Professor am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin ist an einem internationalen Forschungsprojekt beteiligt, das den Schutz der Brillenpinguine sichern soll und noch bis September 2022 läuft. Er arbeitet dabei mit Kollegen der University of Pretoria, der University of the Western Cape in Südafrika und der University of Namibia zusammen. „Ziel ist es, das erforderliche Wissen zu generieren und Strategien zu entwickeln, die nachhaltig zum Überleben der Populationen beitragen können“, erklärt Doherr.

Welche Rolle spielt der Klimawandel? Wird durch Überfischung die Nahrung knapper? Wie wirken sich Infektionskrankheiten aus? Was bedroht die Brillenpinguine am meisten? Solche Fragen gilt es zu klären. „Dann können wir gemeinsam mit allen Interessengruppen herausfinden, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, damit sich die Bestände erholen“, so Marcus Doherr. Derzeit sammeln Teams der afrikanischen Partneruniversitäten Daten über die Schadstoff belastung der Tiere. Fest steht: Weil die Vögel sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren, sollten die Brutkolonien regelmäßig überwacht werden – auch mit Drohnen, um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung nicht zu stören.

„Mit unserer Forschung können wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig der Schutz der Brillenpinguine für das gesamte Ökosystem und damit auch für die Wirtschaft ist“, betont Doherr. Die kleinen Herzensbrecher gehören zu den größten Touristenattraktionen im südlichen Afrika. Wenn Pinguine, die sonst so flink und elegant durchs Wasser flitzen, tollpatschig über den Strand watscheln, zaubert uns das ein Lächeln aufs Gesicht. Kein Wunder, dass alle Beteiligten an dem internationalen Projekt auf Erfolge hoffen. Damit sämtliche Kolonien der Brillenpinguine in Zukunft wieder wachsen – ähnlich wie die am Boulders Beach.

KAI RIEDEMANN