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MIT KÖPFCHEN MEHR ERREICHEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

TRAINING RICHTIG PLANEN

Artikelbild für den Artikel "MIT KÖPFCHEN MEHR ERREICHEN" aus der Ausgabe 80/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2021

Ganz egal, auf welchem Niveau man sich reiterlich befindet, muss das Training der Veranlagung und den körperlichen Möglichkeiten des Pferdes angepasst sein

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Sich ein Tages-, Jahres- oder Wettkampfziel zu setzen hilft vielen Reitern, gerade jenen, die im Turniersport unterwegs sind. Ziele im Leben zu haben verändert ganz viel. Sei es beim Thema Motivation und Umgang mit dem inneren Schweinehund oder auch beim Thema Zeitfresser“, verrät die Mentaltrainerin Antje Heimsoeth, die mit der deutschen Reiter-Nationalmannschaft und Nachwuchsreitern arbeitet.„Das Ziel ist es, das tägliche Training so zu gestalten, dass ein Optimum an Leistung bei gleichzeitiger dauerhafter Gesunderhaltung des Tieres erreicht wird“, erklärt Dr. Katharina Kirsch. „Und genau das sollte doch jedem Reitsportler am Herzen liegen.“

Die Definition von Saisonzielen sei daher zu Beginn des Jahres ein wichtiger Faktor, um im Training optimal vorgehen zu ...

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... können. „Im individuellen Trainingsplan werden dann zum einen die Trainingsbedingungen, also zur Verfügung stehende Zeit, Trainingsgelände, Strecken, Material, Trainer etc., zum anderen die Trainingswettkämpfe als Vorbereitung des Saisonhöhepunktes berücksichtigt“, erklärt Dr. Kirsch. „Berücksichtigen sollte der Reiter in seinem Plan auch Koppelzeiten, Zeiten, in denen das Pferd nicht trainiert wurde, Besuche beim Schmied, Tierarzt, Physiotherapeuten, Osteopathen etc. All das sollte in einer Art Tagebuch festgehalten werden.“

Die vielfache Olympiasiegerin und amtierende Europameisterin Ingrid Klimke erläutert, dass es für all ihre Pferde Wo-chenpläne gibt, nach denen sie mit ihnen arbeitet. Natürlich werden diese täglich geprüft und angepasst. Denn wie wir Menschen fühlen auch Pferde sich nicht jeden Tag gleichermaßen fit. Eine grobe Vorgabe bieten die über viele Jahre ausgeklügelten Pläne jedoch allemal. Das Prinzip ist auch im Stall Michaels-Beerbaum stets präsent. „Wir hinterfragen täglich, ob die Art und Weise, wie wir das Pferd trainieren und was wir ihm jeden Tag an Aktivitäten anbieten, passend ist. Wenn wir das Gefühl haben, ein Pferd fühlt sich nicht ganz wohl, sorgen wir dafür, dass sich das ändert. Das Wohlbefinden unserer Pferde steht immer im Vordergrund, und wir sind im Grunde rund um die Uhr darum besorgt.“

Leistungsdiagnostik Pferd

Die Säulen des Trainingsaufbaus, die von den deutschen Kaderreitern angewendet werden, sind auch für Freizeitsportler eine Bereicherung

Gesunderhaltung

Leistungsoptimierung

Trainingsoptimierung

In Zeiten von Smartphone und diversen Apps ist es für den Reiter deutlich einfacher geworden, die Trainingsinhalte zu verzeichnen. Ob einem eine der Apps wie „Equisense“ oder „Digitale Reitkul- tur“ bei der Planung und Durchführung des Trainings weiterbringt, sollte jeder für sich selbst ausprobieren. Gegebenenfalls tut es auch ein analoges Tagebuch, in dem alles verzeichnet wird und das es ebenfalls speziell für Reiter im Handel gibt.

Ausgewogenheit und Abwechslung

Bei Ingrid Klimke bekommen die Pferde in der Regel einen freien Tag auf der Weide pro Woche. Zusätzlich ist ihr besonders wichtig, dass mindestens einmal pro Woche Cavaletti-Arbeit eingebaut wird. „Oft haben meine Pferde sogar bis zu dreimal pro Woche Cavaletti-Training. Dies unterstützt die Entwicklung der Muskulatur und damit der Bewegungsabläufe, den Aufbau von Kraft und die Koordination ungemein. Für mich steht außer Frage, dass die Cavaletti-Arbeit zur Ausbildung jedes jungen Pferdes gehört und auch bei älteren mehrmals pro Woche eingebaut werden sollte.“

Ingrid Klimke erklärt, dass Abwechslung im Training das A und O für Pferde aller Disziplinen ist. Arbeit am Berg für Dressurpferde und Dressur fürs Freizeitpferd, das alles sollte immer wieder regelmäßig eingebaut werden und zu einem insgesamt fitten und gesunden Tier führen. Gemeinsam mit dem Kosmos-Verlag hat Ingrid Klimke eine neue App samt Booklet erstellt, welche ermöglicht, dass ihre Cavaletti-Bücher nicht im Buchregal liegen, „sondern direkt auf dem Reitplatz genutzt werden können. Das sollen Arbeitsbücher sein, die man immer unmittelbar am Pferd dabeihat und die beim Üben unterstützen.“

Klimke betont die Wichtigkeit von Ausritten inklusive hügeligem Gelände und, wenn möglich, kleinen Wasserläufen. „Nichts fördert die Ausdauer besser als Arbeit am Berg. Das Training am Wasser sorgt für neue Herausforderungen und schult die Bewegungen des Pferdes auf völlig anderen Bodenverhältnissen. Regelmäßiges Reiten im Gelände, wann immer die Bedingungen es zulassen, ist für alle Pferde unerlässlich, um sich sicher zu bewegen. Alle Punkte der Skala der Ausbildung werden durch fortschreitende Trittsicherheit, Balance, Losgelassenheit und auch die Ausgeglichenheit im Kopf gefördert.“

Um diese Abwechslung nicht zu vergessen, ist ein wöchentlich neu erstellter Unterstützung. Darin kann genau festgehalten werden, an welchen Tagen das Training inten- Plan eine perfekte siver ablaufen soll oder wann man – beispielsweise aus beruflichen Gründen – nur wenig Zeit hat. Dann ist eine kurze Cavaletti-Einheit, ein Spaziergang an der Hand oder ein Weidetag fürs Pferd eine gute Alternative.

Langjähriges Projekt

Das Projekt „Leistungsdiagnostik beim Pferd“ existiert bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) bereits seit über zehn Jahren. Ins Leben gerufen wurde es, um den Top-Athleten optimale Möglichkeiten der Vorbereitung auf die Großveranstaltungen zu gewähren. Doch eine gekonnte Leistungsdiagnostik vermag weit mehr, als ein Olympiapferd auf den Punkt fit zu machen. Ob der erste Ritt auf S-Niveau, eine Vielseitigkeit der Klasse L oder ein Reiterwettbewerb: Saisonziele sind so vielfältig wie die Reiter und Pferde, die daran arbeiten. Bei jeglicher Art von Wettkampf kann mit einer entsprechend optimierten Vorbereitung viel erreicht werden. Selbst im Freizeitreiter-Bereich kann es sinnvoll sein, etwa vor einem Wanderritt die Optionen der Leistungsdiagnostik in Erwägung zu ziehen. Denn ist man gut vorbereitet und auch fit, macht ein solches Abenteuer viel mehr Spaß und ist vor allem gesundheitlich kaum noch riskant. Dr. Katharina Kirsch, die seit 2013 in die Betreuung des Projektes involviert ist, betont, dass zwar selbstverständlich das Hinarbeiten auf ein Saisonziel bei den Top- Athleten im Mittelpunkt steht, dass jedoch übergeordnet das Ziel der Leistungsdiagnostik immer die „langfristige Gesunderhaltung der Tiere“ ist. „Sie sollen niemals gesundheitliche Schäden davontragen, wenn sie die Anforderungen erfüllen, welche das jeweilige Saisonziel ihnen abverlangt.“

Oft nicht einfach zu erkennen

Wie angestrengt ein Pferd tatsächlich ist, das sei auf den ersten Blick oftmals gar nicht so leicht für den Reiter zu erkennen, so die Tierärztin. Am DOKR gab es über die Jahre schon viele Pferde, bei denen die Reiter den Eindruck gewonnen hatten, dass ein Ritt wirklich anstrengend für das Tier gewesen ist. Die Werte, welche im Zuge der Leistungsdiagnostik aufgezeichnet worden waren, sprachen jedoch eine ganz andere Sprache. Das Pferd war fit und längst nicht übermäßig angestrengt. Ganz anders sah es manchmal aus, wenn die Werte eines frisch durchs Ziel galoppierenden, enorm motivierten Pferdes analysiert wurden. „Manchmal ist uns schnell aufgefallen, dass der Reiter – insbesondere bei hochmotivierten jungen Pferden – doch noch einen Gang zurückschalten musste“, so Tierärztin. „Das ist aber alles andere als offensichtlich gewesen, und daher kann ich die Möglichkeiten der Diagnoseverfahren wirklich empfehlen, wenn man mit seinem Pferd sportliche Herausforderungen in Angriff nimmt.“

Das Pferd wird im Rahmen des Projektes ebenso wie der Mensch als Athlet betrachtet. Im humanmedizinischen Bereich ist die Leistungsdiagnostik schließlich ein fester Bestandteil des Trainings der meisten Sportler.

„Zahlreiche Tests ähneln denen, die für den Menschen genutzt werden, allerdings gehen wir auf die speziellen körperlichen Voraussetzungen des Pferdes ein“, berichtet Dr. Katharina Kirsch. „Als Steppen- und Fluchttier wird das Pferd geprägt von den Faktoren Ausdauer und Schnelligkeit. Dies wiederum beeinflusst die Organe und auch die Stoffwechselabläufe.“

„Pferde haben eine hohe maximale aerobe Kapazität und ein hohes Volumen an Mitochondrien im Muskel sowie große intramuskuläre Energiespeicher“, erläutert die Tierärztin. Das zeichne für die enorme Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich verantwortlich, welche Pferde an den Tag legen. „Das Blut des Pferdes hat eine besonders hohe Sauerstofftransportkapazität. Die maximale aerobe Kapazität eines Pferdes ist beispielsweise etwa 2,6 Mal so groß wie die eines Rindes der gleichen Größe, die Lunge ist zwei Mal so groß wie jene des Rindes.“

Außerdem haben Pferde ein höheres Schlagvolumen des Herzens. Bei Belastung gelangen durch Entspeicherung der Milz viele rote Blutzellen in den Kreislauf, was wiederum einen höheren Hämoglobingehalt im Blut bedeutet. „Pferde sind durch all diese unterschiedlichen Faktoren, welche sie als Fluchttier ganz natürlich mitbringen, in der Lage, während der Belastung große Mengen Sauerstoff aufzunehmen, zu transportieren und die Transportkapazität bei Belastung um 50 Prozent im Vergleich zum Ruhezustand zu steigern“, so Dr. Katharina Kirsch.

Bessere Einschätzung möglich

Viele Reiter, welche die Möglichkeiten der Leistungsdiagnostik ausprobiert haben, möchten diese auf keinen Fall mehr missen. „Der Vergleich zwischen Pferden auf höchstem Leistungsniveau mit zwölf, 13 Jahren, einem Tier mit 15, 16 Jahren und einem sieben Jahre alten Jungspund ist häufig unheimlich spannend“, so die Expertin. „Sowohl der behandelnde Tierarzt als auch vor allem die Reiter lernen das Pferd dadurch viel besser kennen und können seine Möglichkeiten besser einschätzen.

Begonnen hatte das „Projekt Leistungsdiagnostik“ im Bereich Vielseitigkeit, heute sind auch die Spring- und Dressurreiter im Mittelpunkt des Geschehens. Laktatwerte, Herzfrequenzen und die Geschwindigkeiten der Pferde im Training und Wettkampf sind Parameter, die bei der Leistungsdiagnostik besonders häufig im Mittelpunkt stehen. Bei den deutschen Kaderreitern bedeutet dies, dass sie viele Werte im Training selbst aufnehmen und diese danach durch das Team Leistungsdiagnostik analysiert und regelmäßig mit den Reitern diskutiert werden. „Festgehalten werden von den Reitern unter anderem die Trainingsinhalte und -dauer sowie die Trainingsintensität. Auch äußere Faktoren wie das Höhenprofil und Geläuf, welche Lektionen abgefragt werden sowie das Wetter und die jahreszeitlichen klimatischen Bedingungen vor Ort spielen eine Rolle“, so Dr. Katharina Kirsch.

Ein optimales Training sorgt bei Pferden für eine rasche Leistungssteigerung, Bei den Top-Athleten sei dies natürlich besonders ausgeprägt, verrät Dr. Kirsch. „Ausdauertrainierte Tiere weisen einen weniger starken Anstieg der Herzfrequenz vor. Die Herzfrequenz kehrt bei ihnen nach starker Belastung schneller in den Ruhezustand zurück. Die Anpassung des Herz-Kreislauf- Systems durch ein dem Tier angepasstes systematisches Training geht bereits nach einigen Tagen bis wenigen Wochen vor sich. Die Muskulatur passt sich nach einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten an. Bei Knochen, Gelenken, Bändern und Sehnen kann dies mehrere Monate bis einige Jahre in Anspruch nehmen.“

„Gesteigert werden kann das Training beispielsweise durch vermehrte Geschwindigkeit, ein anspruchsvolleres Streckenprofil oder erhöhte Länge der Stecke“, erläutert Dr. Kirsch. „Durch individuell geplantes Training werden sowohl die Grundlagenausdauer als auch die wettkampfspezifische Ausdauer erhöht. Während die Grundlagenausdauer dauerhaft im Training gesteigert werden kann, handelt es sich bei der wettkampfspezifischen Ausdauer um ein Intervalltraining.“

Eine besondere Rolle spielt bei jeglicher Art von Leistungsdiagnostik der bekannte Laktatwert. „ATP – Adenosin-Tri-Phosphat – wird vornehmlich als Überträger von Energie in Zellen genutzt. Aus dem bei der Energieabgabe aus ATP entstandenen ADP – Adenosin-Di-Phosphat – regeneriert die Zelle ATP. Muskelkontraktionen benötigen Energie in Form von ATP. Die Energie wird auf unterschiedliche Art und Weise bereitgestellt: aerob, anaerob und alaktizid sowie anaerob und laktizid. Bei Letzterem erfolgt die Bildung von Laktat. Je nach Intensität und Dauer der Belastung laufen die Stoffwechselvorgänge auf unterschiedliche Art und Weise ab, und die Anteile der Energiebereitstellung variieren“, erläutert die Veterinärin.

„TRAININGSPLANUNG BEDEUTET, SEINEN SPORTPARTNER PFERD SYSTEMATISCH OPTIMAL VORZUBEREITEN“

Dr . Katharina Kirsch, DOKR-Tierärztin

„Die vermehrte Bildung von Laktat bedeutet, dass gleichzeitig der pH-Wert im Blut absinkt und nach einiger Zeit eine Beeinträchtigung der Muskelfunktion und somit Ermüdung eintritt“, erklärt Kirsch. Daher werden im Rahmen der Leistungsdiagnostik bei den Kaderpferden zehn, 30 und 60 Minuten nach dem Ritt durchs Gelände Blutproben genommen. Die geben Aufschluss über die Entwicklung des Laktatwertes während des gesamten Trainingsprozesses. Laktatwerte sind für Vielseitigkeitsund Springpferde nach Gelände und Parcours wichtige Parameter. Bei den Dressurpferden sind diese Werte jedoch wenig aussagekräftig, da kaum Laktat produziert wird. Hier werden allerdings andere Parameter wie etwa die Herzfrequenz herangezogen.

Empfehlenswerte Messgeräte

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Geräten zur Trainingsoptimierung, die auch für „Otto Normalreiter“ erschwinglich und gut nutzbar sind. „Die meisten kosten zwischen 100 und 200 Euro“, erläutert Dr. Katharina Kirsch, „eine Investition, die es dem Reiter wert sein sollte.“

Beim DOKR sind die Geräte der Firma Polar im Einsatz. Dazu gehören etwa das „Polar Equine Herzfrequenz-Messgerät“ und der „Polar Equine Reitgurt“. „Dieser wurde so konzipiert, dass er perfekt unter den Sattel passt und dadurch bequem und sicher zu tragen ist“, verrät die Expertin. Auch der „KER ClockIt Equine Fitness Tracker“ ist im Einsatz. Über dessen App können die Reiter in Kombination mit einem Herzfrequenzmessgurt eine Herzratenmessung durchführen, die mit einer Farbskala arbeitet, um zu zeigen, wie lange welche Intensität im Training vorherrschte.

Pausen nicht vergessen!

Ein Athlet muss im Training auch die Möglichkeit haben, durchschnaufen zu dürfen. Das ist bei Pferden nicht anders als bei Menschen. Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl und ihr Bruder Benjamin haben die Beobachtung gemacht, dass ihre Pferde sich durch diese Entspannungsphasen noch mehr anstrengen. Durch das Verschnaufen haben sie die Möglichkeit, neue Kräfte zu schöpfen, und können auch mental einmal die Seele kurz baumeln lassen“, so Benjamin Werndl.

Seine Schwester Jessica erzählt, dass sie bereits nach dem Aufwärmen im täglichen Training eine intensive Schrittpause am langen Zügel einbaut. Während der Arbeitsphase setzt die Weltmeisterin Schrittpausen vor allem als Regeneration und Belohnung für eine gelungene Lektion ein. Sie betont, dass jeder Reiter erkennen muss, wie lang er seinem Pferd diese Pausen gewährt und ob sie am hingegebenen Zügel oder in Anlehnung vonstattengehen sollen. Sie selbst geht individuell und nach Gefühl vor. „Das Wichtigste ist, sein Pferd genau zu kennen bzw. sich die Mühe zu geben, es genau kennenzulernen.“

Um bei ihren Pferden den Kopf wieder freizubekommen, nutzt sie Ausritte in die waldreiche Umgebung oder einen Galopp auf der stalleigenen Rennbahn. Obgleich diese Möglichkeiten nicht jeder hat, sollte man stets intensiv nachdenken, wie dem Pferd zwischen den Trainingseinheiten etwas Gutes getan werden kann.

„Das eigene Handeln ständig zu hinterfragen ist das Mindeste, was jeder von uns für seine Pferde tun kann“, betont Dr. Kirsch. „Trainingsplanung bedeutet, seinem Sportpartner gegenüber fair zu sein, ihn systematisch vorzubereiten auf das, was er leisten soll, und nicht unachtsam in einen Zustand der Überforderung zu treiben.“

Fütterungsoptimierung von Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitspferden

Die passende Fütterung spielt beim gezielten Training ebenfalls eine wichtige Rolle. Dr. Dorothe Meyer, die 1987 den Grundstein zur iWEST® Tierernährung Dr. Meyer GmbH & Co. KG legte, betont, dass vor allem die unterschiedlich stark beanspruchten Muskeltypen durch optimale Fütterung gefördert und das Pferd damit effektiv unterstützt werden kann. „Die roten Muskelzellen werden auch Typ-I- oder ST-Zellen genannt. Sie sind langsam kontrahierbar, ihre Fähigkeit zur Sauerstoffaufnahme ist von allen Muskelzellen am höchsten, und sie verbrennen in erster Linie Fett als Energiequelle“, erklärt die Expertin. „Sie haben die größte Kapazität für Ausdauerleistung und werden deshalb vorwiegend in Perioden geringer dynamischer Leistung gebraucht, wie beispielsweise beim Stehen, Schrittgehen, Traben, bei ruhiger Galopparbeit und für die Muskelleistung eines in Versammlung arbeitenden Dressurpferdes.“

Bei den sogenannten weißen Muskelzellen gibt es zwei unterschiedliche Typen. „Typ II A sind die sogenannten FTH- Zellen, schnell kontrahierbar mit hohem Gehalt an Sauerstoff. Sie verbrennen weniger Körperfett als die ST-Zellen, und ihre Hauptenergiequelle sind Kohlenhydrate“, erläutert Dr. Dorothe Meyer. „Doch auch sie nutzen Fett, beispielsweise aus den bei der Heuverdauung entstehenden Fettsäuren zur kontinuierlichen Energiegewinnung. Die FTH-Zellen werden vom Körper für lange ausgedehnte Arbeit in gemäßigtem Tempo, aber auch bei forcierter Aktivität wie dem Kantergalopp oder bei Verstärkungen benötigt.“

Dr. Meyer fährt fort: „TYP II B sind die Kraftfasern für harte und sehr schnelle Muskelleistung. Sie können kein Fett nutzen, sondern sind mit Glykogen gefüllt, besitzen eine extreme enzymatische Ausstattung für den Glykogenabbau und ermüden aber leider auch sehr schnell. Diese Muskelfasern benötigen insbesondere Rennpferde, denn sie werden bei Hochgeschwindigkeit, wenn die Atmung nicht mehr genügend Sauerstoff heran- und Kohlendioxyd abatmen kann, benötigt. Die ist auch beim Ansprung im Springsport der Fall.“

Grundlegendes für Fütterung von Pferden der unterschiedlichen Disziplinen haben wir für Sie in Tabellenform kurz und übersichtlich zusammengefasst.