Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 12 Min.

MIT KÖPFCHEN und Gefiihl


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 08.10.2021

LÖSUNGSPHASE

Artikelbild für den Artikel "MIT KÖPFCHEN und Gefiihl" aus der Ausgabe 110/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2021

Die Lösungsphase steht immer vor der Arbeitsphase und bereitet das Pferd bestmöglich auf die folgenden Anforderungen vor

Tipps to go Unsere Tipps können Sie gratis auf Ihr Handy laden: Einfach diesen QR-Code scannen und Datei speichern!

In der Lösungsphase werden Körper und Geist des Pferdes möglichst optimal auf die anschließende Arbeitsphase vorbereitet. Dabei soll sich auch die innere Bereitschaft zur Mitarbeit entwickeln, die erst ein harmonisches Miteinander ermöglicht. Die Lösungsphase ist also nicht nur ein wichtiger Bestandteil jeder Trainingseinheit, sondern auch Grundlage für die gesamte weitere Ausbildung. Jeden Tag wird sozusagen ein kleiner Stein gelegt, der irgendwann ein Gesamtbild ergibt. Aus diesem Grund ist es auch entscheidend, Pferde mit System auszubilden und sich nicht nur auf die Praxis zu konzentrieren, sondern sich auch mit der Theorie zu beschäftigen.

Kein Sportler sprintet direkt los

Ein paar Minuten Schritt am langen Zügel, gefolgt von einigen Runden Leichttraben – damit ist es ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Mein Pferd. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 110/2021 von HUFEISEN = GLÜCK?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HUFEISEN = GLÜCK?
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von Die Geschichte der „Kesselflicker-Ponys“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Geschichte der „Kesselflicker-Ponys“
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von Cavalluna feiert Comeback. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Cavalluna feiert Comeback
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von …Dem Dressurvererber Sandro Hit?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
…Dem Dressurvererber Sandro Hit?
Vorheriger Artikel
…Dem Dressurvererber Sandro Hit?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Keine Reithalle? Kein Problem!
aus dieser Ausgabe

... in Sachen Lösungsphase für so manchen Reiter schon getan und es geht sofort richtig an die Arbeit. Das wäre ungefähr so, als würde ein Sportler nach einer längeren Fahrt aus dem Auto steigen, zum Sportplatz gehen, einige Meter langsam joggen und dann mit voller Kraft lossprinten oder andere Disziplinen wie Weitsprung ausüben. Der Muskelkater am nächsten Tag ist ein akutes Zeichen der Überlastung. Würde solch ein Training mehrmals die Woche über Jahre auf dem Programm stehen, wären die körperlichen, aber gewiss auch die mentalen Folgen gravierend. Wem seine Gesundheit auf lange Sicht wichtig ist, der trainiert nicht einfach drauflos. Bleiben wir zunächst bei dem Sportler: Begonnen wird mit einer recht allgemeinen Aufwärmphase, um den Körper auf Temperatur zu bringen und das ganze System auf die folgende Belastung vorzubereiten. Das kann zum Beispiel zunächst lockeres Gehen gefolgt von ersten einfachen Übungen wie Armkreisen oder Dehnübungen sein. Anschließend folgt ein entspanntes Joggen und es werden je nach Sportart erste spezifischere Übungen hinzugenommen. So wird ein Läufer sich nach dem allgemeinen Aufwärmen anders auf das eigentliche Training vorbereiten als ein Kugelstoßer oder ein Athlet im Weitsprung.

Aufwärmen mit Gewicht

Viele Pferde verbringen die meiste Zeit des Tages in der Box, dabei sind Pferde Lauftiere mit einem hohen natürlichen Bewegungsbedarf. In der freien Natur bewegen sie sich rund 12 bis 15 Stunden täglich grasend im Schritt vorwärts. Droht dann eine Gefahr, können sie in Sekundenschnelle ihr System aktivieren und eine große Kraft aufwenden, um im vollen Galopp zu flüchten. Dass Pferde solch kraftvolle, schwere, aber elegante Tiere sind, wird ihnen jedoch in gewisser Hinsicht auch zum Verhängnis: Menschen gehen davon aus, Pferde einfach so belasten zu können. Im direkten Vergleich scheint ein Mensch mit sagen wir 70 Kilogramm Körpergewicht ein echtes Leichtgewicht gegen 600 Kilogramm Pferd. Doch unsere Vierbeiner tragen in der freien Wildbahn eben kein Gewicht auf ihrem Rücken und sind auch keine Lastenträger. Wer sein Pferd lange gesund erhalten möchte, der muss im übertragenen Sinne also nicht nur einen Sportler, sondern einen Sportler mit Ausrüstung und einigen zusätzlichen Kilogramm Gewicht aufwärmen und auf die anschließende Arbeitsphase vorbereiten.

Sanfter, sinnvoller Start

Bevor es an das eigentliche Lösen geht, ist ein entsprechendes Warm-up unerlässlich. Kommt das Pferd aus der Box, ist die Muskulatur noch kalt. Weder Muskeln und Gelenke noch Sehnen oder Bänder sind auf die folgende Bewegung vorbereitet. Setzt sich jetzt auch noch der Reiter auf den Rücken, ohne Bauchmuskeln oder Hinterhand zur entsprechenden Arbeit zu aktivieren, hat das negative Folgen. Daher muss die Muskulatur in der Aufwärmphase vor der eigentlichen Belastung durch leichte Bewegung aufgewärmt werden. Das Pferd wird nicht nur körperlich, sondern auch mental auf das Training eingestimmt. Genauer gesagt wird die Muskulatur besser durchblutet, die Produktion der Gelenkschmiere erhöht und das Herz-Kreislauf-System kommt in Schwung. Insgesamt nimmt nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch die Belastbarkeit des Bewegungsapparates zu. Ebenso erhöht sich die Bereitstellung von Energie. So steigen Reaktions- und Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskulatur, wodurch das Pferd Hilfen besser und schneller umsetzen kann. Außerdem können in der Aufwärmphase auch mögliche nervöse Spannungszustände abgebaut werden. Gleichzeitig steigt die psychische Leistungsbereitschaft. Das Pferd kann sich also auch kopfmäßig besser auf die vom Reiter geforderten Aufgaben konzentrieren.

Von Ruhe zu Belastung

Ein Kaltstart ist also weder für Menschen noch für Pferde gesund. Generell braucht der Organismus immer eine gewisse Zeit, um sich von Ruhe auf Belastung umzustellen und sozusagen das System hochzufahren. Zu Beginn der Aufwärmphase sollte das Pferd die Chance haben, sich im Schritt auf die veränderten körperlichen Bewegungen und das Reitergewicht auf dem Rücken einzustellen. Da der Hals als Balancierstange wichtig ist und zudem die Strukturen im Hals-Kopf-Bereich auch noch nicht auf das Reiten vorbereitet sind, sollte mindestens zehn Minuten Schritt am langen Zügel geritten werden. Das Pferd kann sich so auch auf den Wechsel der Umgebung und neue Eindrücke einstellen. Monotone, endlose Runden im Kreis in der Führmaschine sind daher nicht zu empfehlen. Besser ist die Aufwärmphase auch mal ins Gelände zu verlegen. Ebenso sollte der Reiter in dieser Zeit seinem Vierbeiner die volle Aufmerksamkeit schenken, denn nicht nur das Pferd muss sich mental auf das folgende Training vorbereiten. Für so manchen Reiter ist jedoch der Blick auf das Smartphone oder das Gespräch mit anderen in der Reitbahn schon zur Gewohnheit geworden. In diesem Fall kann das Warmup als bewusste Konzentrationsübung auf das eigene Pferd genutzt werden.

Individuell Fortschritte erarbeiten

Anschließend folgt die spezielle Lösungsphase. Dabei sollte das Pferd weder körperlich ausgepowert noch mental gelangweilt werden. Auch wenn wir als Reiter Einfluss auf unseren Vierbeiner nehmen können, ist es doch das Pferd, das vorgibt, wie die Lösungsphase gestaltet wird. Eine entscheidende Rolle spielen dabei nicht nur das jeweilige Alter, sondern auch der Ausbildungsstand, der Gesundheitszustand, die aktuelle Verfassung sowie der Trainings plan beziehungsweise die anstehenden Aufgaben. Durch eine gut gestaltete Lösungsphase wird das Pferd physisch und psychisch auf das Training eingestimmt. Mögliche Anspannungen können abgebaut und Verletzungen vorgebeugt werden. Ziel ist eine locker arbeitende Muskulatur. Das Pferd findet sein Gleichgewicht, tritt fleißig unter den Schwerpunkt, wölbt den Rücken auf und lässt den Hals fallen. Es tritt vertrauensvoll an das Gebiss und gleichmäßig an beide Zügel heran. Die Hilfen des Reiters werden angenommen. Die eigentliche Lösungsphase soll das Pferd zur sogenannten inneren und äußeren Losgelassenheit führen. Dabei bezieht sich Losgelassenheit sowohl auf den physischen als auch auf den psychischen Zustand des Pferdes. Körperlich soll das Pferd in der Lage sein, sich ohne Verspannungen oder Verkrampfungen zu bewegen. Der Rücken gilt dabei als zentraler Bereich. Ein innerlich losgelassenes Pferd zeigt Gehfreude, ist dabei aber gelassen und konzentriert. Das führt zu einer optimalen Leistungsfähigkeit und ermöglicht Fortschritte in der Ausbildung.

Locker, aber nicht müde

Jedes Pferd hat sein individuelles Wohlfühltempo, das sich im Laufe des Lebens ändern kann. So brauchen junge Pferde in der Regel länger, um sich zu lösen, als erwachsene Pferde, die bereits gut im Training sind. Im Alter kann dann je nach Gesundheitszustand wieder ein längeres Warm-up nötig sein, unter anderem, um Verletzungen zu vermeiden. Lockerreiten hat nichts mit das Pferd einfach nur müde reiten zu tun. Weder einem Vierbeiner mit viel Energie noch einem eher etwas gemütlicheren Typ Pferd bringt es etwas, Runde um Runde zu traben oder zu galoppieren. Die Lösungsphase sollte immer sinnvoll aufgebaut werden. Durch die Wahl der Übungen und die aktive Gestaltung des Lösens können Pferde entsprechend motiviert oder aber auch Spannungen abgebaut werden. Insofern beeinflusst die Lösungsphase nicht nur auf physischer Ebene das gesamte Training, sondern ebenso auf psychischer. Um das passende Programm zu finden, sollten Sie verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und Ihrem Pferd immer wieder Abwechslung bieten. Erwarten Sie nicht, das Schema F zu finden, das Sie jeden Tag abspulen können. Ganz ehrlich wäre das doch auf Dauer ansonsten nicht nur für Ihr Pferd, sondern auch für Sie ziemlich langweilig.

ZEICHEN FÜR LOSGELASSENHEIT

• Der Bewegungsablauf in allen drei Gangarten ist gleichmäßig und im Takt.

• Der Rücken des Pferdes schwingt.

• Das Pferd nimmt die Hilfen des Reiters vertrauensvoll und aufmerksam an.

• Die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul ist fein und stet, bei nachgebendem Genick des Pferdes.

• Das Pferd tritt willig an das Gebiss heran.

• Das Pferd zeigt eine entsprechende Durchlässigkeit auf die halben und ganzen Paraden.

• Das Pferd schnaubt zufrieden ab und zeigt einen ebenso zufriedenen Gesamtausdruck.

• Der Schweif pendelt locker.

• Das Pferd zeigt eine innere Bereitschaft zur Mitarbeit. Es ist bei der Sache und lässt sich nicht mehr leicht ablenken.

• Das Pferd zeigt eine willige und ungezwungene Dehnungshaltung.

• Das Zügel-aus-der-Hand-kauen- Lassen gelingt sicher.

WIE LANGE DAUERT DIE LÖSUNGSPHASE?

Diese Frage kann nicht pauschal mit einer Zeitangabe beantwortet werden. Vielmehr hängt die Gestaltung der Lösungsphase neben Alter und Ausbildungsstand sowie Gesundheits- und Trainingszustand auch von der jeweiligen Umgebung und den Trainingsmöglichkeiten ab.

Zum Beispiel haben manche Vierbeiner im Winter mehr Energie und schießen auch gerne mal über das Ziel hinaus. Vielleicht kommt noch ein knackiger Sturm hinzu und schon braucht das Pferd mehr Zeit, um wirklich loszulassen. Gleiches gilt für Turniere: Die neue Umgebung kann die Lösungsphase deutlich beeinflussen. Häufig spielt auch das Interieur des Pferdes eine Rolle. So neigt der eine Vierbeiner eher zu Nervosität.

In diesem Fall muss viel Wert auf die innere Losgelassenheit gelegt werden. Eher triebige, phlegmatische Pferdetypen müssen hingegen entsprechend motiviert werden.

Einen Unterschied macht auch die Disziplin aus. So wird ein Pferd auf das Dressurtraining anders vorbereitet als auf eine Runde durch den Parcours. Letztendlich entscheidet auch die Tagesform von Mensch und Tier, wie lange die Lösungsphase sein muss.

Bei weiter ausgebildeten Pferden kann die Lösungsphase womöglich kürzer gestaltet werden, doch sie sollte nicht einfach aus Gemütlichkeit oder Zeitmangel abgekürzt werden. Es bringt auch nichts, sich vor dem Reiten zu sagen: „Heute löse ich 15 Minuten.“ Schließlich ist jeder Tag anders und niemand kann alle innerlichen und äußerlichen Gegebenheiten vorhersagen. Allein die Katze, die in der Reithalle plötzlich über die Bande springt, kann einem einen Strich durch die Rechnung machen.

Machen Sie sich einen gewissen Plan für die Lösungsphase, aber bleiben Sie flexibel und achten Sie auf die Signale Ihres Pferdes.

Auswahl und Ausführung

Beim Lösen des Pferdes ist nicht nur die Auswahl der passenden Übungen, sondern auch deren Ausführung entscheidend. Eine Übung ist also immer untrennbar mit der Art und Weise verbunden, in der sie ausgeführt wird. Lösende Übungen sollen dazu führen, dass sich das Pferd entspannt, leichttrittig und leichtfüßig bewegt. Dabei steht ihre Wirksamkeit jedoch in keinem Verhältnis zu der Strecke, die während einer Übung zurückgelegt wird. Es kommt nicht darauf an, einfach möglichst viel und lange vorwärts zu reiten, sondern wirklich bewusst mit System zu trainieren und die Übungen korrekt auszuführen.

SIE HABEN DIE WAHL

Die folgenden Übungen können Sie in Ihre Lösungsphase integrieren. Achten Sie dabei darauf, das Ganze vom Leichten zum Schweren aufzubauen, und sorgen Sie immer wieder für Abwechslung. Eine einfach gestaltete Lösungsphase ist nicht weniger wert als eine anspruchsvollere. Es kommt immer auf das jeweilige Pferd und Faktoren wie Alter, Ausbildungsstand und aktuelle Verfassung an.

• Reiten auf großen gebogenen Linien: Zirkel, aus dem Zirkel wechseln, einfache Schlangenlinie, Schlangenlinien durch die Bahn (beginnend mit drei Bögen).

• Regelmäßige, einfache Handwechsel: Zum Beispiel durch die ganze Bahn wechseln, aus dem Zirkel wechseln, durch die Länge der Bahn wechseln.

• Einfache Übergänge: Schritt-Trab- Übergänge, dabei Arbeitstrab und Leichttraben, Trab-Galopp-Übergänge, ebenfalls aus dem Arbeitstrab. Auch hier kann Leichttraben die Übung erleichtern. Vor dem Angaloppieren aussitzen.

• Aussitzen und Leichttraben im Wechsel: Üben Sie immer mit Ruhe und zwingen Sie sich nicht, auszusitzen. Wichtig ist, dass Sie und Ihr Pferd nicht verkrampfen. Wird Ihr Vierbeiner eiliger oder stockend im Tempo, wenn Sie aussitzen, dann verkürzen Sie die Abstände zwischen Leichttraben und Aussitzen. Unterstützend können Sitzübungen an der Longe helfen.

• Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen: So kann die Losgelassenheit gefördert und gleichzeitig überprüft werden. Je nach Ausbildungsstand des Pferdes in allen drei Gangarten möglich.

• Engere Wendungen erarbeiten: Gelingen die großen gebogenen Linien, können die Anforderungen gesteigert werden. Zum Beispiel, indem Sie Schlangenlinien durch die Bahn mit vier oder mehr Bögen reiten oder doppelte Schlangenlinien an der langen Seite einbauen. Auch Volten zählen zu den engeren Wendungen. Beginnen Sie mit einem Durchmesser von zehn Metern.

• Übergänge zwischen allen Gangarten: Steigern Sie nach und nach die Anforderungen bei den Übergängen. Beginnen Sie mit den Übergängen, die Ihrem Pferd leichter fallen. Erhöhen Sie schrittweise die Anzahl der Übergänge. So können Sie zum Beispiel anfangs einen Trab-Galopp-Übergang auf der Zirkellinie reiten, dann zwei und bald vielleicht sogar drei.

• Zirkel vergrößern und verkleinern: Spielen Sie mit der Größe des Zirkels. Damit Ihr Pferd versteht, was Sie von ihm wollen, können Sie die Übung zunächst im Schritt reiten. Wenn das klappt, gehen Sie zum Trab über. Dabei kommt es nicht darauf an, dass sie möglichst schnell bis zur Zirkelmitte kommen. Ein kürzeres, schrittweises Vergrößern beziehungsweise Verkleinern hat in korrekter Ausführung bereits einen hohen Trainingseffekt. Durch diese Lektion wird die äußere Körperhälfte intensiv gedehnt und sie hat bereits einen leicht versammelnden Effekt: Auf der zunehmend kleineren Kreislinie wird das innere Hinterbein vermehrt gebeugt. Bei korrekter Ausführung wird gleichzeitig die innere Pferdeschulter angehoben.

• Tempounterschiede auf der Zirkellinie: Gelingen die Übergänge zwischen den Gangarten, können Sie auch die Übergänge innerhalb einer Gangart hinzunehmen. Legen Sie kurz zu und fangen Sie Ihr Pferd dann wieder ein. Dazu können Sie auch das Zirkelverkleinern und -vergrößern nutzen.

• Lösen mal anders: Die Lösungsphase kann auch mal ins Gelände oder auf den Springplatz verlegt werden. Werden Sie kreativ und nutzen Sie zudem die Möglichkeiten, die Pylonen oder Stangen zum Lösen bieten. Dabei sollte das Pferd jedoch immer schon ausreichend aufgewärmt sein. Traben Sie also nicht einfach als Kaltstart über Stangen oder in engen Wendungen um Pylonen.

EINZELNE GANGARTEN IM FOKUS

Die meisten Pferde haben eine Lieblingsgangart. Diese kann in der Lösungsphase gezielt genutzt werden. Löst sich ein Vierbeiner beispielsweise sehr gut im Galopp, kann immer wieder ein Fokus auf die Galopparbeit gelegt werden. Das heißt jedoch nicht, dass die anderen Gangarten vernachlässigt werden sollen und nur noch im Galopp geritten wird. Hier ein paar Vorschläge für Übungen in den drei Grundgangarten neben den bereits genannten Möglichkeiten:

Lösende Übungen im Schritt

• Schenkelweichen und Übertreten: Das abwechselnde Überkreuzen der beiden Beinpaare hat einen lösenden Effekt. Lassen Sie Ihr Pferd in einem betont ruhigen Tempo seitwärts gehen. Beide Übungen können sehr gut an der Hand vorbereitet und gesichert werden. Als Steigerung können Sie Schenkelweichen an der langen Seite mit einer anschließenden Vorhandwendung reiten.

• Schrittvariationen: Reiten Sie Tempovariationen im Schritt, wobei der Takt immer gleich und rein bleibt. Geben Sie feine Hilfen und überstürzen Sie nichts. Treiben Sie sanft und genau im Rhythmus des abfußenden Hinterbeins. Der Sitz ist passiv, um das Pferd nicht zu stören.

• Spiel mit Schlangenlinien: Werden Sie kreativ und beginnen Sie spielerisch mit den Seitengängen. Nutzen Sie dazu die Schlangenlinien und beginnen Sie damit, einzelne Bögen im Schultervor zu reiten. Als Steigerung reiten Sie im Schulterherein oder Kruppeherein. Gelingt das, können Sie auch zwischen den einzelnen Seitengängen wechseln. Wenn sich Ihr Pferd bereits gut biegen und stellen lässt, können Sie schließlich jeden Bogen in einem Seitengang reiten.

• Die Acht mal anders: Reiten Sie eine Acht, ohne dabei Stellung und Biegung beim Wechsel auf den neuen Zirkel zu ändern. Dabei wird die äußere Körperhälfte deutlich gedehnt. So können mögliche Verspannungen gelöst und die Beweglichkeit gefördert werden.

Lösende Übungen im Trab

• Mit flachen Bögen beginnen: Reiten Sie Schlangenlinien im Trab anfangs mit flachen Bögen. Dabei geht Ihr Pferd annähernd geradeaus und wird nur ganz leicht gestellt und gebogen. Biegung und Frequenz des Umstellens können Schritt für Schritt erhöht werden. Durch das sanfte, aber regelmäßige Umstellen wird Ihr Pferd noch geschmeidiger.

• Spiel mit dem Rahmen: Lassen Sie mehrmals die Zügel aus der Hand kauen, um sie anschließend wieder aufzunehmen. Durch Wiederholen der Übung können Sie die Losgelassenheit fördern. Gleichzeitig dient das Wechseln des Rahmens der Überprüfung der Losgelassenheit, denn an der Art, wie das Pferd die Übung ausführt, lässt sich viel erkennen. Es geht jedoch nicht darum, dass Ihnen sofort alles gelingt. Geben Sie Ihrem Pferd die Chance, zu lernen und sich zu lösen.

• Das Konterschulterherein nutzen: Es kann sein, dass Ihr Pferd noch Probleme hat, sich zu dehnen, oder dass die Hinterbeine nicht aktiv unter den Schwerpunkt treten. Jetzt kommt das Konterschulterherein auf dem Zirkel ins Spiel: Es hilft Dehnung und Biegung zu verbessern. In der Lösungsphase hat es den Vorteil, dass es weniger versammelnd wirkt als das Schulterherein. Die Übung kann sogar in geringer Abstellung auch im Leichttraben geritten werden.

Lösende Übungen im Galopp

• Trab-Galopp-Übergänge: Bei manchen Pferden kann es sinnvoll sein, in der Lösungsphase früh Galoppübergänge einzubauen. Dabei hat der Wechsel zwischen dem Zweitakt-Trab und dem Dreitakt-Galopp einen lösenden Effekt auf den Rücken des Pferdes. Die Ausführung der Übergänge ist von Faktoren wie dem Alter, dem Ausbildungsstand und dem aktuellen Grad der Losgelassenheit abhängig.

• Ruhig und gleichmäßig galoppieren: Löst sich Ihr Pferd besonders gut im Galopp, dann können Sie nach einem sorgfältigen Warm-up auch direkt angaloppieren. Achten Sie dabei auf ein gleichbleibend ruhiges Tempo. So kann das Pferd loslassen und einen gleichmäßigen Kontakt zur Reiterhand aufbauen. Als Steigerung können unter anderem Übungen wie Übergänge, Wechsel zwischen Rechtsund Linksgalopp oder ein Verlängern und Verkürzen der Galoppsprünge eingebaut werden.

• Frisch, aber kontrolliert: Ein frischer Galopp kann manchmal Wunder wirken. Kombinieren Sie Übergänge in der Galopparbeit immer mal wieder mit einem frischen Zulegen im leichten Sitz. Manche Pferde lösen sich besser im Gelände. Probieren Sie aus, was für Ihr Pferd gerade richtig ist.