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MIT PFIFF GEGEN SCHLIFF


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 39/2022 vom 29.09.2022
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ES IST EINFACH SO: Seit fast 50 Jahren gibt es den Golf nun schon. Er ist beliebt, ein Bestseller. Weil er immer alles richtig macht, alles kann, jeder verträgt sich mit ihm. Kurz: Das Ding ist rund. Nun zum Opel Astra: Nie deutlich schlechter als ein VW, manchmal in Details sogar besser, doch selten ein Sieger im ewigen Duell der Kompakten. Aber immer anders. Besonders die aktuelle Generation. Das sieht man doch schon: Grimmiges Gesicht, stattlich proportioniert, ganz schön geduckt steht er da. Dazu ansehnliche Details wie das vertikale dritte Bremslicht, der schwenkende Blitz als Entriegelung des Heckdeckels, die feinen Kniffe im Blech – wahrlich besonders.

Doch so etwas zählt in unseren Vergleichstests nicht. Wir fassen Fakten, Dimensionen und Technik zusammen. Heute im Programm: Der Astra L als 1.2er-Turbobenziner mit 130 PS. Sein Gegenstück aus Wolfsburg ist der exakt gleich starke Golf 8 ...

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... 1.5 eTSI. Hinter dem e versteckt sich die kleinste Ausbaustufe eines Hybridsystems, nämlich ein Riemen-Startergenerator mit 48 Volt Spannung und kleiner Lithium-Ionen-Batterie unter dem Beifahrersitz. Außerdem hilft Zylinderabschaltung (zwei der vier Pötte haben gelegentlich Pause) beim Sparen.

Mehr Technik, mehr Zylinder (denn im Opel werkelt nur ein Reihen-Dreier), mehr Geld, so einfach ist das. Entsprechend ist ein Golf 1.5 nicht unter 32 445 Euro zu haben, Opel gibt das Gegenstück für vergleichsweise günstige 28 300 Euro her. Noch deutlicher sind die Unterschiede, wenn wir die für diesen Test relevanten Ausstattungsdetails addieren. Dann trennen die beiden fast 8000 Euro! Dazu kommt ein kleiner Vorsprung für den Astra in puncto Komfort. So spendiert Opel dem Fünftürer beispielsweise eine Sitzheizung ab Werk und baut serienmäßig schlüssellose Sensorik in Türen, Heckklappe und Zündschloss.

VW hält im Sicherheitsbereich gegen, montiert etwa einen Center-Airbag in den Golf und hat die feiner arbeitende sowie umfangreicher vernetzte Fahrassistenz (zum Beispiel auch mit Notbremsfunktion inklusive Querverkehrserfassung).

Genug digitale Theorie. Wie fahren die zwei? Beide hervorragend. Trotz Zylinderschwund muss sich der etwas einfacher gestrickte 1.2er des Astra nicht hinter dem TSI im Golf verstecken. Der Opel zieht sogar satter durch, klingt angenehmer – weil sonorer – und verträgt das Auswringen am Drehzahllimit williger. VWs TSI dagegen profitiert von seinem reich-lichen technischen Rüstzeug, kann über die Lichtmaschine sogar rekuperieren, bekommt das Segeln im automatisch ausgekuppelten Zustand feiner hin und verbrennt letztlich messbar weniger Sprit. Statt wie der Opel 7,1 Liter auf 100 Kilometer, verbraucht der Golf nur 6,3 Liter Superbenzin im Testdurchschnitt. Seine DSG-Automatik schaltet etwas feiner herauf, die Achtstufenautomatik des Astra senkt dafür die Drehzahl – vor allem auf der Autobahn – in angenehmere Tiefen. Achtung: Dennoch ist der Golf bei Tempo 130 das objektiv viel leisere Auto. VW hat den Fünftürer schlicht sorgfältiger gedämmt, Windgeräusche (trotz einfacherer Türabdichtung) effektiver ausgesperrt. Sogar die Radhausschalen sind akustisch besser entkoppelt. VW baut hier traditionell auf eine beflockte Oberfläche, Opel setzt an gleicher Stelle schlichte Plastikschalen ein.

!Dreizylinder gegen Vierzylinder. Einst ein Nachteil für den kleineren Motor, heute nicht

OPEL ASTRA

Sehr moderner, edler Eindruck: große Bildschirme fein arrangiert, dazu feste Bediengruppen mit Tasten und Drehreglern – gut so

Beide Autos verzögern vorbildlich standfest, mit leichten Vorteilen beim Golf. Ein halber Meter Differenz – Schwamm drüber. Gleichzeitig lassen sich die Kompakten angenehm schwungvoll

dirigieren und erdulden Ausweichmanöver mithilfe einer sorgfältig angepassten elektronischen Rettungsleine. Besonders beim Astra ist uns aufgefallen, wie schnell, feinfühlig und vertrauenerweckend die ESP-Regelung bereits bei kleinsten Spurverfehlungen einschreitet. Sauber, Opel!

VW GOLF

Vielseitiges Cockpit, u. a. lässt sich der klassische „Uhrenlook“ im Fahrerdisplay abbilden. Mäßig: Bedienung über Berühr-Display

Erstaunlich zudem: Trotz nur fünf Kilogramm weniger Gewicht fühlt sich der Astra beim Tänzeln durch Kurven oder auf schmalen Straßenabschnitten eine halbe Klasse kleiner und agiler an. Dafür läuft der VW dank seiner knackigeren Bereifung (18 Zoll mit 225/45er-Reifen am Testwagen) präziser am Randstreifen entlang. Die Dimension der Räder ist übrigens die einzige Komfortschwäche des Golf. Über Querfugen und kleinere Unebenheiten rollt er derbe hinweg, man spürt ein kleines Beben und hört das rumpelnde Anprallen an Bitumenflicken. Schade: Obwohl der Astra sehr fein auf kleine Stöße reagiert, mag er auf deftigerem Belag nicht genügend nachgeben. Hier hätten wir uns für besseren Federungskomfort ein tieferes Eintauchen und deutlicher wiegendes Ausklingen der Federung gewünscht. Sei’s drum: Der Astra bietet dafür bestes Wohlfühlaroma im Innenraum. Die bequemen Sitze (mit Gütesiegel) stützen besonders rückenfreundlich, das Cockpit wirkt außerordentlich aufgeräumt und modern. Das Beste: Die Bedienung ist ein Kinderspiel. Es gibt feste Tasten, ein eigenes Bedienfeld für die Klimatisierung, sogar einen – gut zuhören, VW – Lautstärkeregler. So soll das sein, so lenkt das System viel weniger ab als die Bildschirmlösung mit übertrieben beladenen Touch-Menüs im VW. Auch im Golf hat der Fahrer es bequem, dank der ausgeprägteren Seitenwangen der Lehne erlebt er hier sogar die strammere Seitenführung. Gleiches gilt für Fondpassagiere, die zudem noch etwas würdevoller, weil weniger geduckt ins Auto steigen. Im schicken und längeren Astra steckt halt mehr Coupé-Linie, das raubt Luft über dem Scheitel. Umso bemerkenswerter dagegen seine Qualitäten als Lastesel. In den Kofferraum des Opel passen nämlich ein paar Literchen mehr Gepäck. Das gilt sowohl für das Volumen unter minimaler Raumausnutzung wie für die Werte bei gänzlich umgeklappter Fondbanklehne. In den Astra geht eine Tasche oder ein kleiner Koffer mehr.

Die Erweiterung der Gepäckabteile klappt bei VW etwas besser, da die Mechanik der Rückbank leichtgängiger funktioniert. Beim Opel steigt zudem die dann entstehende Ladefläche steiler an. Dafür können Opel-Fahrer schwereres Gepäck mitnehmen. Nach unseren Messungen darf der Golf nämlich nur 499 Kilogramm Ladung schultern, der Astra dagegen 544 Kilogramm. So etwas ist in der Praxis jedoch kein dramatischer Vorteil. Am Ende ist es also wie immer. Der Golf hat halt richtig Schliff – und liegt vorn.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

TESTSIEGER

1. 547 Punkte

VW Golf Sparsam, komfortabel, fahraktiv, sehr sicher ausgestattet – den höheren Preis also durchaus wert.

2. 537 Punkte

Opel Astra Viel einfachere Bedienung, angenehmer Sitzkomfort, agiles Wesen - im Fond jedoch unbequemer.

FAZIT

JAN HORN, MIRKO MENKE

Der Opel ist originell gemacht, bereitet Laune, leistet sich im Grunde keine einzige echte Schwäche. Wem das zusagt: kaufen! Zumal der Astra hier das viel günstigere Auto ist. Der Golf sammelt in nahezu jedem Kapitel mehr Punkte, gewinnt am Ende diesen Vergleich – ist halt geschliffen gut.