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MIT SCHARFEM BLICK


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IMTEST - Das Verbraucher Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 05.08.2022

55 ZOLL-TVS

Artikelbild für den Artikel "MIT SCHARFEM BLICK" aus der Ausgabe 8/2022 von IMTEST - Das Verbraucher Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IMTEST - Das Verbraucher Magazin, Ausgabe 8/2022

LG OLED55B29LA

5 55 Zoll-TVS IMTEST

Den neuen „Tatort“ schauen, bei der Bundesliga mitfiebern oder in einer Dokumentation abtauchen: Das macht mit dem richtigen Fernseher noch mehr Spaß.

Die goldene Mitte zwischen gewaltigen Mattscheiben und kompakten TVs bilden Fernseher im 55-Zoll-Format. Denn sie passen auf eine Vielzahl von modernen Möbeln und sorgen mit 139 Zentimetern Bildschirmdiagonale noch für Heimkino-Atmosphäre. Doch die enorme Auswahl an Geräten ist regelrecht erschlagend und erschwert die Kaufentscheidung vehement.

Welcher Fernseher liefert das beste Bild?

Wo stimmt auch der Klang? Und welches Modell kann mit seinen Extras punkten?

Um diese und weitere Fragen zu klären, hat IMTEST fünf aktuelle 55-Zoll-Fernseher im Preisbereich zwischen 449 und 1.929 Euro getestet.

Ein ungleiches Quintett

Während alle Testkandidaten Inhalte mit 3.840 x 2.160 Bildpunkten in 4K (Ultra HD) scharf auflösen, setzen ...

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... die Hersteller auf sehr unterschiedliche Techniken:

LCD/LED: Für die Bilderzeugung kommen Flüssigkristalle zum Einsatz, die von einer LED-Hintergrundbeleuchtung bestrahlt werden. Sowohl der Panasonic LXW944 als auch der Ok. ODL 55950 UC-TAB sind LED-TVs.

QLED: Samsungs hauseigene Weiterentwicklung der LED-Technologie. Nanopartikel – sogenannte Quantum Dots – sorgen im Zusammenspiel mit winzigen LEDs für eine herausragende Spitzenhelligkeit und ein gutes Kontrastverhältnis. Hier im Test: der neue Samsung QN95B.

OLED: Diese Bildschirmtechnik unterscheidet sich grundlegend von LED-Displays. Da die Dioden – in diesem Falle organische Leuchtdioden – von selbst leuchten, ist keine LED-Hintergrundbeleuchtung nötig. Zeigen sie Schwarz, schalten sie sich einfach ab. Damit können Fernseher dieser Bauweise sehr tiefes Schwarz anzeigen, was für ein extrem gutes Kontrastverhältnis und realistische Farbdarstellung sorgt. IMTEST hat die OLED-TVs LG B2 (OLED55B29LA) und Medion Life X15564 getestet.

Die verschiedenen Bildschirmtypen sorgen dafür, dass die Unterschiede schon bei der Farbwiedergabe sehr groß sind. Zum Teil sind die Fernseher so unsauber eingestellt, dass es zu einer verfälschten Farbwiedergabe kommt: Ursprünglich blaue Schmetterlinge fliegen dann beispielsweise in Türkis über den Bildschirm, und Hautfarben sehen unnormal rötlich aus.

Mit solchen Irritationen sind die Augen bei dem LG B2, dem Panasonic LXW944 und dem Samsung QN95B nicht konfrontiert. Sie alle stellen Farben sehr genau dar, was sich am durchschnittlichen Delta-E-Wert zeigt.

Zur Erklärung: Je geringer der Wert, desto genauer stellt der Fernseher die Farben dar.

LG und Panasonic kommen auf 1,4, der Samsung hingegen auf 1,6. Da können die Kontrahenten nicht mithalten. Der Medion Life X15564 kommt auf einen Delta-E-Wert von 2,97. Im Sichttest fielen bereits leichte Abweichungen auf, das Bild wirkte leicht bläulich.

Weit abgeschlagen ist das Ok.-Modell mit einem Delta-E-Wert von 6,9. Die Wüste aus dem Film „Mad Max: Fury Road“ hatte im Sichttest einen ordentlichen Gelbstich und glich so eher einem Rapsfeld. Außerdem wichtig: Wie viele Farben kann der Fernseher überhaupt anzeigen? IMTEST hat gemessen, inwieweit der erweiterte Farbraum DCI-P3 abgedeckt wird. Denn: HDR-Inhalte greifen auf diesen Farbraum zurück. „HDR“ steht für „High Dynamic Range“ und stattet das Bild mit mehr Helligkeitsnuancen aus. Aber: Selbst aktuelle Fernseher decken die intensiven Farben des Farbraums nicht gänzlich ab.

Der LG-TV kommt mit 97 Prozent am nächsten dran. Obendrein bietet er dank der OLED-Technologie ein perfektes Kontrastverhältnis samt tiefem Schwarz. Der Samsung-Fernseher deckt 95 Prozent ab und kommt auf ein hohes Kontrastverhältnis von 7672:1. Der Panasonic LXW944 schafft 87,5 Prozent, liefert jedoch nur einen flauen Kontrast (1031:1). Die Folge: Schwarz sieht auf dem Fernseher eher gräulich aus, was besonders bei dunklen Filmen wie „The Batman“ negativ auffällt.

Da macht Medions OLED-TV mit 89,3 Prozent und tiefem Schwarz eine bessere Figur. Für eine böse Überraschung sorgte der Ok.-TV. Im Testlabor konnte keine Abdeckung des erweiterten Farbraums festgestellt werden.

OLED-TVs: Nicht die hellsten

Doch OLED-TVs haben eine Schwäche: Sie sind nicht die hellsten. Der LG kommt zwar noch auf eine „gute“ Spitzenhelligkeit von 607 Candela pro Quadratmeter, aber das Bild des Medion-TVs ist mit 418 Candela pro Quadratmeter noch dunkler. In sonnendurchfluteten Räumen ist es kaum erkennbar. Somit eignen sich OLED-Modelle eher für abgedunkelte Räume mit wenigen Fenstern. In diese Kerbe schlägt der Samsung QN95B, der seine Kontrahenten mit einer Maximalhelligkeit von 1.436 Candela pro Quadratmeter regelrecht überstrahlt. Selbst bei Tageslicht geht der Detailreichtum des Bildes nichts verloren – eine „sehr gute“

Leistung. Der Panasonic LXW944 strahlt mit 645 Candela pro Quadratmeter etwas heller als der LG B2. Wieder weit abgeschlagen: das Modell von Ok. mit gerade mal 256 Candela pro Quadratmeter. Hat man beim Fernsehen am Tag ein Fenster im Rücken, ist nicht mehr viel vom Bild erkennbar.

Von verwaschen bis scharf

Wie scharf das Bild ist, hängt jedoch nicht nur von der eingebauten Bildschirmtechnik ab. Auch das Bildmaterial spielt eine große Rolle. Denn besonders TV-Inhalte sind niedriger aufgelöst und müssen vom Fernseher an das höher auflösende Display angepasst werden. Ansonsten würde der 4K-TV HD- und Full-HD-Inhalte nicht bildschirmfüllend anzeigen. Wie gut diese Hochskalierung klappt, hängt maßgeblich von zwei Dingen ab: der Prozessorleistung und dem Algorithmus, der die Inhalte mit künstlichen Bildpunkten hochrechnet. Das klappt mal besser und mal schlechter.

Die Fernseher von LG, Samsung und Panasonic schärfen TV-Inhalte gut nach. Auf dem Medion-TV sieht das Fernsehbild hingegen etwas verschwommen aus, je- doch nicht so stark wie auf dem Ok.-TV. Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon Prime Video sind voll von Inhalten mit Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Bildpunkte) – vereinzelnd gibt es aber auch Filme und Serien mit 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Bildpunkte). Im Sichttest mit einem Full-HD- und einem 4K-Film zeigte sich ein ähnliches Bild.

Wie erwartet, liefert der LG-TV das beste Seherlebnis. Auch das Bild des Samsung-Fernsehers zeichnet sich durch eine hohe Bildschärfe und ausgewogene Farbdarstellung aus.

Allerdings zeigt nur das verwaschene Bild des Ok.-TVs wirklich grobe Schwächen, da es teilweise Details verschluckt.

Wichtig für Sportsfreunde

Für Fußball-Fans und Co. ist die Bildwiederholrate ein wichtiges Kriterium. Denn schnelle Objekte wie Bälle und Spieler werden unscharf, wenn der Fernseher nicht mehr hinterherkommt. Damit alles scharf bleibt, hilft eine Bildwiederholrate von 100 Hertz und aufwärts. Das bieten die TVs von Samsung, Panasonic sowie Medion –

LG kommt sogar auf 120 Hertz. Aber: Das alleine reicht oft nicht aus, denn Sport-Inhalte werden meist mit 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Auf nahezu allen getesteten 55-Zoll-TVs sehen schnell bewegte Objekte sehr scharf aus. Nur auf dem Ok.-TV wird aus einem diagonal gespielten Fußball ein verschwommener Schweif.

Wer hat den besten Klang?

Neben dem Bild ist auch der Ton wichtig.

Die TVs von Samsung und Panasonic sorgten im Test für das beste Gesamtergebnis – und haben dabei unterschiedliche Stärken und Schwächen. Während Stimmen beim Samsung QN95B klar und gut verständlich sind, hören sie sich bei dem Panasonic-Pendant leicht gedämpft an. Dafür trumpft er mit seinen kräftigen Tiefen bei Actionszenen auf. Dicht dahinter sichert sich LGs B2 mit klaren Höhen und etwas dünnem Bass den dritten Platz in dieser Disziplin. Musik hören? Klappt mit den drei TVs gut – mit den Fernsehern von Medion und Ok. eher nicht. Medions Klanggeber dröhnen bei basslastigen Songs etwas, die Höhen sind aber klar. Das Schlusslicht bildet erneut der Ok.-TV, der nur eine flache und blecherne Klangqualität liefert.

Eine Handvoll Smart-TVs

Alle fünf Testkandidaten sind sogenannte Smart-TVs. Heißt: Sie können sich mit dem Internet verbinden und bieten ähnlich wie Tablets und Smartphones allerhand Apps und Zusatzfunktionen. Nahezu alle TVs sind mit den gängigen Streaming-Diensten – Amazon Prime Video, Netflix und Disney+ – ausgestattet. Allerdings fehlt Letzterer bei dem TV von Medion. Besonders stark ist die Auswahl bei dem Ok.-Gerät, das ab Werk mit dem Betriebssystem Android 10 ausgestattet ist. Die Navigation durch die Menüs klappt bei den meisten Fernsehern mit dem Steuerkreuz auf der

Fernbedienung oder per Sprachsteuerung. Eine intuitive Bedienung bietet der LG-TV.

Mittels Gestensteuerung bewegen Nutzerinnen und Nutzer einen Maus-Cursor und fliegen so regelrecht durch die Menüs. Dafür stehen beispielsweise bei Panasonic und Medion mehr Tasten zur Verfügung. Minimalistisch ist hingegen die Samsung-Fernbedienung ohne Nummerntasten gehalten.

Auf die Anschlüsse kommt es an

Für Besitzerinnen und Besitzer aktueller Spielkonsolen lohnt ein Blick auf die Rückseite der TVs. Denn nicht jeder HDMI-Anschluss verdaut 4K-Auflösung bei einer Bildwiederholrate von 120 Hertz. Dafür ist eine HDMI-2.1-Schnittstelle nötig. Der Samsung und der Panasonic-TV bieten gleich vier davon, sodass man gleich mehrere Geräte gleichzeitig anschließen kann.

Das LG-Modell hat immerhin noch zwei HDMI-2.1-Ports. Damit lassen sich auch Features wie variable Bildraten nutzen – die ein noch flüssigeres Spielerlebnis gewährleisten.

Verpackung und Stromverbrauch

In Zeiten von Ressourcen-Schonung immer wichtiger: die Verpackung. Da bekleckern sich alle Hersteller mit ihren vielen Folien nicht mit Ruhm. Selbst Kleinteile wie Batterien stecken in eigenen Verpackungen – das geht besser! Jedoch schneidet der Ok.-TV auch hier am schlechtesten ab. Sein Außenkarton ist foliert, was Recycling unmöglich macht.

In Anbetracht steigender Energiekosten ist auch der Stromverbrauch ein heutzutage wichtiges Thema bei Fernsehern. Denn die Kosten läppern sich, wenn man sie aufs Jahr hochrechnet. Wie viel der TV verbraucht, hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Das Abspielen von HDR-Inhalten fordert beispielsweise mehr Strom als das gewöhnliche TV-Programm. Des Weiteren spielen Bildeinstellungen und aktivierte Features eine große Rolle. Bei gemischter Nutzung mit TV- und HDR-Inhalten konnte der Ok.-TV glänzen. Seine Jahreskosten belaufen sich auf 87 Euro – so günstig ist keiner. Zum Vergleich: Der LG-Fernseher kommt auf 114 Euro und der Samsung-TV sogar auf 119 Euro.

FAZIT

Um Haaresbreite sichert sich der LG OLED- 55B29LA den Testsieg gegen den heller strahlenden QN95B von Samsung. Dennoch muss sich der Samsung-TV mit seiner tollen Farbdarstellung und seinem guten Klang nicht verstecken. Wer nicht gleich knapp 2.000 Euro ausgeben will, ist mit dem Panasonic LXW944 gut bedient – der ein gutes Gesamtpaket aus Bild und Ausstattung bietet. Dennoch heißt der Preis-Leistungs-Sieger mit einem Verkaufspreis von unter 1.000 Euro Medion Life X15564. Das liegt vor allem am perfekten Kontrastverhältnis und der sehr scharfen Darstellung von Bewegtbildern. So günstig sind 55 Zoll große OLED-Modelle selten.