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MIT STROM NACH ROM … MIT GLÜCK ZURÜCK


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2021 vom 22.07.2021

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Artikelbild für den Artikel "MIT STROM NACH ROM … MIT GLÜCK ZURÜCK" aus der Ausgabe 29/2021 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 29/2021

In Hamburg lebten zwei Ameisen, Die wollten nach Australien reisen. Bei Altona auf der Chaussee Da taten ihnen die Beine weh, Und da verzichteten sie weise Auf den letzten Teil der Reise.

NEE, WIR SIND KEINE AMEI- SEN, wir sind die Irren von AUTO BILD, die mit einem Elektroflitzer 1800 Kilometer von Hamburg nach Rom reisen und auch wieder zurückkommen wollen. Doch bei Kilometer 466, mitten auf dem Autohof Eichenzell bei Fulda (Hessen), da denken wir an Joachim Ringelnatz: Sollten wir nicht doch lieber auf den letzten Teil der Reise verzichten?

Nichts geht mehr, wir stehen an der Schnellladesäule und sind ratlos. Angekommen mit 15 Prozent Rest im Akku, in vier Minuten hat unser Porsche Taycan 4S aus dem Dauertest 11,4 kWh geladen – und bei 27 Prozent Akkukapazität abgebrochen. Im Display steht: „Bordnetz gestört, Service notwendig“. Erst mal Auto verriegeln, Kaffee holen. Es ist ...

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... Sonntag, halb zehn in Deutschland, Knoppers- Zeit. Und mit Schoki im Mund beschließen wir, JETZT die Assistance anzurufen, steht ja auch so in der Anleitung. Nach einer Stunde stornieren wir: Er lädt wieder!

Es ist Viertel vor elf, Verriegeln und Warten zeigen Wirkung: Der Taycan hat einen „Soft Reset“ vorgenommen und saugt weitere 54,8 kWh auf, das geht wirklich ratzfatz, der Wahnsinn. Also Abfahrt.

Wir müssen den Sinn dieser Geschichte kurz erklären. Elektromobilität soll ja die Zukunft sein, der Verkehrsminister schießt 900 Euro zu jeder Garagen-Wallbox zu und hat den Fördertopf gerade zum dritten Mal aufgefüllt; Autos wie der VW ID.3 werden mit 9570 Euro bezuschusst. Und so haben wir uns gefragt: Ist ein Elektroauto eigentlich schon voll alltagstauglich? Also richtig voll-voll und nicht nur zur Arbeit pendeln oder mal 150 Kilometer zu Tante Hedwig? Und, um ganz ehrlich zu sein: Für diesen 1800-Kilometer- Trip nach Rom wäre es uns im Traum nie eingefallen, einen VW ID.3 mit mittlerem 58-kWh-Akku zu nehmen, der lädt nämlich nur mit maximal 100 kW. Unser Taycan saugt Strom mit bis zu 270 kW. Das ist so, als könnte der ID.3 ein Bier ex trinken, während der Taycan in derselben Zeit drei schafft, wobei er beim letzten Schluck ein bisschen kleckert.

Ja, auf derlei Gedanken kommst du, wenn du auf dem Weg zum Zwischenziel Bozen fünfmal zum Laden rausfährst und im Schnitt 23,5 Minuten wartest, den „Soft Reset“ in Eichenzell mal nicht mitgerechnet. Da stehst du also neben so einer Ionity-Säule und denkst an dein Feierabendbier und dass du es dir nach all der Warterei verdient hast.

Noch ist es nicht so weit, wir müssen über Ionity sprechen. Das ist die Schnelllade-Initiative der deutschen Autoindustrie, der Konter auf den Tesla-Angriff. Während unserer Reise ist Ionity die Lebensversicherung, denn wir haben eine Karte von denen, keine von Porsche. Ungewöhnlich, denn jeder, der einen Taycan ordert, bekommt die Porsche-Ladekarte, die eigentlich (fast) überall funktioniert. Wir haben die nicht und laden bei Ionity, ignorieren also die Ladestrategie im Navi und suchen unsere Stationen entlang der Route. Müssen wir übrigens händisch eingeben, Porsche fragt nicht nach unserer bevorzugten Tanke. Und so laden wir nicht nach 325 Kilometern, sondern früher.

Akku bis auf fünf Prozent leer fahren, um dann in 22 Minuten auf 80 Prozent vollzuladen, ist uns zu heikel. Geladen wird nicht, wenn der Akku alle ist, sondern wenn wir es nicht bis zur übernächsten Ionity schaffen würden. Wie sagte Wim Thoelke? „RISIKO!“ Und dann war ja noch die Sache mit „Bordnetz gestört, Servive notwendig“... Und wissen Sie was? Ionity-Schnelllader gibt es zwar an immer mehr Raststätten und Autohöfen. Aber nicht überall, es kann auch 100 Kilometer mal gar nichts sein. Und dann stehst du vor der Säule wie Piksieben, wenn Karo Trumpf ist, weil du keine Karte oder App hast, denkst an Audi, die nur Elektronachfolger für A3 und A4 planen und an Opel, die 2028 komplett elektrisch sein wollen, und du sagst dir: An deren Stelle würde mir jetzt der A… auf Grundeis gehen.

Kurz vorm ersten Etappenziel, da, wo am Brenner Österreich und Italien ineinander übergehen, da quetschen wir unseren Taycan in eine von vier engen Ladebuchten eines Outlet-Parkhauses. Neben uns lädt ein roter Audi e-tron GT, dessen Fahrer Jürgen Braun (43) aus Pfaffenhofen uns gleich freudig begrüßt: „Servus, Buam!“ Der Rote ist ein Leihwagen vom Händler, weil der bestellte RS e-tron GT erst im September kommen soll, Halbleitermangel. Wir kommen ins Schwärmen, feiern Taycan und e-tron für perfekte Performance und sanftes Gleiten, aber dann muss uns Jürgen noch warnen: „Hier in Italien wird’s eng mit den Ladesäulen. Viel Glück und pfiat euch, Buam!“

Wir wollen nichts beschönigen: Wenn Deutschland bei der E-Mobilität Schwellenland ist, dann ist Italien Entwicklungsland. Wir sind die ersten 1000 Kilometer 130 Sachen im stromsparenden Range-Modus gefahren, haben es nur mal kurz am Fernpass krachen lassen und den Porsche unter uns gespürt, hatten Tränen in den Augen beim Rausbeschleunigen aus der Serpentine und wollten schon ’ne Zugabe geben. Aber nein, die Reichweite!

Mit diesem Superstromer ist es ja so: Du kannst ihn dank 530 PS in vier Sekunden auf 100 km/h katapultieren, dass es dir den Magen umdreht, du kannst das sogar 20- mal wiederholen und Tempo 250 fahren. Du kannst diese geile Wildsau auch querstellen und quietschend durch die Kurve jagen.

Aber so kommst du nie an!

Theoretisch hätten wir die 700 Kilometer von Bozen nach Rom in einem Tag geschafft, und wir hätten auch schnellen Strom fassen können. Praktisch haben wir einen Zwischenstopp bei Lamborghini eingelegt und mit langsamen 11 kW geladen, so wie zu Hause. Den Grund für unseren Umweg dürfen Sie noch gar nicht wissen, wohl aber dass wir am Abend noch mit der EnBW-Hotline telefoniert haben, um zu klären, ob unsere Ladekarte vom ADAC mit neuer Mastercard-Nummer scharfgeschaltet ist. „Ja, ist alles in Ordnung“, sagt die Dame an der Hotline.

Rom, 16 Uhr, tief stehende Sonne, 40 Grad, die Karte geht natürlich nicht. Uns läuft die Soße den Rücken runter: Wie kommen wir jetzt die 186 Kilometer zurück zur nächsten Ionity Richtung Norden? Zum Glück besteht der Ladepark aus Säulen UND Café, eine Mitarbeiterin zeigt uns, welche App wir brauchen. Und gleich wieder Blutdruck: Wie ist der 3D-Secure- Code? Anruf bei der Bank, Mail abwarten, Passwort ändern, Code ausfüllen. Sagen wir so: Als wir um 21 Uhr unsere Carbonara essen, steht der Taycan mit 90 Prozent Akku sicher vorm Hotel.

MIT STROM NACH ROM. Es hat geklappt. Und jetzt erklären wir Ihnen den zweiten Teil der Überschrift: MIT GLÜCK ZURÜCK.

Es ist der 24. Juni, 18.30 Uhr, Rastplatz Frankenhöhe-Nord, A 6. Mit 17 Prozent Rest kommen wir an, nach zwei Minuten und 5,4 kW bricht die Ladung ab, geht fünfmal so weiter. Bei 53 Prozent Ladung und der Meldung „Bordnetz gestört, Servive notwendig“ rufen wir die Assistance. Der Meister löst den Pluspol der Batterie, wartet, stöpselt wieder an, Auto lädt. Wir kommen um kurz nach Mitternacht mit 35 Prozent Rest in unserer Zweitwohnung in Ziegenhain (Nordhessen) an, sagen: Rückreise geglückt, denn Wohnung ist Wohnung, und auf dem Land ist’s eh viel schöner. Glück für Porsche, denn schon am nächsten Tag der gleiche Fehler, der Wagen muss in die Werkstatt. Porsche erklärt:

„Bei der Untersuchung haben wir festgestellt, dass eine defekte 12-Volt-Batterie und ein älterer Software-Stand dafür gesorgt haben, dass es zu Ladeabbrüchen gekommen ist. Wir haben eine neue 12-Volt-Batterie verbaut sowie die aktuellste Software aufgespielt und damit das Problem gelöst.“

Stimmt, es läuft wieder rund beim Taycan. Mehr Säulen und ein einfaches Bezahlsystem sind aber nicht in Sicht. Vielleicht nehmen wir für die nächste Story ’nen Elfer: Mit Benzin nach Wien. Oder mit Sprit nach Split.