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Mit Vollgas zum Erfolg


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 16.07.2021

Neue Serie: Dynastien des Geldes

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Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 8/2021

Ein 128 PS starker Traum in Weiß

Der Porsche 356 Carrera Speedster aus dem Jahr 1957. Im sonnigen Kalifornien avanciert der offene Sportwagen zum Kultauto der Reichen und Schönen Hollywoods

Der Krieg an der Ostfront tobt seit mehr als zwei Jahren, als SS-Oberführer Ferdinand Porsche dem Diktator einen ferngelenkten Spielzeugpanzer vorführt. Hitler ist begeistert und gibt Porsche den Auftrag, den Panzer »Maus« als unbesiegbare Waffe zu bauen. Als die rollende Festung schließlich 1944 fertig ist, kommt sie nie zum Einsatz. Der Panzer »Maus« ist so groß, dass er bei der Überführung an die Front durch keinen Eisenbahntunnel passt. Hitler ist mächtig sauer und Porsche seinen Leiterposten der Panzerkommission los.

Fast 80 Jahre ist die braune Vergangenheit des begnadeten Konstrukteurs wohl bekannt, Porsche befindet sich in zweifelhafter Gesellschaft mit anderen Unternehmen ...

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... dieser Zeit. Autoliebhaber erinnern sich lieber an all die famosen Fahrzeuge, die Porsche und sein Clan entwickelt haben.

BILDNACHWEIS:BRIDGEMAN, ISTOCKPHOTO.COM/KATIV

1899 baut der Technik-Fan Ferdinand Porsche sein erstes Elektroauto Firmengründer Ferdinand Porsche wird 1875 in Böhmen geboren. Er ist technisch begabt und experimentiert viel mit der neu aufkommenden Elektrizität herum. Er entwickelt einen handgetriebenen Generator, der das Haus der Porsches beleuchtet. Sein Vater aber will den Jungen lieber als Nachfolger seines Klempnergeschäfts sehen. Als Ferdinand auch seine Leidenschaft für Motoren entdeckt, heuert er nach der Schule bei einem Kutschfabrikanten in Wien an. Mit 24 Jahren baut er sein erstes Vehikel, den Lohner Porsche – ein Elektromobil bis zu 50 Stundenkilometer schnell.

Irgendwann verliert Porsche die Lust am Strom. Die Batterien sind zu schwer und nicht leistungsfähig genug. Zwar geht er mit einem selbst gebauten Hybrid 1903 auf Hochzeitsreise und fährt jeden Sonntag damit zur Kirche vor, aber die Zukunft sieht Porsche im Verbrennungsmotor. Selbst ein kühner Autofahrer, gewinnt er 1910 in einem von ihm entworfenen Austro-Daimler die Prinz-Heinrich-Fahrt, eine Tourenmeisterschaft.

Während des Ersten Weltkrieges konstruiert er Zugmaschinen für das österreichische Militär. Er entwickelt den zweisitzigen Sportwagen Sascha, für den es jedoch kaum Kunden gibt. 1923 wird er Chefkonstrukteur bei den Daimler-Betrieben in Stuttgart.

Der ehrgeizige Konstrukteur entwickelt immer neue Motoren und Autos, was Unsummen verschlingt. Als sein Arbeitgeber ihm die notwendigen finanziellen Mittel nicht mehr bereitstellen will, kommt es zum Bruch. Porsche macht sich 1930 mit seinem Sohn Ferry selbstständig, und es dauert nicht lange, bis die Mächtigen der Welt anklopfen. Ein Angebot Stalins, mithilfe von Porsche den technischen Rückstand zu Westeuropa aufzuholen, schlägt dieser aus. Aber nicht aus politischen Gründen, sondern aus praktischen. Porsche glaubt, seine kostspieligen Innovationen in der finanziell maroden Sowjetunion nicht verwirklichen zu können. Politik interessiert den Ingenieur nur insofern, dass sie ihm bei der Entwicklung neuester Technologien behilflich sein soll.

Als Hitler seine Autobahnen bauen will und dafür Autos braucht, die darauf fahren sollen, gibt er Porsche folgenden Auftrag: »Entwicklung eines Autos mit 100 km/h Dauergeschwindigkeit, 7 Liter Verbrauch und 4 bis 5 Sitzen.« Porsche schickt dem Diktator persönlich ein Exposé für den ersten deutschen Volkswagen, genannt KdF-Wagen: Kraft-durch-Freude-Wagen.

Der Tag, an dem Ferry Porsche seinen Vater und Hitler durch Fallersleben bei Wolfsburg kutschiert, ist für die Familie ein gewaltiger Erfolg. Die Leitung des neu gebauten Volkswagenwerks übernimmt Ferdinand Porsches Schwiegersohn Anton Piëch. Aber Ferdinand will auch weiter Rennwagen bauen. Für das politisch motivierte Prestige-Rennen »Berlin-Rom« entwirft er drei Volkswagen mit einer stromlinienförmigen Karosserie: Die ersten Porsche, auch wenn sie damals noch nicht so genannt werden.

Die schweren Porsche-Panzer für Hitlers Krieg an der Ostfront sind ein Flop

Als Hitler den Zweiten Weltkrieg beginnt, sind in Wolfsburg nur wenige Hundert Volkswagen vom Band gelaufen. Von nun an produziert das Werk Kübelwagen mit Heckantrieb und luftgekühltem Motor für die Front. Dabei werden mehrere Tausend Zwangsarbeiter eingesetzt.

1942 erhält Porsche von Hitler den Auftrag, einen schweren Panzer zu konstruieren. Beim Angriff 1943 auf Kursk an der Ostfront, den der Diktator verzögert hat, damit er diese neuen Panzerjäger »Ferdinand« einsetzen kann, bleiben viele der 65 Tonnen schweren Tanks stehen. Sie sind voller technischer Raffinesse, aber störanfällig. Nach dem Desaster mit »Maus« ist dann Porsches Kriegskarriere endgültig beendet.

»Generäle habe ich genug, da kann einer mal abstürzen. Einen Porsche habe ich nur einmal!«

Adolf Hitler

Mit Pragmatismus zum Namen: Vom Porsche 901 zu 911

Da sich der Konkurrent Peugeot dreistellige Zahlen mit einer Null in der Mitte bereits gesichert hatte, wurde 1963 die zuvor verwendete »0« durch eine »1« ersetzt

Das Kriegsende erleben er und seine Familie in Kärnten. Porsche und sein Schwiegersohn kommen in Kriegsgefangenschaft, werden aber nach 22 Monaten freigelassen. Beide erholen sich nicht mehr davon. Porsche stirbt 1951 in Stuttgart, Piëch anderthalb Jahre später.

Ein letzter großer Deal geht noch auf das Konto des Unternehmensgründers. Er schließt mit dem Volkswagenwerk einen Vertrag ab, der ihm für jeden gebauten Käfer eine Lizenzgebühr von knapp 5 D-Mark sichert. Ein Goldsegen für die Familie, denn 1950 rollen in Wolfsburg schon 90 000 Käfer vom Band. Das neue Auto ist der Nachfolger des KdF-Vehikels. Am 5. August 1955 wird der 1 Millionste Käfer produziert – das erfolgreichste Modell der Automobilgeschichte, bis er von seinem Nachfolger, dem Golf, abgelöst wird.

Das Erbe teilen sich Porsches Kinder Ferry und Louise, verheiratete Piëch. Der Grundstein für die Doppel-Dynastie Porsche-Piëch ist somit gelegt. Während Ferry sich auf seine Sportwagen in Stuttgart konzentriert, übernimmt die geschäftstüchtige Tochter Louise den Volkswagen-Betrieb in Österreich.

Ferry baut mit dem Spyder 550 das erste straßentaugliche Rennauto. Reißenden Absatz findet der Spyder auch in den USA. Der Schauspieler James Dean fährt sich damit 1955 zu Tode.

Die dritte Generation hat übernommen, als in Le Mans gewinnt. Der große Triumph endet in einem gewaltigen Familienkrach. Ferdinand Piëch, wie sein Großvater ein begnadeter und ehrgeiziger Ingenieur, hat für die Entwicklung des siegreichen 917 Unsummen ausgegeben. Die anderen Familienmitglieder, vor allem jene, die den Namen Porsche noch tragen, nehmen Piëch seine Alleingänge übel. Längst hat sich der Clan auseinandergelebt: Auf der einen Seite die Porsches, die sich zeitlebens rühmen, tüchtig gewesen zu sein, meist Internatsschüler, die früh zum Durchhalten erzogen wurden, und auf der anderen Seite die Porsches, Anthroposophen und Waldorfschüler mit der Neigung, Kompromisse einzugehen.

Als sich im Herbst 1970 die Porsches und Piëchs samt Therapeuten in Zell am See zur Aussprache treffen, fliegen trotzdem die Fetzen. Es wird entschieden, dass Mitglieder der Familie keine Führungspositionen im Unternehmen mehr besetzen dürfen. Ferdinand Piëch steigt stattdessen bei Audi ein. In Stuttgart entwickelt Ferry Porsches Sohn Ferdinand Alexander den legendären 911. Als Mitte der 1980er-Jahre die Asiaten mit ihren preisgünstigen und technisch versierten Modellen auf den Markt drängen, steht Porsche kurz vor dem finanziellen Ruin.

Wer gewinnt das Duell der Auto-Imperien — Porsche oder Volkswagen?

Es folgt die Zeit der hoch bezahlten Manager, die einerseits rationalisieren, andererseits neue Autos an den Kunden bringen sollen. Wendelin Wiedeking übernimmt 1993 den Chefposten bei Porsche und erweist sich als fähiger Sanierer. Er entwickelt den Porsche Boxster und Ende der 1990er-Jahre den Cayenne, der sich bis heute sensationell verkauft.

Auf einmal ist so viel Geld da, dass Wiedeking mithilfe von Wolfgang Porsche den Giganten VW übernehmen will, an dessen Spitze inzwi- schen sein Cousin Ferdinand Piëch steht. Bevor es zum erneuten Familien-Showdown kommt, bricht die Finanzkrise 2008 Wiedeking das Ge- nick. Die Umsatzzahlen brechen ein, Porsche wird selbst übernommen – von VW.

Piëch hat sich 2015 aus dem Aufsichtsrat von Porsche verabschiedet. Manager kommen und gehen oder werden in Abgasskandale verwickelt wie Martin Winterkorn. Die Porsches und Piëchs haben zahlreiche Kinder. Vielleicht haben sie ja doch irgendwann mal wieder Lust, im operativen Geschäft mitzumischen. Ob mitoder gegeneinander.

LESETIPP Georg Meck: »Auto. Macht. Geld. Die Geschichte der Familie Porsche Piëch«. Rowohlt 2016, € 9,95

Die Doppel­ Dynastie Porsche-Piëch

Ferdinand Porsche Er gründet das Unternehmen 1931 in Stuttgart

Ferdinand Alexander Porsche Der gleichnamige Enkel des Gründers entwickelt den berühmten Porsche 911

Ferdinand Piëch Ferdinand Alexanders 2019 verstorbener Cousin war VW-Chef und Großaktionär bei Porsche